Rückblick 3. Bundesliga 29. Spieltag

in Kürze:

Alle Mannschaften spielten voll, dies eine der wichtigen Erkenntnisse. Also von einem vorzeitigen Abschenken kann weit und breit nicht die Rede sein, wie es vielleicht in dem einen oder anderen Vorbericht anklang. Gerade die Mannschaften, die man geneigt war, abzuschreiben, haben sich ganz besonders reingehängt (Unterhaching, Burghausen).
 
Die 10 auf den KSC waren drin, -6 auf Heidenheim, -3 auf Offenbach und +3 auf Saarbrücken, macht unter dem Strich ein doch noch vertretbares Ergebnis von +4.
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VfL Osnabrück – FC Chemnitz   2:2 (1:1)
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Nein, die Paarung schmeckt nicht. Osnabrück hat zu wenig Konstanz an den Tag gelegt und wurde vor Wochenfrist innerhalb von 16 Minuten abgefertigt, früh im Spiel, durch einen Hattrick. Chemnitz spielt einfach gut Fußball und man würde ihnen hier durchaus etwas zutrauen, nur spielen sie ohne besondere Perspektive, was dann wieder klar dagegen spricht, denn: vermutlich würde man sich doch, sofern der Gegner den Kampf eröffnet, nicht mit den gleichen Mitteln zur Wehr setzen. Diese wenigen Prozente, an denen könnte es mangeln für einen erfolgreichen Tipp. Der letzte Gegner, der VfB Stuttgart II, hat sie gewähren lassen, und „nur“ spielerisch dagegen gehalten. Bei einem Aufstiegsanwärter, der noch dazu jenen dringend braucht, könnte es anders aussehen. Zumal die Fans weiterhin fanatisch sind und reichlich erscheinen und ihre Mannschaft nach vorne treiben. Die 9–2–2 sind zwar nicht überragend daheim, aber doch ist Osnabrück gefühlt eine Heimmannschaft.
 
Teamnews:
Bei Osnabrück fehlen Martin Hudes (30, IV, 14/1/0), Niels Hansen (29, DM, ohne Einsatz), Porcello (ohne Einsatz), 
bei Chemnitz: weiterhin nur Anton Makarenko (24, LM, 11/1/0)
 
Chemnitz präsentierte sich sofort als der starke Gegner, wie sie es auch in den letzten Spielen gezeigt haben. Osnabrück kam gar nicht ins Spiel. Auf die dämliche Frage an Osnabrück Trainer Wollitz, ob ihn der starke Aufritt überrascht hätte, darf der Leser raten, wie die Antwort ausfiel?! Nein, es hat ihn nicht überrascht. Denn: schließlich hat jeder, der etwas von Fußball versteht, in den letzten Auftritten gesehen, was in der Chemnitzer Mannschaft steckt. Genau so gut wie Osnabrück könnten sie dort stehen. Es lief einfach nicht günstig für die Chemnitzer, da waren viele Ergebnisse, in denen man besser war, aber nicht die volle Punktzahl eingefahren hat (dies alles vom Autoren ergänzt, nicht etwa von Wollitz geäußert).
Nach 22 Minuten zahlte sich der Druck so aus: ein zu kurzer Rückpass auf den eigenen Torwart, aufgrund des Presslings des Gegners, ein Angreifer geht dazwischen, der Spieler ist vor dem Torwart an dem Ball, der Torwart zieht aber sein Tackling voll durch. So gab es definitiv nur diese eine Entscheidung: Elfmeter. Dass der Tormann zugleich Rot erhielt, möchte man in diesem Zusammenhang nicht ein weiteres Mal diskutieren. Hier schien es aber wirklich etwas übertrieben hart, obwohl die Zeitlupen Wiederholungen doch auf ein ganz schön hartes Zusammentreffen hindeuten.
Elfmeter, 0:1, 10 gegen 11. Was muss man nun noch relevantes über die Partie sagen?
Chemnitz hatte vor dem 0:1 die Chancen, nach dem 0:1 die Chancen, aber Osnabrück kam zurück. Also wäre dies ein weiteres Kapitel in dem Buch: Chemnitz und die verpassten Aufstiegschancen. Nur: sie können ja in dieser Saison nur EIN Mal nicht aufsteigen.
Kurz vor der Pause tatsächlich ohne vorherige Ankündigung der Ausgleich. Ähnlich die zweite Halbzeit. Chemnitz besser, aber Osnabrück sogar, nach einem Ballverlust im Mittelfeld, als alle im Vorwärtsgang waren, mit der Führung. Dass das Unentschieden wenigstens noch ausgeglichen wurde und weit mehr als verdient war, ist keine Frage. Denn: sogar nach dem Ausgleich (87.) gab es die Chancen auf den Sieg.
Chemnitz also wirklich in sehr guter Verfassung, eine der besten Mannschaften der Liga. Über Osnabrück sollte man nicht so viel sagen, aufgrund der frühen Dezimierung. Gewehrt haben sie sich.
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Alemannia Aachen – SV Babelsberg 03    1:2 (1:0)
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Die Alemannia ist beteiligt, also sollte es ohnehin niemals zu einem Tipp reichen. Sie verkaufen sich gut, das 0:1 war unverdient (in Unterhaching), aber auch Babelsberg schneidet derzeit unter Wert ab und hatte auch gegen Bielefeld (beim 0:2) ein paar Mal den Ausgleich auf dem Fuß. Nein, auch das Gefühl rät einem hier, sich rauszuhalten. 
 
Teamnews:
Michale Melka (34, TW, 9/0/0), Mario Erb /22, IV, 15/0/0), Tom Stehle (32, IV, 10/0/0), Sascha Herröder (24, IV, 14/0/1), Rotsperre, Aimen Demai (30, DM, 2/0/0), Florian Müller (26, RM, 14/2/0), Robert Leipertz (20, OM, 11/3/0), Sascha Rösler (35, HS, 7/1/1)
bei Babelsberg fehlt Stammtorwart Frederic Löhe (24, TW, 26/0/0) nach Rot, Matthias Kühne (25, RV, 20/0/0) ebenfalls nach Rot, und Lucas Albrecht (22, MS, 13/1/0)
 
Der Sieg von Babelsberg glücklich. Selbst wenn sie die Partie bis zur 70. Minute fast ausgeglichen halten konnten, bei einigen Chancen für beide, so hätte Aachen in der Schlussphase den Sieg verdient gehabt. Ein paar Chancen wurden verpasst, und fast mit der letzten Aktion gelang Babelsberg dieser Sieg.
Es bleibt dabei, dass Aachen wirklich intakt ist. Babelsberg hat sich nach Kräften gewehrt. Zugetraut hatte man ihnen seit der Winterpause schon häufiger etwas. Hier hat es, mit Unterstützung des Glücks — aber natürlich auch mit einer dennoch passablen Leistung — mal geklappt
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Arminia Bielefeld – Preußen Münster   1:1 (1:0)
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Beide Mannschaften eigentlich in guter Verfassung, beide mit deutlichen Siegen zuletzt (jeweils mit zwei Toren), Bielefeld aber nur mit einem einzigen Verlustpunkt aus den letzten 7 Spielen (welcher dann, per Regel, zu zweien „aufgewertet“ wird), während Münster einmal, in Heidenheim, verlor. Zusätzlich ist es eine Art Derby, so dass es einem grundsätzlich nicht besonders schmeckt.
 
Da aber bei Derbies doch erstaunlich häufig die Heimmannschaft als Sieger hervorgeht, reicht es hier immerhin zu der Neigung, dass Bielefeld es auch hier macht. Daheim überragend, und auch von den Auftritten allgemein her  sehr souverän, was bei Münster nicht ganz so der Fall ist. Mehr als eine Neigung wird es aber nicht.
 
Teamnews:
Bielefeld muss nur auf Dennis Reimer verzichten (25, RV, 11/0/0)
Münster auf Dominik Schmidt (25, IV, 7/2/0)
 
Eine echtes Derby war es also doch, diesmal mit (zu einem Drittel und nicht etwa halbwegs) gutem Ausgang für die Gäste. Ein korrektes Remis war es zudem, in einem hart umkämpften Derby. Bielefeld in Hälfte 1 mit den besseren Aktionen auf schwierigem Geläuf und dem 1:0 nach 20 Minuten, nach der Pause Münster am Drücker, mit einem berechtigten Elfer zum verdienten Ausgleich. Das Foul, welches dazu führte, hatte allerdings eine Gelb-Rote Karte zur Folge, so dass die Arminia in Unterzahl weiter spielen musste.
In der Nachspielzeit diese Szene: Freistoß vielleicht 6 Meter vor dem Strafraum von Münster, die Mauer geht hoch, wehrt den Ball ab, der Pfiff ertönt. Elfmeter. Was war geschehen? Ein Handspiel wurde vom Schiri angezeigt. Und: richtig, der Mann in der Mauer dreht sich in den Ball hinein und wehrt den Ball mit den Armen ab. Nur: im Kommentar heißt es, dass es unberechtigt war?! Dies das eigentlich kommentierenswerte. Immer wieder springen die Spieler aus der Mauer in den Ball hinein, und verbreitern ihre Körper mit den Armen. Das ist Gang und Gäbe. Dieser Schiedsrichter hat — vielleicht auf DFB Anweisung, wie hier bereits wiederholt spekuliert wurde — dieses grundsätzlich zu unterbinden gedacht. Recht so. Denn: warum soll man sich überhaupt immer ein Urteil darüber erlauben wollen, ob diese Hände nun die Richtung des Balles entscheidend verändern oder ob sie vielleicht nicht einmal den Körper verbreiterten, da sie nur VOR dem Körper waren? Grundsätzlich haben die Abwehrspieler diese ABSICHT, den Ball notfalls mit den Armen abzuwehren. Hier gibt es ein gutes Mittel, ihnen das auszutreiben. Dieses hat der Schiri genutzt. Weiter so, die eingeschlagene Richtung ist im Sinne des Spiels.
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Wacker Burghausen – Karlsruher SC   1:2 (1:2)
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Wann immer der KSC auftritt, muss man nicht viele Worte verlieren. Der Tipp völlig klar und eindeutig, und das 0:0 in Saarbrücken (vor zwei Wochen) hilft sogar noch in dem Sinne, dass der Markt den Kurs dadurch etwas in die Höhe setzt. Sie waren auch dort klar überlegen und kaum vorstellbar, dass ihnen ein zweites Mal kein Tor gelingt. Wer das Spiel bestimmt, dürfte hier eh nicht die Frage sein. Burghausen ist ohnehin von den Fans verlassen, so dass man bald schon von einer Karlsruher Überzahl ausgehen kann. Der Aufstieg ist noch lange nicht unter Dach und Fach, also geht man zu 100% raus, um das Spiel für sich zu entscheiden. Denn, wie sich herausstellt, schläft die Konkurrenz überhaupt kein bisschen: alle punkten am Fliessband. 
Burghausen war zwar nicht schlecht im letzten Spiel in Wiesbaden, aber auch dieses stand bereits ein wenig unter den Vorzeichen „um was spielen wir hier eigentlich?“. Da Wehen aber die letzten beiden Drittel der Partie übernahm und keine Torchancen mehr von Burghausen kamen, ändert sich nichts an der Einschätzung: sie sind (derzeit) schwach.
 
10/10 auf Karlsruhe Sieg.
 
Teamnews: 
Burghausen spielt ohne Ronald Schmidt (35, DM, 22/1/2)
KSC weiterhin ohne Dennis Kempe (26, LV, 15/1/1), Sebastian Schiek (22, RV, 12/0/1)
 
Eine möglichst kurze Zusammenfassung, um es auf den Punkt zu bringen: Burghausen mit einer phantastischen Leistung und einem überragenden Youssef Mokhtari hätte mehr als eine Niederlage verdient gehabt. Der Tipp also schlecht, aber schwerlich vorhersehbar, dass die bisher so lethargischen Burghausener plötzlich zu einer derartigen Glanzleistung auflaufen würden?
Der KSC ganz früh durch einen Elfer (Calhanoglu verwandelte) und einen schnellen Konter (Vorarbeit: Calhanoglu) mit 2:0 vorne. Logisch fühlt man sich dann recht sicher, aber Burghausen war immer im Spiel. Das 2:1 durch einen phantastische Einzelleistung von Mokhtari und Abschluss in den Torwinkel, ebenfalls recht früh im Spiel. Danach die Partie auf des Messer Schneide. Der KSC bei Kontern natürlich stets gefährlich, aber klar überlegen in der Folge die Hausherren, die somit diesem Begriff Vorschub leisteten. Sie waren die Herren im eigenen Hause. Chancen vielleicht ab diesem Zeitpunkt bei 8:5.
Burghausen hat sich mit einer derartigen Leistung in der Hinrunde ein paar Mal verdient, dass man sich selbst hinter sie gestellt hat. Falls man sich darauf verlassen könnte, dass sie dies wiederholen, so wäre der Tipp für die nächste Woche bereits gemacht. Aber kann man denn…?
Der KSC trotz der teilweisen Dominanz des Gegners über jeden Zweifel erhaben.
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Borussia Dortmund II – SpVgg Unterhaching   2:1 (2:0)
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Ganz ehrlich lautet das Gefühl hier, dass Dortmund diese Partie zieht. Das Potenzial ist da, das letzte Mal als man spielen durfte hat man die überragende Mannschaft, den KSC, arg ins Schwitzen gebracht (beim 0:1 dort), also die Qualität ist vorhanden, der Ehrgeiz auch, schwebt man doch in höchster Abstiegsgefahr.
Auf der anderen Seite hatte Unterhaching zwar nicht in allen Spielen vorher total enttäuscht und wurde manchmal trotz ordentlicher Leistung bezwungen, aber gerade im letzten Spiel gegen Aachen, als sie sogar gewannen (1:0) waren sie richtig schwach.
 
Nun hat man sich so weit in Stimmung geredet, dass es doch eine 1/10 auf Dortmund II geworden ist.
 
Teamnews:
Dortmund fehlt weiterhin nur Marvin Ducksch (19, MS, 3/0/0)
Unterhaching spielt ohne Stammtorwart Dennis Riederer (27, 22/0/0), Roland Sternisko  (24, DM, ohne Einsatz) und Florian Bichler (21, LA, 8/0/1)
 
Das Spiel in etwa so, wie angekündigt: Dortmund wollte unbedingt, und legte gleich mächtig los. Das 1:0 in der 8. gefolgt vom 2:0 in der 13. nach einem Elfmeter waren die beinahe logische Folge. Danach kam Unterhaching zwar langsam ins Spiel, die besseren Chancen blieben weiterhin den Dortmundern vorbehalten, die die sich bietenden Räume gut zu nutzen wussten. Dennoch Unterhaching mit einigem Druck, das muss man ihnen schon positiv anrechnen. Sie wollten die Partie nicht verlieren.
Als ihnen in der 62. ebenfalls ein Elfmeter zugesprochen wurde, gefolgt vom 2:1, wurde es richtig brenzlig für Dortmund. Sie behielten zwar die Konterchancen und wussten auch, aber Unterhaching drängte sie doch richtig rein. Das übliche Spielchen also: voll gepackte Strafräume, wo sollen da die Riesenchancen herkommen? Man ist ab und an nahe am Tor, das ja, aber meist werden Schüsse oder Flanken abgeblockt, falls man überhaupt zum Ausholen kommt.
In der Nachspielzeit war der Ball zwar im Netz zum Ausgleich, aber die Anerkennung blieb ihm versagt. Ob zurecht oder zu unrecht spielt fast keine Rolle: aberkannt wird eigentlich immer, wenn es irgendwie geht.
Dortmund wie erwartet, aber Unterhaching doch wieder mit einer engagierten Leistung, die man nicht unbedingt von ihnen erwartet hätte.
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1.FC Heidenheim – SV Wehen/Wiesbaden   2:2 (0:1)
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Bei Heidenheim muss man auch nicht lange fragen in der derzeitigen Situation: sie gewinnen ihre Spiele. Die Leistungen sind so stark, dass man ihne bedingungslos vertrauen kann. Hier kommt ja hinzu, dass man in Wehen dennoch nicht ernsthaft mehr ein gemaltes Abstiegsgespenst an der Wand sieht. Sie haben recht konstant gepunktet und die hintersten Ränge auf ordentliche Distanz gehalten (wobei Teile der 10-Punkte Führung trügerisch sind, da fast alle Teams noch ein paar Nachholspiele in der Hinterhand haben), und der 9.Rang derzeit suggeriert zumindest Sicherheit. 
 
Zugleich war die Leistung der Wehener nicht wirklich überragend im letzten Spiel beim 1:1 gegen Burghausen.
 
Hier kommt heraus: 6/10 auf Heidenheim Sieg.
 
Teamnews:
Heidenheim tritt an ohne Robert Strauß (26, RM, 26/2/0) und Andreas Spann (28, MS, ohne Einsatz), 
bei Wehen fallen aus Thorsten Barg (26, IV, 2/0/0), Niels-Ole Book (27, ZM, 3/0/0), Martin Röser (22, RM, 3/0/0)
 
Ganz dringend zu erwähnen, dass der Tipp nicht gut war. Woran das lag? Keineswegs an Heidenheim, sondern viel mehr an den Gästen, die gerade in diesem Spiel zeigten, warum man sie selbst so häufig haben wollte: hinten kompakt, und nach vorne immer gefährlich.
Heidenheim kam in Hälfte 1 zu ganz wenigen Chancen, trotz allen Engagements. Wehen beinahe zu mehr. Das 1:0 durch Janjic, der auch häufig genug schon (und zwar anfangs der Saison) als der gefährlichste Mann bezeichnet wurde, was er mit einem mittlerweile 13. Tor untermauerte. Fast hätte er gar das 14. erzielt…
Das 0:1 zur Pause schon fast gerecht. Nach der Pause nahm Trainer Frank Schmidt zuerst den einen Außenverteidiger heraus, was sich aber zunächst positiv auswirkte, da es plötzlich einigen Druck gab, mit ein paar Chancen. Es roch eine Weile lang nach dem Ausgleich — aber er fiel nicht. Dann nahm der Trainer auch noch den zweiten Außenverteidiger heraus, die Folge diese: direkt das 2:0, und zwar über die beiden Außenpositionen erzielt (links außen durch, auf den langen Pfosten gezogener Ball, dort ein Mann völlig frei). In der Folge lag das 3:0 näher, da ein derartiges Risikospiel eigentlich nicht mehr geht im heutigen Fußball.
Dennoch in der Schlussphase die beiden Treffer zum 2:2, die natürlich klar für Heidenheim sprechen. Man hat die Brechstange rausgeholt, das schon, aber beide Treffer waren mustergültig von der Nummer 1 und Nummer 2 m Kader vorbereitet oder erzielt: Thurk mit der butterweichen Flanke, die zum 1:2 verwertet wurde (84.) und Schnatterer mit einem gekonnten Heber, einem gezirkelten Schuss aus der Außenposition, die zwar vielleicht als Flanke gedacht war, aber als eine, die praktisch auf der Torlinie herunterkommen sollte, in die gewaltige Spielertraube hinein, die sich längst in dem belagerten Strafraum gebildet hat.
Beides Teams, die man haben wollte über die gesamte Saison, beide haben diese Einstufung bestätigt. Bei Wehen ging es, wenn, dann ein klein wenig um die Motivation, die sie aber in vollem Maße an den Tag legten.
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Kickers Offenbach – Rot Weiß Erfurt   0:1 (0:0)
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Offenbach hat doch eine Reihe guter Leistungen gezeigt. Der DFB-Pokal ist passé (auch dort war man nahe dran am 2:2 gegen Düsseldorf), die Liga ist wieder das tägliche Brot, und zur Ruhe setzen kann man sich mit 30 Punkten noch lange nicht. Beim 1:2 in Karlsruhe waren sie näher dran an einem Punkt, als man erhofft hätte, davor steht ein 2:0 gegen Saarbrücken, was zur Beweisführung für die dargebotene Ernsthaftigkeit ausreichen sollte. 
 
Erfurt hingegen hat doch nicht das zeigen können, was man von ihnen erwartet hätte. Es mag etwas vorhanden sein, ja, aber beispielsweise hat der vor Saison als bester Spieler erkannte Morabit nur einen Platz auf der Ersatzbank zugeteilt bekommen. So richtig scheint die Saison, der Kader und die Teamchemie also noch nicht repariert zu sein. Die 5 Punkte, die man hinter dem Gegner zurückliegt, sprechen für zwei Dinge: a) wer sollte eigentlich die bessere Mannschaft sein, wenn man nur dieses Kriterium hätte (und es ist doch sicher eines?)  b) eine Niederlage können sich die Gastgeber in dem Sinne nicht leisten, dass ein ernsthafter Konkurrent für die hinteren Plätze auf Schlagdistanz herankäme, so dass man sich jedenfalls reinhängen wird.
 
So kommt hier heraus: 3/10 auf die Gastgeber, ein Heimsieg.
 
Teamnews:
Offenbach weiterhin ohne Markus Husterer (29, IV, 19/3/2) und Christopher Lamprecht (27, RV, ohne Einsatz), 
Erfurt fehlen Tom Bertram (25, IV, 9/0/0) und Mario Fillinger (28, LM, ohne Einsatz)
 
Der Tipp war nicht so gut, und das zeigte sich nicht nur im Ergebnis. Eine ziemlich ausgeglichene Partie, die vielleicht sogar dieses Urteil zulässt: die bessere Mannschaft ist Erfurt. Denn der Gegner geht ja in ein Heimspiel als Favorit.
In der ersten Halbzeit Erfurt mit dem besseren Start und dieser oder jener Aktion, unter anderem jener, in der es hieß „hätte Elfer geben müssen“, und Offenbach brauchte etwas. Dann die beste Phase der Offenbacher, die einigen Druck aufbauten und zu ein paar Gelegenheiten kamen. Unter anderem dieser hier: „hätte Elfer geben müssen“. Auf dieser Seite des Platzes allerdings viel eindeutiger: harter Schuss, etwa von der Strafraumgrenze, ein Verteidiger steht im Wege — aber nur dann, wenn er die Arme einsetzt. Der Ball prallt so eindeutig dagegen, die Arme sind so weit weg vom Körper, der Schuss hatte deutlich eine gute Richtung zum Tor — wie um alles in der Welt kann man auf den Gedanken kommen, dass dies KEIN ELFER war? Und ein Argument wird niemals greifen können — selbst wenn ab und an, in fehlerhafter Erkenntnis der Lage, ab und an verwendet: hat er nicht gesehen. Also: hier hätte man eine Führung haben können, und sogar eine ganz andere Geschichte eines Spiels.
Die Druckphase war beendet, vor allem durch den Pausenpfiff, und danach wieder Erfurt etwas besser. Offenbach kam einfach nicht richtig durch, wohingegen es Erfurt zwei Mal gut gelang. Die eine Aktion führte zum Tor. Danach wurden die Angriffe der Offenbacher zwar wütender, aber lange nicht zwingend. Man wollte unbedingt, aber Erfurt hatte ein Bollwerk aufgebaut, war aber jederzeit zum Ausschwärmen bereit. Ein paar gute Torszenen hier, ein paar dort, nach dem üblichen Strickmuster: hier ein voll bepackter Strafraum, in welchen Flanken hinein segeln, aber nie so recht ein Stürmer herankommt, dort die Szenen mit unendlichen Freiräumen, welche ausschwärmende Spieler besetzen können, und, sofern sie angespielt werden, den Ball gefährlich vor das Tor bringen können.
Offenbach nicht wirklich schlecht, aber gegen diesen Gegner doch nicht in der Lage, die ganz großen Chancen herauszuspielen. Genau so sah es übrigens auch ihr Trainer. Zugleich lobte er die Defensivarbeit des Gegners — dem Autoren gleich.
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1.FC Saarbrücken – Stuttgarter Kickers   3:0 (1:0)
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Hier bietet sich ebenfalls die Tendenz an, auf einen Heimsieg zu gehen. Was Saarbrücken zuletzt geboten hat beim 2:1 in Erfurt war aller Ehren wert. Es war ja auch Marcel Ziemer wieder im Team, und auch ein paar andere vermeintliche Leistungsträger haben zu ihrer Form zurückgefunden. Das war echter Drittligafußball, da man nach vorne hin nämlich immer bissig war und auf die Chance lauerte. Gerade im Offensivspiel scheinen die Stärken zu liegen, und zu Hause kann man diese vielleicht noch besser ausspielen, zum Vorwärtsgang verpflichtet. Die letzten 15 Minuten  reiner Mauerfußball sollte man ihnen in dem Sinne nachsehen, dass man ein Mann weniger war und endlich mal wieder ein (volles) Erfolgserlebnis herbeisehnte, für welches einem die Mittel dann für den Moment gleichgültig sind.
 
Über StuKi kann man nur sagen: schwach, ganz schwach. Beim 0:3 in Aachen vor zwei Wochen wurden sie regelrecht vorgeführt. Ob nun ausgerechnet hier, nachdem man zuschauen musste, die so genannte Trotzreaktion zu erwarten ist? Da überwiegt eindeutig die Skepsis.
 
Da man lange genug gegen Saarbrücken argumentiert hat, kann der Vorschlag natürlich nicht mehr als 3/10 auf die Heimelf lauten.
 
Teamnews:
Saarbrücken fehlen Tim Kruse (30, DM, 22/2/2), Ufuk Özbek (20, ZM, 15/2/0), Manuel Stiefler (24, RM, 14/0/3) und Markus Hayer (MS, 13/1/1)
StuKi spielt ohne Royal-Dominique Fennell (23, IV, 12/2/0), Thorben Stadler (23, LV, 15/0/2)
 
In der ersten Halbzeit war StuKi eigentlich die bessere Mannschaft, das muss man schon so ehrlich sagen. Sie kamen zu ein paar guten Gelegenheiten, während Saarbrücken sich schwer tat in einem unterdurchschnittlichen Spiel. Kurz vor der Pause dann zwei Mal die Saarländer. Erste Chance an den Pfosten, zweite drin.
Mit dieser Führung im Rücken wurde Saarbrücken nach der Pause besser, sicherer, und hatte nun die größere Anzahl der (noch immer wenigen) Torchancen. Das 2:0 fiel nach einem unberechtigten Elfmeter, welchen der Torwart hielt, aber gegen den Nachschuss machtlos war, und mit der letzten Aktion das 3:0.
Der unberechtigte Elfer: Marcel Ziemer geht am Torwart vorbei, legt sich den Ball wohl etwas zu weit vor, gerät ins Straucheln dabei, will dennoch zum Ball, erreicht ihn vor der Auslinie, bringt ihn aber nicht mehr aufs Tor. Er bleibt liegen, wohl etwas entgeistert, nicht das Tor geschafft zu haben. Auch alle anderen Saarbrücker wenden sich ab, keine einzige Reklamation. Und während der Angreifer noch so da liegt, und sich nur ärgert und nicht beschwert, ertönt, gut hörbar, der Pfiff. Also so viel Feingefühl sollte ein Referee schon mitbringen, dass er die Spielerreaktion mit einbezieht. Niemand wollte einen: wie soll man dann auf Elfer kommen?
Die Wette also nicht so gut, das 3:0 schmeichelhaft, aber bis zum Remis war natürlich ein relativ weiter Weg. Wobei: anfangen müsste es halt mit einem Führungstor der Gäste und dann, wie auch Trainer Gerd Dais im Interview sagt, gäbe es ein ganz anderes Spiel. Wie dieses verlaufen wäre? Das weiß man nun wirklich nicht…
Beide also nicht in der Verfassung, sich hinter sie stellen zu wollen.
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VfB Stuttgart II – SV Darmstadt 98   0:2 (0:1)
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Für Darmstadt Überlebenskampf, für Stuttgart „just another league game“. Dies lässt einen davon abraten, das Gefühl pekuniär zu untermauern. Aber so stark wie sie sich zuletzt präsentiert haben kann man nur empfinden, dass sie das Spiel klar und deutlich gewinnen. Ein Heimsieg, so die Prognose, ohne darauf auch nur eine einzige unit zu riskieren.
 
Teamnews:
Stuttgart muss verzichten auf Steffen Lang (19, RV, 12/0/0), Dominik Gallert (19, RV, ohne Einsatz), Marco Rapp (21, DM, ohne Einsatz), Timo Cecen (18, OM, 9/0/0), Erich Berko (18, LA, 8/0/1), Christoph Hemlein (22, MS, 22/3/5)
Darmstadt fehlen Benjamin Gorki (28, IV, 17/1/0) nach Rot, Uwe Hesse (25, RM, 23/2/1) auch mit Rot
 
Der VfB mal wieder als die Wundertüte: diesmal mit einer ziemlich schwachen Leistung, jedenfalls vor der Pause. Verdiente Führung zur Pause, da Darmstadt sich als echte Kämpfer im Abstiegskampf präsentierten, mit genügend Spielwitz ausgestattet. Nach der Pause zwar etwas mehr vom VfB, aber echte Gefahr gab es wenig. Darmstadt mit einem Konter zum 2:0. Das Chancenverhältnis in einem mäßigen Spiel in etwa ausgeglichen.
Darmstadt zeigte, wie es gehen kann. Der VfB immer wieder mit den verschiedenen Gesichtern. Verlass ist auf die nicht, aber das war ja auch nie behauptet worden.
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Hallescher FC – Hansa Rostock   3:1 (3:1)
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Das Derby, welches einen nur die eine Variante offen lässt: nichts tun, passen, auf das nächste Spiel warten.
 
Halle war auffällig stark beim 2:1 in Darmstadt und Furuholm vorne drin ist einer jener Spieler, die in dieser Liga den Unterschied machen können. Beeindruckend, wie er nach dem selbst erzielten 1:1 im Auswärtsspiel bei ausreichend viel Zeit auf der Uhr direkt ins Netz rannte, um den Ball zu holen. Nicht nur reflektiert dies seine Einstellung, „ich will Fußball spielen“, sondern zugleich das Selbstvertrauen, „nun haben wir eins gemacht, jetzt machen wir bald das zweite“, und das im Auswärtsspiel. Klasse, der Junge. Ein echter Finne eben.
 
Zugleich aber steht hier klar „Derby“ drauf, trotz der größeren Entfernung, und zugleich kann man es sich einfach nicht vorstellen, dass Rostock erneut so häufig das Tor verfehlt. Die Chancen waren da, die 0, die bei ihnen vorne steht, war nicht korrekter Ausdruck der Bemühungen beim 0:2 gegen Heidenheim. Nein, hier besteht man als Autor darauf, dass an der Shaddock-Logik etwas dran sein muss (von Professor Shadoko aufgestellt): „Je öfter eine Sache misslingt, umso größer die Chance, dass sie eines Tages gelingt.“ Rostock kann das Spiel eigentlich nicht verlieren, soll das heißen. Natürlich niemals, niemals, niemals ein Tipp werdend. Dazu der Respekt, nach der letzten Partie, zu groß vor Halle.
 
Teamnews:
Halle spielt ohne Patrick Mouaya (28, IV, 13/0/0), Pierre Becken (25, IV, 9/0/0), 
Rostock ohne Stephan Gusche (23, IV, 8/0/0), Mohammed Lartey (26, OM, 1/0/0), Edisson Jordanov (19, OM, 11/1/3)
 
Da es ja lediglich eine gewisse Neigung war und lange kein Tipp, muss das Gewissen nicht all zu schlecht sein. Die Geschichte zu diesem Spiel hat diese Kapitel: Maik Wagefeld, der im Herbst so hoch gelobte Cheforganisator im Hallenser Spiel war wieder dabei. Ein Spieler wie er kann ebenfalls in dieser Liga den Unterschied machen — und er war, trotz der Abwesenheit von 9 Spielen, gleich wieder in der gewohnten Verfassung. Das nächste Kapitel lautet: Timo Furuholm hat sich als die Waffe entpuppt, wie man ihn oben, in der Vorschau noch ablesbar, angekündigt hat. Das 1:0 nach 12 Minuten Kapitel 3: die Standards. Einmal von der linken Außenposition, von Wagefeld vors Tor gebracht, mit viel Schnitt Richtung Tor, Flipperball, vom Rücken eines Hallensers ins Tor, 14. Minute das 2:0. Standard von der anderen Seite, diesmal von Ziebig vors Tor getretenen, mit dem linken Fuß der Schnitt nach innen, wieder Furuholm, die Waffe im Kopfballduell, das 3:1. Denn: Rostock hatte zwischendurch verkürzt, war im Spiel, aber Halle einfach besser in dieser Aufstellung.
Das 4. Kapitel lautet: ein echtes Derby, wie das ausverkaufte Haus signalisiert, aber in jenen hat die Heimelf derzeit eine gewaltige Durchsetzungskraft, wie es scheint. Es kann ein Zufall sein, aber die Häufung gibt einem zu Denken, dass man den Effekt des verringerten Heimerfolgs in Zweifel zieht.
Kapitel 5: Rote Karte gegen Rostock, kurz nach dem 1:3. Man könnte den Einsatz „übermotiviert“ oder als „Frustfoul“ bezeichnen, jedenfalls war es keine falsche Entscheidung.
Kapitel 6: Halle kam zu Konterchancen, während Rostock weiter versuchte, dran zu bleiben. Wie üblich waren die Konterchancen größer als die der in Unterzahl angreifenden.
Kapitel 7: gute Flanke von Halle, Dennis Mast geht zum Kopfball aus 5 Metern, der Torwart ist überflankt, das Tor frei, Mast möchte per Kopfball verwerten, aber direkt zwischen seinem Kopf und dem Ball taucht plötzlich ein Fuß auf. Ein sicheres Tor mit einer derartigen Foulaktion (wie hoch war der Fuß? Jedenfalls in Kopfhöhe), der Spieler mit blutendem Nasenbeinbruch vom Feld, die Entscheidung: Abstoß!!! Weil Mast trotz des Fußes den Ball berührt hat. Unglaublich, so etwas, nur heutzutage „branchenüblich“, wie es so schön heißt. Wodurch aber wird es branchenüblich? Dadurch, dass man nicht die entsprechenden Maßnahmen gegen die Sünder ergreift, im Gegenteil, die Aktionen eher legalisiert durch derartige Entscheidungen. Bevor es noch ein Tor gibt, … ALLE Entscheidungen sind so ausgerichtet: Hauptsache, es fällt kein Tor. Da kann man schon mal mit dem Fuß ins Gesicht treten. Ist doch egal? Aber wehe, ein Angreifer hebt sein Bein mal bis in Hüfthöhe. Dann heißt es: Stürmerfoul…

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