Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 18. Spieltag

Eine deprimierende Bilanz an diesem Wochenende und es wird nicht ganz leicht, so schön zu reden. Immerhin kann man ja darauf verweisen, dass nun erst einmal eine längere Pause ansteht (bis zum 10. Februar 2013), und man das bis dahin vergessen hat.
 
Nein, im Ernst: bei der ersten Partie drückt der Satz „man möchte sich nicht gegen St.Gallen stellen“ ja immerhin die empfundene Tendenz aus. Entweder doch gegen sie stellen oder es halt sein lassen. Von „hinter sie“ ist keine Rede. Lausanne ist gekommen und hier versteht man im Nachhinein die eigene Zurückhaltung (auf die 5/10 bezogen) nicht, da in der Argumentation alles richtig Lausanne wies. Gewonnen ist gewonnen, und exakt wird ja hier eh (noch) nicht abgerechnet. „One to the goods“. 
Bei Servette könnte man sich trösten, dass ein 0:0 doch immerhin näher an einem Sieg ist als es eine Niederlage gewesen wäre. Es fehlte doch nur das eine Törchen…
 
Bei den Young Boys ist hingegen die EinsatzHÖHE, im Gegensatz zu Lausanne, ein wenig verwunderlich. Diese bezieht sich aber nicht auf die Ansicht bei dieser einen Partie, die ganz klar richtig Sion zu weisen schien, nein, vielmehr ging es um die generelle Behandlung von Sion. Man hat oft genug gegen sie argumentiert — dies, falls je geschehen, bei Lausanne lange her — und kann mit der Vereinspolitik im Allgemeinen nichts anfangen und auch nicht mitziehen. Didier Constantin hält alle Fäden in der Hand, gibt das Geld, und feuert Trainer nach Gutdünken, mischt sich überall ein und ist bestenfalls gefürchtet, als Geldgeber willkommen, aber sich nicht so arg hoch geachtet. Möglich sogar, dass die Spieler nur in Abstimmung mit Constantin auflaufen dürfen (was Trainers Autorität arg untergräbt). Also: Sion mit 10/10 zu stützen ist das fragwürdige.
 
Da bei GC die Neigung sogar ausgedrückt wurde, ist man allmählich mit den Schönreden fertig: so geht es doch. Zwei Mal die richtige Neigung, das eine, gewonnene, zu niedrig gespielt, das andere, verlorene, weitaus zu hoch, mit den Neigungen richtig (Basel, GC mit Siegen), dann kann man ja doch halbwegs beruhigt in die Winterpause gehen.
 
 
Eine generelle Bemerkung zu den Zuschauerzahlen: diese sind in den letzten Jahren enorm angewachsen. Es gab teilweise einen Schnitt von deutlich unter 10.000 Zuschauern auf die gesamte Saison bezogen, dann stieg er an auf über 10.000, über 11.000 waren es in 2010/2011 und in 2011/2012 waren es 12.253. In dieser Saison sind es nun 12.619, also ein weiterer Anstieg. Dass hier die Zahlen der Vorsaison im einzelnen nicht angegeben sind, möge bitte entschuldigt werden. Ab der nächsten Saison hat man ja dann ein eigenes Archiv, in welchem man nachschauen kann.
 
Eine weitere Anmerkung: da auch hier die Winterpause ansteht, müssen die Partieanalysen nicht all zu tief ausfallen, da die Bedeutung für das Folgespiel vernachlässigter ist. Der Leser möge dies dem Autoren bitte nachsehen (noch ist ja kein Text verfasst, die Entschuldigung also möglicherweise verfrüht).
——————————————————————————————————————————————–

FC Basel – FC St.Gallen   1:0 (0:0)

Zuschauer: 30.062  (Schnitt bisher: 28.965;   gegenüber Vorsaison)
Nein, man möchte sich einfach nicht gegen dieses St.Gallen stellen. Der Markt wird eh nichts besonderes auf Basel ausspucken, insofern bleibt nur das Pass.

Drei Spitzenspiele an diesem Wochenende (Bayern – Dortmund, Salzburg . Austria Wien, FC Basel – St.Gallen), die viel Verwandtschaft miteinander haben. Vorrangig: der (vermeintliche und mehr oder weniger klare Favorit auf den Titel, vor der Saison) mit Heimrecht. Unterschiede: Basel und Salzburg hecheln hinterher, Bayern war zuvor schon klar vorne. Weitere Verwandtschaft (und möglicherweise Folge des Spielcharakters): wenige Tore, insgesamt drei Stück in drei Spielen.
Auch hier mühte sich der FCB, seine Favoritenstellung herauszukehren. Es gelang aber nur teilweise, so dass das Pass (zum Marktpreis) jedenfalls gut gerechtfertigt war. St.Gallen war so gut wie man sie in den Spielen zuvor gesehen hat und sie haben die Ansprüche auf einen Treppchenplatz ganz klar untermauern können. Sie haben genügend Chancen kreiert, um etwas mitzunehmen, und man hätte unter allen Umständen — so, wie man es eben bei Dortmund und der Austria tut — auch ein Remis für berechtigt erklärt. Als Autor, der Objektivität verpflichtet, zugleich aber die Gesetze auf eine andere Art kennend, als es „state of the art“ ist, zumindest, wenn man den Medienvertretern (bedauerlicherweise) lauscht: es gibt eine Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis, eine für jenes, und eine für das dritte (und dazu natürlich viele mögliche Verläufe dorthin, abgesehen von konkreten Ergebnissen), hier auf 1–X–2 also reduziert. Zu einem großen Teil bestimmen Zufälligkeiten über diesen Ausgang, wobei die Qualitäten der Mannschaften selbstverständlich einfließen. Bayern hätte gewinnen können (und war sehr nahe dran), Salzburg hätte gewinnen können (ebenso nahe dran), der FCB hätte ebenfalls, wie die anderen beiden, seine Vorteile NICHT nutzen können. Die Einschätzungen waren in etwa richtig, auch in dieser Partie. Hier hatte laut Markt der FCB nämlich einen größeren Vorteil als die anderen beiden (Salzburg die geringsten).
Basel hat in Hälfte 2 noch mehr getan als zuvor (wobei in Hälfte 1 St.Gallen so kräftig mitmischte, dass das Remis wirklich in Ordnung geht), und sich so die Führung verdient, auch wenn diese durch einen in dem Moment strittigen Penalty zustande kam. Es gab genügend Chancen aus dem Spiel heraus, aber auch einen anderen Penalty Claim, der abschlägig beschieden wurde — und das total zu Unrecht. Allerdings hatte auch St.Gallen einen zu bieten, den man ebenfalls hätte geben müssen (was aber noch lange kein Ausgleich ist; die Ungerechtigkeiten werden eher aneinander gereiht).
Nach dem Gegentor blieb es weiter eine offene Partie, was sehr für St.Gallen spricht. Klar, dass der FCB auch seine Chancen bekam, aber nur etwa im gleichen Verhältnis wie die Gäste. Von daher wäre auch da noch das Remis möglich gewesen (Dortmund gelang ja auch der Ausgleich und das geschieht keineswegs zwangsläufig; gut gemacht von Götze war es allemal).
Gute Einschätzung, sehr gute Partie (und in dem Sinne ein Kontrast zu den anderen beiden Partien, die etwas vorsichtiger angegangen wurde; hier waren von Beginn an beide bemüht, Chancen zu bekommen; nachvollziehbar, da St.Gallen als Aufsteiger weiterhin das Außenseiter Image — allerdings sehr erhobenen Hauptes — trägt).

——————————————————————————————————————————————–

FC Luzern – Lausanne Sports   0:0

Zuschauer: 11.574  (Schnitt bisher: 12.582;   gegenüber Vorsaison)
Also: X oder 2 als Tipp, den Marktgesetzen gehorchend und auf die ausgemachte Qualität des Underdogs vertrauend. Mit 5/10.

Luzern sicher die etwas bessere Mannschaft in der Partie, aber mit dem Heimrecht dies keineswegs überraschend. Ein Feuerwerk war es wahrlich nicht und die Pfiffe nach Abpfiff belegen (man schaue, dass noch immer, Jahreszeit, Gegner, Tabellenrang eingerechnet, noch immer nahe dem Schnitt kamen; eigentlich eine Sensation, aber aus hiesiger Sicht eher der Beleg, dass die Partien zumindest Unterhaltung bieten und die Fans so weit doch einverstanden sind mit den Leistungen, längst noch nicht so weit sind, dass sie „Siege fordern“, sondern stolz, dass ihr Team in der höchsten Liga dabei  ist).
Da Lausanne auch zu ein paar Hochkarätern kam (insgesamt aber nicht ganz die vorhergesehene oder zuvor erbrachte Leistung bestätigte), ist das Remis insgesamt ok, der Tipp auch.
——————————————————————————————————————————————–

Servette Genf – FC Thun   0:0

Zuschauer: 7.851  (Schnitt bisher: 7.748;   gegenüber Vorsaison)
Der Tipp lautet: Servette zieht diese Partie. Das gibt einen Heimsieg, und man ist bereit, dafür den Höchstsatz von 10/10 aufs Spiel zu setzen.

Die Partie in etwa so, wie es das Ergebnis suggeriert: nicht so toll. Der Tipp ging nicht auf, und 10/10 sind schon schmerzlich, zumal man ja auf den Tabellenletzten setzte (hätte es da nicht doch etwas weniger auch getan?). Thun mit Interimscoach Lustrinelli offensichtlich gut eingestellt und man entsinne sich: Vorgänger Challandes hatte seinen Spielern persönlich die Vertrauensfrage gestellt. Diese haben summa summarum „nein“ geantwortet, darauf nahm er den Hut. Ein Indiz also, dass die Spieler eigentlich mehr konnten aber zur Entfaltung den neuen Trainer brauchten? Nachher ist man immer schlauer, dieser Tipp war einfach nicht wirklich gut, im Gegenteil Thun hat in der zweiten Hälfte über weite Strecken das Spiel bestimmt. Da „man of the match“ dennoch ein Grenat (so der Spitzname von Servette: les Grenats)  wurde — und dies nicht der Torwart war –, kann man es vielleicht gerade noch so verkraften (Tréand sorgte mit Flankenläufen und Hereingaben für Gefahr).
Schlüsse nicht zu ziehen, aufgrund der Pause. Nur eben jene: a) auch Trainerwechsel müssen individuell betrachtet werden. b) nicht ganz so viel Mut demnächst bei den Schlusslichtern. Irgendwie sind sie doch in diese Lage geraten und selbst wenn es mit Pech geschah oder hier oder da mal ein Lichtlein am Ende des Tunnels zu sehen ist: so richtig klasse können sie einfach nicht sein, so fühlt man sich nicht am Tabellenende und so ist es nicht. Vor allem, wenn es ansteht, eine Partie im eigenen Stadion zu bestimmen. Auswärts kann es schon leichter mal wieder gelingen.
——————————————————————————————————————————————–

Young Boys Bern – FC Sion   3:1 (1:1)

Zuschauer: 17.737   (Schnitt bisher: 18.839;   gegenüber Vorsaison)
Zunächst einmal also 5/10 auf Sion, X oder 2.
 
Gut, man hatte also einige Argumente parat, die für Sion sprachen. Dennoch mag man sie nicht wirklich (siehe oben). Man schaue auf die Zuschauerzahl: sie bedeutet, dass die Fans ihren Club lange nicht aufgegeben haben, im Gegenteil, wozu natürlich die starken  internationalen Auftritt beigetragen haben.  Auch sonst aber ist, ähnlich wie in Luzern, die Hütte immer voll und meist einiges los, oftmals gute Partien, selbst wenn sie in vielen Fällen nicht den von den Fans erhofften Ausgang nahmen.
Anders aber in dieser Partie, die eigentlich nach 27 Minuten so gut wie entschieden schien: Rote Karte wegen Notbremse gegen Ojala (YB), anschließender Freistoß verwandelt zum 1:0. Führung und 11 gegen 10 auf dem Platz? Das sollte doch reichen? Nein. Die Charakterfrage haben die YB Spieler mit einem klaren „ja“ beantwortet, Sion viel mehr mit einem „weiß nicht“. Mit dem Pausenpfiff der Ausgleich, der wohl erhebliche Wirkung erzielte. Noch immer hätte man wohl nie und nimmer mit einer Niederlage rechnen sollen, aber die Gastgeber mühten sich und bekäme nach 79 Minuten tatsächlich einen Penalty zugesprochen, welcher verwertet wurde. Das anschließende Aufbäumen (war es überhaupt eines?) kam zu spät und brachte nichts mehr — außer dem 1:3 in der Nachspielzeit.
Natürlich kann man mit dem Tipp absolut nicht zufrieden sein. Die Frage, an sich selbst gerichtet, kann nur lauten: hätte man diesen Mangel bei Sion nicht vorhersehen können oder, viel mehr noch, ihnen eigentlich zuvor schon ab und zu mal hier bescheinigt? Es stimmt etwas nicht in dem Verein, folglich etwas nicht mit der Mannschaft. Ständig neue Trainer und neue Namen die gehandelt werden  — als ein Beispiel.
Wenn es gleich weiter ginge, hätte man gern YB — und gerne den Gegner von Sion. Tut es aber nicht.

——————————————————————————————————————————————–

Grasshoppers Zürich – FC Zürich    1:0 (1:0)

Zuschauer:   (Schnitt bisher: 9.061;   gegenüber Vorsaison)
Da es zusätzlich ein Derby ist, und zwar ein richtiges, klassisches, sollte man unter den gegebenen Umständen wohl doch lieber die Füße still halten und auch die Börse fest, und nichts auf die Partie riskieren. Am Gefühl ändert es aber nichts — zumal man ja beständig immer gegen diese unsäglichen Trainerentlassungen antreten möchte –, und das sagt einem, dass GC die Partie für sich entscheidet. 0/10 auf GC, das bewährt sich immer.
 
Die Neigung realisierte sich, und das relativ problemlos. Hier zum Beispiel stand man der Entlassung Rolf Fringers wesentlich skeptischer gegenüber. Die Erwartungen zu hoch, das ohnehin, denn in der Liga wird überall guter Fußball gespielt (man schaue beispielsweise, wo nun Servette steht, letzte Saison auf 4, oder der FC Luzern, letzte Saison auf 2, oder auch die Young Boys, mit hohen Erwartungen gestartet, waren kaum erfolgreicher), und eigentlich stand es gar nicht so schlecht um sie, dass man gleich feuern musste.
Vor allem hatte man GC eigentlich stark gesehen zuletzt, so dass man ihnen unbedingt etwas zutraute. Nur das Derby stand dem Tipp entgegen, aber selbst dazu dürfte man ja anmerken, dass a) die Teams in verschiedenen Stadien spielen, also ein gewisser Heimvorteil garantiert da ist, und b) dass sich in letzter Zeit häufig das nominelle Heimteam behauptet hat, bei allen ausgetragenen Derbies. Also: es gab gute Gründe, die Neigung doch wenigstens mit 1 oder 2/10 zu spielen, nur darauf läuft der Text hinaus.
Die Partie ging ziemlich klar an GC, selbst wenn auch hier nur per Penalty die Führung gelang und es bei dem einen Tor blieb. Überlegen waren die Hoppers aber, fast über die gesamte Partie, und die Ausgleichschance gegen Ende kam nur dadurch zustande, dass GC noch immer nicht nachgelegt hatte, denn es war so ziemlich die einzig richtig gute.

——————————————————————————————————————————————–

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s