Rückblick Schweiz Raiffeisen Superleague 22. Spieltag

in Kürze:

+4 auf den FCZ, -1 auf St.Gallen, macht +3, das ist in Ordnung so.
Die einzige Neigung war  jene pro Lausanne (dass sie nicht verlieren), und diese kam auch hin.

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FC Luzern – FC Thun    0:0 
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Zuschauer: 9.771   (Schnitt bisher: 14.305; Vorsaison: )
Luzern im Moment 2 Plätze, 3 Punkte und 6 Tore hinter dem heutigen Gegner, und es kommt einem nicht so vor, als ob die Tabelle ausgerechnet hier lügt. Dies bedeutet, dass man Luzern lieber nicht haben möchte. Aber den FC Thun? Ja, sie haben gut gefallen beim 4:0 gegen den FC Sion. Sie sind auch seit 4 Spielen ungeschlagen. Nur haben sie a) doch ihren besten Mann Nagumukol an GC verloren, und b) sie haben am Mittwoch ein Pokalspiel gehabt, und zwar nicht nur über 90 Minuten, sondern über 120 Minuten, und mussten sich dennoch dem FCB nach hartem Kampf geschlagen geben. Da man sich zudem für den Moment keine Sorgen in der Tabelle macht, geht es also auch nicht.
 
So kommt unterm Strich die alte Leier heraus: ein Pass. Vielleicht sogar mit der geringfügigen Neigung, dass es doch die Heimmannschaft biegen könnte?
 
Teamnews: 
Bei Luzern fehlt Ersatztorwart Gabriel Wüterich (31) sowie Dario Leczano (22, OM, 14/2/2) 
Bei Thun sind es Dennis Hediger (26, DM, 14/0/2) und Renato Steffen (21, LM, 10/2/2) Gelbsperre
 
Luzern nun mit ernsten Sorgen. Nächste Woche das Sechs-Punkte-Spiel gegen Servette. Vorher hat man +5 Punkte, nachher +2, +5 oder +8.  Die Lage ist also ziemlich ernst für den Vizemeister.
In dieser Partie waren sie jedoch ziemlich klar überlegen, hatten eine Vielzahl von glänzenden Chancen, sowie einen nicht gegebenen Elfmeter zu verzeichnen. Da auch Thun ein paar sehr gute Chancen hervorbrachte — jeweils gegen Ende der Halbzeiten zwei bis drei Stück — war es ein sehr gutes Spiel, von beiden Seiten, und alles andere als ein 0:0 Spiel. Teils überaus kurios (und nur unglücklich und nicht etwa eine Art von oftmals reporterseits angedichteter „Abschlussschwäche“, wie die Chancen verpasst wurden.
Beide Teams also eigentlich gut drauf, wobei die Situation bei Luzern halt so unerfreulich ernst ist, dass man nicht weiß, wie sie bei Servette aussehen werden. Tendenz aber eigentlich: sie holen etwas dort.
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FC Zürich – FC Sion     3:1 (2:0)
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Zuschauer: 8.325   (Schnitt bisher: 10.382 Vorsaison: )
Beide hatten am Mittwoch ein Pokalspiel, beide konnten sich für das Halbfinale qualifizieren. Sion mit einem 2:0 in Lausanne, der FCZ mit einem 4:1 in Will. Dies ergibt in jeder Hinsicht ein Patt.
 
In der Tabelle ist der FCZ zwar 11 Punkte hintendran, nur ist es zugleich nur ein einziges Törchen, welches sie schlechter sind. Wirft man noch ein Auge auf die Augenblicksform und den Zustand der Mannschaften, dann neigt es sich bereits gehörig Richtung Heimmannschaft. Das 2:0 in Lausanne war sicher ein Erfolgserlebnis für Sion, aber ansonsten hagelt es bad news. Sie haben drei Mal in Folge auswärts klar verloren (YB, Basel, Thun), und zuletzt gar mit 4:0 in Thun das Fell gegerbt bekommen. Der FCZ hingegen scheint endlich in die Spur gefunden zu haben. Das, was sie da letzte Woche abzogen, war schon eine echte Show, die an alte Zeiten erinnerte, in denen Lucien Favre sie zum Titel führte. Vor allem mit diesem Mario Gavranovic (23, 20/5/4) in Überform.
 
Da die Vorabeinschätzungen zugleich bestätigen, dass der FCZ nicht niedriger gehandelt wurde, und der Rückrundenstart für Mannschaften unter Wert immer gerne als Neuanfang genommen wird, stehen die Vorzeichen allmählich fest genug: der FCZ holt einen Dreier.
 
4/10 auf den Heimsieg.
 
Teamnews:
dem FCZ fehlen André Goncalves (21, RV, ohne Einsatz), Burim Kukeli (29, ZM, 12/0/1), sowie Yassine Chikhaoui  (26, OM, 2/0/0)
dem FC Sion fehlen Aislan (25, IV, 12/0/0) und Xavier Margairaz (29, RM, 16/5/1)
 
Wichtige News: FC Sion mit dem bereits vierten Trainer, diesmal ist es zugleich ein Spieler: Gennaro Gattuso. Exakt jener ist es, der nach bereits vier Minuten den derzeit besten Spieler des FCZ, Mario Gavranovic, verletzt, so dass dieser runter musste. Allerdings war es eher unglücklich und nicht vorsätzlich, zugleich bringt der eingewechselte Drmic schon nach 12 Minuten das 1:0, nach Traumpass von Oliver Buff über 40 Meter. Weiterhin der FCZ am Drücker, Sion bekommt nichts hin, und nach 38 Minuten schon das 2:0.
Verdiente Pausenführung. Auch nach der Pause der FCZ besser, bis das 1:2 fällt. Danach kurz Sion dran, verdient wäre es aber nicht gewesen, und so fiel das 3:1 ebenso verdient. Da es noch weitere Chancen für die Heimmannschaft gab, und nur noch einen Pfostenschuss zu verzeichnen hatte, ist der Sieg fraglos verdient.
Das Chaos bei Sion kann einfach nicht positiv auf das Team wirken. Vier Trainer? Der reinste Schleudersitz. So verwundert es nicht, dass die Leistungen nicht passen, der Absturz vorprogrammiert. Hier hat man ja zugleich den Tipp zum Gelingen gebracht, so dass diese Einschätzung bereits vorher bestand und sich bestätigt hat. Der FCZ logischerweise auf dem Vormarsch, mit einer guten Leistung, vielen Chancen, schönen Toren, selbst wenn der Gegner schwach war.
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Servette Genf – FC Basel      1:2 (1:1)
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Zuschauer: 7.519   (Schnitt bisher: 7.191 Vorsaison: )
Servette hat sich jedenfalls gefangen, zumindest, was die Tabellenlage betrifft. Sie sind auf 4 Punkte heran an den FC Luzern, und auch Thun oder Lausanne sind nicht außer Reichweite. Man lebt also, und hofft wieder, ganz normal. Es sind auch für einen Tabellenletzten ordentliche 13 Punkte aus den letzten 9 Spielen eingefahren worden, was sie zum normalen Ligamitglied macht (und danach sah es nicht immer aus).
 
Die alles überragende Mannschaft der letzten vielen Jahre, der FCB, ist hingegen in dieser Saison nicht ganz so stabil. Zeugnis dafür: der völlig überraschende Trainerwechsel, der noch dazu für den eigentlich doch erfolgreichen und anerkannten Heiko Vogel urplötzlich den bei Luzern zuvor geschassten, und noch ohne Lorbeeren versehenen Murat Yakin hervorbrachte? Nein, da stimmt irgendetwas nicht.
 
Nun, der Kader ist weiterhin der stärkste der Liga. Dennoch könnte einen allmählich bedenklich stimmen, dass weiterhin die Hauptlast auf den Schultern der beiden Routiniers im Sturm, Alex Frei und Marco Streller lastet. Wo ist denn die Nachhut, wer soll in die Fußstapfen treten? Das 0:0 gegen GC in einem Spiel, nach welchem man eigentlich, als Seriensieger, lechzen müsste, um die Lücke zu schließen zum derzeitigen Leader kam vor eigenen Fans nur ein 0:0 heraus, und auch im Pokal musste man am Mittwoch über 120 Minuten gehen, um den FC Thun mühevoll auszuschalten. 
 
Das Fazit ist: man kann in dieser Partie keine der Mannschaften nehmen. Es reicht nur zu einem kümmerlichen Pass.
 
Teamnews: 
Servette kann aus dem Vollen schöpfen,
die Bebbi spielen ohne Darko Jevtic (20, OM, 1/0/0), und weiterhin ihne Neuzugang Raul Bobadilla, der sowohl verletzt ist, als auch gesperrt wäre.
 
Servette mit einem guten Start und einer glänzenden Chance, danach nur noch die Gäste am Drücker. Die Chancen und ihre Größe steigerten sich, bis endlich das 1:0 fiel und auch danach ließen die Bebbi nicht nach, gingen auf das 2:0. Statt des 2:0 fiel aber völlig überraschend und „against the run of play“, quasi mit dem Halbzeitpfiff der Ausgleich. Gute Flanke, Kopfball, Tor.
In Hälfte 2 war dann zunächst Servette besser, gestärkt durch den für sie äußerst günstigen Spielstand. Bis zu dem Platzverweis gegen Servette (Kossoko), der zunächst foult, und zwar gelbwürdig, aber aufgrund der empörten Reaktion mit Ball wegschlagen konnte der Schiri gar nicht anders, als ihm das sonnt vielleicht erlassene Gelb-Rot zu zeigen. Mit 11 gegen 10 gelang Basel — erneut durch IV Dragovic, der schon das 1:0 besorgt hatte — das 2:1. Nur zeigt dieser beim Jubeln eine unsportliche Geste Richtung Publikum, welches auch ihm Gelb-Rot einbringt. Danach beide Teams noch mit einer guten Chance, aber es blieb beim 1:2.
Basel hat auf jeden Fall gezeigt, dass unbedingt mit ihnen zu rechnen ist. Die starke erste Hälfte, in der man den Gegner komplett dominierte, demonstrierte das eindrücklich. Der zufällige und unverdiente Ausgleich gab Servette die kleine Chance, die sie fast beim Schopfe gepackt hätten. Nichts Schlechtes insgesamt über Servette, sie werden noch andere Gegner bekommen. Der FCB wird wohl kaum zu halten sein, jetzt ist diese Form doch da, sie sie auch letztes Jahr zum ungefährdeten Titelgewinn brachte.
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Young Boys Bern – FC St.Gallen     2:0 (0:0)
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Zuschauer: 15.192   (Schnitt bisher: 18.122 Vorsaison: )
Die Young Boys mit zwei üblen Klatschen zuletzt (0:2 bei GC, 0:4 in Zürich) ist alles andere als das Team, welches man haben möchte.
 
Andererseits hat der FC St.Gallen einen doch nicht total überzeugen können. Das 4:0 klingt schön, war aber von einer frühen Roten Karte (unberechtigt) begünstigt, und lässt entsprechend nicht all zu tiefe Schlüsse zu. Zudem hatte St.Gallen in den Testspielen ziemlich enttäuscht.
 
Im Grunde ist man zwar verpflichtet, den FC St.Gallen zu nehmen, da sie einem den Erfolg brachten mit einem Tipp auf sie, und auch davor, beim 0:1 in Sion hatte man sie recht überzeugt genommen, und hatte mit der Qualität des Auftrittes recht, aber nicht mit dem Ergebnis, welches unglücklich zustande kam.
 
Nun gut, der lieben Ordnung halber also 1/10 auf St.Gallen, X oder 2.
 
Teamnews:
bei YB fallen aus Christoph Spycher (34, LV, 9/1/0), Francois Affolter (21, IV, 3/0/0)
Bei St.Gallen fehlt nur Dzengis Cavusevic (25, 13/4/2)
Das ändert nichts an dem winzigen Tipp.
 
Nun, der Tipp ging nicht auf, und er ging verdient nicht auf, so viel einmal vorweg. Weitere wichtige News aber die: bei YB sind Unregelmäßigkeiten in den Zahlen der letzten Saison bekannt geworden, die zumindest besagen, dass ein Minus von 12 bis 15 Millionen Franken „erwirtschafte“ wurden. Der ganze Verein ist somit extrem ungesund, zumal eine gigantische Zahl von 40 Spielern unter Vertrag steht, zugleich die sportlichen Leistungen mangelhaft sind und nun auch die Zuschauer sich mehr und mehr abwenden. Also: das könnte schon dramatische Folgen haben. Wer geht noch ans Leistungslimit, wer sucht längst einen neuen Verein, wen lähmt vielleicht die Angst vor einer ungewissen Zukunft? Gute Nachrichten sind jedenfalls anders.
Die erste Hälfte ziemlich ausgeglichen, mit beiderseits ein paar guten Chancen, und jeweils einen, fast identischen, Penalty claim, der in beiden Fällen abgewiesen wird. Der zweite natürlich umso leichter, denn: wenn hier nicht, dann auch dort nicht. Nach der Pause ein bisschen Leerlauf, dann eine tolle Aktion von YB — und direkt das 1:0, per Hechtkopfball. Danach YB gestärkt und mit weiteren Chancen. Dennoch kommt St.Gallen zu einer Riesenchance zum Ausgleich. In einer sich allmählich öffnenden Abwehr bietet sich die Chance zu einem erfolgreichen Konterangriff, der in der 78. das 2:0 bringt.
Insgesamt also ein verdienter Sieg, aber doch hätte St.Gallen eine längere Zeit lang genau so gut in Führung gehen können. Nun wird sich St.Gallen wohl von ganz vorne endgültig verabschieden müssen, während YB natürlich Hände ringend nach einem internationalen Startplatz verlangt. Ob es möglich ist? Schon, aber es wird, eingedenk der Schieflage, schwierig werden.
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Lausanne Sports – Grasshoppers Club Zürich      0:0
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Zuschauer: 4.300   (Schnitt bisher: 5.973 Vorsaison: )
Lausanne hat sich auch aus dem Pokal am Mittwoch verabschiedet (0:2 daheim gegen Sion verloren), und hat auch sonst rundherum nicht mehr die gute Einschätzung untermauern können. Die letzten drei Ligaspiele gingen verloren und das an dieser Stelle so gelobte Duo Malonga/Moussilou scheint, zumindest derzeit, weder Angst noch Schrecken zu verbreiten.
 
Da GC am Mittwoch auch spielte, und zwar erfolgreich (3:1 in Aarau), hebt sich dieser Punkt in etwa auf. Aber der Blick auf die lange und nicht unbedeutende Verletztenliste, gepaart mit der sicher nicht so bekannten Tatsache, dass sie zwar den Platz an der Sonne verteidigten, aber doch in den letzten Spielen vom Tore erzielen abgekommen sind (nur 5 Treffer in den letzten 5 Partien; nicht unbedingt die Bilanz einer Ausnahmemannschaft), genügt es unter keinen Umständen zu einem Tipp auf die 2.
 
Irgendwie drückt man also doch Lausanne die Daumen, kann sich aber überhaupt nicht zu einem ausgewachsenen Tipp hinreißen lassen. Gefühl und Hoffnung — das passt überhaupt nicht zusammen und bildet kein Erfolg versprechendes Tandem –, aber kleine Neigung vielleicht Richtung 1/X.
 
Teamnews:
bei Lausanne fehlt Ibrahim Tall (31, IV, 12/0/0),
bei GC fehlt Veroljub Salatic (27, DM, 18/1/0) schmerzlich, Amir Abrashi (22, DM, 15/2/1), auch wichtig, Shkelzen Gashi (LM, 14/1/1), auch nicht unbedeutend, und Steven Zuber (21, LA, 18/4/3), was angesichts seiner Bilanzen auch ein Verlust ist.
 
Das Daumen drücken hat geholfen, wenn man so will, denn immerhin wurde der Außenseiter nicht besiegt. Es war sogar so — wie auch Gästetrainer Uli Forte nach der Partie einräumte –, dass der GC etwas mehr Grund hatte, mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, da Lausanne auf mehr Torchancen kam. Man muss hier jedoch zugleich einräumen, dass es ein wichtiges Teamdetail gab, welches in der Vorschau nicht berücksichtigt wurde: der FC Lausanne muss ab sofort auf einen seiner wichtigsten Stammspieler verzichten. Rodrigo (32) ist aus familiären Gründen in sein Heimatland Brasilien zurückgekehrt und der Verein hat ihm keine Steine in den Weg gelegt.
Lausanne dennoch gut, wie erwähnt sogar mit mehr Torchancen und der GC wird es in dieser Verfassung schwer haben, den FC Basel auf (bereits auf zwei Punkte geschwundene) Distanz zu halten. Natürlich sollte man dennoch nicht einen Punkt auswärts unbedingt schlecht reden. Die Drei-Punkte-Regel (die unsinnige Drei-Punkte-Regel) sorgt nur dafür, dass beiden Teams praktisch ein halber Punkt extra abgezogen wird. Und der sorgt dafür, dass man von Kommentatoren auch immer häufiger die Floskeln „ein Punkt, der keinem von beiden hilft“ oder, noch schlimmer, „der Punkt ist gefühlt wie eine Niederlage“ hört. Nachdenken aber scheint sich im Zusammenhang mit dem Begriff „Kommentator“ aber auszuschließen. Wobei hier noch viel mehr die FIFA gefragt wäre: hat man je über den Sinn nachgedacht? Hat man je eine Analyse vorher–nachher durchgeführt? Wo soll der Zugewinn gewesen sein? Weit und breit nicht zu entdecken — man selbst hat diese Analysen ja Berufs bedingt angestellt. Außer einem Haufen von Ungerechtigkeiten, sich niederschlagend in den intuitiven, natürlich dumm bleibenden, Reportersprüchen.
 
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