Rückblick Schweiz Raiffeisen Superleague, 25. Spieltag

in Kürze:

So häufig man vielleicht betonte, dass der FC Basel den Titelkampf wohl letztendlich doch für sich entscheiden dürfte: hier und heute gesteht man gerne ein, dass man, nicht nur pekuniär, den Grasshoppers die Daumen hält. Nicht etwa, dass man Basel nicht mag, keineswegs. Aber es wäre sowohl wegen der Spannung wünschenswert, aber auch, weil man sich an den guten Leistungen des GC erfreut und es irgendwie doch ungerecht fände, wenn es „wie immer“ ausgehen würde.
 
Der wichtigste Tipp ging verloren, und das völlig verdient. Da die beiden anderen aufgingen, hält sich der Schaden in Grenzen (-10, +4, +5 = -1). Zugleich war es wichtig, beim FCZ nicht das Fähnchen nach dem Wind zu stellen. Manchmal sind wohl erwogene Passes genau so wertvoll wie gewonnene Wetten.
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FC Sion – Servette Genf   1:1 (0:0)
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Zuschauer: 11.800   (Schnitt bisher: 11.092)
Sion ist so etwa das Rapid Wien der Schweiz. Die Krise beinahe maximal. Mit dieser Mannschaft möchte man eigentlich absolut rein gar nichts zu tun haben. Obwohl sie ausgerechnet im letzten Spiel beim 0:0 in Bern ganz leichte Anzeichen von Besserung aufwiesen. Servette wehrt sich nach Kräften — wobei die Einschränkung in dem Ausmaß der verfügbaren Kräfte liegt. Selbst wenn sie gegen den FCZ im letzten Spiel nur kurz vor der Schluss und in dem Sinne unglücklich verloren, so war die Beschränktheit der  Möglichkeiten doch einmal mehr deutlich zu spüren. Es wird ein extrem harter und weiter Weg zurück bei 6 Punkten Rückstand und angesichts der Möglichkeiten und Befähigungen der Konkurrenz kann man nur dies orakeln: ein zu weiter Weg, der stattdessen in die Zweitklassigkeit führt. Da man dies bereits selbst als Akteur, Trainer, sonstwie Verantwortlicher spürt, ist wohl kaum noch mit einem besonderen Aufbegehren zu rechnen.
 
Für diese Partie bedeutet dies: keine der beiden Mannschaften anrühren. Passen.
 
Teamnews:
Sion muss verzichten auf Gattuso wegen Gelbsperre und weiterhin auf Margairaz, beide natürlich wichtig.
Servette hat alle Mann an Bord. 
Die Partie ziemlich ausgeglichen. Sion mit wieder mal neuem Trainer (Arno Roussini), dem Umstand ist aber keinerlei Bedeutung beizumessen. Man sieht schon, dass Anlagen in dem Team vorhanden sind, daran kein Zweifel. Zugleich spürt man aber auch, dass ein Mangel an Konstanz in der Trainerfrage Leistungs hemmend wirkt. So soll vermutlich permanent ein neues System einstudiert werden, zugleich aber im nächsten Spiel ein Sieg her. Damit ist man zwangsläufig überfordert, auf Trainer- wie auf Spielerseite. So wird das nichts und dies ist sehr wohl als langfristige Prognose aufzufassen (wobei man bereits für morgen die Ausrede bereit hält: was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern“).
Servette sah ganz ordentlich aus, aber der Abstand wird natürlich mit Remisen schwer, aufzuholen sein. Noch sah es keineswegs nach Kapitulation aus.
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FC Thun – Grasshoppers Club Zürich    1:0 (1:0)
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Zuschauer: 5.084   (Schnitt bisher: 5.388)
GC hingegen ist exakt vergleichbar mit der Wiener Austria, mit dem winzigen Unterschied, dass sie bereits (unglücklich) vom Platz an der Sonne verdrängt sind, was bei der Austria noch aussteht, falls es denn je geschähe. Dennoch kann man an dieser Stelle nur wiederholen: absolut gesund, der GC, und mit einer Leistung, die geneigt wäre, einen jeden Lügen zu strafen, der sich hinstellt und behauptet, der FC Basel ist die bessere Mannschaft. Es gab nur ein 0:0 gegen Luzern, aber es gab nichts auszusetzen, außer, dass der Ball nicht rein wollte.
 
Mag sein, dass man hier oder da lobende Worte für den FC Thun fand. Aber doch ist das Potenzial speziell seit dem Weggang von Ngamukol eingeschränkt. Sie fühlen sich wohl in der Außenseiterrolle und haben diese oftmals gut genutzt. Aber doch schaue man auf die Bilanz: in den letzten 4 Spielen kein einziges Tor. Und selbst wenn zwei 0:0 darunter waren und der Abstieg bei 8 Punkten auf Servette derzeit kein Thema ist: sie sind einfach nicht besonders gut. 
 
Hier heißt das: GC zieht dieses Spiel. Und ist ist einem satte 10/10 wert.
 
Teamnews:
Thun ohne Dennis Hediger (26, DM, 14/0/2) und Renato Steffen (21, LM, 10/2/4), 
GC ohne Ausfälle. 
 
Irgendetwas war sehr merkwürdig an diesem Spiel. Das war absolut nicht der GC, wie man ihn zuvor gesehen hat. Merkwürdig aber speziell, dass der Markt dies vorhergesehen zu haben schien? Unerklärlich, die eigene Fehleinschätzung, mit der man sich so vehement dagegen stemmte. Basel hatte ja noch nicht gespielt, also stand die Tabellenführung „auf dem Spiel“. Mit einer derartigen Leistung wird es nichts, nicht einmal damit, die Baseler noch eine Weile lang ärgern zu können.
Es gab nur eine Phase zu Beginn der 2. Hälfte, als GC ein wenig Druck entwickelte und am 1:1 dran war. Der Rest war Schweigen. Eher hätte Thun höher gewinnen sollen. Ngamukol, der von Thun nach Zürich gewechselt war und einer derjenigen, warum man GC haben wollte, total untergegangen im Spiel gegen seine Ex-Kollegen.
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FC Zürich – FC St.Gallen    1:3 (0:0)
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Zuschauer:  10.691 (Schnitt bisher: 10.406)
Das Problem mit dem FCZ ist: der Markt spürt genauso wie man selbst, dass das längst attestierte Potenzial zur Entfaltung bereit steht. Übersetzt heißt das: man bekommt einfach keinen Kurs mehr auf sie. Seriensieger sind eh immer ziemlich beliebt von Wetterseite her, so dass die Kurse da eh immer ziemlich rasch gedrückt sind. Wenn es denn aber noch eine Mannschaft betrifft, der es sozusagen jeder zutraut, rauschen sie in den Keller.
 
So gerne man sich als Trittbrettfahrer betätigen würde — sofern es denn ertragreich wäre –, so sehr rät einem die Vernunft und die Erfahrung: „Tu es nicht!“ Zumal ja hier ein Gegner gegenüber steht, der mit dem 3:1 gegen Lausanne speziell in der ersten halben Stunde gezeigt hat, dass sie sehr wohl zu Leistungen (und Ergebnissen) wie in der Hinserie in der Lage sind. So wäre der Zeitpunkt und die Gelegenheit denkbar ungünstig, sich hinter den (so arg gedrückten) FCZ zu stellen.
 
Das bedeutet in der Summe: ein Pass.
 
Teamnews:
FC Zürich ohne Burim Kukeli (29, ZM, 12/0/1) und Mario Gavranovic (23, MS, 21/5/4)
St.Gallen ohne Mikael Ishak (19, 6/1/0) als Winterneuzugang, und ohne Cavusevic (25, MS, 13/4/2)
 
Ein kluges Pass, wenn man so will. Sich nicht gegen St.Gallen zu stellen, zugleich nicht hinter den FCZ (was so wunderbar zu passen schien), hat sich bewährt. Höchstens könnte man sich fragen: warum nicht St.Gallen nehmen? Der Franzose sagt dazu: „On ne peut pas tout avoir“, man kann nicht alles haben.
Zürich versuchte lange Zeit, das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Es gelang aber wenn überhaupt nur mit viel Mühe und ohne die ganz großen Torchancen. Ein intensives Spiel, so kann man es nennen. Nach 60 Minuten gelang den Gästen die Führung. Der Zufall half mit: der Schuss war zwar gut und platziert, aber doch wäre er wohl nicht rein gegangen, wenn er nicht abgefälscht worden wäre. Kurze Zeit später gar das 2:0 durch den bereits vielfach hervorgehobenen Oscar Scarione, der sowohl Tore vorbereitet als auch erzielt. Topscorer der Liga (oder einen hinter Streller?). Er kommt aber auch eher durch Zufall an den Ball, im Strafraum, macht es dann aber äußerst geschickt.
Zürich kommt mit wütenden Angriffen zurück. Alle Mann im Strafraum, ein Schuss aus dem Rückraum, den der Torwart nicht sieht, das 1:2. Danach noch Dauerdruck bei entblößter Abwehr, in der 90. das 1:3.
Sehr guter Auftritt insgesamt von St.Gallen, kein so guter vom FCZ.
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Lausanne Sports – Young Boys Bern   
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Zuschauer: 5.300  (Schnitt bisher: 5.917)
Auch hier im Grunde kontraindiziert: man soll Lausanne nehmen, obwohl der Markt doch schon seit langem die Behauptung aufstellt, dass YB eine sehr starke Mannschaft ist. Hier hätte man aber ganz gute Gründe, es doch zu tun. Denn: YB bringt ja einfach weder Leistung noch Ergebnisse. In den Heimspielen geht es ja noch, da wurden 4 der letzten 5 gewonnen. Aber auswärts gab es parallel vier Klatschen in Serie. Die Finanzsituation und die ungewisse Zukunft für viele Spieler könnte ähnlich bedeuten, dass man einfach nicht zurande kommt. Wie soll man da die so sehnlichst gewünschten und so dringend benötigten Erfolge einfahren?
 
Lausanne hat diese zwei Ausnahmekönner, derentwegen man schon ab und an mal diese Seite genommen hat — und dies keineswegs immer erfolglos. In St. Gallen haben sie ein wunderschönes Tor produziert. Obwohl es „nur“ eines zum 1:3 war.
 
Hier die schlichte Behauptung: unter den gegebenen Umständen ist YB hier nicht der Favorit, wie es der Markt erachtet. Insofern kann man ruhig 5 von 10 auf 1/X riskieren.
 
Teamnews:
Lausanne ohne Ibrahim Tall (31, IV, 15/0/0), Jocelyn Roux (26, MS, 17/1/2) mit Gelbsperre, Bashkim Sukaj (21, MS, noch ohne Einsatz)
Young Boys ohne Francios Affolter (22, IV, 3/0/0), weiterhin Christoph Spycher (34, LV, 9/1/0), und Josh Simpson (noch ohne Einsatz)
Der Tipp ging zwar auf, aber auch dieser war nicht gut. Wenn überhaupt hätte YB hier den Sieg verdient gehabt, ein Chancenverhältnis von etwa 3:6 gibt gut Auskunft über die Verhältnisse. Lausanne versteckte sich lange Zeit, igelte sich ein, YB aber nur durch Fernschüsse oder Standards gefährlich. Ein gutes Zeugnis kann man beiden nicht ausstellen, besser aber dennoch klar die Gäste.
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FC Luzern – FC Basel   0:4 (0:1)
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Zuschauer: 17.000  (Schnitt bisher: 12.461)
So sehr man vielleicht auch weiter oben GC gelobt haben mag, damit die Behauptung aufstellend, dass der FCB nicht unbedingt besser ist, so wenig möchte man andererseits deren Errungenschaften schmälern. Man könnte es auch so ausdrücken: beide sind sehr, sehr stark und stehen absolut nicht zu Unrecht in der Tabelle klar vorne. 
 
Luzern hat sich stark verbessert und absolut gesund präsentiert, obwohl der vorletzte Platz für den Vizemeister alles andere als ein Erfolg ist. Dennoch hat man wohl auch im Umfeld verstanden, dass es eine starke Liga ist, dass der zweite Platz des Vorjahres ein absolutes Highlight war, und dass man trotz dieses Erfolges sich mit einem Kampf gegen den Abstieg einrichten muss. Sobald dies verstanden ist und die Träumereien endgültig abgehakt sind, geht es in der Regel auch schon viel besser. 
 
Schön und gut: sie waren gesund, sie haben „performed“ beim 0:0 bei GC, hatten aber dennoch eine gehörige Portion Glück. Nun stehen sie aber dem FCB gegenüber, der so richtig in Schwung gekommen ist und sich hier bestimmt nicht die Butter vom Brot nehmen lassen möchte.
 
Insofern: 4/10 auf den FCB. Die „nur“ 4 deshalb, weil Basel in der kommenden Woche in Europa ran muss. Allerdings hat man darin ja gerade in Basel viel Erfahrung.
 
Teamnews:
Luzern ohne Ersatztormann Wüthrich und Dario Leczano, beide schon länger out.
Basel ohne Darko Jevtic (20, OM, schon länger out), David Degen (30, RA, 20/3/3), und Bobadilla hat eh noch nicht gespielt.
 
Fast völlig Einbahnstraße. Luzern in Hälfte 1 vielleicht mit zwei Chancen, Basel mit mindestens sieben. 1:0 viel zu geringer Lohn. Da sie aber nach der Pause recht bald nachlegen, gerät die Partie eigentlich nie in auch nur ansatzweise Gefahr.
Ganz starke Baseler gegen überforderte Luzerner, die man angesichts dessen nicht näher beurteilen möchte.
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