Rückblick 3. Bundesliga, 21. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:
 
Aufgrund der Spielausfälle ein arg gekürztes Programm, aber bei den ausgetragenen Spielen kann man natürlich weit mehr als nur zufrieden sein. +3 auf Bielefeld, +9 auf den KSC, +4 auf Osnabrück, -2 für Rostock und bei Chemnitz hatte man bereits beim Verfassen der Vorschauzeilen ein mulmiges Gefühl, und dann auch noch diese Dramatik mit der 2:0 Führung und dem Ausgleich in der Nachspielzeit. Also: der Tipp war auch da sehr gut, zumindest im Sinne des reinen Ergebnisses und des späten Ausgleichs, der unter diesen Umständen natürlich als glücklich anzusehen ist, aber doch wird der Wettvorschlag hier nicht „abgerechnet“. Wer die 1 hatte, hätte -2 Einheiten, wer X/2 hatte, hätte +4, also rechnet man einfach +-0.
 
Dennoch ist die Summe +14, was einen sehr zuversichtlich stimmt, indem man nämlich allmählich die Erkenntnis gewinnt: tüchtige Arbeit kann sich durchaus als lohnend erweisen.

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Arminia Bielefeld – Borussia Dortmund II   4:2 (1:2)

Zuschauer: 7.598   (Schnitt bisher: 7.899)

Also: 3/10 auf Bielefeld, die 1.

Der Tipp ist aufgegangen, das ja. Aber er war kein bisschen gut, ganz im Gegenteil. Die Zuschauer waren da, wobei man ganz ehrlich eingestehen muss, dass Dortmund, sogar als Zweite, ein nicht unattraktiver Gegner ist. Man bekommt nicht nur tollen Fußball zu sehen — das Talent war ihnen ja längst bescheinigt, und vorne sah es schon lange gut aus — sondern auch eine Reihe großer Talente, von denen man sicher sein kann, sie bald in viel höheren Klassen spielen zu sehen. So lief hier Leonardo Bittencourt auf, der bereits am Dienstag davor seine ersten Championsleague Minuten (!!) absolviert hatte. Die 3 Millionen, die er gekostet hat, ist er ganz sicher wert. Also: die Mannschaft macht Spaß, zu schauen, in vielerlei Hinsicht (ob man sich gar auf die Trikotfarbe freut, wenn man denn ins Stadion geht?).
Dortmund dominiert die Partie von Anfang an. Verunsicherung gibt es eh dort selten zu sehen. Man spielt einfach das, was man kann. Vielleicht im Zweikampf nicht stets auf den puren Erfolg ausgerichtet, aber jeder weiß dort, was er kann und schaut, so muss man annehmen, selten auf die Tabelle. Eine Identifikation mit dem Club mag vorhanden sein, auch eine Identifikation mit der Mannschaft und den Kameraden. Aber kein übertriebener Ehrgeiz, die Klasse halten zu müssen, da das Wohl und Weh des Clubs absolut nicht vom Drittligafußball der Zweiten abhängig ist. Das spürt man irgendwie und das macht diese Partien besonders. Also: Bielefeld geriet arg unter Druck, wusste gar nicht, wie ihnen geschah und auch die Zuschauer bekamen vor Staunen den Mund nicht zu, und konnten in dieser Pose die Mannschaft nicht anfeuern. So stand es bald 2:0 — aber für die Gäste. Und das war das Gegenteil von unverdient: es war eher zu knapp.
Als dann gegen Ende von Hälfte 1 die Arminia, ohne je ernsthaft im Angriff gewesen zu sein, von einem unmotivierten Herauslaufen des Torhüters profitierte, wobei ein eigener Mann ihm, der längst aus dem Tor geeilt war, einen völlig harmlosen Ball zurückspielen wollte. Der Ball tippte Richtung leeres Tor, ein Bielefelder hatte den Klops erahnt und war da — das 1:2.
Erstmals danach für die Fans so etwas wie Hoffnung und sie begannen, die Mannschaft zu stützen. Mit 1:2 in die Kabine, einem Ergebnis, dass irgendwie fast alles offen lässt, nur war es  halt ein total falsches Ergebnis. In der 52. Minute dann die Szene — und wenn man es vorab liest, fragt man sich, wie es überhaupt zustande gekommen sein mag –, die eine nähere Betrachtung lohnt: Bittencourt, das Supertalent (noch ist er erst 18) führt im Mittelfeld den Ball. Ein Bielefelder rauscht mit offener Sohle heran. Möglich, dass er ihn nicht voll erwischt, vermutlich deshalb, weil der Instinkt dem jungen Mann sagt: „Weiche lieber aus, ziehe zurück, deine Knochen sind es nicht wert, hier, in dieser Liga, kaputt getreten zu werden.“, denkbar auch, dass ein so gewandter Spieler (anmaßend vielleicht, ihn mit Götze zu vergleichen, aber Ähnlichkeiten in der Spielanlage und der Ballgewandtheit sind erkennbar) längst die Reflexe aufgebaut hat, die ihn die Gefahr erahnen lassen und derartigen Tacklings auszuweichen, aus ihnen schadensfrei hervorzugehen. Fakt aber, dass er doch — und das mit einigem Recht — empört ist über dieses rüde Einsteigen, selbst wenn er nicht (voll) getroffen wurde. Er geht direkt energisch auf den Gegenspieler zu. Ja, er nimmt ihn sich vor, seine Hand geht ins Gesicht, man könnte sagen, er würde ihn am liebsten mal ordentlich durchschütteln.
Wo ist denn nur der Schutz für derartige Spieler, für solche, die dafür sorgen, dass die Zuschauer mit der Zunge schnalzen können, die die Fans vielleicht in Scharen anlocken können und die auch, last but not least, dafür sorgen können, dass es in Europa League, Champions League und in Länderspielen, großen Turnieren weiterhin diese Erfolge zu feiern gibt? Auch dies ein Aspekt und so wenig man hier nationalistisch ist, denkt und fühlt: die Beteiligten, die Regelmacher sollten doch einen derartigen Gedanken irgendwo im Hinterkopf haben, da sie doch alle so scharf sind auf die derartigen Erfolge?
Was geschieht also? Das harmlose Hand ins Gesicht drücken, was garantiert absolut schmerzfrei bleibt, ist in Nichts vergleichbar mit den möglichen Schmerzen und sonstigen Folgen, die das Tackling hätte haben können, falls der Gegenspieler, der nun zum Übeltäter wird, nicht geistesgegenwärtig die Füße hochgenommen hätte. Dies ein wahrhaftiger Angriff auf die Gesundheit des so außergewöhnlichen Spielers (was, bitte schön, zugegeben, keinen Einfluss haben sollte, oder vielleicht doch?), nicht eine harmlose Hand im Gesicht, die noch nicht einmal ansatzweise als „Schelle“ ausgelegt werden könnte. Nein, das war ungebührendes Verhalten, das stand ihm nicht zu. Nur: wenn es keine Justiz gibt, die derartiges Einsteigen zu unterbinden in der Lage ist — hier sicher erwähnenswert, dass der tackelnde Spieler völlig straffrei ausging, nicht einmal Gelb bekam, wo ihm (und nur ihm) eher Rot zugestanden hätte –, dann verwundert es den Schreiber dieser Zeilen hier kein bisschen, dass man zur Selbstjustiz greift. Hätte er ihm nur einen ordentlichen Satz heiße Ohren verpasst, dass es ihm vielleicht doch eine Lehre ist, dann hätte sich das Rot wenigstens ein klein wenig gelohnt.
Nein, es war nicht korrekt, alles daran war nicht korrekt, verletzt das Rechtsempfinden, so man denn, angesichts des so auswuchernden Unsinns, der nicht nur gepfiffen sondern dazu von der labernden Zunft, den Kommentatoren also, abgesondert wird, noch ein gesundes hat. Ein Gegenspieler kann dir im Zweikampf in die Wade beißen, den Ellenbogen ins Gesicht rammen und sämtliche Zähne ausschlagen, er kann dir mit dem Fuß ins Gesicht treten, falls du die Frechheit besitzen solltest, im gegnerischen Strafraum mit dem Kopf zum Ball zu gehen, um ihn, in hinterhältiger Absicht, in Gegners Netz unterzubringen, das alles ist „normale Zweikampfhärte“. Aber wehe, wehe, wehe, du wirst böse und streckst ihm die Zunge raus, geschweige denn, du schüttelst ihn am Arm.
Bittencourt musste vom Platz und Bielefeld durfte zu elft weiter spielen, ein paar Törchen machen und behaupten, sie hätten sich in Hälfte 2 gesteigert. Lächerlich. Wenn überhaupt, möchte man demnächst, aber gerne eingestanden, noch mehr für das Gerechtigkeitsempfinden, die Dortmunder haben.
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Hallescher FC – Karlsruher SC   0:2 (0:1)
Zuschauer: 6.200   (Schnitt bisher: 8.040)
Insofern eine klare 2, mit 9/10.
 
Nicht so viel zu sagen zu dem Spiel. Der beste Tipp von allen, mit einem 2:0 relative locker eingelaufen, was soll man da erzählen? Der KSC ging in Führung durch einen Freistoß, mal wieder, von Haken Calhanoglu. Sein 5. Tor bereits auf diese Art und damit macht er wohl bald Sinisa Mihajlovic Konkurrenz (Mijajlovic mit dem einmaligen Rekord, ein Spiel mit einem Hattrick aus Freistoßtreffern alleine zu entscheiden, aber auch sonst legendär, wie er sie trat, und wohl noch immer in der Serie A der Spieler mit dem besten Verwertungsquotienten, vielleicht sogar weltweit?!). Dieser war zwar präzise und hart geschossen, hatte eine spektakuläre Flugkurve, und war dennoch eigentlich schon pariert, wenn der 38-jährige Horvat („Horvat unser Torwat“) ihn nicht hätte abprallen lassen und von da — nein, nicht etwa einem Stürmer vor die Füße, der Schnitt war wohl noch drin in dem Ball, er sprang am anderen Pfosten zurück Richtung Tor und tatsächlich hinein! Das 1:0.
Der KSC aber im Vorwärtsgang, wenig von Halle. Das 2:0 ebenfalls ein wenig kontrovers, da der Stürmer (van der Biezen) seinen Gegenspieler angeblich beim Lauf nach dem langen Pass gefoult hat — angeblich hat er selbst die Berührung nach der Partie eingestanden. Nur: der Abwehrspieler, der im Laufduell zu Fall kommt, rappelt sich sofort wieder auf, um Nachzusetzen und in dem Moment gilt so etwas wohl als einseitiges Schuldeingeständnis. Ein „anständiger“ Verteidiger nämlich, der auf das Foul aufmerksam machen möchte, bleibt schlicht liegen. Der Schiri reagiert DANN immer gleich — und hierbei sogar gleichgültig, ob es sich um ein Foul (selten) oder um KEIN Foul (sehr häufig) handelte — und pfeift ab. Der Hallenser Abwehrspieler wurde also Opfer der Psychologie: wenn er aufsteht, wird er wohl nicht gefoult worden sein. Ähnlich, wie in Österreich dieses Wochenende, als ein Stürmer nach einem klaren Foulspiel dennoch den Torabschluss suchte — und natürlich folglich keinen Strafstoß bekam — lautet also auch hier der (im Sinne des Erfolges) ernst gemeinte Ratschlag an ALLE auf dem Platz: Verbrechen lohnt, crime DOES pay, ihr müsst fleißig simulieren und vortäuschen, DANN, so seid versichert, werdet IHR den Pfiff bekommen — und dem Gegner eine Nase drehen.
Als Verständiger des Rechtsgedanken und der Aufrichtigkeit verpflichtet: sobald man ALLEIN DIESES auf Seiten der Judikativen erkannt hätte, wäre es bereits ein Leichtes, gute Regeln niederzuschreiben und auf Seiten der Legislativen, sie zu beherzigen. Ähnlich, wie eine Notbremse NIEMALS DER EIGENEN MANNSCHAFT ZUM VORTEIL GEREICHEN DÜRFTE, so müsste auch hier gelten: verhalte dich sportlich und du hast nicht nur die Gunst der Fans sicher (was deshalb kaum möglich sein dürfte, weil man in die Spielklassen niemals aufsteigen wird mit dem wahrhaftigen Fairplay Gedanken im Hinterkopf und ihn ausübend; sprich: in Wahrheit kommen nur die ganz nach oben, die sich schweinisch verhalten, das die aller bedauerlichste Wahrheit), sondern zugleich hättest du Maximales für den Erfolg getan. Nun ja, in einer mehr als fernen … Vergangenheit (und nicht Zukunft) mag es mal so gewesen sein (was assoziiert man beispielsweise mit Fritz Walter oder Uwe Seeler? Untadelige Sportsmänner, die niemals vorsätzlich ein Foul begangen hätten, geschweige denn, einen Täuschungsversuch vorgenommen; sie haben allein mit ihrer spielerischen Klasse begeistert, die Herzen der Fans erobert, nur war es eben in jener Zeit auch noch möglich), heute undenkbar und sogar weiter davon entfernt als je zuvor.
Halle versuchte danach noch Einiges, sah auch ab und an ganz gut aus, aber es reichte nicht mehr, nicht einmal zum Anschlusstreffer, wonach man erst einmal die Reaktion hätte sehen müssen. So war es doch ein recht ungefährdeter Sieg. An den Einschätzungen gibt es nichts zu korrigieren. Der KSC ist die Nummer 1.

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VfL Osnabrück – 1. FC Saarbrücken   3:0 (0:0)

Zuschauer:  8.600   (Schnitt bisher: 11.222)
Osnabrück zieht die Partie, eine 1, mit 4/10.

Tipp aufgegangen, mit 3:0 sogar klar und deutlich, alles gut also.
Die erste Halbzeit dennoch ziemlich ausgeglichen, was vor allem daran lag, dass Osnabrück nicht seine normale Leistung auf den Platz brachte. Vielleicht Begleiterscheinungen der finanziellen Krise? Chancenverhältnis vielleicht bei 2:2, also nicht so viel los allgemein.
In Hälfte 2 startete der VfL furios. Fast direkt nach Wiederanpfiff das 1:0, danach, jeweils nach Eckbällen, das 2:0 und 3:0. Einstudierte Varianten? Gut denkbar. Die Standards haben zunehmende Bedeutung bekommen, wie bereits vielfach hier angemerkt.
Damit die Partie natürlich entschieden. Wenn überhaupt Zweifel, dann beziehen sie sich auf die Finanznöte des VfL. Ob die Spieler dauerhaft damit zurechtkommen? Saarbrücken dürfte trotz des 0:3 und der wenig berauschenden gesamtbilanz keinesfalls etwas mit dem Abstieg zu tun bekommen. Zu viel Potenzial steckt da im Team.
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Hansa Rostock – SpVgg Unterhaching   0:1 (0:0)

Zuschauer: 6.700   (Schnitt bisher: 10.167)
2/10 auf Rostock, die 1.

Der Tipp keineswegs schlecht. Rostock hat eine solche Menge von Großchancen produziert — fast alle entschärft vom Mann mit den Krakenarmen, Riederer im Tor der Gäste –, dass sie längst die Führung verdient gehabt hätten. Unterhaching aber keinesfalls schwach, sie kamen nur selten nach vorne, waren dann aber gefährlich. In der 88. Minute dann die Höchststrafe für die Gastgeber: Ecke, Kopfball, Tor, das 0:1. Chancenverhältnis vielleicht bei 8:3. Also der Tipp ok, wie gesagt.
Teilweise sieht das bei Rostock wirklich extrem gut aus, nach richtigem Spitzenfußball, also wenn die Saison nicht schon so weit fortgeschritten wäre und der Abstand allmählich zu groß, gäbe es hier die gute Chance, demnächst etwas Kohle zu machen mit dieser Mannschaft. So? Schwer zu sagen, ob sie selbst noch an eine Chance glauben.
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FC Chemnitz – Preußen Münster   2:2 (2:0)

Zuschauer: 3.150    (Schnitt bisher: 5.094)
Also: Chemnitz ist keinesfalls Außenseiter in der Partie. Sie wären dran mit einem Sieg, das haben sie sich verdient. Eine 1 mit 2/10 (oder halt 1/X mit 4/10).
 
Man könnte die Partie sehr kurz zusammenfassen oder auch jede Menge Worte darüber loswerden. Einfach faszinierend. Um es vorwegzunehmen: der Platz war zu Spielbeginn komplett eingeschneit. Der Schneefall hatte eingesetzt zwei Stunden vor Spielbeginn, und hörte über die gesamte Spielzeit nicht auf. Alle 15 Minuten musste die Partie unterbrochen werden, damit zumindest die Strafraumlinien sichtbar gemacht werden konnten, der Schiri also wenigsten wüßte, wo der Strafraum ist. Da man aufgrund der leicht diffusen Wettangabe ohnehin diesen Tipp als pari gewertet hat, und die Bedingungen sozusagen irregulär waren, könnten dies die wenigen Worte gewesen sein. Ein lustiges Spiel im Schneetreiben, nur bitte, bitte, ziehe keine Schlüsse daraus, was von diesen Mannschaften zu erwarten ist in zukünftigen Auftritten.
Oder man wählt die Version „viele Worte“ (wozu ausgerechnet der Autor hier viel eher geneigt ist). Es war nämlich ein wirklich irres Fußballspiel, mit allem, was ein Fußballspiel ausmachen kann. Es waren zwar irreguläre Bedingungen, aber doch wurde von beiden Seiten fast durchgehend erstaunlich guter Fußball gespielt, und das ist ernst gemeint, „gespielt“. Es wurde nicht nur Bälle wie wild durch die Gegend gekloppt, hoffend, dass er mal einem Angreifer vor die Füße fällt und er den rutschenden Keeper mit der rutschigen Kugel mit einem Holperball überwindet, sondern richtig durchdachte, wohl überlegte Angriffe inszeniert, die immer wieder für ganz normale Spielsituationen sorgten. Riesenkompliment an beiden Mannschaften, für so ein tolles Spiel und man müsste, als wahrer Enthusiast, beinahe ein wenig bedauern, dass nicht live und in Farbe gesehen zu haben, am besten im Stadion.
Dazu kommt auch noch der überaus dramatische Verlauf. Zunächst ist nach 102 Sekunden Torsten Fink, der Goalgetter der Chemnitzer auf und davon, im Strafraum, leichte Außenposition, der Keeper rauscht heran, mit den Händen zuerst, Fink legt sich den Ball vor, kommt danach in Masuchs Hände und fällt. Ja, es gibt Elfmeter.
Aber genau diese Szenen sind es, die man diesseits der Tastatur eigentlich weniger mag im Sinne von „zugestandenen Elfmetern“. Viel übler sind eigentlich die permanenten kleinen Schubser und Zieher im Strafraum, die den Stürmer genau im Moment vor dem möglichen Abschluss — das gilt noch mehr bei Kopfbällen — „off balance“ bringen und so das Tor verhindern, die viel zu wenig geahndet werden , abgesehen von den permanenten Handspielen. In diesen Szenen, vergleichbar in diesem Spiel hier, sieht man genau, was der Stürmer vorhat. Ball irgendwie vorbeifegen, Timing vollkommen gleichgültig und nicht einmal im Interesse liegend, ob man ihn überhaupt erreichen könnte nach dem vorbeispitzeln, und, sobald Phase 1 abgeschlossen, geht man sofort in Phase 2 über: Beine möglichst nahe am Boden schleifen lassen und irgendwo die Torwarthände herumliegend vorfinden, dort einfädeln und stürzen. Einfacher Plan, kindlich genial. Hier gelungen. Nicht etwa, dass man Fink hier einen Täuschungsversuch unterstellen möchte. Er macht genau das, was ihm schon Tausende von Spielern vorgemacht haben. Es ist ein „state of the art“, wie man vorgeht, einhergehend mit Schiedsrichters Pfiff, der nämlich so gut wie immer erfolgt.
Da man allgemein an dieser Stelle hier immer pro Elfer und pro Tore argumentiert, möchte man sich  nicht wirklich beklagen. Es soll nur erwähnt werden, dass DIESE Szenen am wenigsten nach „klarer Elfer“ schreien, da die Torgefahr nicht als Grundlage hergenommen wird zur Beurteilung, und diese ist möglicherweise viel geringer als in anderen, kaum je geahndeten Szenen. Hier gibt es IMMER, dort NIE. Da stimmt etwas nicht, das die Betonung.
1:0 3.Minute, aber Chemnitz machte weiter. Ein gutes, engagiertes Spiel, wie erwähnt, mit sehr guten Spielzügen und nicht vielen Fouls. So kamen sie zu weiteren Gelegenheiten, lange bevor Preußen Münster sich auf die Bedingungen eingestellt hatte. Das 2:0 fiel bereits in der 14. und man kann es durchaus „verdient“ nennen. Weiter ging es, die (wenigen, aufgrund der Witterung) Fans waren voll da, die Mannschaft blieb gut in Schwung, hätte sogar nachlegen können. Nach und nach aber kamen auch die Gäste ins Spiel und kamen zu ihren ersten Chancen.
Nach der Pause dann zunächst ein verteiltes, sehr gutes Spiel, mit Chancen hüben und drüben, aber allmählich übernahmen die Gäste mehr und mehr das Kommando. Sie drängten der Gegner zurück und kamen wieder und wieder gefährlich in den Strafraum, bis aus einer der Szenen der Anschluss fiel, ganz klar, zu dem Zeitpunkt verdient.
Der Druck wurde gigantisch, Chemnitz konnte sich nicht mehr befreien. Da Chemnitz nun bereits in der letzten Woche diesen unfassbaren Ausgleichstreffer in Babelsberg in der letzten Minuten der Nachspielzeit kassiert hatte — ein Verzweiflungsschuss aus 40 Metern nach einem unberechtigten Freistoß und dies sogar teilweise der Grund war, hier für sie zu plädieren –, mutet es schon etwas tragisch an, dass es in dieser Partie hier wieder in der 93. Minute geschah. Nur war es hier definitiv verdient.

Also: trotz der eigentlich zu vermeidenden Schlussfolgerungen zieht man doch welche: beide haben sich hervorragend präsentiert und da man sie schon davor im Laufe der Saison häufiger mal unterstützt hat, in Form von Tipps, wird man sich durch eine derartige Leistung nicht davon abbringen lassen, nein, ganz im Gegenteil.

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