Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 16. Spieltag

Kurze Zusammenfassung:
Da hier die Tipps serienweise eingingen, ist man natürlich automatisch hoch erfreut und es entfallen eigentlich kritische Anmerkungen, welche sich, wenn überhaupt, in den Einzelbewertungen fänden. Zwei der drei sehr guten Tipps sind klar und deutlich gekommen (Basel und Lausanne) und St.Gallen knapp, und bei den anderen Tipps ging es 1:1 aus (Sion das richtige Gefühl, FCZ das falsche). Damit kann man ja wohl mehr als gut leben. 
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FC Basel – Grasshoppers Zürich   4:0 (1:0)

Zuschauer : 32.060   (Schnitt bisher: 28.084)

Nach der Partie werden es drei Punkte Rückstand sein und der GC allmählich weicher werdende Knie bekommen. Eine 1.

Zunächst einmal: bei einem 4:0 sollte man vielleicht nicht überkritisch sein, auch nicht mit den Schiedsrichterentscheidungen. Und: die Partie war bis zum 2:0 sehr ausgeglichen, und es war ein tolles Fußballspiel. Der Schiedsrichter pfiff sein letztes Spiel (Fehler hin oder her: er hätte ohnehin aufgehört) und seine Entscheidungen WURDEN von der Öffentlichkeit hart kritisiert.
Der Reihe nach: nach 7 Minuten das 1:0, ein wunderschönes Tor, toll herausgespielt. Danach ist das Spiel natürlich immer etwas anders zu beurteilen. Der FCB ist stark, der FCB ist daheim, der FCB, so darf man sagen, hat sein großen Stärken in der Offensive. Dennoch hat man den Gegner zu respektieren und tut dies auch. Also: eine leicht veränderte Taktik ist nicht nur legitim, sie ist sowohl verständlich als auch auf den Erfolg ausgerichtet: „Lass die ruhig mal kommen, dann ergeben sich für uns Räume.“ Dass GC also so gut mitspielte, ist zum Teil dieser leicht veränderter Taktik zuzuordnen. Wenn Basel nicht führen würde, wäre es möglich, dass sie, bis zu einer Führung, sehr wohl durchgehend im Vorwärtsgang gewesen wären.
Also: die Partie sehr gut und ausgeglichen, da auch Basel oft und gefährlich nach vorne kam, aber sie stand eben 1:0. Dann die erste kritisierte Entscheidung: der Schiri verhängt einen Strafstoß. Für den Autoren einer derjenigen, die vielleicht nicht immer geben, aber die ganz klar berechtigt sind (und in den meisten Fällen nur „wären“). Der Stürmer wird vielfach behindert, oben, unten und es würde noch härter kommen, wenn er am Ball bleiben würde und nicht fallen. So fällt er und die Aussage „das musste er nicht“ ist lächerlich, denn GERADE dann würde er ihn erst recht nicht bekommen. „Du kannst dich auf den Beinen halten, trotz Behinderung? Na, dann bist du auch nicht gefoult worden.“, so die fadenscheinige aber anscheinend allseits anerkannte (Un-)Logik.  Wenn man fällt, dann umgekehrt „das war zu theatralisch. Also hier: die Behinderung ist unstrittig, und sie geschieht in mehreren Bereichen. Das ist ja die hohe Kunst des Verteidigens, dass man permanent leicht foult, und jedes einzelne Vergehen nicht ausreichen soll (Messi ist übrigens deshalb die Nummer 1 auf der Welt, weil er Ball UND Beine bereits aus dem Weg hat, bevor der Gegner foulen kann, denn das würden sie unweigerlich bei ihm tun — wenn sie nur könnten).
Das 2:0 durch Strafstoß also berechtigt. Danach zählt es viel weniger, zumal nun GC die Köpfe hängen ließ und kaum noch nach vorne kam. Die beiden folgenden Treffer sollen aber abseits gewesen sein. Nicht völlig irrtümlich, aber doch ziemlich albern, wie man an dieser Stelle findet. In der ersten Szene sind zwei Stürmer alleine vor dem Torwart. Alex Frei, gerade eingewechselt (117 Sekunden davor), geht extra noch den Schritt zurück, um unspielbar zu sein. Er bekommt den Ball zugespielt, und schiebt ihn locker ein. Die Bilder sollen „beweisen“, dass er abseits stand. Nun: er stand zwar tatsächlich hauchdünn vor dem Ball. Aber: er stand NICHT vor dem Spieler, der ihm den Ball zuspielte. In dem Sinne wurde der Ball also von einem VOR ihm stehenden Spieler dennoch auf einen HINTER diesem Abseits stehenden Spieler sinngemäß nach vorne gespielt worden? Da es sich a) um ein ziemlich sicheres Tor handelte, da es sich b) um Millimeter handelte, dass es sich c) um ein längst nicht mehr wirklich relevantes Tor handelte, macht diese Diskussion DOCH lächerlich. (wie das beschriebene wirklich geht? Das schaue man sich am besten selber an; hier der Link: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=38cee5f6-64ff-4a4b-8896-8d22d0accb47;DCSext.zugang=videoportal_aehnlichevideos
Auch das vierte soll abseits gewesen sein (was man hier gerne bestätigt), nur nimmt man zugleich den Linesman in Schutz. Denn: es war ein Spieler vorne ganz offensichtlich im Abseits, nur weicht dieser dem Anspiel aus. Auf den Nachrückenden konnte der Assistent also gar nicht achten, der stattdessen den Steilpass aufnahm. Stimmen tut es aber, dass er abseits war. Nur: was spielt das für eine Rolle? Und: wie groß ist eigentlich der gemachte Hype, wenn an einem einzelnen Spieltag manchmal fünf Abseitstore zu Unrecht aberkannt werden und zugleich vier anerkannt klare Elfer nicht zugesprochen werden?
Zu diesem „Skandal“ (der überhaupt kein bisschen verdient hat, einer zu sein), kann man jedenfalls mit diskutieren. Auch dazu der Link, für Interessierte: http://sport.ch.sportalsports.com/sportch/fussball/superleague/
Zugleich bietet man als Autor diese Analyse als Beitrag dort an.
Das 4:0 also doch in der Summe ein verdienter Sieg, in der Höhe sicher etwas zu hoch, da GC bis zum 2:0 sehr gut mitgespielt hat und sich als Spitzenreiter auch der Position entsprechend teuer verkauft hat, aber doch dürfte der FCB langfristig vorbeiziehen können, speziell mit wiederkehrenden derartigen Leistungen. Kein bisschen Krise bei GC, auch nicht, von der Höhe des Ergebnisses zu fürchten.
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Lausanne Sports – FC Thun   3:0 (2:0)
Zuschauer : 5.200  (Schnitt bisher: 6.271)
So ist die Lage hier dennoch einigermaßen klar: Lausanne kann im direkten Duell den Kontrahenten überflügeln und den Schwung der letzten Begegnungen konservieren, in diese Partie transportieren (trotz der zwei Wochen Pause, die nicht so vorteilhaft sind) und endlich im Heimspiel überzeugen: eine 1.
Eine glasklare Angelegenheit. Lausanne ging früh in Führung (1. Minute, durch den zuvor positiv erwähnten Moussilou,  als der Torwart nach einem langen Ball eigentlich vor dem Stürmer am Ball wäre, aber kurz vorher wegrutscht und daneben schlägt). In der 26. gab es eine Gelb-Rote Karte gegen die Heimmannschaft, und dennoch setzten sie sich klar mit 3:0 durch. Sicher, man war schon in Führung zu dem Zeitpunkt, und hatte nun noch mehr Muße, das Spiel auf sich zukommen zu lassen, aber dennoch war es einfach nur eine gute Leistung, sogar in Unterzahl nachzulegen, und das gleich zwei Mal.
Thun muss man nun endgültig in die Krisenregionen einsortieren, denn da kam wirklich sehr wenig. Lausanne eindeutig auf dem Weg nach oben, wie aber hier schon seit Wochen mit aufgehenden Tipps sozusagen angekündigt. Thuns Trainer Bernard Challandes — der sonst immer schwer geladen ist — nach der Partie mit exzellenter Analyse und erfreulich nüchtern/sachlich, auf den Punkt. Nun gibt es den Kampf ums Überleben. Man traut ihm nach dieser Ansprache locker das Gelingen zu. Selbst wenn in dieser Partie „keine Lösungen gefunden“ (Challandes), so dürfte es in anderen Partie wieder gelingen, denn es war ja schon zu sehen.
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Servette Genf – FC Sion   0:2 (0:1)
Zuschauer : 11.923   (Schnitt bisher: 7.354)
Von zwei Mannschaften, die man unter den gegebenen Umständen eigentlich nicht haben möchte, ist auf jeden Fall in diesem Spiel der FC Sion diejenige, die man etwas weniger nicht haben möchte. Wenn also, ein Tipp auf die 2, oder halt, ohne jede Verbrennungsgefahr, ein Pass.
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Young Boys Bern – FC St.Gallen   0:0
Zuschauer : 19.904   (Schnitt bisher: 19.229)
Hier spricht alles dafür, dass St.Gallen sich erfolgreich aus der Affäre zieht. Ein X oder eine 2 als Tipp.
Der Tipp ging auf, die Frage nach dem „verdient“ auch klar zu beantworten: „Ja, verdient.“. Und zwar ganz klar. Also allerbester Laune hinein in die Analyse.
St.Gallen in der ersten Halbzeit klar um Drücker, deutlich überlegen, mit guten Chancen, YB maximal anderthalb Ansätze dagegen. In der 36. Minute diese Szene: schneller Angriff der gut kombinierenden St.Galler, abschließender Pass in den Strafraum, Mittelfeldstratege UND  Goalgetter Oscar Scarione frei durch, wird von hinten am Arm gezogen, kommt nicht zum Abschluss, fällt. Elfmeter UND Rot. Nun die Frage: sollte man Rot geben (spaßeshalber lese man roT einmal von hinten) UND Elfmeter? Ist nicht ein Elfmeter eine ausreichend harte Strafe?
Da muss man nun ein wenig ins Detail gehen: natürlich wäre die angreifende Mannschaft immer bereits zufrieden, wenn ihnen wenigstens immer der Strafstoß zugesprochen würde. Dies lehrt einen als Stürmer die Erfahrung, weil zahlreiche Vergehen, ob nun letzter Mann oder nicht und Notbremse hin oder her, GAR NICHT bestraft werden. Somit wäre man also zufrieden, wenn wenigstens alle geahndet würden. Die nächste Frage aber lautet: weiß der Abwehrspieler, was er tut, wenn er foult? Hierauf gibt es eine ganz klare Antwort: natürlich weiß er es. Er weiß zwar nicht sicher, ob der Schiri DIESES sein Vergehen als Foul ansieht, aber er weiß sehr wohl, dass er den Stürmer mit allen Mitteln am erfolgreichen Abschluss hindern  soll. Er geht also ohnehin an die Grenzen des Erlaubten und meist ein Stück darüber hinaus, und von dem Stück hofft er, dass es gerade noch so durchgehen dürfte. Also: er weiß, dass er Foul spielt. S
Somit stellt sich also nur noch die abschließende Frage: was möchte der Anhänger des Fußballs (jene längst ausgestorbene Spezies, da es nur noch Anhänger EINER MANNSCHAFT, aber nicht mehr des Spieles selbst gibt, aufgrund der bekloppten Regeln, die einen einfach nur vergraulen; dazu gibt es natürlich den Wettfreund, der, bei genügend Einsatz auf ein Spiel, auch sämtliche Unverträglichkeiten hinnimmt) sehen? Fouls, Rote und Gelbe Karten, Diskussionen und ab und zu mal einen Strafstoß oder doch lieber gelungene Spielzüge mit gelingenden Abschlüssen sowie schönen und möglichst zahlreichen Toren?
Also stelle man sich vor, man ändert die Regel NICHT. Es ist eine Notbremse, und, guter Mann, sofern du diese im Strafraum verübst, wirst du sowohl einen Strafstoß verursachen ALS AUCH deiner Mannschaft bei der anschließenden Aufholjagd nicht mehr zur  Verfügung stehen. Überlege dir also bitte sehr gut, ob du foulst. Einen Vorteil wirst du kaum daraus ziehen können, einen Nachteil ziemlich sicher.
Was meint man, was die Verteidiger im Anschluss an diese einvernehmlich abgesegnete Regelgleichhaltung tun würden? Hände weg von Ball und Gegenspieler, Füße erst recht. Was wäre die tragische Folge? Viele gelungen Szenen, hübschen Abschlüsse und noch mehr tolle Tore. Nein, blöde Idee, das merkt man schon.
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FC Zürich – FC Luzern   0:2 (0:1)
Zuschauer : 10.212   (Schnitt bisher: 11.168)
Wie soll man also Zugang finden zu der Partie? Welcher der größten beiden Krisenclubs (YB wegen Europa zählt nicht so arg) kann sich einen Weg bahnen? Per Münzwurf kam heraus: der FCZ macht es. Auch hier die Zuschauer treu, nehmen einen Sieg mit 4:1 als Seelenbalsam, wie auch die Spieler, und legen nach. Die Unruhe bei Luzern könnte zum Sturm werden nach dieser Niederlage. Ein Heimsieg, Tipp die 1.
Man entsinne sich der Verletztenlisten. Die war bei beiden lang, nur enthielt sie beim FCZ einige namhafte Spieler. Ein Mann, auf den man persönlich große Hoffnungen setzte — immerhin Nationalspieler Mario Gavranovic — wurde trotz der offensiven Ausfälle erst eingewechselt. Was sich Trainer Rolf Fringer dabei dachte? Tja, zumindest aus hiesiger Sicht rätselhaft, falls nicht sogar fragwürdig (es hieß, er habe eine Muskelverhärtung, aber für die Bank reichte es? Na, kurios). Der Spieler selbst dankte es dem Trainer auf seine Art: zur Pause eingewechselt holte er gleich danach einen Elfer raus. Entgegen der unsinnigen und längst ungültigen Regel trat er selbst an, war aber die vom langen Sitzen vermutlich doch etwas müden Beine noch lange nicht los oder wollte dem Trainer eins auswischen, jedenfalls vergab er den Strafstoß (daneben!), der den Ausgleich hätte bedeuten können. Anders als diese (nicht besonders) humorvollen Deutungen gibt es aber wohl einen einfacheren Grund, dass es keinen Ausgleich gab: sobald man die Statistik gut genug kennt, und zwar weiß, dass die Schützen mit etwa 3:1 im Vorteil sind, so wird es dennoch in jedem vierten Versuch einen verschossenen Elfer geben. Hier war es wohl genau gerade mal wieder (weltweit gesehen) der vierte.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der FCZ gut war und auch nicht, dass der Ausgleich verdient gewesen wäre. Nur hätte man vermutlich ein anderes Spiel gesehen und vielleicht, anhand dessen (und eines so oder so möglichen) 3:1 Sieges der Zürcher doch völlig umgedacht? Na, das Leben ist ein riesengroßes Würfelspiel, und trotzdem gibt es immer Prozente, die einem zugeteilt werden. Mal ist die Chance größer, mal kleiner, zugleich das Ereignis bedeutender oder unbedeutender. Mal ist es ein erfreuliches Schicksal, dem man begegnet, mal kann es auch der tragische Unfall sein, der auch stets mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf einen lauert.
In dieser Partie war es so, dass der FCZ in Hälfte 1 wirklich so gut wie gar nichts zuwege brachte. Vielleicht drei halbwegs gute Angriffe. Luzern hatte aber nicht mehr zu bieten (und ist als Anreisender auch nicht verpflichtet zum Offensivspektakel), hatte aber immerhin den einen guten Angriff, als die erste Aktion mit einem Abschluss endete, der Ball aber abgewehrt wurde, die Situation bereinigt schien, jedoch ein Gewaltschuss aus dem Hinterhalt exakt im Kreuzeck einschlug. Traumtor, ja klar. Mut zum Abziehen? Auch anerkannt. Den Ball so zu treffen? Eine Portion Klasse, eine weitere der Zufall, auf den man so oft angewiesen ist. Selbst wenn er nämlich seine Fähigkeiten maximal in die Waagschale wirft, so bleibt es doch bei einer Chance von bestenfalls 1 zu 10. Soll dieses Tor natürlich nicht zum Zufallstreffer erklären, nur ist man gerade im Geiste etwas in die philosophische Richtung abgedriftet. So ist der Fußball eben. Man versucht es, und ohne den Versuch ginge es nie, ab und an trifft man halt.
Die Führung also ok so weit, denn der FCZ war einfach nicht gut. Ziemlich anders nach der Pause, mit Gavranovic (Herr Fringer), als es längst nicht nur diese eine Chance gab. Es gab ein paar, man war am Drücker, hätte längst den Ausgleich verdient gehabt, als man klassisch ausgekontert wurde.  Auch so ist der Fußball. Nach dem 0:2 gab es auch noch einen Platzverweis  (ziemlich hart das zweite Gelb) gegen die fortan Heimzehn, wo man natürlich kaum noch etwas erwarten kann. Dennoch gab es noch eine Druckphase dieser 10, in der das 1:2 möglich (verdient ohnehin) war.
So kann man insgesamt sagen: etwas Pech beim FCZ, aber doch eine enttäuschende erste Hälfte, die man sich nicht zu oft leisten sollte. Allerdings war die Offensive auch geschwächt durch die Ausfälle (zu denen sich Gavranovic gesellte). Der FC Luzern hat sicher mit diesem Sieg einen großen Schritt aus der Krise getan. Dazu genügt oftmals ein derartiges Spiel. Die Fans werden eh wieder kommen (wie die ganze Saison schon) und vielleicht ist doch jetzt mit ihnen zu rechnen.
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