Rückblick 3. Bundesliga, 22. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:

Da ja alle Tipps aufgingen, ist man klarerweise mit dem Jahresabschluss in der Liga rundherum zufrieden. Hier waren die Quoten  im Schnitt wohl eher über 2.0, so dass die Milchmädchen-Abrechnung doch mit ein paar guten Argumenten so durchführen kann: +10 (Chemnitz) +1 (Erfurt) +4 (KSC) + 5 (Münster) +5 (Heidenheim) = +25, ein phantastisches Ergebnis, was für einigen Winterspeck sorgt, den man hoffentlich aber (im Gegensatz zu dem am Körper) gerne beibehalten, am liebsten gar noch anreichern würde im Frühjahr.
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Chemnitzer FC – Wacker Burghausen   2:1 (2:0)

Zuschauer: 3.300  (Schnitt bisher: 4.755; letzte Saison: 5.161)
Aufgrund der ganz starken Leistungen von Chemnitz zuletzt und der möglichen Verblendung des Wettmarktes, der die Tabelle (übertrieben) ins Kalkül zieht, mutige 10/10 auf Chemnitz Sieg.

Chemnitz begann offensiv und erspielte sich früh einige Chancen. Dann mal wieder eine typische Elfmeterszene, wie üblich mit dem Kommentar „hätte Elfer geben müssen.“, gab es aber nicht. Wie blind kann man eigentlich sein, das Problem nicht zu erkennen? Man MÖCHTE keinen Elfer geben. Ein Tor ist ein zu hoher Lohn, ein Tor hat zu viel Einfluss auf den Spielausgang, ein Tor bewirkt fast immer eine gigantische Chancenverschiebung zugunsten der einen und zu Ungunsten der anderen Mannschaft, so dass man sich scheut, diesen Einfluss wirksam werden zu lassen, selbst mit dem Pfiff dafür verantwortlich zu sein. Der Elfmeter ist praktisch immer eine zu harte Strafe für eine Szene, indem sie die Chancen auf ein Tor in gewaltige Höhen schraubt, welche, allein aus der Szene selbst, fast nie in der gleichen Größenordnung erwachsen würde. Diese Punkte arbeiten so erfolgreich zusammen, dass man bereit ist, das Regelwerk beinahe nach Belieben zu dehnen und zu strecken, nur um um diese harte Bestrafung herumzukommen. Die Medien arbeiten aber mit in die gleiche Richtung, da ihnen offensichtlich auch das prinzipielle Problem entgeht und sie von daher den Schiedsrichter mit einem gewaltigen Schutz umgeben, zugleich aber erbitterte Jagd auf die ganz, ganz wenigen Szenen machen, in denen es einmal umgekehrt ist, dass ein Strafstoß zugesprochen wird, dem man die Berechtigung aberkennt. Dies dient zugleich der Beruhigung des eigenen Gewissens (da man nämlich intuitiv spürt, dass etwas gewaltig zum Himmel stinkt), sorgt aber auch parallel dafür, dass die Augen fest geschlossen bleiben oder die Tomaten vor den Augen nicht entfernt werden. Man müsste also diesen Missstand zunächst erkennen, und ihn dann geflissentlich aus der Welt schaffen.
Was war hier geschehen? Ein CHemnitzer möchte den Ball — ohne irgendeine Bedrängnis — aus dem eigenen Strafraum nach vorne schlagen. Bei diesem Versuch rutscht er aus, trifft den Ball gar nicht. Dieser kullert bedrohlich in die Nähe eines Angreifers, der des Missgeschicks gewahr wurde. Was hilft in diesem Falle? Der „Verunglückte“ fällt, merkt, dass er mit legalen Mitteln nicht mehr an den Ball kommt und dass sich so eine Tormöglichkeit für den Gegner ergeben könnte, streckt im Fallen die Arme Richtung Ball, und fängt ihn damit wieder ein. Natürlich müht man sich, dieses (Fehl-)Verhalten möglichst geschickt zu kaschieren, das Berühren des Balles mit den Händen nur als kleine Folge des Sturzes zu suggerieren — nur ändern kann dies alles nichts an der Tatsache, dass man a) den Ball mit den Händen gespielt hat und b) damit in diesem Falle eindeutig eine Torchance verhindert hat.
Der Schiri — welcher nach obiger Erklärung einfach keinen Elfer geben möchte — hat nun blitzschnell im Kopf die paar Dinge zu sortieren. „Klar habe ich gesehen, dass er mit der Hand am Ball war, klar haben es auch alle Umstehenden, alle Beteiligten gesehen und, völlig logisch, haben es auch die Zuschauer und die Fernsehkameras eingefangen. Aber nun habe ich schon SO LANGE darüber nachgedacht und gezögert, dass ich JETZT ja eh nicht mehr pfeifen kann.“ Der letzte Gedanke ist der: „Werde ich damit davon kommen?“ Und dies ist gar keine Überlegung mehr, dass ist pure Intuition, in den Reflexen (des Nichtstuns) fest verankert: ja, man kommt mit JEDER Entscheidung GEGEN einen Elfer glimpflich davon. Wehe, wehe, wehe aber, man entscheidet sich FÜR einen FRAGWÜRDIGEN. Dann hat man monatelang keine Ruhe — es sein denn, man tritt direkt in den gleichnamigen -stand.
ALso: es geht alles ganz schnell und fällt, wie stets, entgegen des Strafstoßes aus. „Hier hätte es geben müssen…“ registriert man zwar auch in der Nachbetrachtung, nur wird man ja danach nicht einmal befragt. Falls doch, dann genügt die schlichte Antwort: „Das konnte ich von meinem Standpunkt aus schlecht erkennen.“ oder „für mich war das kein Handspiel, das war nur ein unglücklicher Umstand, keine Absicht dahinter.“ Schon ist man ganz fein raus.
In dieser Szene geht die Psychologie noch weiter: man hat es gesehen, man hat sogar das Verhindern der Torchance wahrgenommen, da aber der Gegner nicht den geringsten Beitrag geleistet hat und es wirklich nur ein kleiner Zufall, ein winziges Unglück mit so verheerenden Folgen — falls man denn das Unvermeidliche getan hätte und auf den Punkt gezeigt — dass man die Szene einfach im Geiste ungeschehen macht. „Nein, es ist ja gar nichts passiert. Das war Pech und gut ist es, da gibt man einfach keinen Elfer, Punkt, Schluss, aus, basta.“
Ändert alles nichts daran: Chemnitz war die bessere, die Spiel bestimmende Mannschaft, machte Druck und bekam die Chancen. In der 17. schon das (verdiente) 1:0 (trotz der möglichen Elferentscheidung). Auf der anderen Seite gibt es übrigens den Elfer, etwas später, für eine relativ harmlose Attacke. Hier gibt es genau so eine psychologische Erklärung: wenn eine Mannschaft Druck macht, ständig im Strafraum auftaucht, dann gönnt man ihnen diesen in gewisser Weise. Wenn also die gleiche Situation auftreten würde, ohne, dass man ständig im Angriff wäre, so würde es garantiert keinen Elfer geben. Nun gut, das war das 2:0. Und sogar danach noch drückte Chemnitz weiter, nur eine echte Chance für die Gäste.
In Hälfte 2 ein wunderschöner Treffer von Mokhtari, einen Schuss aus etwa 20 Metern genau in den Angel gezwirbelt. Chemnitz hatte ja nun in den beiden Spielen zuvor jeweils eine Führung aus der Hand gegeben, jeweils in der Schlussminute. So wurden sie wirklich ein wenig ängstlich, dass es wieder geschehen könnte. Aber doch hatten sie weitere Chancen zum 3:1, wobei auch Burghausen ab und an zu guten Gelegenheiten kam.
Der Sieg war verdient, keine Frage. Ein gutes Spiel von Chemnitz, aber auch Burghausen sah nicht so schlecht aus.
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Rot Weiß Erfurt – Hallescher FC   2:1 (0:0)

Zuschauer: 4.984  (Schnitt bisher: 4.912;  letzte Saison: 5.930)
Insofern bleibt der Tipp bescheiden: 1/10 auf Erfurt Sieg.

Ein tolles Derby, wie versprochen — und wenn man genau schaut: auf allen Plätzen, Witterungs bedingt, weniger Zuschauer als sonst, meist erheblich weniger, und hier sogar knapp über dem Schnitt. Die zahlreichen Helfer hatten den Platz in einen sehr guten Zustand gebracht, so dass die Partie zwar kämpferisch ohnehin auf hohem Niveau stand — mit riesiger Leidenschaft von beiden Seiten geführt –, aber die zugleich reichlich spielerische Highlights zu bieten hatte. Erfurt aber rechtfertigte das in sie gesetzte Vertrauen. Sie haben deutlich mehr für das Spiel getan, haben den Gegner teils eingeschnürt  und auch die Vielzahl an klaren Chancen produziert. Dennoch das Zustandekommen des Sieges besonders, kurios zugleich.

Denn: die vielen Großchancen wurden nicht genutzt wo man allmählich vom Gefühl her — sicher auch als Spieler — allmählich ins Schwanken gerät: ist das nun ein Spiel, in dem man, wenn man immer weiter so macht wie bisher, doch irgendwann das Siegtor erzielt, oder in welchem man vielleicht doch, bei der einen Situation des Gegners, das unglückliche 0:1 kassiert — und das Spiel in der Folge verliert. Wenn es nicht so gut läuft — wie bei Erfurt in der gesamten Saison nicht, aus den unterschiedlichsten Gründen –, überwiegt vielleicht allmählich die Sorge. So geschah es tatsächlich: das Chancenverhältnis stand bei 7:1 (mindestens, und die meisten für Erfurt waren sehr groß), als in der 74. Minute ein Hallenser im Strafraum zum Schuss kommt, und die Kugel exakt links unten im Eck einhämmert. Unhaltbar, toller Schuss — und tragisch zugleich für das Heimteam.
Nun aber: die Fans ließen nicht nach in ihrem Eifer, da sie der Mannschaft, außer dem Pech, einfach nichts nachtragen konnten. Die nächste Angriffswelle rollte, ein kluger Pass in die Schnittstelle, ein durchbrechender Stürmer, ein in Panik geratender Verteidiger, der seine Abwehrseite vernachlässigt hatte, läuft dem Angreifer quer durch die Bahn, und rammt ihn dabei um, ohne den Ball zu berühren. Klarer Elfer, auch verhängt, und man möchte sich in diesem Moment nicht auch noch über die Diskussion um Rot + Elfer oder nur Elfer auslassen, es gab jedenfalls den Elfer plus das Rot, der Elfer hing (81.) und nun ging die Partie erst richtig los.
Erfurt natürlich in der Überzahl mit weiteren guten Angriffen und Möglichkeiten, aber auch die Gäste kamen zu zwei Chancen. 90. dann: ein vielleicht vermeidbarer Eckball, alle Mann im Strafraum, unübersichtliche Szene, einige stürzen, plötzlich liegt der Ball frei, ein Erfurter kommt heran und haut ihn aus Nahdistanz unter die Latte. Das 2:1, der Tipp nicht nur gut sondern in letzter Minute auch noch eingetroffen.
Tolle Partie, keinesfalls ein schlechtes Urteil über Halle, aber Erfurt war in der Partie (und ist insgesamt), auch ohne Morabit,  die bessere Mannschaft und hat das überzeugend auf den Platz gebracht..
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Karlsruher SC – VfB Stuttgart II   3:1 (1:1)

Zuschauer: 13.113  (Schnitt bisher: 10.374;  letzte Saison 2.Liga: 15.173)
Eine 1, aber nur mit 4/10 (wegen der Zweiten, ganz allgemein, wegen Derby und wegen Respekt vor speziell VfB II).

Stuttgart kein bisschen schwach, im Gegenteil, stemmten sie sich dagegen mit allem, was sie hatten. Wenn man allerdings mal ein Zeugnis dafür bekommen möchte, dass sie keinen reinen Ergebnisfußball spielen und das ein Mangel an Alter zwar sehr viel versprechend sein kann, aber eben durch einen Mangel an Erfahrung „ersetzt“ wird, hier zwei Situationen, in einer Szene zusammengefasst: bereits in der 3. Minute sind praktisch alle Mann vorne, so dass die Hausherren, zugleich haus(!)hohe Favoriten, im eigenen Stadion einen Konter gegen eine völlig entblößte Defensive fahren können. Nun gut, das Punkt 1 des Erfahrungsmangels (den man hier auch gut so auslegen könnte: wir spielen Fußball und Ziel des Spiels ist es, Tore zu erzielen, im Idealfall mindestens eines mehr als der Gegner): der Konter wird vorgetragen, und, in leichter Panik, orientieren sich auf einmal alle zurückeilenden Spieler zum Ball führenden (ja, richtig: hier fände der Reporterspruch wirklich Anwendung: wie in der Jugend, aber die meisten sind ja noch Jugendlich? Sicher, nicht mehr E-). Das eröffnet logischerweise riesige Räume auf der anderen Seite. Der Ball muss nur noch dahin. Aber dazu setzt man eben die Erfahrung gepaart mit Können ein: von der Biezen hatte, nach dem klugen Pass, jedenfalls völlig freie Bahn zum Tor, und verwertete zum 1:0.
Der VfB zeigte aber durchaus, was in ihm steckte. Nun hatte man, als Alibi für den weiter zelebrierten Offensivfußball ja immerhin den eigenen Rückstand, es ging also weiter nach vorne. Talent, Jugend, Antritt, Grundschnelligkeit, das die Vorteile der Jugend. Hier wurden sie ausgespielt: ein tödlicher Pass, den der angespielte Angreifer aber nur dank seiner Schnelligkeit erreichen konnte, der Gegenspieler wird überlaufen — und fährt das Bein aus. Strafstoß, das 1:1 (12.).
Nun aber zeigte der KSC, was sie zur klaren Nummer 1 macht: sie benötigten weder die Physis noch die Kampfkraft, um, vor allem in Person von Haken Calhanoglu, aufzuzeigen, dass rein spielerische Mittel ausreichen, um diesem Gegner beizukommen. Calhanoglu mit seinen 18 Jahren natürlich kein bisschen anders als die Gegenspieler, nur halt noch besser. So erzeugte der KSC Chance auf Chance, meist unter Beteiligung des genannten Supertalents. Er hatte immer eine passende Antwort, war kaum zu halten, selbst häufig mit einem Abschluss — bei dem ihm einige Male nur das Quäntchen Glück fehlte — und vor allem mit diesen überragenden Standards.
Dennoch die wohl entscheidende Szene hier: an der Mittellinie ein Zweikampf, möglich, dass er etwas hart geführt war, aber ob Gelb dafür angemessen, jedenfalls fraglich. Der Schiri zückt die Karte aber, gegen einen Stuttgarter. Nach einer ganzen Weile scheint ihm etwas aufzufallen: derselbe Spieler HATTE bereits eine Gelbe Karte gesehen. So  gab es unvermeidlich Gelb-Rot, das war nun unter keinen Umständen mehr zu korrigieren. Nur steht hier die kühne Behauptung: wenn er sich der Verwarnung erinnert hätte, dann hätte er für dieses Vergehen nicht Gelb (und damit Gelb-Rot) gezückt.  Als Indiz die Überraschung, die ihn traf, als er der Unvermeidlichkeit der Hinausstellung gewahr wurde, aber, noch viel mehr, ist es eine feste Überzeugung, dass man, rein intuitiv, nicht oder nur höchst ungern derart entscheidend eingreift. Gelb ja, Gelb, wenn es zuvor schon Gelb gab, an den selben Spieler: niemals. So wäre ein weiterer Beweis dafür angetreten, dass die Schiedsrichter nicht etwa nach einem (äußerst mangelhaften) Regelwerk entscheiden, sondern beinahe nach Belieben, damit Spiele so entscheidend, wie es ihnen gerade passt. Der Schiedsrichter ist die eigentliche Schwachstelle in dem ganzen System Fußball. Er hat alles in der Hand, so ist es einfach. Wenn man es versteht, könnte man anfangen, vernünftige Regeln zu machen.
Mit 11 gegen 10 wurde die Überlegenheit noch größer. Aber es mangelte auch überhaupt nicht an Großchancen. Calhanoglu bereitete das 2:1 vor, mit einem seiner gefährlichen Freistöße, danach gab es ein weiteres Festival an Riesen. Da aber das 3:1 einfach nicht fiel, blieb es bis zur Schlussphase hin spannend, ja, der VfB kam sogar zu insgesamt drei eigenen guten Chancen, die teils an Qualität jenen des KSC in nichts nachstanden. Also es hätte durchaus an diesen Stellen… Allerdings wäre es weiterhin unverdient gewesen, natürlich, selbst wenn man die Hinausstellung abzieht (denn auch davor gab es schon genug Chancen, die Wette zu rechtfertigen).
Also: ein grandioser KSC gegen keineswegs schwache Gäste, die alles zeigten, was sie auf diesen Tabellenplatz (es ist jetzt der 8.) gebracht haben.
Der KSC in dieser Verfassung ist definitiv ein Stolperstein im rein badischen Derby am Dienstag. Das wird eine sehr harte Nuss für Freiburg und man wagt an dieser Stelle zu behaupten, dass die Gäste nicht einmal als Favoriten anreisen, so stark sie auch in der 1. Liga dastehen und auftreten. Nein, die Klassenunterschiede werden sehr leicht verwischen, nicht erkennbar werden.

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Preußen Münster – SV Darmstadt 98   3:0 (1:0)

Zuschauer:  6.102  (Schnitt bisher: 7.735;  letzte Saison: 7.031)
5/10 auf Sieg Preußen Münster.

Eine ziemlich einfache Angelegenheit. Darmstadt brachte nach vorne so gut wie gar nichts zustande, so dass bei Münster eine ganz normale Leistung genügte. Sie kreierten nicht all zu viele Chancen, aber sie näherten sich immer mehr dem Torerfolg an. In der 42. Minute war es so weit — gerade, als der völlig tumbe (live-)Kommentator  (nur sind dies wirklich ALLE Deutschen Sprecher) so völlig sinnlos, aber mit dem Pausenpfiff in Sichtweite, orakelte, dass „es nicht so aussieht, als ob bis zur Pause noch etwas passiert“. Es sah genau aus, wie beschrieben: es kam immer wieder mal zu einer Chance. Diese wurde schließlich genutzt.
Die 2. Hälfte ging so weiter, Darmstadt hatte nicht die Mittel, um Münster ernsthaft in Verlegenheit zu bringen, und in der 71. und 73, gab es einen Doppelschlag, der endgültig die Partie entschied — wobei auch hier der Sprecher, direkt nach dem 2:0 in der 71. sofort, bereits beim Einschlag wieder brillant war (und für das reichliche Abschalten des Gesabbels sorgte, falls es überhaupt irgendeinen Zweck erfüllen sollte), indem er sagte: „Das war es, das ist die Entscheidung, da lege ich mich jetzt schon fest.“ Wer möchte überhaupt ein einziges Wort von ihm hören, das ohnehin eine ungeklärte Frage (denkt man beim Sender darüber nach?), aber falls es welche gab, die sich auf das profunde Kommentatorenurteil, in dessen langen Jahren Erfahrung angeeignet, verlässt, dann KANN man doch im Anschluss daran nur denken: „Na, da es ja nun entschieden ist, muss ich ja nicht mehr zuschauen.“ Könnte DAS denn die Absicht sein? Es ist vergleichbar mit einem Marktschreier, der die Produkte der Konkurrenz anpreist: „Hier gibt es nur faule, kleine und zu teure Eier. Gehen Sie nach nebenan, da kriegen sie frische, preisgünstige.“ Wer wird da endlich mal die total verklebten Augen öffnen? Es schaut so gut wie niemand mehr Fußball. Und zuhören tut hierzulande schon längst keiner mehr. Es ist einfach unerträglich.
Tatsache ist, dass das 2:0 (auch von der Wahrscheinlichkeit her, zu diesem Zeitpunkt) wirklich so gut wie sicher stellt, dass der Favorit das Spiel nach Hause bringt. Am Wettmarkt bekommt man danach vielleicht noch eine 1.01, was für eine Chance von um die 1% für den Außenseiter spricht, dass er das Spiel NICHT verliert (die eigens angelegte Datenbank, die vergleichbare Spiele heraussucht, kommt zu dem Ergebnis, dass nur eines von 174 Spielen NICHT mit dem Favoritensieg endete). Nur: wenn man jetzt GENAU DIESES EINE SPIEL erwischt hätte als Kommentator, dann hätte man zwar DIE Story zu erzählen, das Highlight des Jahres, und wäre nicht nur live dabei, sondern hätte die Chance, dieses Ereignis in die Wohnzimmer zu transportieren — nur hat man gerade eben dafür gesorgt, dass niemand mehr dabei ist.
Die Chance ist sehr klein, nur ist dies auch ohne diese Art von Orakeln bekannt, bewusst, das spürt ja nun wirklich jeder. Also AN DIESER STELLE auch noch schlau sein zu wollen, ist so ziemlich das lächerlichste vorstellbare. Wenn er eine Aufgabe hätte, dann wäre es diese, es nun TROTZDEM noch spannend zu gestalten, um den Gegeneffekt des Abschaltens — was sicher viele betrifft, die sich sagen dürften: was soll ich jetzt noch auf das Wunder warten? — zu erzielen. Peinlich dumm ist es.
Da das 3:0 direkt hinterher fiel — sicherlich war der Mann nun mächtig stolz, dass ihm niemand mehr bei seiner affigen „Prognose“ in die Super spuckte –, und damit war die Partie tatsächlich durch.
Es war keine überragende Leistung von Münster, allerdings war ja zuvor angemerkt, dass die Ausfälle von Bischoff — dem Ideengeber — und Taylor — dem 1a Torjäger — doch etwas schwerer wiegen könnte. An einem einfachen Sieg ohne besonderen Glanz änderte dies nichts.
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Kickers Offenbach – VfL Osnabrück   1:5 (1:2)

Zuschauer: 4.703  (Schnitt bisher: 6.537;  letzte Saison: 6.766)

Wie auch immer, es gibt nichts vorherzusagen außer, dass man sich bei der Partie lieber heraushält.

Bei einem 1:5 ein Haar in der Suppe zu finden, ist schwer —– aber es ist möglich. Da man sich ja mit einem Tipp zurückhielt, kann man durchaus nüchtern, aber zugleich vom Fußball fasziniert, die Geschehnisse zusammenfassen:
Offenbach in Hälfte 1 mit einer guten Leistung und einer ziemlichen Überlegenheit. Nach 23 Minuten — anstatt dass man bereits in Führung lag — ein Rückpass zum Torwart, den dazwischen lauernden Gaetan Manno übersehend, der völlig allein vor dem Keeper stand und locker einnetzte. Das 1:0 für Osnabrück — ein wirkliches Geschenkt. Danach gelang ihnen aber das klar verdiente 1:1, jedoch durch einen brillanten Konter, von drei Mann herausgespielt, ging Osnabrück wieder in Führung.
In Hälfte 2 das gleiche Bild: Offenbach griff an, Osnabrück machte die Tore. Das 1:3 wieder sehr kurios: Freistoß in der Nähe der Eckfahne, mit sehr ungünstigem Winkel zum Tor. Der Ball wird dennoch in die Richtung geschossen, wieder von Manno. Direkt vor dem Keeper, der den Ball locker abgefangen hätte, kommt ein eigener Mann heran, der ihn mit den Haarspitzen am Keeper vorbei, aber, wegen der so zarten Abfälschung nicht am Tor vorbei lenkte. Das 4:1 zwar wieder sauber erzielt — Eckball-Kopfball-Tor –, aber das fünfte wieder ein reines Geschenkt, als ein einsamer Osnabrücker Angreifer zwischen vier Verteidigern plus Torwart WIEDER einen zu kurzen Rückpass — nach dem Motto „nimm du ihn, ich hab ihn sicher“ — erlaufen konnte und den Ball einspitzeln.
Also: Offenbach keineswegs schwach. Die Zuschauer aber, ohne jede Sensibilität ausgestattet — was unseren allgemein absolut niveaulosen, tumben Kommentatoren zu verdanken ist — pfiffen nach dem Spiel und riefen „van Lent raus“ (das ist der Trainer). Dies natürlich kein so gutes Zeichen für das Pokalspiel am Dienstag, aber ansonsten würde man Offenbach ganz gerne dort nehmen (gegen Düsseldorf).

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Stuttgarter Kickers – 1.FC Heidenheim   0:2 (0:1)
Zuschauer: 3.250  (Schnitt bisher: 3.913;  letzte Saison:)
Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob man vorsichtig, mit X/2, oder mutig, mit der 2 zu Werke gehen sollte.  Unzweifelhaft wird Heidenheim hier auf Sieg gehen, insofern ist die Entscheidung doch einfach: 5/10 auf die 2, Heidenheim gewinnt.

Guter Tipp, aufgegangen, sogar mit zwei Toren, ohne Gegentor. Alles eitel Sonnenschein also? Na, so ziemlich. StuKi war aber engagiert in der Partie, Heidenheim kam zu den eigenen Chancen meist durch Konterangriffe, was ein ganz klein wenig gegen die ursprüngliche Einschätzung spricht, dass sie als Favorit auftreten würden. Andererseits kann man das Verhalten auch durchaus als „klug“ auslegen. Der Gegner MUSS ja, vor den eigenen Fans einerseits, aber auch aufgrund der Tabellensituation, kommen, also soll er doch kommen. Die Konterangriffe waren häufig recht sauber gespielt, einer führte schon recht früh (in der 11.) zum 1:0 durch Altmeister Thurk (der übrigens nicht so viel von seiner Spitzigkeit eingebüßt hat), und insgesamt gab es ein Chancenplus für die Gäste.
Eine wohl entscheidende Szene Mitte der 2. Hälfte, als es, in einem recht hitzigen, beiderseits umkämpften, Württemberg-Derby, eine Gelb-Rote Karte gegen einen Stuttgarter gab. Die Chancen wurden aus den Kontern noch größer, aber StuKi hatte, mit dem Mute der Verzweiflung anrennend, auch zwei, drei gute Chancen zum Ausgleich. Als man ziemlich energisch allseits auf Handspiel reklamierte (86.), im gegnerischen Strafraum — was wohl doch nicht ganz berechtigt war, aber, unabhängig davon, eh immer abschlägig beurteilt wird — setzte es gegen eine entblößte Abwehr das 2:0 (diesmal mit Thurk in der Vorbereiterrolle).
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Vorschau 3. Bundesliga, 22. Spieltag

Ziemlich viele Derbies an diesem Wochenende. Wieder, die hier gewonnenen Erkenntnisse nutzend, wird jedes einzeln und höchst individuell betrachtet.

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Chemnitzer FC – Wacker Burghausen  (Entfernung : 412 km)

Die Sachlage ohne jede Diskussion glasklar: Chemnitz gewinnt diese Partie. Egal, wie das Wetter sein wird, sie haben am Wochenende nachgewiesen, dass sie sich im Schneetreiben glänzend zurechtgefunden haben, also das zählt schon mal gar nicht als Argument (allgemein werden schlechte Witterungsbedingungen dem  Favoriten NICHT zum Vorteil gereichen). Sie haben die letzten beiden Spiele einfach nur stark gespielt (davor natürlich auch schon) und gehören in die obere Tabellenhälfte. Burghausen ist eine Durchschnittsmannschaft und die Spielpause (bei diesen oder jenen Bedingungen) dürfte sich nicht unbedingt pro Burghausen auswirken. Der kleine Bonus winkt im Falle des Gelingens für Chemnitz: man zieht am Gegner in der Tabelle vorbei.

Aufgrund der ganz starken Leistungen von Chemnitz zuletzt und der möglichen Verblendung des Wettmarktes, der die Tabelle (übertrieben) ins Kalkül zieht, mutige 10/10 auf Chemnitz Sieg.

Teamnews:
Chemnitz mit schmalem Kader (nur 22 Mann), aber ohne Ausfälle.
Burghausen auch ohne Ausfälle,

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Rot Weiß Erfurt – Hallescher FC  (Entfernung : 128 km)

Hier wäre ebenfalls eine klare Tendenz auszumachen: ein Sieg von Erfurt steht an. Sicher war man im Verlaufe der Saison nicht unbedingt für sie, oftmals gegen sie, das stimmt schon. Erfolglos war das Ganze auch nicht direkt. Aber doch ist Gegner Halle irgendwie zu schwach, zumal unklar sein dürfte, ob Halle-Kapitän Maik Wagefeld bis zur Partie fit wird. Dagegen sprechen jedoch diese beiden Punkte: a) es ist ein Derby, und dieses mit Sicherheit ein spezielles, mit reichlich Tradition, und b) Halle hatte ein Spiel am Wochenende, Erfurt musste zusehen.

Insofern bleibt der Tipp bescheiden: 1/10 auf Erfurt Sieg.

Erfurt ohne Bertram (25, IV, 9/0/0), Strangl (22, DM, ohne Einsatz), Fillinger (28, LM, ohne Einsatz), Morabit (24, HS, 12/5/2), Morabit der beste Mann.

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Karlsruher SC – VfB Stuttgart II  (Entfernung : 82 km)

Eine ganz einfach zu tippende Partie: es ist zwar ein Derby, nur, man entsinne sich des Hinspiels, als wohl etwa 4.000 (?) Zuschauer  hinkamen, obwohl es in Stuttgart stattfand! Anzunehmen, dass gut 95% der Zuschauer Karlsruher waren. Dies unterstreicht nur, dass die Rivalität so groß ist, dass man sogar zu reisen bereit ist, nur um dem eigenen Team einen Sieg zu bescheren, und das „nur“ gegen die Zweite?! Also: die Karlsruher Fans werden heiß sein auf das Spiel, auf ihre Mannschaft sind sie es sowieso, die Mannschaft gibt diese Hitze zurück, ist nämlich auch heiß, das Team der Stunde, und so gut Stuttgart auch gespielt hat, hier wird nichts zu holen sein.

Eine 1, aber nur mit 4/10 (wegen der Zweiten, ganz allgemein, wegen Derby und wegen Respekt vor speziell VfB II).

KSC ohne Stoll (29, IV, 7/0/0),  Bölstler (29, DM, ohne Einsatz bisher), Haas (22, DM, 15/1/1), Krebs (27, OM, 12/0/1), Sauter (21, RA, 2/0/0), Soriano (23, MS, 10/1/0), Hennings (25, MS, 20/8/8). Die Ausfälle wiegen auf jeden Fall recht schwer, vor allem im Angriff, da zwei wichtige Offensivkräfte fehlen.

Stuttgart II ohne Cecen (18, OM, 9/0/0), Berko (18, LA, 8/0/1),  und ein paar weiteren, die noch keine Einsätze hatten. Der Kader aber sehr breit, mit reichlich Nachschubpotenzial.

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Preußen Münster – SV Darmstadt 98  (Entfernung : 302 km)

Eine weitere, einfach zu tippende Partie. Nachdem es zuletzt ein ganz klein wenig Skepsis gegenüber dem Leistungsvermögen von Preußen Münster gab, haben sie diese eindrucksvoll beiseite gewischt mit der überaus starken Vorstellung in Chemnitz.
Da man ohnehin hier fast immer gegen Darmstadt argumentiert hat, gleichzeitig pro Münster, fällt es leicht, hier vorherzusagen, dass Münster die Partie zieht. Darmstadt war auch vom Spielausfall betroffen, und, siehe oben, Münster hat den Nachweis geführt, auch bei schwierigen Bedingungen guten Fußball zu spielen, also spricht noch mehr für sie.

5/10 auf Sieg Preußen Münster.

Münster mit diesen Ausfällen: Dominik Schmidt (25, IV, 7/2/0), Bischoff (25, ZM, 19/7/7), Taylor (31, MS, 19/11/5), und speziell die Ausfälle von Bischoff und Taylor dürften so schwer wiegen, dass die Wette kaum noch Spaß macht.

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Kickers Offenbach – VfL Osnabrück  (Entfernung : 333 km)

Diese Partie hingegen lädt nur zu einem ein, nämlich dem Pass. Offenbach hätte man ganz gerne, nach dem letzten (nicht ausgefallenen) Spiel, in welchem sie extrem unglücklich mit 0:1 gegen Halle verloren, aber auch Osnabrück hat man stets die Treue gehalten und trotz der Finanzsorgen dort und der nicht berauschenden ersten Halbzeit gegen Saarbrücken würde man nicht gegen sie antreten wollen. Bei Offenbach eh die Frage, ob sie nicht mehr Konzentration für das danach anstehende DFB-Pokalspiel — heim gegen Düsseldorf — aufbringen und die Liga sausen lassen. Nach oben ist der Weg zu weit. Andererseits wird man natürlich, nach dem ausgefallenen Spiel, heiß sein darauf, ein bisschen Fußball zu spielen und die Bedingungen kennen zu lernen.

Wie auch immer, es gibt nichts vorherzusagen außer, dass man sich bei der Partie lieber heraushält.

Offenbach ohne Ausfälle.
Osnabrück ohne Bouma (20, RV, 3/0/0), Hansen (29, DM, ohne Einsatz), Porcello (32, ZM, ohne Einsatz), Nagy (21, OM, 21/2/4).

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1.FC Saarbrücken – Arminia Bielefeld  (Entfernung : 454 km)

Nein, auch hier zwingt einen der Verstand, nichts zu tun. Saarbrücken hat zwar 0:3 verloren, war aber nicht so schlecht, wie es das Ergebnis aussagt, und Bielefeld hat zwar 4:2 gewonnen, aber im Prinzip gar nicht gefallen können (im Heimspiel gegen Dortmund II, die sie, bis zum Torgeschenk und späteren Platzverweis vorgeführt haben), insofern wäre die Neigung schon eher Saarbrücken, aber man sollte nicht einfach so, aufgrund zweier Partie, die grundsätzliche Neigung pro Bielefeld und gegen Saarbrücken aufgeben, zumindest nicht sie über den Haufen werfen und komplett umkehren.

Insofern auch hier nur die eine Möglichkeit: nichts tun, heraushalten.

Saarbrücken fehlen Pellowski (23, IV, ohne Einsatz), Kruse (29, DM, 21/2/2), Pazurek (23, DM, 10/0/0), Schneider (19, RM, 4/0/0), Hayer (27, MS, 13/1/1), Dausend (24, MS, 8/0/0)
Bielefeld ohne Riemer (24, RV, 11/0/0), Heithölter (30, LM, ohne Einsatz bisher)

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Stuttgarter Kickers – 1.FC Heidenheim  (Entfernung : 87 km)

Hier hingegen empfindet man eine ganz klare Tendenz: Heidenheim war in Topverfassung zuletzt und sogar beim 2:5 in Karlsruhe sahen sie über weite Strecken wie eine echte Spitzenmannschaft aus, haben dem mächtigen Gegner lange Zeit, gerade offensiv, die Stirn geboten. Stuttgarter Kickers hatte zwar den einen Sieg, beim 2:0 gegen Rostock (vor zwei Wochen), und gerne mag man eingestehen, dass ein paar Dinge verbessert waren, aber auch in dieser Partie hätte man in der Anfangsphase leicht in Rückstand geraten können, als Rostock drückte, aber das Tore schießen vergaß. Die Derbytendenz wird hier eindeutig pro Heidenheim empfunden. Sicher werden einige der wachsenden Fangemeinde sich auf den Weg machen und auch sonst spricht nichts dafür, dass sich die kurze Distanz nachteilig auswirken könnte.

Die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob man vorsichtig, mit X/2, oder mutig, mit der 2 zu Werke gehen sollte.  Unzweifelhaft wird Heidenheim hier auf Sieg gehen, insofern ist die Entscheidung doch einfach: 5/10 auf die 2, Heidenheim gewinnt.

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SpVgg Unterhaching – SV Wehen/Wiesbaden  (Entfernung : 450 km)

Wenn man ein Partie sucht, die „ideal“ sein könnte, dann wäre es eine derartige. Unterhaching gewinnt seine Spiele, letzte Wochenende gar in Rostock, aber Unterhaching spielt nicht mehr gut. Der Sieg in Rostock war extrem glücklich, davor haben sie auch gegen Darmstadt zu Hause nur ein 2:2 geholt — sehr spät erst –, davor Chemnitz, d s geliebte Chemnitz, besiegt mit 4:3 in einer Partie, in der sie die klar schlechtere Mannschaft waren, und davor stehen zwei Auswärts 0:0, die nicht gerade für Spielfreude sprechen.

Wehen auf der anderen Seite hat, seit Janjic nach Verletzung wieder richtig in Form gekommen ist — es wurde jede Woche besser — nur noch gute Spiele abgeliefert. 2:2 in Erfurt, das 0:4 in Karlsruhe war viel zu hoch und dort werden (und sind schon) auch noch andere unter die Räder kommen, davor das 2:1 gegen Offenbach, ein 3:3 in Saarbrücken, nach 3:1 Führung, ein 3:1 gegen Dortmund II — die ja gerade zuletzt gezeigt haben, was wirklich in ihnen steckt, also, die Leistungen stimmen rundherum.

Erwähnenswert durchaus, dass hier sehr wohl einfließen könnte, dass schwierige Witterungsbedingungen den Außenseiter bevorteilen (auch wenn Wehen nicht gespielt hat).

So oder so kann der Tipp nur pro Wehen ausfallen: X oder 2, mit 7/10 („nur“ 7, weil man auch schon für Haching war und weil das Wetter vielleicht doch das Spiel einem Würfelspiel angleicht).

Unterhaching ohne Winkler (20, IV, ohne Einsatz), Kappelmaier (21, LV, 6/0/0), Sternisko (24, DM, ohne Einsatz).
Bei Wehen fehlen Nico Herzig (29, IV, 13/1/0), Oenning (19, LV, 1/0/0), Book (26, ZM, 3/0/0).

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SV Babelsberg 03 – Hansa Rostock  (Entfernung : 228 km)

Fat noch besser als die Partie davor. Die große Distanz mag suggerieren, dass es KEIN Derby ist, aber es ist eines. Rostock Fans werden sich auf den Weg machen, das ist sicher. Hier gilt weiterhin, dass Rostock gespielt hat, während Babelsberg eine Zwangspause einlegte, und das wird schlicht als günstig für Rostock ausgelegt.

Ohnehin hat Rostock für einige sehr gute Leistungen keinen Lohn mehr bekommen, mit nur einem Punkt aus 5 Spielen, wohingegen Babelsberg mit in aller Regel mäßigen Leistungen jede Menge Punkte geschenkt bekommen hat. Wohin man auch schaut im Rückblick: sie haben NIE mehr als ein Tor erzielt und haben alle Spiele aus der Außenseiterrolle her gespielt. Hinten möglichst kompakt stehen — zugegeben, das tun sie ganz ordentlich — und vorne hilft nur beten, und es half tatsächlich. Kein einziger ehrlich herausgespielter Sieg war dabei, in der gesamten Saison nicht, kein Wunder, war doch ihr einzige Kantersieg das 2:0 gegen Darmstadt, das Schlusslicht, im eigenen Stadion (alle anderen Siege waren 1:0). Nein, man kann nur und ausschließlich auf das Ende der schwarzen Serie vertrauen, welches Rostock zusteht, und zugleich das Ende der weißen Serie (falls es das gibt; ansonsten eben: der Glückssträhne) der Babelsberger hoffen.

Die Tendenz klar: Rostock nimmt hier etwas mit, und man erdreistet sich, zu behaupten, dass die Gäste als Sieger vom Platz gehen. Eine 2, mit 5/10.

Bei Babelsberg fehlt niemand.
Bei Rostock fehlt Gusche (22, IV, 8/0/0), Wolf (23, IV, 6/0/0), Lartey (26, OM, 1/0/0), Jordanov (19, OM, 11/1/3). Wenn überhaupt hat sich Jordanov zur Stammkraft entwickelt und könnte fehlen.

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Borussia Dortmund II – Alemannia Aachen  (Entfernung : 156 km)

Partien der Alemannia sollen bis auf Weiteres nicht getippt werden. Wenn man hier dennoch einem Gefühl Ausdruck verleihen dürfte:  Dortmund gewinnt diese Partie. Zu stark und beeindruckend ihr letztes Spiel in Bielefeld, dass sie nie und nimmer hätten verlieren sollen. Klar aber auch, dass Aachen sich Respekt verdient hat, mit ihren letzten Sieg, und dass Bittencourt in jeder Hinsicht fehlen wird. Kein Tipp, nur eben diese geringfügige Neigung.

Dortmund ohne Bittencourt (18, OM, 11/1/4), Duksch (18, MS, 3/0/0).
Aachen ohne Erb (22, IV, 10/0/0), Demai (30, DM, 2/0/0), Rösler (35, HS, 7/1/1).

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Teamnews Österreich Bundesliga

Ried – Wolfsberg:
Bei Wolfsberg fallen ein paar teils sehr wichtige Spieler aus, bei einem ohnehin schon schmalen Kader. Sehr wichtig jedenfalls  Jacobo (28, LA, 17/3/2)  und de Paula (28, RM, 19/0/3), weiterhin betrifft es Solano (27, IV, 11 Einsätze/2 Tore/ 0 Vorlagen), Messner (32, ZM, 4/0/0), Kerhe (25, RM, 18/0/4), Stückler (27, HS, 9/0/3). Zu befürchten ist ein baldiger Kurseinsturz. Der Tipp auf Ried wird aber gefestigt.
Bei Ried fehlen Karner (22, IV, noch ohne Einsatz) und Hinum (25, RM, 15/0/4), also unbedeutend.

Salzburg – Mattersburg:
Salzburg hat diese Ausfälle: Douglas (IV, 28, 2 Spiele, 0 Tore), Rodnei (27, IV, 4/0), Schwegler (28, RV, 4/0),  Leitgeb (27, ZM, 17/3/2 Torvorlagen), Svento (27, LM, 1/0/0), Christiano (25, OM, 0/0/0), Kampl (22, RA, 9/0/2), Maierhofer (20, MS, 9/1/1), Boghossian und Alan, die eh nicht verfügbar waren, schon ewig. Allerdings ist der Kader sehr breit und stark, also dürften sie zu verkraften sein — außer der von Kampl natürlich, aber dies nur eine sehr persönliche Ansicht. Dem (klaren) Heimsieg gegen Mattersburg sollte weiterhin nicht so viel im Wege stehen.
Bei Mattersburg betrifft es nur Mravac (30, IV, 16/0/1),  aber immerhin ein regelmäßiger Innenverteidiger.

Wiener Neustadt – Rapid:
Wiener Neustadt ohne Karl (22, IV, 4/0/0), Martschinko (18, LV, 12/0/1)
Rapid ohne Dobras (20, OM, 1/0/0), also quasi ohne Ausfälle.

Austria – Sturm:
Bei der Austria fehlt nur Spiridonovic (19, Sturm, 1/0/0), unbedeutend.
Bei Sturm fehlt Hutter (22, RV, 4/0/0), Säumel (28, RM, 2/0/0), Schmerböck (18, LM, noch ohne Einsatz), also auch unbedeutend.

Innsbruck – Admira:
Bei Innsbruck keine Ausfälle.
Bei Admira fehlt Schicker (28, RM,9/3/0), und Ouedraogo (24, MS, 11/4/4), wobei dies schon eher schmerzen könnte.

Vorschau Österreich tipp 3 Bundesliga, 20. Spieltag

SV Ried – Wolfsberger AC  (Entfernung : 273 km)

Eine ganz einfach zu tippende Partie, ziemlich nahe an ideal: Ried hat total begeistert, in mindestens den letzten drei Spielen. Vorne ist René Gartler, der Tor auf Tor erzielt und die Mannschaft mit seiner Klasse infiziert hat. Sie stehen auf 5 und exakt dort gehören sie hin, denn mit Sturm, Rapid, Salzburg und der Austria können sie sich noch nicht messen, auch wenn man hier, nach den gezeigten Leistungen zuletzt wagt, zu behaupten: viel fehlt nicht.

Wolfsberg hingegen bestätigt eindrucksvoll, dass man sich in ihnen kein bisschen getäuscht hat. Sie spielen richtig schönen Fußball, sie können toll kombinieren, sie können sogar Tore erzielen — all dies von Anfang an bescheinigt. Nur: sie verteidigen nicht richtig, nicht richtig hart, sie bevorzugen das körperlose Spiel. Die Auswirkungen wurden selten offensichtlicher: in einem ganz phantastischen Fußballspiel, in welchem sie sogar in Führung lagen, verloren sie am Ende mit 3:6 gegen die Wiener Austria.

Selbst wenn man etwas ziemlich Ähnliches über Ried sagen kann, eine Woche davor, als sie einen unglaublich beherzten Auftritt in Wien, bei Rapid hinlegten, und Tore am Fließband erzielten — aber dennoch mit 3:4 verloren. Nur hinkt auch dieser Vergleich: SIE haben in Wien tatsächlich den Ton angegeben. Wolfsberg lag vorne, ja, kurzzeitig, aber sie haben das Spiel nicht bestimmt. Außerdem: Ried hat IN WIEN gespielt, während Wolfsberg ein Heimspiel hatte.

Übrigens stehen mit dem 3:6 mittlerweile 5 sieglose Spiele in Serie da, während bei Ried sich Siege und Niederlagen schön abwechseln, wobei die Niederlagen jene Partien bei Rapid, bei Sturm und bei der Austria waren (bei drei der vier vor ihnen stehenden Teams, alle drei auswärts).

Alles klar also: Ried macht das hier. Eine 1, mit 7/10.

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Wacker Innsbruck – Admira/Wacker Mödling  (Entfernung : 476 km)

Tja, also jetzt überwiegen denn doch wieder die Zweifel bezüglich der Qualitäten der Innsbrucker?! Das 1:2 in Wien bei Rapid war nur vom Ergebnis her eng. In der Partie haben sie kaum mitgespielt und nicht einmal einen Mann in der Nähe gehabt, als Rapid für sie das Tor erzielte. Ansonsten wurden sie (von einem, gerne zugegeben, längst wieder in Normalform spielenden Gegner) an die Wand gespielt. Sicher, ja, anders als Ried ebendort beim 3:4, haben sie die Partie vielleicht angegangen in der Hoffnung, irgendwie mit einem gestohlenen Pünktchen davon zu kommen, wohingegen sich Ried wohl sagte: verloren haben wir eh schon, ab jetzt können wir nur noch gewinnen. Aber dennoch: spielerisch war da gar so gut wie gar nichts zu sehen. Dennoch sei erinnert: vor drei Wochen gab es das tolle Spiel gegen Sturm (welches sie mehr als tragisch mit 0:1 verloren), danach haben sie, mit einem Sieg der Moral, das 2:2 in Wolfsberg in der Nachspielzeit erzwungen, und nun gab es ein 1:2 bei Rapid. Also richtig schlimm hört es sich auch nicht an.

Auf der anderen Seite steht die Admira, die einfach gar kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Diesmal saß sogar der Topspieler Marcel Sabitzer auf der Bank — und man verlor mit 0:3 daheim gegen Ried. Rundherum nur Niederlagen, wohin man auch blickt. Ein einziges 1:1 in Wolfsberg die kärgliche Ausbeute aus den letzten 8 Spielen, bei 6:22 Toren. Nein, allein das die Bilanz eines Absteigers. Es sind 4 Punkte, sie sie vorne liegen, ja, es sind eben „nur“ 4 Punkte. Ein Sieg — und Innsbruck wäre direkt heran, noch näher als Schlagdistanz.

Wenn man die Leistungen der letzten Spiele genau anschaut, dann ist es eher jene der Innsbrucker, die mehr Eindruck machte.

Schlussfolgerung: nie war die Gelegenheit günstiger, auch für das Tabellenbild, für die Heimmannschaft, als hier einen Sieg einzufahren. Man wäre an der gesamten Konkurrenz wieder heran, teilweise sogar vermutlich vorbei, und es wären auf einen Schlag mindestens drei Teams in den Abstiegskampf verwickelt. Die Qualität ist jedenfalls in der Mannschaft, eine solche Partie klar zu dominieren.

7/10 auf Innsbruck Sieg.

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SC Wiener Neustadt – Rapid Wien  (Entfernung : 64 km)

So gut vielleicht ab und an auch Wiener Neustadt gefallen haben mag, gerade beim letzten unverdienten 0:1 in Mattersburg : Gegner Rapid ist wieder voll in der Spur.  Die Rapid Fans, ohnehin mit der größten Anhängerschar in ganz Österreich, sind verrückt genug, die paar Kilometer zu tausenden zu bewältigen und sie werden das Stadion mit Heimspielatmosphäre ausstatten. Nach dem Aus in Europa hat Rapid die volle Konzentration für die Meisterschaft zur Verfügung, die Rückrunde ist noch lang, auf geht´s. Nein, Wiener Neustadt war gut, aber ist für diesen Gegner einfach nicht gut genug.

Eine klare 2, mit 8/10.

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Red Bull Salzburg – SV Mattersburg  (Entfernung : 362 km)

So wie Salzburg sich in Hälfte 2 bei Sturm präsentiert hat, waren sie wieder der alte Meisterschaftsfavorit. Selbst wenn es nicht zum Sieg reichte, nur sie hätten ihn am Ende verdient gehabt. Und eine Überlegenheit zählt gegen Ende immer mehr als eine anfänglichen, zur zur Erinnerung. Verständlich, dass Keeper Walke nach der Partie ziemlich angefressen reagierte, als er die aus Deutschland wohl übernommene ebenso dämliche Frage beantworten sollte, ab 7 Punkte Rückstand nun zu viel sei und die Meisterschaft damit entschieden oder ob sie im Frühjahr noch einmal angreifen wollten? Nein, so sagte er, sie geben auf, spielen nicht mehr weiter, die Meisterschale gehört nach Wien.
Klar, was er meinte: ihnen sind soeben zwei zum Greifen nahe Punkte abhanden gekommen, die natürlich weh tun. Nur gibt es noch viele Spiele zu spielen, die sie selbstverständlich normal angehen, wie eigentlich fast immer in der Favoritenrolle und man kann ja eh nur schauen, was herausspringt. Zwei Mal spielt man noch gegen die Austria, und diese wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht alle (anderen) Spiele gewinnen.

Na, vor dämlichen Fragen ist man nun einmal, speziell als Fußballer, nicht gefeit. Da müsste es erst einmal etwas  — nein, eigentlich nicht zu knapp — Verstand regnen, und davon sollte man nicht ausgehen.  Auf jeden Fall haben die Bullen es drauf. Mattersburg war richtig schlapp in der letzten Partie (obwohl sie mit 1:0 gegen das bessere Wiener Neustadt gewonnen wurde) und wird hier nicht zum Stolperstein.

Eine klare 1, was in diesem Fall bedeutet: mit mehr als einem Tor. Aber: doch nur mit 4/10.

Extra Anmerkung: Salzburg hatte im letzten Spiel mit einem Durchschnittsalter von 23.75 Jahren die jüngste Startelf in ihrer Bundesligageschichte auf dem Feld. Auf jeden Fall kein schlechtes Zeichen.

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Austria Wien – Sturm Graz  (Entfernung : 200 km)

Es widerstrebt einem persönlich ziemlich, sich gegen Sturm Graz zu stellen. Sie haben eine gute Saison gespielt und die letzten Leistungen waren allesamt sehr ok. Andererseits: mehr als Platz 4 ist einfach nicht drin. Gerade in der Schlussphase gegen die Bullen hat man gesehen, wer wirklich der Favorit war in der Partie. Und immerhin hatte Sturm ein Heimspiel. Auch beim 1:1 gegen die Austria — Teil der Serie von 9 ungeschlagenen Spielen — war der Spielverlauf sehr ähnlich. Also: man kann einfach nicht von Augenhöhe sprechen, auf der sie sich mit den großen Drei (ja, seit den letzten zwei Wochen sind es wieder drei) befinden.

Die Austria, mit einem Hosiner in einer Verfassung, der ihm bald schon einen lukrativen Vertrag im Ausland bescheren könnte, dürfte doch zu stark sein. Die Winterpause mit den besagten 7 Punkten Vorsprung anzugehen, dürfte ein sehr verführerisches Ziel sein, um hier noch einmal alles herauszuholen. Zumal sie im letzten Spiel eher zwei Punkte in Graz liegen gelassen haben, sprich auch in diesem Sinne Wiedergutmachung ansteht.

Aber, da es sich um Sturm handelt, nur 2/10 auf die Austria, den Heimsieg.

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Rückblick 3. Bundesliga, 21. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:
 
Aufgrund der Spielausfälle ein arg gekürztes Programm, aber bei den ausgetragenen Spielen kann man natürlich weit mehr als nur zufrieden sein. +3 auf Bielefeld, +9 auf den KSC, +4 auf Osnabrück, -2 für Rostock und bei Chemnitz hatte man bereits beim Verfassen der Vorschauzeilen ein mulmiges Gefühl, und dann auch noch diese Dramatik mit der 2:0 Führung und dem Ausgleich in der Nachspielzeit. Also: der Tipp war auch da sehr gut, zumindest im Sinne des reinen Ergebnisses und des späten Ausgleichs, der unter diesen Umständen natürlich als glücklich anzusehen ist, aber doch wird der Wettvorschlag hier nicht „abgerechnet“. Wer die 1 hatte, hätte -2 Einheiten, wer X/2 hatte, hätte +4, also rechnet man einfach +-0.
 
Dennoch ist die Summe +14, was einen sehr zuversichtlich stimmt, indem man nämlich allmählich die Erkenntnis gewinnt: tüchtige Arbeit kann sich durchaus als lohnend erweisen.

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Arminia Bielefeld – Borussia Dortmund II   4:2 (1:2)

Zuschauer: 7.598   (Schnitt bisher: 7.899)

Also: 3/10 auf Bielefeld, die 1.

Der Tipp ist aufgegangen, das ja. Aber er war kein bisschen gut, ganz im Gegenteil. Die Zuschauer waren da, wobei man ganz ehrlich eingestehen muss, dass Dortmund, sogar als Zweite, ein nicht unattraktiver Gegner ist. Man bekommt nicht nur tollen Fußball zu sehen — das Talent war ihnen ja längst bescheinigt, und vorne sah es schon lange gut aus — sondern auch eine Reihe großer Talente, von denen man sicher sein kann, sie bald in viel höheren Klassen spielen zu sehen. So lief hier Leonardo Bittencourt auf, der bereits am Dienstag davor seine ersten Championsleague Minuten (!!) absolviert hatte. Die 3 Millionen, die er gekostet hat, ist er ganz sicher wert. Also: die Mannschaft macht Spaß, zu schauen, in vielerlei Hinsicht (ob man sich gar auf die Trikotfarbe freut, wenn man denn ins Stadion geht?).
Dortmund dominiert die Partie von Anfang an. Verunsicherung gibt es eh dort selten zu sehen. Man spielt einfach das, was man kann. Vielleicht im Zweikampf nicht stets auf den puren Erfolg ausgerichtet, aber jeder weiß dort, was er kann und schaut, so muss man annehmen, selten auf die Tabelle. Eine Identifikation mit dem Club mag vorhanden sein, auch eine Identifikation mit der Mannschaft und den Kameraden. Aber kein übertriebener Ehrgeiz, die Klasse halten zu müssen, da das Wohl und Weh des Clubs absolut nicht vom Drittligafußball der Zweiten abhängig ist. Das spürt man irgendwie und das macht diese Partien besonders. Also: Bielefeld geriet arg unter Druck, wusste gar nicht, wie ihnen geschah und auch die Zuschauer bekamen vor Staunen den Mund nicht zu, und konnten in dieser Pose die Mannschaft nicht anfeuern. So stand es bald 2:0 — aber für die Gäste. Und das war das Gegenteil von unverdient: es war eher zu knapp.
Als dann gegen Ende von Hälfte 1 die Arminia, ohne je ernsthaft im Angriff gewesen zu sein, von einem unmotivierten Herauslaufen des Torhüters profitierte, wobei ein eigener Mann ihm, der längst aus dem Tor geeilt war, einen völlig harmlosen Ball zurückspielen wollte. Der Ball tippte Richtung leeres Tor, ein Bielefelder hatte den Klops erahnt und war da — das 1:2.
Erstmals danach für die Fans so etwas wie Hoffnung und sie begannen, die Mannschaft zu stützen. Mit 1:2 in die Kabine, einem Ergebnis, dass irgendwie fast alles offen lässt, nur war es  halt ein total falsches Ergebnis. In der 52. Minute dann die Szene — und wenn man es vorab liest, fragt man sich, wie es überhaupt zustande gekommen sein mag –, die eine nähere Betrachtung lohnt: Bittencourt, das Supertalent (noch ist er erst 18) führt im Mittelfeld den Ball. Ein Bielefelder rauscht mit offener Sohle heran. Möglich, dass er ihn nicht voll erwischt, vermutlich deshalb, weil der Instinkt dem jungen Mann sagt: „Weiche lieber aus, ziehe zurück, deine Knochen sind es nicht wert, hier, in dieser Liga, kaputt getreten zu werden.“, denkbar auch, dass ein so gewandter Spieler (anmaßend vielleicht, ihn mit Götze zu vergleichen, aber Ähnlichkeiten in der Spielanlage und der Ballgewandtheit sind erkennbar) längst die Reflexe aufgebaut hat, die ihn die Gefahr erahnen lassen und derartigen Tacklings auszuweichen, aus ihnen schadensfrei hervorzugehen. Fakt aber, dass er doch — und das mit einigem Recht — empört ist über dieses rüde Einsteigen, selbst wenn er nicht (voll) getroffen wurde. Er geht direkt energisch auf den Gegenspieler zu. Ja, er nimmt ihn sich vor, seine Hand geht ins Gesicht, man könnte sagen, er würde ihn am liebsten mal ordentlich durchschütteln.
Wo ist denn nur der Schutz für derartige Spieler, für solche, die dafür sorgen, dass die Zuschauer mit der Zunge schnalzen können, die die Fans vielleicht in Scharen anlocken können und die auch, last but not least, dafür sorgen können, dass es in Europa League, Champions League und in Länderspielen, großen Turnieren weiterhin diese Erfolge zu feiern gibt? Auch dies ein Aspekt und so wenig man hier nationalistisch ist, denkt und fühlt: die Beteiligten, die Regelmacher sollten doch einen derartigen Gedanken irgendwo im Hinterkopf haben, da sie doch alle so scharf sind auf die derartigen Erfolge?
Was geschieht also? Das harmlose Hand ins Gesicht drücken, was garantiert absolut schmerzfrei bleibt, ist in Nichts vergleichbar mit den möglichen Schmerzen und sonstigen Folgen, die das Tackling hätte haben können, falls der Gegenspieler, der nun zum Übeltäter wird, nicht geistesgegenwärtig die Füße hochgenommen hätte. Dies ein wahrhaftiger Angriff auf die Gesundheit des so außergewöhnlichen Spielers (was, bitte schön, zugegeben, keinen Einfluss haben sollte, oder vielleicht doch?), nicht eine harmlose Hand im Gesicht, die noch nicht einmal ansatzweise als „Schelle“ ausgelegt werden könnte. Nein, das war ungebührendes Verhalten, das stand ihm nicht zu. Nur: wenn es keine Justiz gibt, die derartiges Einsteigen zu unterbinden in der Lage ist — hier sicher erwähnenswert, dass der tackelnde Spieler völlig straffrei ausging, nicht einmal Gelb bekam, wo ihm (und nur ihm) eher Rot zugestanden hätte –, dann verwundert es den Schreiber dieser Zeilen hier kein bisschen, dass man zur Selbstjustiz greift. Hätte er ihm nur einen ordentlichen Satz heiße Ohren verpasst, dass es ihm vielleicht doch eine Lehre ist, dann hätte sich das Rot wenigstens ein klein wenig gelohnt.
Nein, es war nicht korrekt, alles daran war nicht korrekt, verletzt das Rechtsempfinden, so man denn, angesichts des so auswuchernden Unsinns, der nicht nur gepfiffen sondern dazu von der labernden Zunft, den Kommentatoren also, abgesondert wird, noch ein gesundes hat. Ein Gegenspieler kann dir im Zweikampf in die Wade beißen, den Ellenbogen ins Gesicht rammen und sämtliche Zähne ausschlagen, er kann dir mit dem Fuß ins Gesicht treten, falls du die Frechheit besitzen solltest, im gegnerischen Strafraum mit dem Kopf zum Ball zu gehen, um ihn, in hinterhältiger Absicht, in Gegners Netz unterzubringen, das alles ist „normale Zweikampfhärte“. Aber wehe, wehe, wehe, du wirst böse und streckst ihm die Zunge raus, geschweige denn, du schüttelst ihn am Arm.
Bittencourt musste vom Platz und Bielefeld durfte zu elft weiter spielen, ein paar Törchen machen und behaupten, sie hätten sich in Hälfte 2 gesteigert. Lächerlich. Wenn überhaupt, möchte man demnächst, aber gerne eingestanden, noch mehr für das Gerechtigkeitsempfinden, die Dortmunder haben.
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Hallescher FC – Karlsruher SC   0:2 (0:1)
Zuschauer: 6.200   (Schnitt bisher: 8.040)
Insofern eine klare 2, mit 9/10.
 
Nicht so viel zu sagen zu dem Spiel. Der beste Tipp von allen, mit einem 2:0 relative locker eingelaufen, was soll man da erzählen? Der KSC ging in Führung durch einen Freistoß, mal wieder, von Haken Calhanoglu. Sein 5. Tor bereits auf diese Art und damit macht er wohl bald Sinisa Mihajlovic Konkurrenz (Mijajlovic mit dem einmaligen Rekord, ein Spiel mit einem Hattrick aus Freistoßtreffern alleine zu entscheiden, aber auch sonst legendär, wie er sie trat, und wohl noch immer in der Serie A der Spieler mit dem besten Verwertungsquotienten, vielleicht sogar weltweit?!). Dieser war zwar präzise und hart geschossen, hatte eine spektakuläre Flugkurve, und war dennoch eigentlich schon pariert, wenn der 38-jährige Horvat („Horvat unser Torwat“) ihn nicht hätte abprallen lassen und von da — nein, nicht etwa einem Stürmer vor die Füße, der Schnitt war wohl noch drin in dem Ball, er sprang am anderen Pfosten zurück Richtung Tor und tatsächlich hinein! Das 1:0.
Der KSC aber im Vorwärtsgang, wenig von Halle. Das 2:0 ebenfalls ein wenig kontrovers, da der Stürmer (van der Biezen) seinen Gegenspieler angeblich beim Lauf nach dem langen Pass gefoult hat — angeblich hat er selbst die Berührung nach der Partie eingestanden. Nur: der Abwehrspieler, der im Laufduell zu Fall kommt, rappelt sich sofort wieder auf, um Nachzusetzen und in dem Moment gilt so etwas wohl als einseitiges Schuldeingeständnis. Ein „anständiger“ Verteidiger nämlich, der auf das Foul aufmerksam machen möchte, bleibt schlicht liegen. Der Schiri reagiert DANN immer gleich — und hierbei sogar gleichgültig, ob es sich um ein Foul (selten) oder um KEIN Foul (sehr häufig) handelte — und pfeift ab. Der Hallenser Abwehrspieler wurde also Opfer der Psychologie: wenn er aufsteht, wird er wohl nicht gefoult worden sein. Ähnlich, wie in Österreich dieses Wochenende, als ein Stürmer nach einem klaren Foulspiel dennoch den Torabschluss suchte — und natürlich folglich keinen Strafstoß bekam — lautet also auch hier der (im Sinne des Erfolges) ernst gemeinte Ratschlag an ALLE auf dem Platz: Verbrechen lohnt, crime DOES pay, ihr müsst fleißig simulieren und vortäuschen, DANN, so seid versichert, werdet IHR den Pfiff bekommen — und dem Gegner eine Nase drehen.
Als Verständiger des Rechtsgedanken und der Aufrichtigkeit verpflichtet: sobald man ALLEIN DIESES auf Seiten der Judikativen erkannt hätte, wäre es bereits ein Leichtes, gute Regeln niederzuschreiben und auf Seiten der Legislativen, sie zu beherzigen. Ähnlich, wie eine Notbremse NIEMALS DER EIGENEN MANNSCHAFT ZUM VORTEIL GEREICHEN DÜRFTE, so müsste auch hier gelten: verhalte dich sportlich und du hast nicht nur die Gunst der Fans sicher (was deshalb kaum möglich sein dürfte, weil man in die Spielklassen niemals aufsteigen wird mit dem wahrhaftigen Fairplay Gedanken im Hinterkopf und ihn ausübend; sprich: in Wahrheit kommen nur die ganz nach oben, die sich schweinisch verhalten, das die aller bedauerlichste Wahrheit), sondern zugleich hättest du Maximales für den Erfolg getan. Nun ja, in einer mehr als fernen … Vergangenheit (und nicht Zukunft) mag es mal so gewesen sein (was assoziiert man beispielsweise mit Fritz Walter oder Uwe Seeler? Untadelige Sportsmänner, die niemals vorsätzlich ein Foul begangen hätten, geschweige denn, einen Täuschungsversuch vorgenommen; sie haben allein mit ihrer spielerischen Klasse begeistert, die Herzen der Fans erobert, nur war es eben in jener Zeit auch noch möglich), heute undenkbar und sogar weiter davon entfernt als je zuvor.
Halle versuchte danach noch Einiges, sah auch ab und an ganz gut aus, aber es reichte nicht mehr, nicht einmal zum Anschlusstreffer, wonach man erst einmal die Reaktion hätte sehen müssen. So war es doch ein recht ungefährdeter Sieg. An den Einschätzungen gibt es nichts zu korrigieren. Der KSC ist die Nummer 1.

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VfL Osnabrück – 1. FC Saarbrücken   3:0 (0:0)

Zuschauer:  8.600   (Schnitt bisher: 11.222)
Osnabrück zieht die Partie, eine 1, mit 4/10.

Tipp aufgegangen, mit 3:0 sogar klar und deutlich, alles gut also.
Die erste Halbzeit dennoch ziemlich ausgeglichen, was vor allem daran lag, dass Osnabrück nicht seine normale Leistung auf den Platz brachte. Vielleicht Begleiterscheinungen der finanziellen Krise? Chancenverhältnis vielleicht bei 2:2, also nicht so viel los allgemein.
In Hälfte 2 startete der VfL furios. Fast direkt nach Wiederanpfiff das 1:0, danach, jeweils nach Eckbällen, das 2:0 und 3:0. Einstudierte Varianten? Gut denkbar. Die Standards haben zunehmende Bedeutung bekommen, wie bereits vielfach hier angemerkt.
Damit die Partie natürlich entschieden. Wenn überhaupt Zweifel, dann beziehen sie sich auf die Finanznöte des VfL. Ob die Spieler dauerhaft damit zurechtkommen? Saarbrücken dürfte trotz des 0:3 und der wenig berauschenden gesamtbilanz keinesfalls etwas mit dem Abstieg zu tun bekommen. Zu viel Potenzial steckt da im Team.
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Hansa Rostock – SpVgg Unterhaching   0:1 (0:0)

Zuschauer: 6.700   (Schnitt bisher: 10.167)
2/10 auf Rostock, die 1.

Der Tipp keineswegs schlecht. Rostock hat eine solche Menge von Großchancen produziert — fast alle entschärft vom Mann mit den Krakenarmen, Riederer im Tor der Gäste –, dass sie längst die Führung verdient gehabt hätten. Unterhaching aber keinesfalls schwach, sie kamen nur selten nach vorne, waren dann aber gefährlich. In der 88. Minute dann die Höchststrafe für die Gastgeber: Ecke, Kopfball, Tor, das 0:1. Chancenverhältnis vielleicht bei 8:3. Also der Tipp ok, wie gesagt.
Teilweise sieht das bei Rostock wirklich extrem gut aus, nach richtigem Spitzenfußball, also wenn die Saison nicht schon so weit fortgeschritten wäre und der Abstand allmählich zu groß, gäbe es hier die gute Chance, demnächst etwas Kohle zu machen mit dieser Mannschaft. So? Schwer zu sagen, ob sie selbst noch an eine Chance glauben.
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FC Chemnitz – Preußen Münster   2:2 (2:0)

Zuschauer: 3.150    (Schnitt bisher: 5.094)
Also: Chemnitz ist keinesfalls Außenseiter in der Partie. Sie wären dran mit einem Sieg, das haben sie sich verdient. Eine 1 mit 2/10 (oder halt 1/X mit 4/10).
 
Man könnte die Partie sehr kurz zusammenfassen oder auch jede Menge Worte darüber loswerden. Einfach faszinierend. Um es vorwegzunehmen: der Platz war zu Spielbeginn komplett eingeschneit. Der Schneefall hatte eingesetzt zwei Stunden vor Spielbeginn, und hörte über die gesamte Spielzeit nicht auf. Alle 15 Minuten musste die Partie unterbrochen werden, damit zumindest die Strafraumlinien sichtbar gemacht werden konnten, der Schiri also wenigsten wüßte, wo der Strafraum ist. Da man aufgrund der leicht diffusen Wettangabe ohnehin diesen Tipp als pari gewertet hat, und die Bedingungen sozusagen irregulär waren, könnten dies die wenigen Worte gewesen sein. Ein lustiges Spiel im Schneetreiben, nur bitte, bitte, ziehe keine Schlüsse daraus, was von diesen Mannschaften zu erwarten ist in zukünftigen Auftritten.
Oder man wählt die Version „viele Worte“ (wozu ausgerechnet der Autor hier viel eher geneigt ist). Es war nämlich ein wirklich irres Fußballspiel, mit allem, was ein Fußballspiel ausmachen kann. Es waren zwar irreguläre Bedingungen, aber doch wurde von beiden Seiten fast durchgehend erstaunlich guter Fußball gespielt, und das ist ernst gemeint, „gespielt“. Es wurde nicht nur Bälle wie wild durch die Gegend gekloppt, hoffend, dass er mal einem Angreifer vor die Füße fällt und er den rutschenden Keeper mit der rutschigen Kugel mit einem Holperball überwindet, sondern richtig durchdachte, wohl überlegte Angriffe inszeniert, die immer wieder für ganz normale Spielsituationen sorgten. Riesenkompliment an beiden Mannschaften, für so ein tolles Spiel und man müsste, als wahrer Enthusiast, beinahe ein wenig bedauern, dass nicht live und in Farbe gesehen zu haben, am besten im Stadion.
Dazu kommt auch noch der überaus dramatische Verlauf. Zunächst ist nach 102 Sekunden Torsten Fink, der Goalgetter der Chemnitzer auf und davon, im Strafraum, leichte Außenposition, der Keeper rauscht heran, mit den Händen zuerst, Fink legt sich den Ball vor, kommt danach in Masuchs Hände und fällt. Ja, es gibt Elfmeter.
Aber genau diese Szenen sind es, die man diesseits der Tastatur eigentlich weniger mag im Sinne von „zugestandenen Elfmetern“. Viel übler sind eigentlich die permanenten kleinen Schubser und Zieher im Strafraum, die den Stürmer genau im Moment vor dem möglichen Abschluss — das gilt noch mehr bei Kopfbällen — „off balance“ bringen und so das Tor verhindern, die viel zu wenig geahndet werden , abgesehen von den permanenten Handspielen. In diesen Szenen, vergleichbar in diesem Spiel hier, sieht man genau, was der Stürmer vorhat. Ball irgendwie vorbeifegen, Timing vollkommen gleichgültig und nicht einmal im Interesse liegend, ob man ihn überhaupt erreichen könnte nach dem vorbeispitzeln, und, sobald Phase 1 abgeschlossen, geht man sofort in Phase 2 über: Beine möglichst nahe am Boden schleifen lassen und irgendwo die Torwarthände herumliegend vorfinden, dort einfädeln und stürzen. Einfacher Plan, kindlich genial. Hier gelungen. Nicht etwa, dass man Fink hier einen Täuschungsversuch unterstellen möchte. Er macht genau das, was ihm schon Tausende von Spielern vorgemacht haben. Es ist ein „state of the art“, wie man vorgeht, einhergehend mit Schiedsrichters Pfiff, der nämlich so gut wie immer erfolgt.
Da man allgemein an dieser Stelle hier immer pro Elfer und pro Tore argumentiert, möchte man sich  nicht wirklich beklagen. Es soll nur erwähnt werden, dass DIESE Szenen am wenigsten nach „klarer Elfer“ schreien, da die Torgefahr nicht als Grundlage hergenommen wird zur Beurteilung, und diese ist möglicherweise viel geringer als in anderen, kaum je geahndeten Szenen. Hier gibt es IMMER, dort NIE. Da stimmt etwas nicht, das die Betonung.
1:0 3.Minute, aber Chemnitz machte weiter. Ein gutes, engagiertes Spiel, wie erwähnt, mit sehr guten Spielzügen und nicht vielen Fouls. So kamen sie zu weiteren Gelegenheiten, lange bevor Preußen Münster sich auf die Bedingungen eingestellt hatte. Das 2:0 fiel bereits in der 14. und man kann es durchaus „verdient“ nennen. Weiter ging es, die (wenigen, aufgrund der Witterung) Fans waren voll da, die Mannschaft blieb gut in Schwung, hätte sogar nachlegen können. Nach und nach aber kamen auch die Gäste ins Spiel und kamen zu ihren ersten Chancen.
Nach der Pause dann zunächst ein verteiltes, sehr gutes Spiel, mit Chancen hüben und drüben, aber allmählich übernahmen die Gäste mehr und mehr das Kommando. Sie drängten der Gegner zurück und kamen wieder und wieder gefährlich in den Strafraum, bis aus einer der Szenen der Anschluss fiel, ganz klar, zu dem Zeitpunkt verdient.
Der Druck wurde gigantisch, Chemnitz konnte sich nicht mehr befreien. Da Chemnitz nun bereits in der letzten Woche diesen unfassbaren Ausgleichstreffer in Babelsberg in der letzten Minuten der Nachspielzeit kassiert hatte — ein Verzweiflungsschuss aus 40 Metern nach einem unberechtigten Freistoß und dies sogar teilweise der Grund war, hier für sie zu plädieren –, mutet es schon etwas tragisch an, dass es in dieser Partie hier wieder in der 93. Minute geschah. Nur war es hier definitiv verdient.

Also: trotz der eigentlich zu vermeidenden Schlussfolgerungen zieht man doch welche: beide haben sich hervorragend präsentiert und da man sie schon davor im Laufe der Saison häufiger mal unterstützt hat, in Form von Tipps, wird man sich durch eine derartige Leistung nicht davon abbringen lassen, nein, ganz im Gegenteil.

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Rückblick Österreich tipp 3 Bundesliga, 19. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:
 
So gut wie perfekt, die Tipps, so dass man die gute Chance bekommt, in Selbstzufriedenheit zu versinken — was man selbstverständlich tunlichst vermeiden sollte  (denn: dann ist der Weg zum Absturz ein vergleichsweise kurzer). Die zwei kleineren Makel: die Wetten zu klein getätigt, eine Vorsichtsmaßnahme, auch aufgrund der Witterungsbedingungen, aber vor allem wegen der Freigebigkeit letzte Woche, die nicht in allen Fällen günstig verlief. Der zweite, dass Innsbruck die Partie, wenn auch knapp, aber verlor. Sicher hätte es hier sogar die Möglichkeit gegeben, aufgrund der hohen Favoritenstellung von Rapid, auf eine Handicapwette zu verfallen, bei der man das eine Tor, was ihnen fehlte, vor bekommen hätte. Sicherlich darf man aber selbst mit dieser Wette nicht unzufrieden sein, denn es war ja der krasse Außenseitertipp.
 
Eine oberflächliche Auswertung ergibt: +6 für Ried, wobei hier die Frage ist, ob man sich nicht doch NUR für die 2 hätte entscheiden können (und das Säckel damit etwas reichlicher füllen), +2 auf die Austria auch hier eine etwas kärgliche Ausbeute, +4 für Mattersburg, und -5 auf Innsbruck, macht in der Summe +7 Einheiten, überschlagsmäßig. Jedenfalls war es ziemlich ok.
 
 
Allgemeine Anmerkung: die Wetterbedingungen durchgehend ziemlich miserabel. Das erklärt in vielen Fällen die deutlich schlechteren Zuschauerzahlen. In Graz ließen sie sich dennoch nicht abhalten, was jedenfalls für die Mannschaft spricht (auch für die Fans, versteht sich).

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Admira/Wacker Mödling – SV Ried   0:3 (0:3)
Zuschauer: 1.650  (Schnitt bisher: 3.155; -29.7% gegenüber Vorsaison)
Die Tendenz ist ganz klar: Ried macht hier etwas. X oder 2, als der dennoch verhaltene Tipp, obwohl sie kaum Außenseiter sind. Mit 6/10.

Auch in dieser Partie ein paar kuriose Szenen. Zunächst: Admiras Stammkeeper verletzt. Der Ersatzmann bekam nach 54 Sekunden KEINEN Schuss aufs Tor — und doch war der Ball drin. Es war eine Art Flanke oder was auch immer, jedenfalls „an easy catch for the Keeper“, aus spitzestem Winkel, und der Ball trudelt über die Linie.
Danach spielt ein Rieder seinen Kameraden an, im eigenen Strafraum, ohne jegliche Bedrängnis, der Ball aber etwas zu stark und doll, in der falschen Höhe, der Mitspieler nimmt den Arm zuhilfe, um den Ball zu kontrollieren. Unmöglich, dass übersehen zu haben. Es war ein Handspiel, es war im Strafraum, der Schiedsrichter sieht es, der Arm geht unzweifelhaft zum Ball. Die Entscheidung? Weiter spielen. Was würde hier ein Videobeweis nützen? Es liegt ja alles offen da. Es gibt einfach keinen Elfmeter. So nicht und so nicht. Und wenn es mal einen gibt, dann und nur dann wird der Videobeweis gefordert. Die Idee dabei? Vielleicht schaffen wir es eines Tages, dass die paar blöden Tore, die noch immer fallen, auch alle aberkannt werden. Keine Fehler mehr, keine Tore mehr, keine Zuschauer mehr. Sozusagen eine Art „Endsieg“, wie einst von einem vermeintlich großen Feldherren geplant. Mal sehen, was bei diesem Feldzug hier noch alles in Trümmern liegt, wenn er beendet?
Auf der anderen Seite, zum Ausgleich sozusagen, wobei es darauf dem Schiri gar nicht ankommt (höchstens, dass er doch ein wenig beruhigt ist, wenn es einmal hier und einmal Tot geschieht; umgekehrt würde er zwar auch nicht geben, aber dann hätte er vielleicht irgendwann ein schlechtes Gewissen), ein aberkanntes, aber reguläres Tor. Flanke in den Strafraum, vielleicht zwei Rieder im Abseits, nur bewegen sie sich sofort und erkennbar vom Ball weg, wollen gar nicht hin und auch nicht stören. Der Ball kommt durch zu Gartler, der schiebt ihn ein. Gartler aber war mindestens um 2 Meter NICHT im Abseits. Was soll das alles? Wieso wird JETZT nicht der Videobeweis gefordert? „Ja, hat er halt falsch gesehen. Na und?“ Und was soll der große Unterschied zu einem gegebenen Tor sein, welches nicht korrekt war? Wieder heißt es in Deutschland nun: die wohl schlimmste Fehlentscheidung des Jahres. Warum nur? Kann man darüber nicht mal nachdenken? Jeden Spieltag mindestens vier nicht gegebene Elfmeter, nicht anerkannte Tore, die aber hätten zählen müssen, aber niemals dabei die Rede von „schlimmsten Fehlern“. Nur ein anerkanntes Tor kann also ein schlimmer Fehler sein. Genau da liegt das Dilemma, das Problem, was die Menschen anscheinend nicht begreifen.
Das 2:0 übrigens, wie damals schon beim 5:2 in Wolfsberg, wieder aus dem gleichen spitzen Winkel.
Unfassbar aber das 3:0: hier lässt der Torwart einen Ball aus, auf dem er bereits lag. Gartler profitiert und schiebt ein. Praktisch alle drei Tore also mittlere bis größere Geschenke. Die Admira nur ab und an vorne, ohne größeren Schaden anzurichten.
Später macht Ried ein eindeutig korrektes Tor, das wird aber, ohne ersichtlichen Grund, nicht anerkannt. Noch etwas später schon wieder das 4:0, schon wieder aberkannt (diesmal wäre zwar René Gartler im Abseits gewesen, wenn auch nur hauchzart, wie die Kamera beweist; nur: beweisen kann die Kamera NICHT, dass er mit seinem leichten Ausfallschritt den Ball überhaupt berührt hat). Aber was spielen DIESE ganzen nicht gegebenen Tore für eine Rolle? Als Zuschauer würde man eigentlich so reagieren müssen (beispielsweise, wenn man erstmals im Stadion dabei ist; der „Neufan“ sozusagen, derjenige, den es zu erobern gälte): „Was ist denn hier los? Immer, wenn der Ball im Netz liegt, pfeift der Schiri ab, und immer wenn es richtig spannend wird auch, weil einer alleine vorm Tor steht. Nee, das Spiel könnt ihr schön alleine spielen. Ich komme nicht mehr.“
Die Partie war natürlich entschieden.
Fazit: unmöglich natürlich, trotz des frühen und geschenkten 1:0 und auch der anderen Tore, die nicht unbedingt herausgespielt waren, den Tipp schlecht zu reden. Admira viel zu wenig nach vorne, Ried mit den zusätzlichen Chancen, alles ok mit der Wette. Marcel Sabitzer übrigens, seit Hosiners Weggang wohl der beste bei der Admira, saß nur auf der Bank und ist zugleich bei Rapid im Gespräch. Positiv kann das erst einmal nicht sein aus Sicht der Admira.
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Wolfsberger AC – Austria Wien   3:6 (2:2)

Zuschauer: 2.600   (Schnitt bisher: 5.972 ; +122.6% gegenüber Vorsaison, als Aufsteiger)
Tendenz fein säuberlich herausgearbeitet: eine 2. Der Wert gering, also 2/10.
 
Nach der dritten Szene hält man als Autor den Spielbericht (im Video) an. Das ist einfach zu viel. „Der dritte Aufreget“, so der Sprecher, und das dritte Mal die gleiche Entscheidung: kein Foul, weiterspielen, kein Elfer. ALLE drei waren klare Vergehen im Strafraum, bei denen man nirgends auf dem Platz über das Pfeifen nachdenkt. In allen drei Szenen IM STRAFRAUM soll es nichts gewesen sein, oder was möchte man behaupten? Zwei Mal Foulspiel, einmal wird eine Flanke mit dem Arm abgefangen und selbst wenn der Abwehrspieler hier wirklich den Arm versucht, wegzuziehen, spielt das keine Rolle, da die Flugbahn (entscheidend?) verändert wird und auch der Sprecher erkennt: „Für mich war das ein Elfer.“  (das in diesem heutigen Bericht verstärkt auf derartige Szenen eingegangen wird, liegt natürlich an der in Deutschland aufgekommenen Debatte angesichts Schmelzers Handspiel (?!)). Auch in dieser Partie also: drei klare Elfer verweigert — aber nicht einmal die Postkarte nach Hause wert („nothing, to write home about.“) Wehe, wehe, einmal gibt es einen Elfer, der keiner war.
Die Austria führte zwar zu dem Zeitpunkt (mit 2:1), war auch wirklich gut drauf, aber dass es dennoch hätte entscheidend sein können (die Elfer Verweigerung) zeigt die Tatsache, dass Wolfsberg nicht nur zum Ausgleich kam, sondern sogar mit 3:2 in Führung ging!
Wie oftmals angekündigt, hat Wolfsberg spielerisch einiges drauf. Nach vorne sah es immer sehr gut aus, aber in der Defensive — wie mehrfach an dieser Stelle erwähnt — sieht es oftmals ziemlich widerstandslos aus, vor allem nicht energisch, nicht press gedeckt, eben körperlos — was durchaus für Attraktivität sorgt. Also: trotz des zwischenzeitlichen Rückstandes (wie schon beim 6:4 bei der Admira) ließ die Austria nicht nach und nutzte eine Chance nach der anderen, natürlich mit jenem Hosiner in Höchstform, der einfach alles trifft und nunmehr bei bereits 20 Treffern steht (3 Mal allein in dieser Partie).
Alles klar also mit dem Tipp, die Austria hatte immer noch zuzulegen und Wolfsberg mit dieser Art zu verteidigen einfach nicht gut genug für diesen Gegner, der sich die 6 Tore übrigens bei auch hier durchaus nicht gerade perfekten Spielbedingungen dennoch redlich verdiente — es zählt so einfach etwas mehr.
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SV Mattersburg – SC Wiener Neustadt   1:0 (0:0)

Zuschauer:  1.700   (Schnitt bisher:  4.703 ; -4.1% gegenüber Vorsaison)
Folgt: Mattersburg gewinnt die Partie. Wegen des Derbies dennoch nur 4/10.
 
Die Geschichte der Partie recht schnell erzählt: tatsächlich waren die Gäste sogar die etwas bessere Mannschaft, Mattersburg einfach nicht gut, wenn auch ab und an nach vorne gefährlich. Ein Spieler von Wiener Neustadt konnte seinen Gegenspieler nicht halten, brachte ihn zwei Mal zu Fall nachdem er ausgespielt war und sah Gelb-Rot. Es war sicher zu hart, das sei hier eingestanden. Selbst mit 10 Mann aber Wiener Neustadt nicht wirklich klein zu kriegen und noch immer ziemlich ausgeglichen in der Partie. Dennoch machte Mattersburg das Tor.
Fazit: der ganze Tipp war Mist, ging aber auf. Gut sahen nur die Gäste aus. Bei Mattersburg höchstens Ansätze.

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Sturm Graz – Red Bull Salzburg   1:1 (1:0)

Zuschauer: 10.041   (Schnitt bisher: 11.920; +10.1% gegenüber Vorsaison)
Ziemlich viele Worte, um ein Pass zu rechtfertigen?

Das Ergebnis passt ja zum Pass, sozusagen perfekt. Salzburg in Hälfte 1 zwar mit mehr Ballbesitz, aber Sturm mit den gefährlicheren Szenen und insgesamt 11 Torschüssen (in dieser Halbzeit).
Salzburg nach dem Wechsel aber wie die Seiten: ausgewechselt. Ein einziger Sturmlauf, um die albernen Wortspielchen noch ein bisschen alberner zu machen. Der Sturmlauf ging nämlich auf das Sturmtor. Mindestens zwei kuriose Szenen dabei. einmal ein Salzburger frei durch (Berisha), schießt, an den Pfosten, den Abpraller schiebt Mané ein. Die Entscheidung? Abseits. Angeblich korrekt. Nur braucht man da ein Maßband, denn ein Standbild genügt nicht, um das nachzuweisen (was ja eh gar nicht nachweisbar ist. Falls es eine gleiche Höhe gibt, dann war es diese. Falls es je ein „im Zweifel für den Angreifer“ gäbe, und man dies auch den Linienrichtern klar machen würde, dann war dies unter allen Umständen NICHT ABSEITS. Nur ist es, wie weiter unten angeführt (bei Rapide Partie) immer das gleiche. Ein nicht gegebenes Tor ist vollkommen überflüssig, weiter zu untersuchen. Bei gegebenen wird jedes mögliche Härchen gesucht, und wenn es denn gefunden wird, ruft man nach dem Videobeweis. Der Fokus ist falsch gesetzt. Torszenen und Tore sind es, die die Zuschauer anlocken. Mitgeliefert wären spannende(re) Spielverläufe. Und selbst wenn eine Partie, wie die der Austria, irgendwann entschieden ist: würde ein Zuschauer da nach Hause gehen vor dem Schlusspfiff? Nein, sie gehen bei 0:2 vielleicht, aber nicht bei 3:6. Tore, Tore Tore sind das Salz in der Suppe. Und so einfach zu erreichen, denn es genügt das einfache „bestehende Regeln ANWENDEN“.
Der Ausgleich demnach ganz klar verdient, und obwohl sich Sturm nach vorne immer mal wieder zu Wort meldete, hätte es doch nur einen Sieger geben sollen. Salzburg. Sie haben eindrucksvoll unterstrichen, dass mit ihnen im Titelkampf zu rechnen ist. Tolle Leistung, tolles Spiel, bei wirklich miesen Bedingungen (der Wind fegte durchs Stadion und nicht nur das: mit ihm kam der Schnee von den Tribünendächern).
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Rapid Wien – Wacker Innsbruck   2:1 (1:1)

Zuschauer: 9.800   (Schnitt bisher: 14.724; -10% gegenüber Vorsaison)
Quintessenz: als krasser Außenseitertipp, aber voll und ganz auf die Stärken der Tiroler vertrauend, sagt man hier ein X oder 2 voraus. Mit mutigen 5/10.

Drei typische Szenen mal wieder in der 1. Hälfte. Szene 1: der Torhüter ist vor einem Stürmer (Terence Boyd) am Ball, im eigenen Strafraum. Er lässt den Ball aber fallen, Terence Boyd schießt ihn ins leere Tor. Das Spiel aber unterbrochen. Wieso? Typisch vor allem dies: man möchte ein Tor erzielen, aber man darf einfach nicht. Irgendein Grund wird sich schon finden. Vor allem: wenn der Torwart den Ball fallen lässt, dann ist prinzipiell Foul. Weil: er würde es doch sonst nicht tun? In Deutschland gab es vor gut einem Jahr in Liga 1 mal die Szene, als ein Torwart vom eigenen Mann unterlaufen wurde. Der Angreifer stand nur daneben und wartete. Dann fiel ihm der Ball vor die Füße, er schob ein: abgepfiffen. Der Grund? Der Torwart hatte den Ball fallen lassen und einfach ein Tor schießen? Nee, so geht das nicht, sagt der Schiri, wo kämen wir da hin?
Die Kameras wollen übrigens bei Terence Boyd ausgemacht haben, dass er den Tormann am Schienbein berührt hat, der Pfiff also berechtigt war. Übrigens: all dies verdient an diesem Wochenende noch mehr Erwähnung, weil ja DAS EINE EINZIGE ZU UNRECHT GEGEBENE TOR (wobei man hier sogar an dieser Einschätzung Zweifel hat: hätte Schmelzer den Ball auch OHNE den Einsatz seine Hände abgewehrt? Ja, der Ball ist am Knie, aber die Hände sind ganz nahe dabei und stabilisieren das Knie, falls der Ball nicht auch da gegen geht. Die Absicht lag definitiv vor, nur scheint das nicht zu interessieren) bei Dortmund gegen Wolfsburg gleich wieder die Rufe nach dem Videobeweis auf den Plan ruft. Aber die 100 nicht gegebenen Elfmeter und falschen Abseitsentscheidungen, die genau so viele Spiele entscheiden haben diese Diskussion nicht ausgelöst. Es beweist nur, dass ein gegebenes Tor immer für Diskussionsstoff sorgt, während nicht anerkannte sofort das „Schwamm drüber“ nach sich ziehen.
Also: Bodys Tor hätte zählen können, eigentlich sollen und wenn man ähnlich viel Aufmerksamkeit dafür aufbrächte (da ein NICHT anerkanntes Tor genau so Spielentscheidend sein kann), könnte es einen ähnlichen Skandal bedeuten. Tut es nicht, weil nun mal nur die Tore zählen…
Die nächste Szene: ein Stürmer von Rapid erläuft einen langen Ball, diesmal klar vor dem Torhüter. Er möchte schießen, wird aber von einem hinter ihm stehenden Abwehrspieler (er ist also weiter weg vom Tor) klar behindert. Der Stürmer ist aber so dumm, dennoch zu schießen, obwohl er bereits deutlich durch den Rempler ins Stolpern geraten ist. Es ist ein Notschuss, den der Torhüter locker abfängt. Natürlich steht die Entscheidung: KEIN Elfer. Soll man daraus schließen, dass er den Vorteil ja genutzt hat oder was für ein Unsinn? Sollte man zugleich dem Stürmer den unbedingten Ratschlag geben, DOCH zu fallen, damit er AUF DIESE ART den Elfmeterpfiff provoziert? Nein, es ist alles fadenscheinig und nur ärgerlich. ALLE Entscheidungen sind ENTGEGEN des Torerfolges ausgerichtet. Und genau die Tore sind es, die die Zuschauer in die Stadion und vor dem Bildschirm locken können. Wann wird man das endlich begreifen? In den USA hat man, 1994, zur WM. Die einzigen zwei Änderungen, die Einzug hielten: die Rückpassregel (die auch längst keinen Sinn mehr ergibt, denn, man beobachte einmal: wann immer der Torhüter den Ball aufnimmt, was es kein Rückpass; er entscheidet es also allein, nicht etwa der Schiri), und diese hier: bei Abseits im Zweifel FÜR den Angreifer. Wenn nur diese letztere gegriffen hätte, würde man bereits anderthalb Tore mehr pro Spiel sehen. Aber das Gegenteil ist der Fall: als Linienrichter brauchst du NICHT EINMAL ZWEIFEL ZU HABEN. Reiß die Fahne hoch — und es ist immer alles gut.
Die dritte Szene war die: Eckball für Innsbruck, Kopfball, das 0:1. Nur der kleine Unterschied hier: der Torwart faustet den Ball dem eigenen Mitspieler an den Hinterkopf. Kein Innsbrucker weit und breit. Also alles andere als typisch.
Rapid erzwang noch vor der Pause das 1:1, weit mehr als verdient, und kam völlig verdient zum Sieg in Hälfte 2. Viel eher glücklich für Innsbruck, dass sie nicht höher verloren.
Fazit: Rapid wirklich seit Donnerstag und ihrem Euroleauge Sieg nun wirklich weitaus verbessert. Das sah nach echter Spitzenmannschaft aus. Das Sturmduo brandgefährlich (Boyd/Aler), und auch ohne Kapitän Steffen Hofmann lief es ausgesprochen rund. Kein guter Tipp demnach. Innsbruck doch etwas zu dünn.
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Vorschau 3. Bundesliga, 21. Spieltag

VfB Stuttgart II – Kickers Offenbach    (Entfernung: 211 km)

Ganz rasch hier die Neigungen und Tipps notiert: in dieser Partie ist die empfundene Tendenz klar: Stuttgart hat durchaus zu gefallen gewusst, in vielen Partien vorher, und hat einem den erfolgreichen Tipp beschert, beim 0:0 in Saarbrücken.

Dennoch ist das Augenmerk auf Offenbach gerichtet: sie haben gerade gegen Ende der Partie gegen Halle am letzten Sonnabend so beeindruckend aufgedreht, sich so wunderbare Chancen herausgespielt, nein, sie erzwungen, der Sieg „was there for the taking“ — und sie sind so grausam bestraft worden.

Irgendwie sagt einem der Gerechtigkeitssinn, dass Offenbach hier zum Ausgleich etwas holt, mindestens ein Remis, vielleicht gar einen Sieg. Spielen kann man es aber nur mit 1/10, nicht mehr, aber auch nicht weniger, da es mehr als eine Neigung ist.

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Arminia Bielefeld – Borussia Dortmund II    (Entfernung: 116 km)

So wackelig  es auch erscheinen mag und so dünn das Eis, auf welchem man sich bewegt (Bielefeld in finanziellen Nöten, wie offensichtlich ein paar andere Vertreter, größere Namen, die diese Liga als Durchgangsstation ansehen, von denen aber doch so viele scheitern müssen, da das Nadelöhr nach Liga 2 ziemlich eng ist; abgesehen davon ist auch die um eins höhere Liga lange keine Gelddruckmaschine; eher ein hartes Brot, in welchem weiterhin die wirklich fetten Fleischstückchen noch immer ziemlich weit weg sind; bedeutet nur: haushalten, was aber den meisten nicht gelingt), hier kann man nur Bielefeld nehmen. Die Derbytendenz spielt bei einer Zweiten keine Rolle (und falls doch, spräche diese ja, nach den Erfahrungen der letzten Monate zusätzlich für Bielefeld). Man kann und möchte den Glauben an diese Mannschaft längst nicht aufgeben, und überragend ist weder die Dortmunder Serie noch die Gesamtbilanz (mit 4–6–10; nach einer alten, hier einmal erläuterten Regel sind alle Teams, die weniger Spiele nicht verlieren als doch ganz übel dran, was den Klassenerhalt angeht; Dortmund liegt gerade so im Soll; man hat also Chancen, ist aber dennoch in höchster Gefahr, mit 10–10). Also: 3/10 auf Bielefeld, die 1.

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Wacker Burghausen – Alemannia Aachen    (Entfernung: 744 km)

Partien mit der Alemannia entfallen weiterhin, jedoch würde man hier zumindest so weit gehen — die Stimmung im Stadion beim 2:1 zuletzt beeindruckend, die Leistung des Teams auch –, hier der Neigung Ausdruck zu verleihen, dass sie ungeschlagen nach Hause fahren: X oder 2, 0/10.

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SV Darmstadt 98 – SV Babelsberg 03    (Entfernung: 552 km)

„Ideal“ diese Partie vor allem in dieser Hinsicht: wenn Darmstadt den Abstieg vermeiden möchte, dann muss eine derartige Partie gewonnen werden. Trainer Seeberger war zwar einigermaßen angefressen nach dem letzten 2:2 in Unterhaching (als dem Gegner beim Stande von 1:0 Darmstadt ein Elfmeter zugesprochen wurde, der, vermutlich nach allgemeiner Ansicht und der „state of the art“ Regelauslegung — Elfmeter nur, wenn das Bein ab ist; bei Handspiel ist es selbst auf der Torlinie eine fifty-fifty Entscheidung, per Münzwurf zu klären — keiner war, jedoch aus hiesiger Sicht absolut seine Berechtigung hätte, viel mehr eher Vorbildfunktion haben sollte: der Hachinger Stürmer geht in den Strafraum, der Ball etwa in Schulterhöhe, er möchte ihn sich per Kopf vorlegen, am Gegenspieler vorbei, trifft aber viel mehr auf Gegners Fuß als den Ball; hier soll der Paragraph „Kopf zu tief“ herhalten; ein absurder Unsinn, und vor etwa 40 Jahren hätte man dem Angreifer frühestens ab Kniehöhe eine derartige eigene Verletzungsgefahr zur Last gelegt, die den Gegner irgendwie intuitiv zwingt, den Fuß zurückzuziehen, und damit der Angreifer aus dem zu tiefen Kopf einen Vorteil ziehen könnte; Schonung gibt es aber eh längst nicht mehr, so dass die komplette Regel längst abgeschafft gehört; eher umgekehrt reißen die Verteidiger nach Vorliebe, und gerade bei höchster Torgefahr, die Füße sogar weit über Kopfhöhe hoch — Prödl bei Werder letzte Saison Leid tragend, als Gegners Fuß in etwa 2 Meter 20 in seinem Gesicht landete, er den Ball allein deshalb NICHT im Tor unterbrachte, stattdessen komplett im eigenen Blut badete und erst viele Stunden später, beim Aufwachen im Krankenhaus, darüber informiert wurde, dass er weder ein Tor erzielt hätte, noch der Gegenspieler irgendeinen Karton gesehen hätte, es auch keinen Elfmeter gegeben hätte, das Spiel einfach weiter lief, die Gegner nur sauer über die rote Pfütze in ihrem Strafraum waren; denn wer seinen Kopf in dieser unehrbaren Absicht, ein Tor zu erzielen in diese Tiefe von 2,20 Metern bringt, gehört ordentlich bestraft), aber doch ziemlich ruhig, angenehm, gefasst, obwohl er den Rest des Spiels auf der Tribüne verbringen musste. Die Leistung auf jeden Fall für einen Tabellenletzten ok, wie auch schon im Auswärtsspiel zuvor, beim 1:1 bei StuKi.

Nun gilt es also, die zwei Auswärtspunkte durch einen Sieg zu veredeln. Das Glück der Babelsberger muss auch irgendwann einmal abreißen, denn das 1:1 zuletzt gegen Chemnitz drängt einem eher den Gedanken auf, dass Gott ein Babelsberger ist. Ja, sie punkten — aber sie spielen niemals gut. Die Tordifferenz mit -9 gegen -12 auch nur minimal schlechter bei Darmstadt, und man bedenke, dass bei Babelsberg schon ein paar Geschenke eingerechnet sind, also: 6/10 auf Darmstadt.

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Hallescher FC – Karlsruher SC    (Entfernung: 520 km)

Halle mit einem ebenso glücklichen last-minute 1:0 in Offenbach, als sie in den Schlussminuten komplett an die Wand gespielt wurden, und statt des überfälligen 0:1 selbst das Tor erzielten. Der KSC aber so überragend, mit zuletzt 5 Treffern gegen ein eigentlich sehr starkes Heidenheim, dass ihnen vollkommen gleichgültig sein dürfte, ob Halle seine Punkte verdient oder glücklich einfährt: diese Partie gehen sie als klarer Favorit an und werden dies auf dem Platz auch zeigen. Insofern eine klare 2, mit 9/10.

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1.FC Heidenheim – Rot Weiß Erfurt    (Entfernung: 336 km)

Auch hier eine ideale Konstellation: Erfurt hat zwar beim 2:2 gegen Wehen ordentlich gespielt, sie haben auch, nach schwächerem Beginn, in Hälfte 2 etwas zugelegt, sich beinahe als normale Heimmannschaft präsentiert (die normalerweise die Zügel in der Hand hält), aber doch eben nur ein 2:2 erzielt, dazu einen Morabit in ihren Reihen, der seit Wochen schon nach seiner Form ringt — und er ist der beste Mann –, nein, es ist ein weiter Weg ins gesicherte Mittelfeld, und, trotz fünf ungeschlagenen Partien in Serie wirken sie alles andere als stabil. Die 5 Partien waren derart: drei Mal in Folge daheim Remis (Wehen, Rostock, Babelsberg), auswärts ein 1:0 beim Tabellenletzten, und nur davor das einzig gute Spiel beim 3:2 gegen Chemnitz. Nein, das ist nicht etwa Hochform oder Niveaubestätigung, das ist ein „gerade mal so ok“ (Heimremisen sind doch nichts zum angeben? Und es waren vier Heimspiele, drei Remis).

Heidenheim hingegen eigentlich in Hochform. In Karlsruhe 5 kassieren? Das könnte jedem passieren, wenn der Gegner so heiß läuft (was schon seit ein paar Partien so ist). Aber zwei erzielen, stets den Weg nach vorne suchen? Das können die wenigsten, so die kühne Behauptung. Davor standen ja zwei weitere gute, belohnte Leistungen (1:0 in Offenbach, 3:0 gegen Saarbrücken).

Also: 7/10 auf Heidenheim, den Heimsieg, Tipp 1.

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VfL Osnabrück – 1. FC Saarbrücken    (Entfernung: 456 km)

Ja, doch Saarbrücken konnte auch ein wenig beeindrucken, gefallen, beim 0:0 gegen Stuttgart II. Sie haben mit jenem vor Kurzem an dieser Stelle erwähnten Marcel Ziemer (ja, genau, DER Marcel Ziemer) einen Spieler in ihren Reihen, der für den „Spieler des Monats“ award nominiert ist. Ist alles richtig. Zugleich treffen sie auf einen Gegner, der vielleicht mit den finanziellen sorgen eine Extrabelastung hat (die Stadt greift unter die Arme, hieß es zuletzt; das beruhigt vielleicht?).

Dennoch treffen sie auf ein Team, welches in 11 Partien unbesiegt ist. Die Tabelle kann zu so einem späten Zeitpunkt ohnehin nicht nur schwindeln, es stehen beinahe Welten zwischen den Teams, Osnabrück hat mit die heißesten Fans, sie wollen den Aufstieg (während Saarbrücken derzeit eh nur an Klassenerhalt denkt, von diesem aber überzeugt ist, also nicht alles herausholt, womöglich), sie spielen meist sehr dominant, haben es auch in Dortmund getan — nur reichte es eben nicht zum Sieg. 6 von 9 Heimspielen gewonnen, das ist ohnehin nur eine 1.50, aber sie hatten einige Male sogar eher Pech dabei. +15 gegen -4 Tore, 41 gegenüber 25 Punkten, also:

Osnabrück zieht die Partie, eine 1, mit 4/10.

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Hansa Rostock – SpVgg Unterhaching    (Entfernung: 798 km)

Auch diese Partie bietet eine Gelegenheit, sich vorsichtig zu positionieren: Unterhaching war sehr sympathisch in den Interviews nach dem (etwas glücklichen) 2:2 gegen Darmstadt, sie waren auch nicht schlecht in der Partie, und doch merkt man ihnen an, dass sie zwar sehr wohl große Ziele haben, dass diese aber nur sehr bedingt mit den Zukunftsambitionen des Vereins Hand in Hand gehen: sie versuchen, sich zu präsentieren, die jungen Talente, um bei größeren Clubs für neue, lukrative Verträge vorstellig zu werden. Das Talent ist ihnen längst bescheinigt, es gibt, wie man munkelt, auch schon Interessenten für diesen oder jenen Nachwuchscrack, nur bedeutet genau dies im Umkehrschluss: Unterhaching spielt keinen Ergebnisfußball mehr, ganz sicher nicht. Zu diesem gehört eine harte, engagierte Zweikampfführung, und hier genau liegt der Knackpunkt: sie werden genau diese 10% einsparen, die ihre Knochen gefährden könnten, ohne die man aber — insbesondere in Auswärtspartien — nicht auskommt.

Rostock wirkt schon recht stark. Der Zug nach oben ist noch immer nicht endgültig abgefahren (8 Punkte; viel, aber nicht unüberwindbar), die Fans werden eh wieder zahlreich erscheinen, also lautet der vorsichtige Tipp so:

2/10 auf Rostock, die 1.

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SV Wehen/Wiesbaden – Stuttgarter Kickers    (Entfernung: 213 km)

Auch diese Partie recht schnell abgehandelt: StuKi war verbessert, das unbestritten, und sie rangen Rostock nieder, die, etwas enttäuschend, ihre anfängliche Überlegenheit nicht in Tore ummünzen konnten. Jedoch war es ein hart erarbeiteter Sieg, und nicht etwa ein spielerischer (was man allerdings von den Teams ganz unten auch nicht erwarten sollte). Buchwald ist noch auf der Bank, keine Lösung bisher gefunden, ob zum Vor- oder Nachteil sei dahingestellt.

Stattdessen eher die Betrachtung von Wehen: sie haben wirklich sehr stark gespielt, die letzten Partien, eingeleitet von dem 3:1 gegen Dortmund II, als man diese Remisseuche endlich ablegen konnte. Es gab daheim ein starkes 2:1 gegen Offenbach, auswärts die obligatorische (aber auch zu hohe; siehe Spielbericht von damals) 0:4 Klatsche in Karlsruhe, aber auch das gute 3:3 in Saarbrücken (nach 3:1 Führung), und nun das 2:2 in Erfurt, welches gewisslich objektiv nicht als Misserfolg dastehen kann (nur aufgrund der dummen Dreipunkteregel ist es nicht sehr hilfreich). Also: die Form ist da, zudem trifft Torjäger und Leader Janjic in immer besser werdenden Auftritten nun regelmäßig, auch die Heimspielatmosphäre war zuletzt beeindruckend (das Stadion schön; die Zahlen steigen). Es sind auch nur 2 Punkte, die zwischen den Teams stehen, und Wehen wird sich dringend darum kümmern wollen, den Puffer zu vergrößern und aufzuzeigen, wer das bessere Team ist.

5/10 auf Wehen, den Heimsieg, die 1.

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FC Chemnitz – Preußen Münster    (Entfernung: 522 km)

Eine etwas schwierigere Partie: Chemnitz hat so stark gespielt und wurde so bitter bestraft in Babelsberg, das war grausam und ungerecht. Münster hat man lange gestützt. Aber: sie berauschen keineswegs mehr, nein, auch die Fans erscheinen nicht so zahlreich, da ist etwas faul, ein bisschen faul zumindest, also sehr  fraglich, ob sie Rang 2 verteidigen können. Hier würde man sogar, ganz leicht provokant, die Frage aufwerfen wollen: wer ist eigentlich die bessere Mannschaft? Hier geht es nur nach Eindrücken, gezeigten Leistungen aus den letzten Wochen. Chemnitz sah oftmals sehr gut aus — und hat so selten etwas mitgenommen (weiteres Beispiel? Beim 3:4 in Unterhaching war man auch viel näher dran am Sieg als der Gegner, hätte gewinnen sollen, nach Chancen- und Spielanteilen), nein, sie haben viel zu wenig Lohn bekommen für ihre meist guten Leistungen (nur zur Erinnerung: Münster hat sich das 2:0 hart erarbeitet, aber verdient gegen Burghausen, ohne Glanzlichter zu setzen; aber davor stehen auch bei ihnen ein 0:1 in Babelsberg — ja, die schaffen jeden, bei der Glücksmenge — und ein 0:0 gegen Unterhaching; von Leichtigkeit jedenfalls keine Spur).

Also: Chemnitz ist keinesfalls Außenseiter in der Partie. Sie wären dran mit einem Sieg, das haben sie sich verdient. Einen 1 mit 2/10 (oder halt 1/X mit 4/10).

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