Rückblick Schweiz Raiffeisen Superleague, 26. Spieltag

in Kürze:

Auch in dieser Liga stets die Frage zu stellen: worum geht es für die einzelnen Teams? Natürlich geht man schon einzeln darauf näher ein, allgemein sei hier nur erwähnt, dass es in kleineren Ligen häufig der Fall ist, dass sich größere Lücken auftun. Begleiterscheinung: es geht oftmals schon frühzeitig nicht mehr um so viel für einige Mannschaften. Nach vorne nicht, nach hinten nicht. Die Meisterentscheidung ist nicht gefallen, aber doch könnte man es eine Vorentscheidung nennen. Hinten sieht es ähnlich aus: selbst wenn überbrückbar scheinend, es dürfte kaum mehr zu packen sein für Servette. So stehen wohl einzig die Entscheidungen um Europa an. Willkommen, wenn es anders läuft…
 
Servette jedenfalls hat sich nicht ergeben, sondern einen Sieg geholt bei YB. Da hat man sich schon mal geirrt. Zugleich gewinnt Basel nicht und GC schon. Doch Spannung? Nur ein Punkt Rückstand.
 
GC gewinnt sogar, +4 Einheiten, -3 auf Lausanne, macht geschmeichelte +1, und die beiden Neigungen waren auch nichts (YB gewinnt, Luzern verliert nicht). Nicht gerade toll.
 
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FC Sion – FC Luzern     2:1 (1:0)
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Zuschauer: 9.800  (Schnitt bisher: 11.092)
Beide Mannschaften nicht gerade sehr gesund. Sion seit 5 Spielen ohne Sieg, aber zuletzt doch leicht verbessert mit zwei Remisen. Trotzdem natürlich eine Katastrophe, was der allmächtige Constantin da angerichtet hat mit seinen permanenten, nicht nachvollziehbaren, personellen Entscheidungen. Und inwieweit er gar auf die Mannschaftsaufstellung Einfluss nimmt, sei dahin gestellt, aber er taucht verdächtig nahe bei der Trainerbank auf, wenn es mal nicht so läuft — und das tut es (dadurch?) wohl dauerhaft. Entsetzlich, wirklich, und ein wahres Trauerspiel, weil so viel Potenzial in dem Team steckt, dass man ihnen zu Saisonbeginn ernsthaft einen Überraschungscoup zutraute — damals schon mit der Bemerkung, falls Constantin sich heraushält.
 
Nur sieht es bei Luzern kein bisschen freundlicher aus. Bei ihnen sind es 10 Spiele ohne Sieg und zuletzt gar einem 0:4 daheim. Gut, es war gegen die Bebbi, aber doch kann man es ja schwerlich zum Tanken oder als Erfolg hernehmen. Davor standen immerhin drei Remisen, die auf einkehrende Stabilität hindeuteten. 
 
Wen sollte man hier nun nehmen? Auf keinen Fall Sion, so viel steht fest. Aber Luzern etwas zutrauen? Ja, man betrachte es als leichte Neigung, dass Luzern hier nicht verliert. Zu krank einfach der FC Sion, rundherum.
 
Teamnews: 
Bei Sion fehlt Adailton (29, IV, 7/0/0, als Winterneuzugang), Xavier Margairaz (29, RM, 16/5/1)
Bei Luzern fehlt außer den Langzeitverletzten, unbedeutenden zwei Spielern Wüthrich und Leczano niemand.
 
Erstaunlich die Zuschauerzahl. 9.800 nach einer derartig schlechten Serie? Gegen einen Gegner, der ganz hinten steht? Ist das grenzenloser Optimismus oder sind die Leistungen vielleicht nicht gar so schlecht?
Dieser Sieg hier war nicht verdient. Man hat halt ab und an mal ein Tor erzielt und hinten eines weniger kassiert, aber nicht wirklich gut gespielt. Gut waren eher die Gäste, die aber nicht zu dem aus ihrer Sicht verdienten Remis kamen. Erwähnt werden muss dringend, dass Luzern schon wieder einen neuen Trainer hat. Komornitzki musste gehen, Carlos Bernegger nun im Amt. Was soll der ganze Unsinn? Siege erzwingen, Glück erzwingen, alle Mannschaften gehören auf Platz 1 und wer nicht dort steht, wechselt den Trainer? Irrsinn. Aber so scheint sie zu sein, die (Fußball-)Welt.
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FC Zürich – Grasshoppers Club Zürich    2:4 (1:2)
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Zuschauer: 16.111   (Schnitt bisher: 10.406)
Das Derby passt einem sehr gut: da müsste man nämlich nicht lange argumentieren, um das Pass zu rechtfertigen. Wobei: wenn man etwas genauer hinschaut findet sich vielleicht doch ein Ansatzpunkt? Sicher war der FCZ das (zweite) Team der Stunde (denn am FCB kommt keiner vorbei), aber doch haben sie zuletzt ein 1:3 daheim von St.Gallen kassiert. Und: der Spielfluss, der zuletzt so sehr beeindruckte, kam kein bisschen auf. War es das richtige Rezept, was St. Gallen gefunden hatte oder lag es an schwächelnden Zürchern? Wie auch immer: es war keine gute Bewerbung für das Derby.
 
Sicher hat GC derzeit eine Ergebniskrise und eine Torflaute. Zwei Mal in Serie stand die 0 vorne, einmal davon nur hinten. Die Tabellenführung ist futsch und die Bewegungsrichtung der Rücklichter des FCB dürfte man nicht ernsthaft in Zweifel ziehen: sie entfernen sich. 
 
Das mag alles zutreffen, aber doch war das Spiel gegen den FC Luzern, das 0:0 endete, eine so gute Vorstellung, dass man sich gerne ihrer entsinnt. Auf dieses Potenzial möchte man gerne vertrauen, welches tatsächlich für die eine Partie in Thun verschütt gegangen war. Aber ist es nicht doch eigentlich vorhanden? 
 
Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht optimal, die grundsätzlichen Vorraussetzungen auch nicht, auch nicht der Charakter des Spiels als Derby — da sich nämlich häufig in dieser Saison zeigte, dass der Heimvorteil kaum geringer ist als andernfalls –, aber doch würde man dem GC gerne ein weiteres Mal das Vertrauen schenken.
 
4 von 10 auf X oder 2.
Teamnews: 
Beim FCZ fehlen weiterhin Burim Kukeli (29, ZM, 12/0/1) und Mario Gavranovic (23, MS, 22/5/4), und Mohamed Amine Chermiti (25, MS, 17/6/1)
bei GC fällt niemand aus 
 
Somit 5/10 auf die X/2.
 
Ein unglaubliches Spiel, mit unfassbarer Leidenschaft beiderseits geführt, wobei hier die Grenzen der Sportlichkeit an allen Ecken und Enden weit überschritten wurden. Unfassbar, dass der Sprecher in der Zusammenfassung mit den Worten schließt: „Werbung für den Schweizer Fußball.“ Auch dies ist bereits bedrohlich nahe an deutschem Standard. Denn: hiesige Kommentatoren können auch nichts außer die Tore zählen. Da das Spiel hier 2:4 ausging, nennt man es dann eben Werbung für den Fußball. Wie kann das Werbung sein, wenn permanent gefoult wird und die Zweikämpfe weit davon entfernt sind, nur (wie es vielleicht in den 60er Jahren mal üblich war) ansatzweise „rassig“ zu sein? Es hätte in etwa 6 Elfmeter geben können/müssen, der Schiri entschied sich „salomonisch“, je einen zu verhängen. Da er dann hier nicht hatte, konnte er natürlich dort auch nicht und so weiter… Korrekt war aber nichts davon, vor allem nicht die „Regelauffassung“. In mindestens zwei Situationen gehen die Hände wieder zum Ball (oder halt der Ball an die Hand, bei verbreitertem Körper). Da zugleich die Flugrichtung (entscheidend, da zuvor Richtung Tor oder Innenraum unterwegs) beeinflusst wird, ist es doch völlig müßig, von einem „absichtlich“ oder „unabsichtlich“ zu reden. Hier sind die Folgen entscheidend, und die sind in allen Fällen Tore verhindernd gewesen.
Zugleich aber gab es ein paar Beinscheren, Tritte und was nicht alles. Einmal schießt ein GC Spieler aus dem Strafraum, bekommt den Ball gerade noch vom Fuß, wird aber gleichzeitig von hinten abgegrätscht. Der Ball verkommt zur Murmel, die nicht einmal das Tor trifft, sondern daneben kullert. Falls dies eine vergleichbare Situation im Mittelfeld wäre, dass ein Passgeber im Moment des Abspiels von hinten (dabei genügte eine viel geringere Behinderung) behindert würde, da würde man nie und nimmer über den Freistoß diskutieren, im Gegenteil, lediglich das Gelb in der Folge, welches, je nach Schwere, ebenso folgerichtig wäre. Im Strafraum, noch dazu beim Torschuss, soll es plötzlich gar nichts sein? Nein, so denkt der Schiri wohl (und alle Welt stimmt ein): „Nachher fällt noch ein Tor. Und wer will das schon?“
Von „verdient“ zu reden, erübrigt sich unter diesen Umständen. Man selbst hat genau das Gegenteil von „Werbung“ gesehen (welches da „Antiwerbung“ ist). Da macht es keinen Spaß. Vor allem dies nicht: es gelingt durch diese Art des überharten Spiels, den Fußball kaputt zu bekommen, die wahrhaften spielerischen Highlights zu minimieren, wenn bei jeder Aktion zu viel Körper eingesetzt wird. Man geht einfach immer drauf auf den Gegner. Entweder hat man durch Zufall den Ball erwischt, oder den Gegenspieler, wichtig dabei eins: die Aktion wird nichts. Wenn es nicht gelingt, mit Regeln (oder schlicht deren Anwendung) dieses Verhalten zu verhindern, dann geht der Fußball beinahe zwangsläufig kaputt. Oder meint der Sprecher, die Werbung besteht darin, dass man, egal, mit welchen Mitteln, seine Ziele erreichen muss? Haut alles kaputt, was sich euch in den Weg stellt. Vor allem brauchen wir wohl mehr Hooligans im Stadion, denn die verhalten sich in etwa so, wie es hier die Spieler taten. Rowdytum Tür und Tor geöffnet. Der Schiri irrt hilflos dazwischen rum, anscheinend ohne Maßnahmen, dies zu verhindern. Die Hools könnten eigentlich zur eigenen Gaudi parallel das Stadion zerlegen. „Wir machen es doch nur wie dir.“ Bewegung im rechtsfreien Raum.
Nein, GC war nicht das bessere Team.
 
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Lausanne Sports – FC Thun    2:4 (2:2)
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Zuschauer: 4.300   (Schnitt bisher: 5.917)
Die Richtung, in welche man hier argumentieren möchte, ist einem eigentlich gleich klar, nur fällt es nicht ganz leicht, sie einzuschlagen. Somit also ohne lange Umschweife: Lausanne soll es machen. Wie kann man dieses Pferd nun aufzäumen? Etwa von hinten?
 
Also: Thun hat Ngamukol ziehen lassen (und zwar zu GC). Seitdem haben sie dennoch nicht aufgehört, Punkte zu holen und gut zu spielen, zuletzt gar den GC besiegt (wobei ausgerechnet jener Ngamukol bei der Rückkehr völlig blass blieb, seinem Ex-Club wohl keinen Schaden zufügen wollte?!). Damit also gäbe es ja wohl kaum Argumente gegen Thun? 
 
Ja, Lausanne also: sie haben sich gegen YB im eigenen Stadion vielleicht ganz gut gewehrt, aber keine eigene Initiative entwickeln können. Zwei eigene Chancen vielleicht, aber ein Haufen für den Gegner. Somit das 0:0 nichts als glücklich. Davor hat man in St.Gallen mit 1:3 verloren. Wo ist nun das Positive, welches für Lausanne spricht?
 
So sieht also ein von hinten aufgezäumtes Pferd aus. Was, wenn man sich da nun raufschwingen möchte? Was könnte nun einen Tipp auf die 1 rechtfertigen?
 
Man schaut einfach mal die Tabelle an. Was stellt man fest? Trotz aller so guter Leistungen der einen und der mangelhaften der anderen liegt nur ein einziger Punkt zwischen diesen Teams. Wie war das denn möglich? Sollte es reiner Zufall sein (der Reiner, der Spekulant)? Die Tore sind sogar gleich, bei jeweils -9. Wie kommt das nur? Thun also das klar bessere Team? Das geht aus diesen Werten nicht hervor. Und: falls Thun nun ausgerechnet in letzter Zeit etwas besser gespielt hat, dann müsste es einen ebensolche Phase ja auch bei Lausanne gegeben haben. Soll die lange zurück liegen?
 
Zudem vertraut man darauf, dass die beiden stärker pigmentierten mal wieder eine ihrer Galas abliefern. Moussilou und Malonga stehen wirklich für Sonderklasse. Immer wieder — so auch bei den wenigen Szenen gegen YB — hält man den Atem ein, wenn sie einen Angriff zusammen vortragen. Eine solche Klasse HATTE Thun mal im Team, nur haben sie exakt diesen Mann abgegeben. Ein weiteres gutes Argument: beide haben vielleicht derzeit nicht die maximale Panik wegen des einzig ernsten Ziels, dem Klassenerhalt (Servette liegt 9 bzw. 10 Punkte zurück und Luzern ist noch dazwischen), aber doch ist die Chance, den Gegner in einem (Heim-)Spiel zu überflügeln, eine Sondermotivation.
 
Insofern wagt man hier, 3 von 10 auf die 1 zu setzen.
 
Teamnews: 
Lausanne fehlen Ibrahim Tall (31, IV, 16/0/0), sowie Bashkim Sukaj (21, MS, ohne Einsatz),
bei Thun gibt es keine Ausfälle.
 
Nix mit Lausanne, allerdings spürt man der Argumentation schon ein wenig an, dass sie entweder an den Haaren herbeigezogen oder aus den Fingern gesogen ist. Thun war einfach besser, das muss man anerkennen. Anfangs überrollten sie Lausanne, erzielten bald zwei Tore, eigentlich ein drittes — mal wieder einfach so aberkannt — und gestatteten nur durch einen kuriosen Rückpass von der Mittellinie, den Moussilou mit einigem Glück erlief und durch brachte, das 1:2. Danach ein Standard (Flanke aus dem Halbfeld vors Tor, Richtung Tor, irgendein Schädel kommt heran), so stand es 2:2. Danach vielleicht eine Weile lang die Partie ausgeglichen (was die Wette noch lange nicht gut machen würde), dann aber wieder kurzer Prozess der Thuner, 2:3 und 2:4, völlig verdient. Thun einfach gut drauf und Lausanne schwach.
 
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Young Boys Bern – Servette Genf    0:2 (0:0)
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Zuschauer: 13.817   (Schnitt bisher: 17.876)
YB sah gut aus, beim 0:0 in Lausanne, war klar dran am Sieg. Davor spielte man daheim 0:0 gegen Sion und war auch da näher dran. Dennoch stehen nun schon drei Spiele ohne eigenen Treffer. Überhaupt scheint der äußere Druck sich nicht wirklich positiv auszuwirken, denn Europa ist Pflicht und selbst dann steht die Zukunft des Vereins — und damit jene der Spieler — in den Sternen. Der finanzielle Druck ist auf jeden Fall eine Last.
 
Servette wehrt sich zwar im Kampf gegen den Abstieg, hat zuletzt auch in Sion einen Punkt geholt — und wird es doch nicht packen können. Vor allem beim Blick darauf, welchen Konkurrenten man eigentlich schnappen wollte? Die, die am nächsten dran sind, der FC Luzern, habe wohl sicher ein zu hohes Potenzial. Jene davor, über die davor länger philosophiert wurde, sind erstens halt weit weg, und außerdem haben auch sie auf keinen Fall ein geringeres Potenzial. Woher soll man also die Hoffnung nehmen? Zumal das Team schon zuletzt — trotz der erwähnten Gegenwehr — ab und an mal etwas lethargisch wirkte. Nur ein Qualitätsproblem (was auch schon schlimm genug wäre) oder bereits Anzeichen von Kapitulation?
 
Da kam keinen der beiden guten Gewissens empfehlen könnte, bleibt es beim Pass. Die Neigung aber doch, dass YB das Spiel zieht.
 
Teamnews: 
Young Boys müssen weiterhin verzichten auf Francois Affolter (22, OB, 3/0/0), Christoph Spycher (35, LV, 9/1/0), und Josh Simpson, die ganze Saison schon.
Servette hat Full House.
 
Nun ja, es war ja glücklicherweise nur eine Neigung. YB weit davon, das Spiel „zu ziehen“. Das war schrecklich und die noch immer zahlreich erschienenen Fans quittierten die Leistung auf ihre Art: mit Pfiffen, die sich aber Mitte der ersten Hälfte nicht mehr unterdrücken ließen. Hinten offen, wie ein Scheunentor und nach vorne keine Gefahr. Das sah schon ganz arg nach „Arbeitsverweigerung“ aus, die vermutlich gegen Trainer Rueda gerichtet war. Er wird wohl kaum bleiben, davon ist jetzt auszugehen.
Servette musste eigentlich nur ab und an mal die gegebenen Räume nutzen, was ihnen auch gelang. So sollte man ihre Leistung nicht beurteilen. Witzig aber doch, dass ausgerechnet der von Bern nach Genf gewechselte Vitkiewicz (per Hacke) das 0:1 erzielte und sich doch ausgiebig freute, den Verantwortlichen eins ausgewischt zu haben.
Neueste News: Rueda ist bereits entlassen. Neuer Trainer: Joel Magnin. Er kommt von der U21.
 
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FC St.Gallen – FC Basel    1:1 (0:0)
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Zuschauer: 19.500   (Schnitt bisher: 13.671)
So stark, wie St. Gallen beim 3:1 beim FCZ war, würde man wirklich nicht gerne gegen sie antreten. Auch davor schon gab es ein 3:1 gegen Lausanne, bei welchem man, speziell in der ersten halben Stunde, den Gegner förmlich überrannte und durchaus schon höher als 3:0 hätte führen können. Oscar Scarione at his best. Ein absoluter Ausnahmespieler der Liga, der Tore auflegt und selbst abschließt. Ein typischer 10er, mit reichlich Zug zum Tor, und ein Spezialist der Standards.
 
Über den FC Basel muss man eigentlich gar nichts mehr sagen: sie haben die Spitze übernommen und schon seit einiger Zeit scheinen alle zu spüren — vor allem die Konkurrenz — dass man sich günstigere Zeitpunkte zum Besiegen der Bebbi aussuchen muss als die zweite Saisonhälfte: sie sind eingespielt, sie sind in Tritt gekommen, sie walzen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. 
 
Gerade gegen St.Gallen aber, in der derzeitigen Verfassung, höchst ungern, also lieber Finger weg. Ein Pass.
 
Teamnews: 
bei St.Gallen fehlen Marco Mathys (25, OM, 25/3/2), Gelbsperre, Mikael Ishak (20, MS, 6/1/0), Cavusevic (25, MS, 13/4/2), 
bei Basel sind alle fit.
 
Sehr guter Beginn des FCSG vor ausverkauftem Haus. Engagierter Fußball, mit viel Herz und Leidenschaft und mit viel Mut und Risiko nach vorne, ohne Angst vor großen Namen. Das war wahrhaft großartig, wie sie hier dem Seriensieger zusetzten. Und was hört man nach etwa einer halben Stunde vom überall nun anerkannt auf deutschen Niveau agierenden Sprecher? „Wir haben schon bessere Fußball Unterhaltung erlebt.“  Was? Was war das denn? Sagt man es einfach so, als Floskel, weil es der große Nachbar ja auch ständig tut? Hat man nicht gespürt, auch nicht als Ansager, dass hier der wahrhaft gute Fußball gespielt wurde, Torchancen hin oder her? Hier wurde zwar hart gekämpft, aber längst nicht unfair, hier kam es nicht zu einem Chancenfestival, das mag wohl sein, aber die Stimmung im Stadion war begeistert, das spürt man doch eh schon, und jeder, der auch nur einen Funken Ahnung von Fußball hat, muss doch spüren, dass es der Außenseiter ist, der sich hier den Favoriten vom Leibe hält, eher selbst daran arbeitet, die Führung zu erzielen? Da muss man doch auch die Vorzeichen berücksichtigen, wie schwer es ist, Basel vom eigenen Tor fern zu halten, in einem mit offenem Visier geführten Kampf selbst nach vorne zu gelangen und auf die Führung zu drängen? Unfassbar also, wie es sogar in der beschaulichen Schweiz gelingt, auch hier einem Zuseher den Spaß zu verderben. „Ach, keine gute Unterhaltung? Na, dann schau ich lieber den Tatort.“ Was ist das Ziel dieser ganzen Kommentierung? Selbst wenn es stimmen würde, dass es wenig unterhaltsam wäre, dann hätte man es nicht zu sagen. Es wäre vergleichbar damit, sich auf den Markt zu stellen und herumzuschreien, dass die eigenen Eier klein, faul und viel zu teuer sind und man sich bitte bei der Konkurrenz welche beschaffen möge.
Insgesamt St.Gallen näher dran, das hielt sich auch in der zweiten Halbzeit so. Als endlich das 1:0 gelang, blitzte die Klasse einmal kurz danach auf, beim Gegentreffer zum 1:0. Natürlich sind die Bebbi immer in der Lage, auch aus dem Nichts ein Tor zu erzielen, so hier geschehen. Danach eine umkämpfte Partie, weil tatsächlich bis zum Schluss St.Gallen drängte, aber auch der Gast ab und an gefährlich vor dem Tor auftauchte. Zwei Mal konnte der Schiri hier Elfmeter geben — die typische Szene: Handspiel im Strafraum, welches auch unstrittig ist, nur kommen nun alle möglichen Ausreden zum tragen. Der Elfmeterpfiff kommt gefühlt einem Torentscheid gleich. Und diese Tragweite traut sich der Schiri nicht zu (das das unerkannte Problem). Da aber auch jeder Zuschauer und Trainer und Kommentator von dem gleichen Bazillus befallen ist (der kann übergeht in „bei einem Entscheid für ein Tor muss man sich aber ganz sicher sein, dass alles niet- und nagelfest ist“) , sind sich alle einig: Elfmeter wäre zu hart, also gibt man ihn nicht, egal, was in den Regeln steht (das bedeutet, dass diese dringend umgeschrieben werden müssten).
Da aber St.Gallen ein klares Tor einfach so aberkannt wurde (hier wurde auf Offsete erkannt, welches weder vom Torschützen noch von seinem nicht den Ball annehmenden Nebenmann gegeben war), bleibt das Urteil: St.Gallen die bessere Mannschaft und näher dran am Sieg.
Kurios noch eine Szene übrigens im Baseler Strafraum (nur, um das Urteil zu festigen): Scarione rumkurvt gekonnt zwei Gegenspieler, dringt mit Ball am Fuß von außen in den Strafraum ein. Der zuletzt überspielte Verteidiger stürzt sich von hinten in Scarione hinein (also ohnehin ein klares Foul, plus eigentlich unvermeidlich mindestens Gelb), da aber Scarione darauf nicht reagiert und einfach weiter spielt (klar weiß auch er, dass ein Fallen nicht den Elferpfiff garantieren würde, zumal das Ganze direkt auf der Strafraumlinie geschah), greift der Baseler Abwehrspieler zur letzten Rettungsmaßnahme: er versucht, im Sturze mit der Hand den Ball zu angeln, natürlich weiterhin vorgebend, dass dies nur Folgen seines Sturzes wären und er keineswegs diese Absicht hatte, vielleicht hofft er tatsächlich, gänzlich straffrei auszugehen, aber er erreicht den Ball auch nicht ganz, nur ist die Absicht klar, Scarione spielt noch immer weiter, versucht den Kunstschuss aufs Tor, aus etwas spitzem Winkel, den der Torwart aber parieren kann.
Logisch ist sowohl der Sturz des Verteidigers als auch das beabsichtigte Handspiel trotz des erfolgten Weiterspielens eine klare Behinderung, die die erfolgreiche Toraktion fast unmöglich machen. Zudem sind BEIDE Aktionen nicht nur klar regelwidrig sondern auch krass unsportlich, da die Absicht eindeutig ist, egal mit welchen Mitteln, einen erfolgreichen Abschluss zu verhindern. Dies ist gegen den Geist des Spieles gerichtet und sollte, da sogar doppelt anzutreffen, mit insgesamt Rot geahndet werden, Zugleich aber war die Toraktion ja eingeschränkt dennoch möglich. Falls man nun von genommenem Vorteil spräche, so hätte man ja die Auswirkung des Vorteils gesehen: Kein Tor sondern Abschlag. Wo war da der Vorteil? Er war nicht gegeben. Folglich hätte es, bei Regelauslegung im Geiste des Spiels a) zunächst die wunderschöne Aktion des Oscar Scarione zu sehen gegeben. Danach hätte der Schiri — ob Tor oder nicht — den Basel Verteidiger vom Platz stellen müssen, und danach — abhängig ob Tor oder nicht — Elfmeter verhängen müssen. So die einzig richtige Auslegung der Regeln, welche jedoch dafür nicht verändert werden müssten. Im Sinne des Spiels gedacht hätte man Toraktionen en masse erzeugt (oder die Verteidiger gewöhnen sich die schändlichen Aktionen ab, was aber den gleichen Effekt hätte), man hätte die Spieler geschützt, das Publikum viel besser unterhalten und für Gerechtigkeit gesorgt. Wo ist der Haken an der Überlegung? Es gibt keinen. Unverständnis steht dem im Wege, und das ist weltweit verbreitet.
 
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