Rückblick 3. Bundesliga, 22. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:

Da ja alle Tipps aufgingen, ist man klarerweise mit dem Jahresabschluss in der Liga rundherum zufrieden. Hier waren die Quoten  im Schnitt wohl eher über 2.0, so dass die Milchmädchen-Abrechnung doch mit ein paar guten Argumenten so durchführen kann: +10 (Chemnitz) +1 (Erfurt) +4 (KSC) + 5 (Münster) +5 (Heidenheim) = +25, ein phantastisches Ergebnis, was für einigen Winterspeck sorgt, den man hoffentlich aber (im Gegensatz zu dem am Körper) gerne beibehalten, am liebsten gar noch anreichern würde im Frühjahr.
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Chemnitzer FC – Wacker Burghausen   2:1 (2:0)

Zuschauer: 3.300  (Schnitt bisher: 4.755; letzte Saison: 5.161)
Aufgrund der ganz starken Leistungen von Chemnitz zuletzt und der möglichen Verblendung des Wettmarktes, der die Tabelle (übertrieben) ins Kalkül zieht, mutige 10/10 auf Chemnitz Sieg.

Chemnitz begann offensiv und erspielte sich früh einige Chancen. Dann mal wieder eine typische Elfmeterszene, wie üblich mit dem Kommentar „hätte Elfer geben müssen.“, gab es aber nicht. Wie blind kann man eigentlich sein, das Problem nicht zu erkennen? Man MÖCHTE keinen Elfer geben. Ein Tor ist ein zu hoher Lohn, ein Tor hat zu viel Einfluss auf den Spielausgang, ein Tor bewirkt fast immer eine gigantische Chancenverschiebung zugunsten der einen und zu Ungunsten der anderen Mannschaft, so dass man sich scheut, diesen Einfluss wirksam werden zu lassen, selbst mit dem Pfiff dafür verantwortlich zu sein. Der Elfmeter ist praktisch immer eine zu harte Strafe für eine Szene, indem sie die Chancen auf ein Tor in gewaltige Höhen schraubt, welche, allein aus der Szene selbst, fast nie in der gleichen Größenordnung erwachsen würde. Diese Punkte arbeiten so erfolgreich zusammen, dass man bereit ist, das Regelwerk beinahe nach Belieben zu dehnen und zu strecken, nur um um diese harte Bestrafung herumzukommen. Die Medien arbeiten aber mit in die gleiche Richtung, da ihnen offensichtlich auch das prinzipielle Problem entgeht und sie von daher den Schiedsrichter mit einem gewaltigen Schutz umgeben, zugleich aber erbitterte Jagd auf die ganz, ganz wenigen Szenen machen, in denen es einmal umgekehrt ist, dass ein Strafstoß zugesprochen wird, dem man die Berechtigung aberkennt. Dies dient zugleich der Beruhigung des eigenen Gewissens (da man nämlich intuitiv spürt, dass etwas gewaltig zum Himmel stinkt), sorgt aber auch parallel dafür, dass die Augen fest geschlossen bleiben oder die Tomaten vor den Augen nicht entfernt werden. Man müsste also diesen Missstand zunächst erkennen, und ihn dann geflissentlich aus der Welt schaffen.
Was war hier geschehen? Ein CHemnitzer möchte den Ball — ohne irgendeine Bedrängnis — aus dem eigenen Strafraum nach vorne schlagen. Bei diesem Versuch rutscht er aus, trifft den Ball gar nicht. Dieser kullert bedrohlich in die Nähe eines Angreifers, der des Missgeschicks gewahr wurde. Was hilft in diesem Falle? Der „Verunglückte“ fällt, merkt, dass er mit legalen Mitteln nicht mehr an den Ball kommt und dass sich so eine Tormöglichkeit für den Gegner ergeben könnte, streckt im Fallen die Arme Richtung Ball, und fängt ihn damit wieder ein. Natürlich müht man sich, dieses (Fehl-)Verhalten möglichst geschickt zu kaschieren, das Berühren des Balles mit den Händen nur als kleine Folge des Sturzes zu suggerieren — nur ändern kann dies alles nichts an der Tatsache, dass man a) den Ball mit den Händen gespielt hat und b) damit in diesem Falle eindeutig eine Torchance verhindert hat.
Der Schiri — welcher nach obiger Erklärung einfach keinen Elfer geben möchte — hat nun blitzschnell im Kopf die paar Dinge zu sortieren. „Klar habe ich gesehen, dass er mit der Hand am Ball war, klar haben es auch alle Umstehenden, alle Beteiligten gesehen und, völlig logisch, haben es auch die Zuschauer und die Fernsehkameras eingefangen. Aber nun habe ich schon SO LANGE darüber nachgedacht und gezögert, dass ich JETZT ja eh nicht mehr pfeifen kann.“ Der letzte Gedanke ist der: „Werde ich damit davon kommen?“ Und dies ist gar keine Überlegung mehr, dass ist pure Intuition, in den Reflexen (des Nichtstuns) fest verankert: ja, man kommt mit JEDER Entscheidung GEGEN einen Elfer glimpflich davon. Wehe, wehe, wehe aber, man entscheidet sich FÜR einen FRAGWÜRDIGEN. Dann hat man monatelang keine Ruhe — es sein denn, man tritt direkt in den gleichnamigen -stand.
ALso: es geht alles ganz schnell und fällt, wie stets, entgegen des Strafstoßes aus. „Hier hätte es geben müssen…“ registriert man zwar auch in der Nachbetrachtung, nur wird man ja danach nicht einmal befragt. Falls doch, dann genügt die schlichte Antwort: „Das konnte ich von meinem Standpunkt aus schlecht erkennen.“ oder „für mich war das kein Handspiel, das war nur ein unglücklicher Umstand, keine Absicht dahinter.“ Schon ist man ganz fein raus.
In dieser Szene geht die Psychologie noch weiter: man hat es gesehen, man hat sogar das Verhindern der Torchance wahrgenommen, da aber der Gegner nicht den geringsten Beitrag geleistet hat und es wirklich nur ein kleiner Zufall, ein winziges Unglück mit so verheerenden Folgen — falls man denn das Unvermeidliche getan hätte und auf den Punkt gezeigt — dass man die Szene einfach im Geiste ungeschehen macht. „Nein, es ist ja gar nichts passiert. Das war Pech und gut ist es, da gibt man einfach keinen Elfer, Punkt, Schluss, aus, basta.“
Ändert alles nichts daran: Chemnitz war die bessere, die Spiel bestimmende Mannschaft, machte Druck und bekam die Chancen. In der 17. schon das (verdiente) 1:0 (trotz der möglichen Elferentscheidung). Auf der anderen Seite gibt es übrigens den Elfer, etwas später, für eine relativ harmlose Attacke. Hier gibt es genau so eine psychologische Erklärung: wenn eine Mannschaft Druck macht, ständig im Strafraum auftaucht, dann gönnt man ihnen diesen in gewisser Weise. Wenn also die gleiche Situation auftreten würde, ohne, dass man ständig im Angriff wäre, so würde es garantiert keinen Elfer geben. Nun gut, das war das 2:0. Und sogar danach noch drückte Chemnitz weiter, nur eine echte Chance für die Gäste.
In Hälfte 2 ein wunderschöner Treffer von Mokhtari, einen Schuss aus etwa 20 Metern genau in den Angel gezwirbelt. Chemnitz hatte ja nun in den beiden Spielen zuvor jeweils eine Führung aus der Hand gegeben, jeweils in der Schlussminute. So wurden sie wirklich ein wenig ängstlich, dass es wieder geschehen könnte. Aber doch hatten sie weitere Chancen zum 3:1, wobei auch Burghausen ab und an zu guten Gelegenheiten kam.
Der Sieg war verdient, keine Frage. Ein gutes Spiel von Chemnitz, aber auch Burghausen sah nicht so schlecht aus.
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Rot Weiß Erfurt – Hallescher FC   2:1 (0:0)

Zuschauer: 4.984  (Schnitt bisher: 4.912;  letzte Saison: 5.930)
Insofern bleibt der Tipp bescheiden: 1/10 auf Erfurt Sieg.

Ein tolles Derby, wie versprochen — und wenn man genau schaut: auf allen Plätzen, Witterungs bedingt, weniger Zuschauer als sonst, meist erheblich weniger, und hier sogar knapp über dem Schnitt. Die zahlreichen Helfer hatten den Platz in einen sehr guten Zustand gebracht, so dass die Partie zwar kämpferisch ohnehin auf hohem Niveau stand — mit riesiger Leidenschaft von beiden Seiten geführt –, aber die zugleich reichlich spielerische Highlights zu bieten hatte. Erfurt aber rechtfertigte das in sie gesetzte Vertrauen. Sie haben deutlich mehr für das Spiel getan, haben den Gegner teils eingeschnürt  und auch die Vielzahl an klaren Chancen produziert. Dennoch das Zustandekommen des Sieges besonders, kurios zugleich.

Denn: die vielen Großchancen wurden nicht genutzt wo man allmählich vom Gefühl her — sicher auch als Spieler — allmählich ins Schwanken gerät: ist das nun ein Spiel, in dem man, wenn man immer weiter so macht wie bisher, doch irgendwann das Siegtor erzielt, oder in welchem man vielleicht doch, bei der einen Situation des Gegners, das unglückliche 0:1 kassiert — und das Spiel in der Folge verliert. Wenn es nicht so gut läuft — wie bei Erfurt in der gesamten Saison nicht, aus den unterschiedlichsten Gründen –, überwiegt vielleicht allmählich die Sorge. So geschah es tatsächlich: das Chancenverhältnis stand bei 7:1 (mindestens, und die meisten für Erfurt waren sehr groß), als in der 74. Minute ein Hallenser im Strafraum zum Schuss kommt, und die Kugel exakt links unten im Eck einhämmert. Unhaltbar, toller Schuss — und tragisch zugleich für das Heimteam.
Nun aber: die Fans ließen nicht nach in ihrem Eifer, da sie der Mannschaft, außer dem Pech, einfach nichts nachtragen konnten. Die nächste Angriffswelle rollte, ein kluger Pass in die Schnittstelle, ein durchbrechender Stürmer, ein in Panik geratender Verteidiger, der seine Abwehrseite vernachlässigt hatte, läuft dem Angreifer quer durch die Bahn, und rammt ihn dabei um, ohne den Ball zu berühren. Klarer Elfer, auch verhängt, und man möchte sich in diesem Moment nicht auch noch über die Diskussion um Rot + Elfer oder nur Elfer auslassen, es gab jedenfalls den Elfer plus das Rot, der Elfer hing (81.) und nun ging die Partie erst richtig los.
Erfurt natürlich in der Überzahl mit weiteren guten Angriffen und Möglichkeiten, aber auch die Gäste kamen zu zwei Chancen. 90. dann: ein vielleicht vermeidbarer Eckball, alle Mann im Strafraum, unübersichtliche Szene, einige stürzen, plötzlich liegt der Ball frei, ein Erfurter kommt heran und haut ihn aus Nahdistanz unter die Latte. Das 2:1, der Tipp nicht nur gut sondern in letzter Minute auch noch eingetroffen.
Tolle Partie, keinesfalls ein schlechtes Urteil über Halle, aber Erfurt war in der Partie (und ist insgesamt), auch ohne Morabit,  die bessere Mannschaft und hat das überzeugend auf den Platz gebracht..
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Karlsruher SC – VfB Stuttgart II   3:1 (1:1)

Zuschauer: 13.113  (Schnitt bisher: 10.374;  letzte Saison 2.Liga: 15.173)
Eine 1, aber nur mit 4/10 (wegen der Zweiten, ganz allgemein, wegen Derby und wegen Respekt vor speziell VfB II).

Stuttgart kein bisschen schwach, im Gegenteil, stemmten sie sich dagegen mit allem, was sie hatten. Wenn man allerdings mal ein Zeugnis dafür bekommen möchte, dass sie keinen reinen Ergebnisfußball spielen und das ein Mangel an Alter zwar sehr viel versprechend sein kann, aber eben durch einen Mangel an Erfahrung „ersetzt“ wird, hier zwei Situationen, in einer Szene zusammengefasst: bereits in der 3. Minute sind praktisch alle Mann vorne, so dass die Hausherren, zugleich haus(!)hohe Favoriten, im eigenen Stadion einen Konter gegen eine völlig entblößte Defensive fahren können. Nun gut, das Punkt 1 des Erfahrungsmangels (den man hier auch gut so auslegen könnte: wir spielen Fußball und Ziel des Spiels ist es, Tore zu erzielen, im Idealfall mindestens eines mehr als der Gegner): der Konter wird vorgetragen, und, in leichter Panik, orientieren sich auf einmal alle zurückeilenden Spieler zum Ball führenden (ja, richtig: hier fände der Reporterspruch wirklich Anwendung: wie in der Jugend, aber die meisten sind ja noch Jugendlich? Sicher, nicht mehr E-). Das eröffnet logischerweise riesige Räume auf der anderen Seite. Der Ball muss nur noch dahin. Aber dazu setzt man eben die Erfahrung gepaart mit Können ein: von der Biezen hatte, nach dem klugen Pass, jedenfalls völlig freie Bahn zum Tor, und verwertete zum 1:0.
Der VfB zeigte aber durchaus, was in ihm steckte. Nun hatte man, als Alibi für den weiter zelebrierten Offensivfußball ja immerhin den eigenen Rückstand, es ging also weiter nach vorne. Talent, Jugend, Antritt, Grundschnelligkeit, das die Vorteile der Jugend. Hier wurden sie ausgespielt: ein tödlicher Pass, den der angespielte Angreifer aber nur dank seiner Schnelligkeit erreichen konnte, der Gegenspieler wird überlaufen — und fährt das Bein aus. Strafstoß, das 1:1 (12.).
Nun aber zeigte der KSC, was sie zur klaren Nummer 1 macht: sie benötigten weder die Physis noch die Kampfkraft, um, vor allem in Person von Haken Calhanoglu, aufzuzeigen, dass rein spielerische Mittel ausreichen, um diesem Gegner beizukommen. Calhanoglu mit seinen 18 Jahren natürlich kein bisschen anders als die Gegenspieler, nur halt noch besser. So erzeugte der KSC Chance auf Chance, meist unter Beteiligung des genannten Supertalents. Er hatte immer eine passende Antwort, war kaum zu halten, selbst häufig mit einem Abschluss — bei dem ihm einige Male nur das Quäntchen Glück fehlte — und vor allem mit diesen überragenden Standards.
Dennoch die wohl entscheidende Szene hier: an der Mittellinie ein Zweikampf, möglich, dass er etwas hart geführt war, aber ob Gelb dafür angemessen, jedenfalls fraglich. Der Schiri zückt die Karte aber, gegen einen Stuttgarter. Nach einer ganzen Weile scheint ihm etwas aufzufallen: derselbe Spieler HATTE bereits eine Gelbe Karte gesehen. So  gab es unvermeidlich Gelb-Rot, das war nun unter keinen Umständen mehr zu korrigieren. Nur steht hier die kühne Behauptung: wenn er sich der Verwarnung erinnert hätte, dann hätte er für dieses Vergehen nicht Gelb (und damit Gelb-Rot) gezückt.  Als Indiz die Überraschung, die ihn traf, als er der Unvermeidlichkeit der Hinausstellung gewahr wurde, aber, noch viel mehr, ist es eine feste Überzeugung, dass man, rein intuitiv, nicht oder nur höchst ungern derart entscheidend eingreift. Gelb ja, Gelb, wenn es zuvor schon Gelb gab, an den selben Spieler: niemals. So wäre ein weiterer Beweis dafür angetreten, dass die Schiedsrichter nicht etwa nach einem (äußerst mangelhaften) Regelwerk entscheiden, sondern beinahe nach Belieben, damit Spiele so entscheidend, wie es ihnen gerade passt. Der Schiedsrichter ist die eigentliche Schwachstelle in dem ganzen System Fußball. Er hat alles in der Hand, so ist es einfach. Wenn man es versteht, könnte man anfangen, vernünftige Regeln zu machen.
Mit 11 gegen 10 wurde die Überlegenheit noch größer. Aber es mangelte auch überhaupt nicht an Großchancen. Calhanoglu bereitete das 2:1 vor, mit einem seiner gefährlichen Freistöße, danach gab es ein weiteres Festival an Riesen. Da aber das 3:1 einfach nicht fiel, blieb es bis zur Schlussphase hin spannend, ja, der VfB kam sogar zu insgesamt drei eigenen guten Chancen, die teils an Qualität jenen des KSC in nichts nachstanden. Also es hätte durchaus an diesen Stellen… Allerdings wäre es weiterhin unverdient gewesen, natürlich, selbst wenn man die Hinausstellung abzieht (denn auch davor gab es schon genug Chancen, die Wette zu rechtfertigen).
Also: ein grandioser KSC gegen keineswegs schwache Gäste, die alles zeigten, was sie auf diesen Tabellenplatz (es ist jetzt der 8.) gebracht haben.
Der KSC in dieser Verfassung ist definitiv ein Stolperstein im rein badischen Derby am Dienstag. Das wird eine sehr harte Nuss für Freiburg und man wagt an dieser Stelle zu behaupten, dass die Gäste nicht einmal als Favoriten anreisen, so stark sie auch in der 1. Liga dastehen und auftreten. Nein, die Klassenunterschiede werden sehr leicht verwischen, nicht erkennbar werden.

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Preußen Münster – SV Darmstadt 98   3:0 (1:0)

Zuschauer:  6.102  (Schnitt bisher: 7.735;  letzte Saison: 7.031)
5/10 auf Sieg Preußen Münster.

Eine ziemlich einfache Angelegenheit. Darmstadt brachte nach vorne so gut wie gar nichts zustande, so dass bei Münster eine ganz normale Leistung genügte. Sie kreierten nicht all zu viele Chancen, aber sie näherten sich immer mehr dem Torerfolg an. In der 42. Minute war es so weit — gerade, als der völlig tumbe (live-)Kommentator  (nur sind dies wirklich ALLE Deutschen Sprecher) so völlig sinnlos, aber mit dem Pausenpfiff in Sichtweite, orakelte, dass „es nicht so aussieht, als ob bis zur Pause noch etwas passiert“. Es sah genau aus, wie beschrieben: es kam immer wieder mal zu einer Chance. Diese wurde schließlich genutzt.
Die 2. Hälfte ging so weiter, Darmstadt hatte nicht die Mittel, um Münster ernsthaft in Verlegenheit zu bringen, und in der 71. und 73, gab es einen Doppelschlag, der endgültig die Partie entschied — wobei auch hier der Sprecher, direkt nach dem 2:0 in der 71. sofort, bereits beim Einschlag wieder brillant war (und für das reichliche Abschalten des Gesabbels sorgte, falls es überhaupt irgendeinen Zweck erfüllen sollte), indem er sagte: „Das war es, das ist die Entscheidung, da lege ich mich jetzt schon fest.“ Wer möchte überhaupt ein einziges Wort von ihm hören, das ohnehin eine ungeklärte Frage (denkt man beim Sender darüber nach?), aber falls es welche gab, die sich auf das profunde Kommentatorenurteil, in dessen langen Jahren Erfahrung angeeignet, verlässt, dann KANN man doch im Anschluss daran nur denken: „Na, da es ja nun entschieden ist, muss ich ja nicht mehr zuschauen.“ Könnte DAS denn die Absicht sein? Es ist vergleichbar mit einem Marktschreier, der die Produkte der Konkurrenz anpreist: „Hier gibt es nur faule, kleine und zu teure Eier. Gehen Sie nach nebenan, da kriegen sie frische, preisgünstige.“ Wer wird da endlich mal die total verklebten Augen öffnen? Es schaut so gut wie niemand mehr Fußball. Und zuhören tut hierzulande schon längst keiner mehr. Es ist einfach unerträglich.
Tatsache ist, dass das 2:0 (auch von der Wahrscheinlichkeit her, zu diesem Zeitpunkt) wirklich so gut wie sicher stellt, dass der Favorit das Spiel nach Hause bringt. Am Wettmarkt bekommt man danach vielleicht noch eine 1.01, was für eine Chance von um die 1% für den Außenseiter spricht, dass er das Spiel NICHT verliert (die eigens angelegte Datenbank, die vergleichbare Spiele heraussucht, kommt zu dem Ergebnis, dass nur eines von 174 Spielen NICHT mit dem Favoritensieg endete). Nur: wenn man jetzt GENAU DIESES EINE SPIEL erwischt hätte als Kommentator, dann hätte man zwar DIE Story zu erzählen, das Highlight des Jahres, und wäre nicht nur live dabei, sondern hätte die Chance, dieses Ereignis in die Wohnzimmer zu transportieren — nur hat man gerade eben dafür gesorgt, dass niemand mehr dabei ist.
Die Chance ist sehr klein, nur ist dies auch ohne diese Art von Orakeln bekannt, bewusst, das spürt ja nun wirklich jeder. Also AN DIESER STELLE auch noch schlau sein zu wollen, ist so ziemlich das lächerlichste vorstellbare. Wenn er eine Aufgabe hätte, dann wäre es diese, es nun TROTZDEM noch spannend zu gestalten, um den Gegeneffekt des Abschaltens — was sicher viele betrifft, die sich sagen dürften: was soll ich jetzt noch auf das Wunder warten? — zu erzielen. Peinlich dumm ist es.
Da das 3:0 direkt hinterher fiel — sicherlich war der Mann nun mächtig stolz, dass ihm niemand mehr bei seiner affigen „Prognose“ in die Super spuckte –, und damit war die Partie tatsächlich durch.
Es war keine überragende Leistung von Münster, allerdings war ja zuvor angemerkt, dass die Ausfälle von Bischoff — dem Ideengeber — und Taylor — dem 1a Torjäger — doch etwas schwerer wiegen könnte. An einem einfachen Sieg ohne besonderen Glanz änderte dies nichts.
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Kickers Offenbach – VfL Osnabrück   1:5 (1:2)

Zuschauer: 4.703  (Schnitt bisher: 6.537;  letzte Saison: 6.766)

Wie auch immer, es gibt nichts vorherzusagen außer, dass man sich bei der Partie lieber heraushält.

Bei einem 1:5 ein Haar in der Suppe zu finden, ist schwer —– aber es ist möglich. Da man sich ja mit einem Tipp zurückhielt, kann man durchaus nüchtern, aber zugleich vom Fußball fasziniert, die Geschehnisse zusammenfassen:
Offenbach in Hälfte 1 mit einer guten Leistung und einer ziemlichen Überlegenheit. Nach 23 Minuten — anstatt dass man bereits in Führung lag — ein Rückpass zum Torwart, den dazwischen lauernden Gaetan Manno übersehend, der völlig allein vor dem Keeper stand und locker einnetzte. Das 1:0 für Osnabrück — ein wirkliches Geschenkt. Danach gelang ihnen aber das klar verdiente 1:1, jedoch durch einen brillanten Konter, von drei Mann herausgespielt, ging Osnabrück wieder in Führung.
In Hälfte 2 das gleiche Bild: Offenbach griff an, Osnabrück machte die Tore. Das 1:3 wieder sehr kurios: Freistoß in der Nähe der Eckfahne, mit sehr ungünstigem Winkel zum Tor. Der Ball wird dennoch in die Richtung geschossen, wieder von Manno. Direkt vor dem Keeper, der den Ball locker abgefangen hätte, kommt ein eigener Mann heran, der ihn mit den Haarspitzen am Keeper vorbei, aber, wegen der so zarten Abfälschung nicht am Tor vorbei lenkte. Das 4:1 zwar wieder sauber erzielt — Eckball-Kopfball-Tor –, aber das fünfte wieder ein reines Geschenkt, als ein einsamer Osnabrücker Angreifer zwischen vier Verteidigern plus Torwart WIEDER einen zu kurzen Rückpass — nach dem Motto „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ — erlaufen konnte und den Ball einspitzeln.
Also: Offenbach keineswegs schwach. Die Zuschauer aber, ohne jede Sensibilität ausgestattet — was unseren allgemein absolut niveaulosen, tumben Kommentatoren zu verdanken ist — pfiffen nach dem Spiel und riefen „van Lent raus“ (das ist der Trainer). Dies natürlich kein so gutes Zeichen für das Pokalspiel am Dienstag, aber ansonsten würde man Offenbach ganz gerne dort nehmen (gegen Düsseldorf).

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Stuttgarter Kickers – 1.FC Heidenheim   0:2 (0:1)
Zuschauer: 3.250  (Schnitt bisher: 3.913;  letzte Saison:)
Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob man vorsichtig, mit X/2, oder mutig, mit der 2 zu Werke gehen sollte.  Unzweifelhaft wird Heidenheim hier auf Sieg gehen, insofern ist die Entscheidung doch einfach: 5/10 auf die 2, Heidenheim gewinnt.

Guter Tipp, aufgegangen, sogar mit zwei Toren, ohne Gegentor. Alles eitel Sonnenschein also? Na, so ziemlich. StuKi war aber engagiert in der Partie, Heidenheim kam zu den eigenen Chancen meist durch Konterangriffe, was ein ganz klein wenig gegen die ursprüngliche Einschätzung spricht, dass sie als Favorit auftreten würden. Andererseits kann man das Verhalten auch durchaus als „klug“ auslegen. Der Gegner MUSS ja, vor den eigenen Fans einerseits, aber auch aufgrund der Tabellensituation, kommen, also soll er doch kommen. Die Konterangriffe waren häufig recht sauber gespielt, einer führte schon recht früh (in der 11.) zum 1:0 durch Altmeister Thurk (der übrigens nicht so viel von seiner Spitzigkeit eingebüßt hat), und insgesamt gab es ein Chancenplus für die Gäste.
Eine wohl entscheidende Szene Mitte der 2. Hälfte, als es, in einem recht hitzigen, beiderseits umkämpften, Württemberg-Derby, eine Gelb-Rote Karte gegen einen Stuttgarter gab. Die Chancen wurden aus den Kontern noch größer, aber StuKi hatte, mit dem Mute der Verzweiflung anrennend, auch zwei, drei gute Chancen zum Ausgleich. Als man ziemlich energisch allseits auf Handspiel reklamierte (86.), im gegnerischen Strafraum — was wohl doch nicht ganz berechtigt war, aber, unabhängig davon, eh immer abschlägig beurteilt wird — setzte es gegen eine entblößte Abwehr das 2:0 (diesmal mit Thurk in der Vorbereiterrolle).
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