Rückblick Schweiz Raiffeisen Superleague, 34. Spieltag

Sorry, war erst der 34. Spieltag, in der Vorschau stand „35. Spieltag“.

in Kürze:

Fast jede Paarung bietet nicht nur Brisanz — es geht überall für irgendjemanden um etwas — sondern auch Ansatzpunkte, sich wetttechnisch zu verwickeln. Und irgendwie verspürt man selbst so etwas wie Optimismus dabei.
 
Tja, also man hat nicht verloren und auch gar nicht mal so ein schlechtes Gefühl, was die Einschätzungen angeht — Luzern falsch mit -3, +6 auf Thun, -8 auf Servette, +2 auf FCZ und + 5 auf GC, macht +2 insgesamt — aber doch liefen die beiden „Absteigerspiele“  genau verkehrt herum. Man hatte sich gegen Lausanne ausgesprochen, welche gewonnen haben, und pro Servette, die klar verloren haben. Mutig war es natürlich auch, dies zu tun, da ja Luzern, der Lausanne Gegner, um nichts spielte und St.Gallen, der Servette Gegner, sogar noch an die Championsleague denken, aber doch meinte man, gute Gründe dafür zu haben. Hier lag man wohl ziemlich falsch, da die Partien ja mit 3:0 und 4:1 auch klar und deutlich ausfielen.
In den anderen Partien hat man zwar gewonnen, aber benötigte doch einiges an Glück, sowohl, was die GC Wette anging als auch jene auf Thun. Ok war es so weit natürlich dennoch.

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Lausanne Sports – FC Luzern   3:0 (1:0)
Zuschauer: 6.500   (Schnitt bisher: 5.541)
(Entfernung: 212 km)
 
Ja, man kennt alle „Gesetze“, nach denen so ein Spiel ablaufen soll. Die Frage ist nur, ob diese Gesetze für alle Paarungen Gültigkeit haben. Viel mehr ist man natürlich grundsätzlich und höchstpersönlich der Ansicht, dass eigentlich alle Fälle eine individuelle und sehr spezielle „Behandlung“ erfordern. Das gilt nicht etwa nur im Fußball, sondern eigentlich auf alle Arten von Regeln oder auch Gesetzen bezogen, die versuchen, Dinge zu vereinheitlichen.
 
Welches sind nun die vermeintlichen für dieses Spiel gültigen Gesetze, worin könnten hier die Abweichungen zu finden sein? Sie lauten so: a) in einer Paarung, in der einer muss und der andere nichts  braucht, sollte man sich lieber heraushalten und b) derjenige, der muss gewinnt auch beziehungsweise stimmt die Markteinschätzung viel genauer, als man sie selbst, geschweige denn ein Computer, hinbekäme.
 
Worin könnten hier nun die Abweichungen bestehen? 
a) Luzern muss schon  seit Wochen nicht mehr, spielt aber stets nicht nur ordentlich sondern meist auch erfolgreich. Das 1:4 in Zürich bildet nur vom Ergebnis eine Ausnahme.
b) sehr häufig ist ein Absteiger von den anderen Teams ausgemacht, auf welchen dann Jagd gemacht wird. Das „ungeliebte“ Team könnte man es nennen. Man hält zusammen gegen dieses Team. Man möchte sie nicht in der Liga haben. Außerdem: gegen sie ist das punkten mit am leichtesten, und damit das Einheimsen von Erfolgserlebnissen.
c) wenn es ein ungeliebtes Team gibt, dann ist es Lausanne und nicht Servette.
d) rein theoretisch kann Luzern sogar noch ein oder gar zwei Plätze gut machen. Das wäre ein toller Abschluss einer verkorksten Saison, in die man als Vizemeister gestartet war.
e) für den Markt gibt es nur die Kategorie „muss“ gegen „braucht nicht“, ohne besondere Differenzierungen.
 
Hier bringt es einen in der Summe dazu, dass Luzern dieses Spiel einfach gewinnt. 3 von 10 auf die 2.
 
Teamnews:
Lausanne hat keine Ausfälle,
Luzern ohne Rangelov (30, MS,  28/1/3), keine Schwächung.
 
Das wichtigste also, wenn man eine derartige Wette platziert ist, dass man sich nach dem Verlust nicht ärgert. Wobei man dazu natürlich die Chance hätte. Vor allem eben deshalb: man selbst war dringend auf ein entsprechendes Engagement der Mannschaft angewiesen, sie selbst aber nicht.
Das Spiel selbst war irgendwie sehr merkwürdig. Zunächst einmal waren zwar vergleichsweise viele Fans gekommen (was nach der Negativserie keine Selbstverständlichkeit ist), aber diese machten keine rechte Stimmung. Die Atmosphäre also im besten Falle angespannt, nicht aber auf Jubeln und echte Anfeuerung ausgelegt. Dann haben die Gäste sehr dezent, desinteressiert gespielt. Dies wäre ja nicht unbedingt verwunderlich, nur nach dem Lesen des Vorberichts und dem Platzieren einer Wette. Meist aber entsteht diese komische Atmosphäre, wenn irgendetwas faul ist an der Partie, ohne hier einen ernsten Verdacht aussprechen zu wollen. Man dürfte aber immerhin so viel sagen: Luzern wollte den Gastgebern nicht weh tun, so sah es in etwa aus.
In dem Spiel tat also Luzern wenig, während sich Lausanne bemühte und ab und zu aufs Tor schoss. Das 1:0 dennoch höchst kurios: ein Schuss, den man wirklich nur mit viel Wohlwollen als solchen bezeichnen kann, rutscht dem Torwart durch die Hände. Selbst die Engländer hätten hier von „catching practice“, Fangübung, gesprochen. Das 2:0 fast ähnlich: ein Schuss aus 50 Metern überwindet den Torwart, der dabei natürlich immer schlecht aussieht. Allerdings muss man ja auch erst einmal das Tor treffen.
Die Wette war eine Katastrophe, die Einschätzung auch.
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FC Sion – FC Thun     0:1 (0:0)
Zuschauer: 8.500   (Schnitt bisher: 10.382)
(Entfernung: 189 km)
 
Schlimmeres Chaos als in Sion kann es nicht mehr geben. Die Fans haben (endlich) die Spruchbänder ausgerollt, mit der dringlichen Aufforderung an Präsident Constantin, dass er endlich gehen möge. Sicher weiß man, dass er das Geld gegeben hat und die Titelträume geweckt hat. Aber man sieht einfach, dass die Talfahrt kein Ende nimmt mit ihm. Dann lieber einen bescheidenen Neuanfang, als der Griff nach den Sternen — mit dem Absturz in die Hölle. Vor zwei Spielen ging nach dem Schlusspfiff Xavier Margairaz auf den Präsidenten los, nach dem letzten Spiel (und einer neuerlichen, haushohen und peinlichen Niederlage) waren es zwei Spieler, sie sich noch auf dem Platz prügelten. Das bekommt man einfach nicht mehr hin, zumal der Präsident vor zwei Wochen, nach der Installation des Neu-(Alt-)Trainers Decastel ihm die Aufstellung diktierte und im letzten Spiel ihn wieder gewähren ließ. Das Ergebnis bleibt: Klatsche um Klatsche setzt es. Und es verwundert kein bisschen. Wer hat das Sagen? Wer wird aufgestellt und warum? Auf nichts gibt es eine Antwort, die einen Spieler zufrieden stellen könnte. Wo soll da Leistung herkommen? Nun ist Europa fast schon futsch –und ganz offen gestanden gönnt man es ihnen.
 
Gegenüber steht ein grundsolides Thun, welches teils berauschende Leistungen abliefert, die wirklich Spaß machen. St.Gallen UND Lausanne wurden hintereinander zu Null geputzt, und damit ist man auf einen Punkt am heutigen Gegner heran. Ein Remis wäre bereits ein Erfolg, natürlich, aber doch könnte man mit einem Sieg aus eigener Kraft nach Europa gelangen, trotz zweier noch ausstehender Spiele danach. In der Tordifferenz ist Thun bereits um 12 (!) Tore besser. Wie sollte man, falls man denn als Alien die Tabelle zu sehen bekäme, auf den Gedanken kommen, dass Sion die bessere Mannschaft ist?
 
Genug geschwätzt: 6 von 10 auf X oder 2.
 
Teamnews:
Sion ohne Arnaud Bühler (28, LV, 32/3/3), eine ganz zuverlässige Kraft, fehlt mit Gelb-Rot, Adao Joaquim (20, DM, 12/0/0), Gennaro Gattuso (35, DM, 27/1/1), Oussama Darragi (26, OM, 22/1/4), 
Thun ohne Seif Ghezal (31, IV, 23/1/0), Kevin Bigler (20, RV, ohne Einsatz), Roland Bättig (33, DM, 20/0/0), Muhamed Demiri (27, DM, 28/2/2), Mathieu Salamand (22, OM, 20/2/5), und den Langzeitverletzten Cassio Horta Magalhaes (22, MS, 10/1/1).
 
Chasoclub Sion diesmal mit sieben (!!) Veränderungen in der Startelf. Die Zuschauer zeigten auch, was sie von ihrer Mannschaft hielten. Vor allem der Fanblock blieb fast leer, dafür gab es eine Kinderaktion, die denen Gratiseintritt verschaffte, um die Stimmung zu verbessern. Gelungen ist dies nicht, es waren permanent (unterdrückte, einzelne) Pfiffe zu hören.
Dennoch war Sion in dieser Partie verbessre, bemühte sich, kam zu Chancen, zu mehr Chancen als der ebenfalls nicht überzeugende Gegner. Die Stimmung drückte aber doch mächtig, auch die bald schon verzweifelte Hoffnung auf endlich mal ein Erfolgserlebnis, so dass die Chancen nicht genutzt wurden. Man ist persönlich aber weit davon entfernt, in aller beobachteten Abfolge im Nachhinein eine Art Zwangsläufigkeit bringen zu wollen (wie es hiesige Berichterstattung tut): es war auch einiges Pech dabei, dass der Ball nicht reinging. Dennoch war zu spüren, praktisch bei jedem Angriff, dass die Skepsis gegenüber der Begeisterung bei den Zuschauern überwog. Denkbar auch, dass dies ein paar Prozente Überzeugungskraft im Abschluss kosten kann: „die pfeifen wieder, wenn ich den nicht unterbringe“.
Völlig verfehlt war die Einschätzung natürlich nicht. Am Markt war ja noch immer Sion der Favorit, und selbst wenn sie auch so auftraten, so war es keineswegs ein klarer Favorit. Sie hatten ein leichtes Plus, im Spiel und in den Chancen, der (leichte) Außenseiter hat eine seiner genutzt, der Favorit keine. Man könnte dies auch durchaus als „normal“ bezeichnen, im Sinne von „kann passieren“, ohne, dass es besonders spektakulär wäre. Der Wettvorschlag also keineswegs als schlecht zu bezeichnen.
 
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FC St.Gallen – Servette Genf    4:1 (2:0)
Zuschauer: 13.126   (Schnitt bisher: 14.071)
(Entfernung: 360 km)
 
St.Gallen hat Europa sicher. Platz 2 ist schwerlich zu erreichen und man wird auch mit Platz 3 mehr als zufrieden sein. Die Leistungen waren zwar gut, natürlich, aber doch gab es aus 5 Spielen zuletzt nur 2 Siege gegenüber 3 Niederlagen, und das 0:3 in Thun war schon deprimierend. Die Ambitionen? Zumindest fraglich.
 
Gegenüber steht ein Servette, welches sich gegen Sion in einen wahren Rausch spielte, Das sah tatsächlich viel eher nach Spitzenklasse als Abstiegskampf aus, selbst wenn der Gegner es einem möglicherweise leichter machte. Es waren tolle Kombinationen zu sehen und noch tollere Tore. Auf so einer Leistung kann man aufbauen, man hat den Klassenerhalt in eigener Hand. Sogar ein Remis kann Gold wert sein, da man Lausanne auf maximal 3 Punkte ziehen lassen müsste — und diese samt Tordifferenz in einem Spiel gut machen könnten (-1 in der Differenz im Moment).
 
Alles deutet darauf hin, dass Servette hier etwas holt. Fraglich gar, ob St.Gallen ihnen überhaupt den Todesstoß verpassen wollte, selbst wenn sie es könnten. Somit 8 von 10 auf X oder 2.
 
Teamnews:
St.Gallen ohne Marco Hämmerli (28, LV, 2/0/0), Rotsperre, und Franck Etoundi (22, MS, 21/2/3),
Servette ohne Xavier Kouassi (23, ZM, 27/2/1), Gelbsperre, Alexandre Pasche (21, OM, 32/1/2), Gelbsperre. 
Das hebt sich etwa.
 
Daneben gelegen hat man hier ohnehin, fast in jeder Hinsicht. Dennoch darf man natürlich erwähnen, dass es sich natürlich um einen Außenseitertipp handelte, dessen Verlust man ab und an einkalkulieren muss, ohne, dass man immer gleich alles falsch gemacht hätte. Hier muss man also den Spielverlauf etwas genauer anschauen, um zu Erkenntnissen zu gelangen (wobei diese ja bereits vorweggenommen ist).
Guter Besuch im eisig kalten St.Gallen. Die Stimmung ebenfalls gut, die Fans freuen sich auf und über ihr Team, die Champions League in Reichweite, die Europaleague für einen Aufsteiger immer ein Erfolg. Also an „Rüberspielen“ ist hier einfach nicht zu denken. Wenn, muss Servette für sich selbst sorgen, da ist kein „Entgegenkommen“ zu erwarten.
St.Gallen beginnt also mit Vorteilen und ihnen gelingt irgendwann das 1:0. Nichts Überraschendes, sicher auch nicht für Servette. Servette bemüht sich in der Folge, kommt zu einer Chance — nicht genutzt — und zu einer zweiten in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch einen Freistoß, bei dem alle Spieler aufrücken. Der Freistoß bringt nichts ein, der Konter aber schon. St.Gallen plötzlich mit fünf gegen drei, und schließt erfolgreich ab. So etwas nennt man dann schon ab und zu mal einen Genickbrecher. Ein 0:2 aufholen, auswärts?
Dennoch beginnt Servette die zweite Halbzeit zumindest mit dem Versuch. Nur werden sie bald erneut ausgekontert zum 0:3 und obwohl das 1:3 noch fällt, war der Weg einfach zu weit.
Dennoch, wie erwähnt, der Wettvorschlag, vor allem in den Dimensionen, nicht gut. Die Dimensionen deshalb nicht gut, weil St.Gallen eine Mannschaft war, mit welcher man sich häufiger verbündet hatte.
 
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Young Boys Bern – FC Zürich     2:4 (1:2)
Zuschauer: 15.127   (Schnitt bisher: 17.115)
(Entfernung: 126 km)
 
Die Young Boys sind ein bisschen das Sturm Graz dieser Liga. Schon (als Haupstadtclub) immer mit hohen Erwartungen, von allen Seiten, und mit einer fast selbst provozierten Katastrophensaison. Trainer weg, neuen geholt, nix gebracht. Dabei war man doch beinahe auf Kurs? Auch dies Parallelen. Selbst wenn man bei Servette mit 1:0 gewann: die Leistung war unterirdisch, der Sieg nichts als megamäßige Suppe.
 
Der FC Zürich hat in letzter Zeit mehr und mehr vor allem des überragenden Offensivpotenzials abgerufen. Mit 54 erzielten Treffern ist man klar auf Platz 2 dieser Rangliste — und könnte sogar die Bebbi noch übertrumpfen. Platz 4 in der echten Tabelle steht ziemlich fest, aber noch ist er nicht gesichert. Motivation ist also jedenfalls da und auch mit Sicherheit der Wunsch und Wille, die Erfolgsserie von 6 Spielen ungeschlagen, bei 5 Siegen, fortzusetzen.
 
Man wagt also hier, den Gästen den Sieg zuzutrauen. 2 von 10 auf die 2.
 
Teamnews:
YB ohne Christoph Spycher (35, LV, 12/1/0), Gelb-Rot, Christian Schneuwly (25, ZM, 27/1/5), Pascal Doubai (21, ZM, 12/0/0), Josh Simpson (schon die ganze Saison), Gonzalo Zarate (28, RA, 16/2/2), Michael Frey (18, MS, 29/3/3), Gelbsperre,
FCZ ohne Burim Kukeli (29, DM, 12/0/1), Oliver Buff (20, ZM, 23/1/2), Rotsperre, Davide Chiumiento (28, LA, 18/2/6).
Spricht noch mehr für den FCZ.
 
YB begann zwar bemüht, hatte einige Aktionen und ging sogar in Führung, aber danach übernahm der FCZ. Auch bei ihnen folgte ein Tor auf ein paar Chancen, allerdings blieben sie danach am Drücker und kamen zum 2:1. Auch danach kam mehr vom FCZ, und bereits in der 52. gelang das 3:1 und in der 56. das 4:1. Die Offensive war ja hoch gelobt – und sie zeigte auch, was in ihr steckt. YB bleibt Krisenclub, FC Z weiter auf dem Vormarsch, die Wette sehr gut.
 
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Grasshoppers Club Zürich – FC Basel     1:0 (0:0)
Zuschauer: 17.100   (Schnitt bisher: 8.847)
(Entfernung: 86 km)
 
Die Neuauflage des am Montag ausgetragenen Cupfinales. Der Cup ging an die Grasshoppers, verdient, wie man liest, obwohl die Entscheidung erst im Elfmeterschießen fiel (4:3, nach 120 Minuten 1:1), da man ein Chancenplus hatte. Basel also schon unter Druck: a) jenem, beweisen zu müssen, dass man wirklich die Nummer 1 ist in der Schweiz und b) jenem, dass einem, bei einer Niederlage und dann 3 Punkten Rückstand des Gegners sogar noch sämtlichen Felle davon schwimmen könnten. Umgekehrt sieht es für GC aus: die Ansprüche ohnehin nicht so hoch, und einen Bewerb hat man ja nun bereits in der Tasche, zudem dem Gegner im direkten Duell erfolgreich die Stirn geboten.
 
Gut denkbar zwar, dass die Bebbi ihren einen, so sehr benötigten Punkt mitnehmen, aber, so die Prognose, sie werden die Partie nicht gewinnen. GC spielt zwar entspannt und locker, aber dadurch nicht schlechter. Gegen den Meister ist man eh immer motiviert und die Fans werden ebenfalls strömen sowie unterstützen, das Wunder möglich zu machen.
 
5 von 10 auf 1 oder X.
 
Teamnews:
GC ohne Nassem Ben-Khalifa (21, MS, 32/5/7),
Basel ohne Darko Jevtic (20, OM, 1/0/0), Gelbsperre.
 
Ein unfassbares Spiel mit unglaublichem Drama. Wie kann es nur sein, dass es immer wieder in diesem Entscheidungsspielen dazu kommt? Die Zuschauer waren da, nachdem GC das Cupfinale (mit dem gleichen Resultat) für sich entschieden hatte. So passte schon einmal die Stimmung, was bei GC nicht immer der Fall ist. Es passte auch, dass GC eine wirklich hinreißende, konzentrierte, engagierte Leistung geboten hat. Es passt auch, dass der Tipp aufging. Nur eines passte nicht: der FC Basel war nämlich trotz allem die klar überlegene Mannschaft. So hätte man es sich niemals vorstellen können, in diesen Dimensionen. Wenn man ganz ehrlich sein soll, dann war es gefühlt die beste Saisonleistung der Bebbi. Sie hatten sich ganz dringend die Revanche für das verlorene Finale vorgenommen — und sie hatten reichlich zuzulegen.
Die Grasshoppers also wirklich gut — aber diesem Gegner absolut nicht gewachsen. Es gab eine Vielzahl von tollen, meist glänzend herausgespielten Torchancen. Bester Mann bei GC war — und man weigert sich eigentlich kontinuierlich, derartige Dummheiten, wie sie im Reporterdeutsch allgegenwärtig sind, von sich zu geben, nur stimmt es hier halt — der Torwart Roman Bürki. GC war so gut, dass sie auch ein paar eigene, meist ebenfalls sehr gute, Torchancen produzierte. Nur hatte der Gast wohl etwa doppelt so viele.
Zum Drama dies: in der 89. ein Riese für Basel, als Streller alleine vor dem Torwart auftaucht. Nun ja, so meint mal, hat er halt verpasst, konnte passieren. Aber es steht ja noch 0:0, und ein Remis ist so gut wie sicher der Titel (6 Punkte wäre es Vorsprung, und +18 Tore, auf zwei Spiele). Nur kommt die 93. Minute. Und diesmal ist nicht nur Streller alleine und frei durch, sondern es läuft einer mit, Salah. Nun hat Streller diese Möglichkeiten: selbst schießen, den Torwart ausspielen und dann einschieben, oder halt quer legen auf Salah. Er legt quer. Nur kommt der Ball ein bisschen zu steil, Salah kann ihn nicht ganz direkt ins leere Tor schieben. So nimmt er den Ball an, nimmt ihn herum, noch immer steht Streller frei vor dem Tor. Er könnte selbst schießen — inzwischen ein Verteidiger im Weg, der Tormann ebenfalls auf dem Weg zurück — oder quer spielen. Auch er wählt den Querpass. Auch er spielt ungenau, der Torwart kommt dazwischen — Chancen vertan. Aber was machte es, da 3 Minuten über die Zeit und ein 0:0 genügt?
Während sich nun Streller und Salah noch immer die Haare raufen, läuft der Gegenangriff. Tatsächlich kommt der Ball in den Strafraum Kopfballablage, Ngamukol frei, vor dem Torwart am Ball, überlupft ihn, mit etwas Glück — das 1:0! Unfassbar, wirklich, vergleichbar mit dem Matchball des Boris Becker gegen Ivan Lendl, als der Ball nach 48 Mal hin und her von der Netzkante auf der Lendl Seite herunterfällt. Warum nur immer wieder in den entscheidenden Spielen diese unglaubliche Dramatik?
Die Wette war kein bisschen gut, und es lag kein bisschen an einer Fehlbeurteilung der Gastgeber. Lediglich Basel hat man nicht eine derartige Leistungssteigerung zugetraut. Sie haben alles gezeigt, was einen echten Champ ausmacht — nur das Tore schießen vergessen. In diesem Moment empfindet man tatsächlich trotz der gewonnenen Wette viel eher Mitgefühl. Weil: Ungerechtigkeiten mag man irgendwie auch nicht.
 
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