Vorschau Österreich tipp 3 Bundesliga, 19. Spieltag

Admira/Wacker Mödling – SV Ried    (Entfernung: 243 km)

Das größte aller Sorgenkinder ist derzeit die Admira, mit nur einem Punkt in 7 Spielen. Mögen anfangs die Leistungen teils noch in Ordnung gewesen sein, es ist ein fast zwangsläufiger Prozess, dass das nachlassende Selbstwertgefühl, möglicherweise gar die berühmte „Selbstzerfleischung“ stattfindet, bei welcher sich die Spieler allmählich gegenseitig Vorwürfe machen, wer nun hier für den Gegenspieler zuständig gewesen wäre oder wer den Pass ungenau gespielt hat oder wo der Laufweg nicht stimmte, das Timing und was auch immer individuell für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist und in den Einzelfällen diesen aus subjektiver Sicht im Wege stand. Jedenfalls ist eine gut mögliche Folge: die Qualität der Leistungen lässt nach. Wie auch immer die Medien mit Trainer oder Mannschaft umgehen (was ein weiterer Faktor sein kann, vor allem, wenn sie es in negativer Form tun, was selten ausbleibt, vor allem die lokalen Medien), es kommt nicht mehr hin. Admira zuletzt schwach, obwohl sie beim 0:3 in Mattersburg nicht so unterlegen waren, wie es das Ergebnis suggeriert, zugleich war der Gegner aber nicht in Hochform und überhaupt ein Mitglied der weit unteren Tabellenhälfte. Aufbauen kann man auf einem 0:3 wenig.

Auf der anderen Seite steht ein SV Ried, der in den letzten Spielen speziell für eine Menge Furore gesorgt hat. Da gab es jede Menge spektakuläre Spiele, Tore und Ergebnisse. So richtig Spaß gemacht haben sie beim 3:4 in Wien bei Rapid, als sie ein wahres Offensivspektakel boten, den Gegner teilweise an die Wand gespielt haben und es nur der tödlichen Abschlussstärke des Gegners (in persona Boyd/Aler) zu verdanken war, dass dieser keine Packung kassiert hat. Vom rein spielerischen her sah es klasse aus, Torchancen waren auch da, verwertet wurden auch genügend (für eine „normale“ Partie), speziell René Gartler, schon lange die Nummer 1 und absoluter Leistungsträger und Führungsspieler blüht richtig auf — und macht Tore. Insgesamt Ried mit 22 Toren in den letzten 8 Spielen. Ohne nachzuschauen: wer bietet da mehr?

Die Tendenz ist ganz klar: Ried macht hier etwas. X oder 2, als der dennoch verhaltene Tipp, obwohl sie kaum Außenseiter sind. Mit 6/10.

——————————————————————————————————————————————–

Wolfsberger AC – Austria Wien  (Entfernung: 268 km)

Die Austria eher im Abschwung. Das 3:1 gegen Mattersburg war beinahe glücklich zu nennen und beim 0:0 in Salzburg war, wenn überhaupt etwas, nur die Defensive gut. Davor gab es die Siegesserie, das schon. Aber so ganz richtig begeistert kann man derzeit nicht sein, wobei dies dafür spricht: die Qualität ist da, das kann nicht bestritten oder zurückgenommen werden. Auswärts in Salzburg hatte man nur die Aufgabe, den Gegner „at bay“ zu halten, sie sollten nicht heranrücken, und das ist gelungen — selbst wenn die Schlussphase nur glücklich überstanden wurde, mit einem bärenstarken Lindner im Tor, der alles fischte. Das 3:1 gegen Mattersburg war ein Heimspiel gegen einen ziemlich schwer angeschlagenen Gegner. Dazu bekam man das 1:0 geschenkt (der Torwart warf Hosiner den Ball vor die Füße), so dass es nachvollziehbar ist, dass sie die Zügel ein wenig schleifen ließen. Als Mattersburg tatsächlich so dreist war, ein Tor zu erzielen, war es schwer, wieder umzuschalten (und immerhin ist es ja am Ende DOCH noch gelungen).

Wolfsberg spielt immer sehr schön, technisch sauber, und erzeugt ab und an Torgefahr. Nur fällt immer wieder auf, dass es in der Defensive nicht ganz so konzentriert zugeht, wie es in der Liga Standard ist. Zuletzt beim 2:2 gegen Innsbruck waren es nicht nur die Tore, wo dies offenbar wurde. Zudem stehen hier vier Spiele ohne Sieg, und dabei hatte man drei Teams von unten mit Innsbruck, Wiener Neustadt und Admira, so dass es schon ein klein wenig nach Erfolglosigkeit aussieht. Ja, man holte drei Remisen, aber das ist nur in der Summe wie ein einziger Sieg.

Tendenz fein säuberlich herausgearbeitet: eine 2. Der Wert gering, also 2/10.

——————————————————————————————————————————————–

SV Mattersburg – SC Wiener Neustadt  (Entfernung: 20 km)

Mattersburg hat das vorletzte Spiel, in dem sie wirklich überzeugend waren, 1:3 bei der Austria verloren, dafür das nächste Spiel, in dem sie längst nicht so gut waren mit 3:0 gewonnen gegen die Admira. Was fängt man damit an? Irgendwie können sie es schon? Immerhin erwähnenswert: das 3:0  war das letzte Spiel, und da man am Ende klar gewann, könnte das Selbstvertrauen zurück sein (welches man eigentlich bei der Austria an den Tag gelegt hatte, natürlich, wichtig dabei: in der klaren Außenseiterrolle, die manchmal und manchem ziemlich gut zupass kommt). Im Moment kommt es einem, beim Schreiben hier, so vor, Mattersburg gut gesehen zu haben.

Wiener Neustadt ist punktgleich mit dem Schlusslicht, und war ursprünglich für diesen Platz vorgesehen. Sie haben Wolfsberg besiegt, ja, aber siehe oben, was es ihnen ermöglicht haben könnte (und wahre Monster sind die Wolfsburger ja nun auch nicht und ein 2:1 kein Kantersieg). Rundherum gab es nur Pleiten, insgesamt fünf Stück, mit 13 Gegentoren. Es mag hier und da Ansätze geben, dass sie sich gegen das „klare Nummer 10“ stemmen können, aber: wer sollte diesen Platz sonst einnehmen? In der derzeitigen Verfassung ganz sicher nicht Innsbruck. Spannend mag es bleiben, aber vermutlich wird es doch auf diesen Absteiger hinauslaufen.

Die Derbytendenz spricht zwar geringfügig dagegen, nur hat ja gerade bei solchen die Heimmannschaft glänzende Bilanzen erzielt, in allen (hier vorgestellten) Ligen.

Folgt: Mattersburg gewinnt die Partie. Wegen des Derbies dennoch nur 4/10.

——————————————————————————————————————————————–

Sturm Graz – Red Bull Salzburg  (Entfernung: 266 km)

Sturm nun seit 8 Spielen unbesiegt und immer mehr spricht dafür, dass sie auf den von ihnen besetzten Platz mit dieser Ausbeute gehören: 4., mit 10–4–4. Das ist schon die Bilanz einer echten Spitzenmannschaft. Das Angriffsduo (Okotie/Sukuta-Paso) kommt immer besser in Schwung und vermutlich wird die Konkurrenz ab und an sogar mal neidisch auf diese beiden schauen. Nein, zugegeben, es war nicht immer nur Gold, was da glänzte, aber doch würde man sich nicht gegen sie stellen wollen. Man schaue auch auf die Zuschauerentwicklung: wenn die Fans so heiß sind auf ein Team, dann ist da was dran.

Salzburg hatte man nun reichlich hoch gelobt, und sie haben die Siege eingefahren. Nur, ähnlich wie bei Politikern, kann man hier mit der Floskel aufwarten: was interessiert mich mein dummes Geschwafel von gestern? Sie sind gut, ja, sie haben sogar in der letzten Partie gerade gegen Ende einen solchen Druck entwickelt, dass man sich beinahe wieder in sie hätte verlieben können (beim 0:0 gegen die Austria). Aber doch war es insgesamt in der Partie längst nicht mehr der flüssige Fußball, der einen mitgerissen hat und der für die Torflut sorgte (mit 39 Toren hat man mit Austria gemeinsam die beste Offensive). Liebling Kevin Kampl trifft einfach nicht, und das unterscheidet ihn doch ziemlich erheblich von Marco Reus, mit dem man ihn, in gewisser, bewusster Anmaßung, bereits verglichen hat.

Ziemlich viele Worte, um ein Pass zu rechtfertigen?

——————————————————————————————————————————————–

Rapid Wien – Wacker Innsbruck  (Entfernung: 476 km)

Nun gut, die phantastische Leistung von Innsbruck gegen Sturm blieb mit dem tragischen 0:1 in letzter Minute gänzlich unbelohnt, die etwas weniger gute Leistung in Wolfsberg, wo man dennoch lange führte und sich auf reine Defensivarbeit — verständlicherweise — beschränkte, wurde mit dem mit aller Macht erzwungenen 2:2 in Unterzahl (!) in allerletzter Sekunde glücklich vom Zeitpunkt her, von der Leidenschaft und der Vorgeschichte her aber total verdient, doch belohnt.

Hier trifft man auf ein noch lange nicht gesundes Rapid. Ja, sie haben zuletzt drei Mal in Folge gewonnen. In Europa haben sie hingegen alle Spiele verloren. Weiterhin die Frage: wie kamen die Siege in der Liga zustande? Nun, das 4:3 gegen Ried ist bereits ausführlich kommentiert: man hat das Angriffsduo, das heiß gelaufen ist, und sonst war es sehr wenig. Davor gewann man bei der Admira mit 2:0, was teils der Schwäche des Gegners, teils aber sogar glücklich zustande kam — das 2:0 fiel erst in der Nachspielzeit, davor verteiltes Spiel. Auch das 3:0 in Mattersburg war viel eher nur ein Sieg zum hinterher Mund abwischen: „Geschafft, weiter.“, keinesfalls ein glanzvoller oder gar in der Höhe verdienter. Die drei Siege mögen sogar bereits dafür sorgen, dass bei Spielern und/oder Mannschaft der Blick verklärt wird. Man denkt womöglich, dass einem nun Siege zufliegen. Bei den Fans wäre die Auswirkung: wenn es nicht gleich gut läuft, gibt es Pfiffe. Beim Team: unnötig zu erwähnen, aber Überheblichkeit kann nicht gut tun.

Quintessenz: als krasser Außenseitertipp, aber voll und ganz auf die Stärken der Tiroler vertrauend, sagt man hier ein X oder 2 voraus. Mit mutigen 5/10.

——————————————————————————————————————————————–

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s