Rückblick 3. Bundesliga, 17. Spieltag

Zunächst mal eine kleine Zusammenfassung: die Bilanz ist natürlich ziemlich schlecht mit einer 4:6. Zugute halten darf man sich hier dennoch, dass die drei besten Tipps aufgegangen sind (KSC, Wehen und Münster), so dass der Verlust theoretisch (hier werden ja keine Einsatzhöhen angegeben, aber falls…) kompensiert worden wäre, die Bilanz ausgeglichen oder sogar leicht positiv.
Dies sagt natürlich noch nichts über die Verläufe aus, die im Anschluss im Einzelnen beleuchtet werden. Kritisch sollte man sich selbst gegenüber aber sein bezüglich der Einschätzungen von Aachen und Unterhaching. Aachen mit der unklaren Zukunft und Unterhaching mit den schwer festzulegenden Ambitionen. Dazu bleibt das Problem „Derbies“. Auch bei Erfurt gegen Chemnitz triumphierte die Heimmannschaft.
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Kickers Offenbach – Hansa Rostock    2:1 (1:0)

Zuschauer:  8.079  (Schnitt bisher :  6.890)
Es passt einfach nicht richtig bei dieser Partie. Dennoch würde man viel lieber auf die Heimmannschaft setzen. Vielleicht war das schwache Spiel letzte Woche doch eine Folge des Pokalerfolges? Das Derby mit seinen eigenen Gesetzen? Also, sehr vorsichtig, eine 1.

Die Vorsicht war vor allem dadurch begründet, dass Offenbach beim Spiel in Darmstadt so sehr enttäuschte, dies aber sowohl an Derby als auch an dem Cupauftritt ein paar Tage zuvor (mit dem Erfolg gegen einen Zweitligisten) gelegen haben kann, aber dennoch einen Zögern ließ. Gegen Rostock wollte man gerne sein, da ihre Leistungen nicht wirklich beeindrucken konnten.
In der Partie zeigte sich, dass man diesen winzigen Irrtum beging, sich nicht bedingungslos (ein weiteres Mal) hinter Offenbach zu stellen. Denn: sie waren haushoch überlegen. Das Spiel eine ganz klare Einbahnstraße Richtung Rostock Tor, mit dem Lohn einer 2:0 Führung bis zur 47. Minute. Das war wirklich toller Fußball, mit sehenswerten Angriffen vor ordentlich vollem Haus bei toller Stimmung, für die die Mannschaft eigens schon bald nach Beginn sorgte. In dieser Form gehören die Offenbacher ganz nach vorne.
Über Rostock kann man nur so viel sagen: allgemein war hier behauptet worden, dass sie etwas zu gut dastehen. Nach dem Spiel ist es verdientermaßen etwas weniger gut. Wobei man doch weiterhin immer so gut spielt, wie es der Gegner zulässt. Hier hat es Offenbach nicht zugelassen. Das 1:2 (kurz vor Schluss erzielt) sorgte  nur vom Klang her für ein enges Ergebnis.
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SpVgg Unterhaching – SV Babelsberg 03   0:1 (0:1)

Zuschauer: 1.750   (Schnitt bisher :  2.556)
Diesmal, so die leise Vorahnung, wird es mit einem Erfolg enden, dieses Unterfangen, der Gegner einfach zu schwach und zudem vom Umfeld her angeschlagen. Eine 1.

Nein, ein Spiel, dass man kaum kommentieren sollte. Aus Hachinger Sicht ging so ziemlich alles daneben. Babelsberg gewinnt, wenn überhaupt mal ein Spiel, dann eh nur mit der Kontertaktik und das einzige, was sie halbwegs können, ist hinten kompakt stehen. Hier war es so, dass diese Kompaktheit den einen schnellen Gegenstoß ermöglichte und in der 25. Minute ein Babelsberger beim Überqueren der Mittellinie (allerdings in die ziemlich verwaiste gegnerische Hälfte, aber dennoch lange vor Torgefahr) übel gelegt wurde. Der Abwehrmann kam eindeutig zu spät, Rot die logische und einzig richtige Konsequenz.
Partien mit 11 gegen 10 sollten nicht zu sehr auf die Einschätzungen wirken, insofern hier nur kurz erzählt: die Heimmannschaft bemühte sich sogar in Unterzahl um Spielkontrolle und darum, den Gegner unter Druck zu setzen, was schon mal aller Ehren wert ist. Die Gäste blieben auch in Überzahl bei ihrer Taktik, was bereits Bände spricht für ihre Selbsteinschätzung. Man könnte es im besten Falle „schlau“ nennen, aber niemals „gut“. Mehr oder weniger entstand das 1:0 auch aus einer Zufallschance, da ein verunglückter Schuss nach einer Ecke, von der 16 Meter Linie abgefeuert, also durch einen gut gefüllten Strafraum, abgefälscht den Weg ins Netz fand. Hier gab es zwar Abseits Reklamationen, da ein Babelsberger abfälschte, aber es war kein Seits (nur hat man oft genug schon gesehen, dass dennoch gepfiffen wurde).
Babelsberg ansonsten kaum mit Torchancen, die brauchten sie nach der Führung auch nicht mehr, denn Haching in Unterzahl war einfach überfordert, hier zu richtigen Torchancen zu kommen. Eine weitere Schwächung in der 81., direkt nach einer der wenigen nennenswerten Chancen, als ein Hachinger vor Wut nach einer weiteren angezweifelten Schiedsrichterentscheidung den Ball zu Boden wirft. Natürlich keine dolle Geste, aber (Gelb-)Rot muss ja nun auch nicht sein. Das (kleine) Publikum war eh schon genug aufgebracht und ziemlich außer sich, so dass der Schiri nach dem Schlusspfiff Geleitschutz brauchte — das spricht auch schon ziemliche Bände für das beschauliche Unterhaching. Hier ging es nicht ganz gerecht zu, der Gegner nur Meister im Spiel verhindern und zwei Mal Rot einfach zu viel. Bestätigung der These, dass ein Schiedsrichter ganz leicht Spiele entscheiden kann so, wie er sie gerne haben möchte. Soll natürlich nicht heißen, dass es dieser tat. Nur hat er die Möglichkeit, das sieht man quasi in jedem Spiel.
Babelsberg richtig schwach, das bleibt unverändert. Das ist kein Fußball, der da gespielt wird. Kompakt aber sind sie (alle ihre Siege waren 1:0 Siege, stets mit dem gleichen Spielansatz: Gegner kommen lassen, vorne auf ein Wunder hoffen), und auch körperlich sehr robust, das sieht man schon. Also: Spiele ohne Gegentor könnte sie noch ab und an mal hinkommen.
Nachhing sehr jung, sehr talentiert, aber in dieser Partie schwerlich zu bewerten.
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Alemannia Aachen – Hallescher FC   0:3 (0:0)

Zuschauer:  10.953  (Schnitt bisher :  14.160)
Trotz dieser Einschränkungen bleibt es dabei: Tipp 1.

Es war einem ja sehr wohl bewusst, dass es in der aktuellen (Finanz-)Lage der Alemannia ein Wagnis ist, sich ihnen anzuvertrauen. Dies der eine Teil der „Einschränkungen“. Der andere Teil bezog sich auf Halle, die mit Kapitän Maik Wagefeld zuletzt eine tolle zweite Hälfte hinlegten, mit unbändigem Kampfeswillen, ausgelöst von ihrem Kapitän, und so einen Punkt retteten gegen Bielefeld.
Das Stadion trotz (oder wegen?) der aktuellen Krisenlage trotzdem sehr gut besucht, denn die Zahl, obwohl unter Schnitt, noch immer die höchste aller Spiele. Das muss man ihnen schon hoch anrechnen, denn immerhin sind ja Erstligazeiten nicht einmal lange her, das Stadion wurde, mit hohen Ambitionen, neu ausgebaut (dies teilverantwortlich für die Schulden), die 1.Liga konnte nicht gehalten werden und nicht einmal die 2., stattdessen steht man am unteren Ende der 3.Liga und wollte doch so dringend möglichst gleich wieder aufsteigen.
In der Partie selbst war Aachen lange Zeit das bessere Team. Sie kamen zu drei glasklaren Chancen, von denen wohl eine hätte verwertet werden sollen (sie waren alle vom gleichen Kaliber, einmal eine Doppelchance, womit es vier wären, und das eine Mal landete der Ball unglaublicherweise am Pfosten anstatt im Netz). Das war einfach eine ganze Menge Pech. Nur: Halle hat sich keinesfalls hinten reingestellt sondern selbst, wann immer sich die Gelegenheit bot, nach vorne geschaut. Die Leistung war völlig ok, die sie ablieferten, nur war Aachen eben, als Heimmannschaft oder auch insgesamt, näher dran.
Kurios dann die Spiel Entscheidung: Halle hatte einen gut ausgespielten Konter verwertet — diesmal zählte das erneut reguläre Tor von Preuß, dem einzigen Angreifer, dem zuvor in beiden Spielen eines aberkannt wurde — zum 0:1. Nicht völlig unverdient, weil sie gut waren, nur hätte eben eher das Heimteam vorne liegen sollen. „Normal“ darf man es dennoch nennen, weil es nämlich oft genug geschieht. Halle war ja voll im Spiel.
Aachen mühte sich um die Reaktion. Verunsicherung, von der so oft die Rede ist, wenn man am falschen Ende der Tabelle steht, mag zwar eine Rolle gespielt haben, dass es nicht so einfach ging, aber wer liegt schon überhaupt gerne hinten? Nun die kuriose Szene. Albert Streit, Kapitän, zentrale Figur und Ideengeber treibt den Ball schnell durchs Mittelfeld in die ganz vorderen Regionen. Da wird er von hinten gerempelt und stürzt. Der Pfiff bleibt aus. Logisch, dass die Wut in ihm hochkocht. In einem Reflex geht er mit der Hand zum noch in seiner Nähe befindlichen Ball — er hätte ja vielleicht sogar weiter spielen können, hat dies aber, in der Überzeugung, den Pfiff sicher zu bekommen, dies unterlassen. Das erhöht natürlich die empfundene an ihm verübte Ungerechtigkeit. Jedenfalls geht die Hand zum Ball, absolut nachvollziehbar und verständlich, denn das war ein Foul. Der Schrie aber erkennt nun auf absichtliches Handspiel und zückt Gelb, welches, aufgrund einer Vorwerwarnung zu Gelb-Rot wird. Nein, so ist es einfach nicht gut. Selbst wenn es kein Foul gewesen wäre, so sollte man doch diese Menge an Sensibilität aufbringen und nicht für so eine Aktion Gelb-Rot verhängen. Da es aber ein klares Foul war, ist es einfach nur fies, ungerecht, und zwar Himmel schreiend (das Ganze in der 74. Minute). Wenn man genau hinschaut, dann sieht man sogar, dass die Hand zwar zum Ball geht, aus dem Reflex heraus, den Freistoß zu bekommen, aber dass sie ihn nicht einmal richtig berührt. Noch verständlicher also, dass sich Albert Streit nicht beruhigen lässt. So ist mal wieder ein Beweis erbracht: die Schiedsrichter sind nicht mehr Spielleiter, sondern längst Spielentscheider (wie es Christoph Daum damals sagte; natürlich, nachdem seine Mannschaft durch ein nicht gegebenes, aber korrektes Tor benachteiligt wurde, insofern er damals belächelt wurde, wegen der offensichtlichen Parteilichkeit; nur: dass er Recht hatte ist das eine; wer allerdings dieses aussprechen darf, OHNE belächelt zu werden, ist sehr fraglich)
Danach muss man sich über die Partie nicht mehr unterhalten. Die nächsten beiden Tore fielen aber erst ganz gegen Ende.
Der Tipp war nicht besonders gut, was aber nicht an schwachen Aachenern lag, sondern Halle hat sich gut präsentiert. Die Partie hätte aber dennoch sehr leicht einen anderen Ausgang nehmen können, sogar einen, der gerechter gewesen wäre. Meist sind die Trainerstimmen die wertvollsten, um das Spielgeschehen abzubilden. Halle Trainer Sven Köhler nach der Partie: „Natürlich entspricht das Ergebnis nicht dem Spielverlauf. Aber wir sind erst einmal glücklich.“ Glücklich ist man meist, wenn man Glück hat(te).
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Arminia Bielefeld – VfB Stuttgart II   1:1 (0:1)

Zuschauer:  6.262  (das ARD gibt 9.000 Zuschauer an) (Schnitt bisher : 8.273 )
Bei allem Respekt und mit der gebotenen Vorsicht, was die (hier nicht reflektierte) Einsatzhöhe angeht: Tipp 1 für Heimsieg.

Alles bestätigt, was man vorhersagte. Der Tipp ging nicht auf. Wie kam das? Nun, der Respekt vor dem Nachwuchs des VfB schwingt ja wohl immer mit. Das vorhandene Talent legten sie in dieser Partie überzeugend in die Waagschale. Viele gute Aktionen nach vorne, das 0:1 eher noch schmeichelhaft für Bielefeld, auch wenn sie ebenfalls ein paar gute Aktionen nach vorne hatten. Dann allerdings die letzte halbe Stunde, und der Mangel an Physis war auch schon mehrfach erwähnt worden, der die Jungen einfach etwas betrifft: Bielefeld übernahm das Kommando, kam in der 67. zum dann verdienten Ausgleich und hätte in der sehr drangvollen Schlussphase auch locker noch die ganzen drei Punkte einfahren können. Das sah gut aus, das hat eben bestätigt, was man vorher meinte.
Die Zuschauerzahl kontrovers, aber wohl die 6.262 richtig. Das eine normale Zahl für so ein Spiel, die Zweiten nie so attraktiv. Bielefeld ja jetzt mit nur zwei Punkten aus drei Spielen eher nicht so erfolgreich.
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Wacker Burghausen – VfL Osnabrück   1:1 (0:1)

Zuschauer:  2.460  (Schnitt bisher :  2.588)
Auch in dieser Partie kann man also davon ausgehen, dass DIE das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Das erforderliche Glück vorausgesetzt, könnte es auch gut gelingen. Tipp also, erkennend, dass er alles andere als „klar“ ist, demnach auf die 2, einen Auswärtssieg.

Ganz so klar wie beschrieben war die Partieanlage doch nicht, was einen sehr stark an die Aussage in der Münster Partie erinnert: es ist wirklich sehr schwer in dieser Liga, eine Partie auswärts als Favorit anzugehen. Es kommt selten vor. Die Klasse mag da sein, auch eine höhere, aber eine Dominanz wie sie beispielsweise die Bayern in der 1. Liga ausstrahlen wird es hier wohl kaum je geben. So ging eher Burghausen die Partie als Favorit an, wohl auch den eigenen Fans verpflichtet, und war leicht feldüberlegen. Osnabrück aus der Lauerstellung heraus. So gelang das 1:0 in der 43. für die Gäste aus einem Konter, den der Schiedsrichter selbst einleitete, als er einen Pass nach vorne (versehentlich) „abfing“ und damit die Konterchance eröffnete.
Das 1:1 durch einen Gewaltschuss, natürlich verdient, in der 63., danach endlich ein verteiltes Spiel, in welchem Osnabrück gegen Ende zur größten Chance zum Siegtreffer kam.
Angemerkt sei hier, dass man Burghausens Höhenflug ja selbst hier „vorhergesehen“ hatte, in dem Sinne, dass man sie oft genug selbst zum Siege wünschte, mit den Tipps. Dass sie ordentlich gut sind konnten sie erneut bestätigen. Dass sie ganz nach vorne gehören hingegen nicht. Osnabrück hingegen schon, selbst wenn diese eine Leistung nicht dazu angetan war, diese Einschätzung zu boosten, erhöhen, fördern, was auch immer. Hier geht es mehr um die Summe der Leistungen. Ein 1:1 auswärts ist keine Niederlage, ist nur aufgrund der fehlerhaften Dreipunkteregel kein direkter Erfolg, aber auswärts halt immer so weit ok, man hatte geführt, insofern war der Tipp vertretbar. Von den gezeigten Leistungen her gibt es keinen Anlass, an den Einschätzungen zu feilen. Burghausen guter Schnitt und Osnabrück, demnächst wieder daheim, ganz nach vorne (zwischen 1 und 4, denn KSC und Offenbach mischen ja nun auch mit, außer Münster).
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Borussia Dortmund II – 1.FC Heidenheim   2:1 (0:1)

Zuschauer:  403  (Schnitt bisher :  2.605)
Es bleibt nur, Heidenheim die Daumen zu drücken, auf dass sie den Tipp Wirklichkeit werden lassen: eine 2.

Der Tipp gar nicht mal so schlecht. Heidenheim mit sehr gutem Beginn mit verdienter Führung zur Pause, wo auch ein 2:0 möglich war. Nach der Pause wieder eine gute Flanke von Rückkehrer Michael Thurk (36), der Kopfball landet an der Unterlatte — noch immer das 0:2 möglich. Dann Bittencourt mit einem unangenehmen Fernschuss, der Torhüter kann den Ball zwar leicht erreichen, lenkt ihn aber unglücklich an den Pfosten. Der Abpraller brachte das 1:1. Danach verlor Heidenheim wirklich den Faden und kam nicht mehr so gut nach vorne. Keineswegs aber zwangsläufig etwa die Folge, dass Dortmund das Spiel gewann. Geschehen ist es trotzdem, aber zum Aufgehen des Tipps hätte ja nicht nur dieses Tor nicht fallen dürfen, sondern ein eigenes erzielt werden müssen. Der Weg war zu dem Zeitpunkt ziemlich weit.
Insgesamt kein schlechter Tipp. Heidenheim konnte in längeren Phasen nachweisen, dass sie Fußball spielen können, vor allem mit Thurk am Start, der, Alter hin oder her, noch immer gut aussieht (am Ball, vermutlich auch sonst), schnell ist und das Auge hat, denn auch das 0:1 hat er glänzend vorbereitet.
Die Nachwuchsmannschaften immer gefährlich. Keine großen Ambitionen, einfach Fußball spielen, und dies mit viel Talent. Gegen sie wetten macht schon lange keinen großen Spaß. Andererseits: irgendwie ist doch die Borussia auf den vorletzten Platz gerutscht?
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Rot Weiß Erfurt – FC Chemnitz   3:2 (1:0)

Zuschauer:  5.465  (Schnitt bisher :  4.264)

Hier kommt die klare Derbytendenz hinzu (in den neuen Bundesländern ist eh jedes Duell ein Derby, aber dieses noch mehr), die etliche Chemnitzer von der Anreise nicht abhalten wird, im Gegenteil, so dass der Tipp ziemlich klar ausfällt: Chemnitz macht das, eine 2.

Zwei wichtige Bemerkungen vorweg: Rot Weiß Erfurt wieder mit dem länger verletzten Morabit, der ganz eindeutig den Unterschied machen kann und alle Ansätze eines Ausnahmekönners hat, und: das Spiel war ein richtiges Derby und irgendwie setzen sich derzeit in diesen immer die Heimmannschaften durch. Steckt da Methode hinter? Eines ist aber offensichtlich (und hörbar). Die Fans sind wohlwollend, durchgehend, weil es um etwas anderes geht als um drei Punkte oder die aktuelle Tabellensituation. Das spürt man auch. Die Fans vergessen für die 90 Minuten, dass die Mannschaft schlecht steht, das spielt keine Rolle. Aber: es waren auch 1.000 Fans aus Chemnitz da.
Die Partie von Anfang an sehr gut, unterhaltsam, engagiert und es stand nicht einmal der Kampf im Mittelpunkt, es wurde gut gespielt, aber mit viel Laufbereitschaft eben (wobei CFC Trainer Schädlich nach dem Spiel dort einen Mangel bei seiner Mannschaft ausmachte). Für das 1:0 musste aber, wie gewohnt, ein Standard herhalten, bei welchem sich die Spieler sichtbar vorher noch absprechen. Es gelingt: Ball von der Außenposition auf den langen Pfosten, in die Mitte verlängert, dort starten die Erfurter Spieler hin, und einer kommt, den Überraschungseffekt nutzend, frei vorm Tor an den Ball, aus etwa 3 Metern. Eine gute Variante, eine einstudierte Variante.
Mit dem 1:0 und den noch euphorischeren Fans im Rücken, dazu dem überragenden Morabit in den Reihen, spielt es sich natürlich noch viel leichter. Chemnitz zwar durchgehend bemüht, ebenfalls mit zahlreichen guten Aktionen, aber Erfurt doch in der Vorhand. Da waren die Fesseln endgültig abgelegt, keiner, der bei der Ballannahme über einen Fehler nachdachte sondern ihn einfach blitzschnell weiter leitete, das war schon sehr gut. Morabit machte aber wirklich den Unterschied. Denn: er sorgte mit zwei genauestens platzierten Schüssen ins Eck für das 2:0 und das 3:0, wonach es kein Halten gab, auch nicht bei den Fans.
Chemnitz gab sich aber nicht auf sondern spielte weiter den gekonnten Fußball — an erster Stelle diesmal aber der Ukrainer Makarenko zu nennen, ein Techniker par excellence —  und kam (weiterhin) zu Torchancen. Auch ihr Spiel durchaus ansehnlich, und sie kamen zu zwei sehenswerten Treffern. Der zweite allerdings erst in der 90., so dass es nicht mehr wirklich spannend wurde. Dennoch wieder einmal peinlich und grausam, mit anzusehen: nach dem Anschluss hat der Torwart nichts Eiligeres zu tun, als sich IM NETZ auf den längst darin befindlichen Ball zu stürzen, um zunächst die Restspielzeit zu verkürzen, aber noch viel mehr, um mit dieser Provokation die dem davon erbosten Gegner Möglichkeit zu geben, ihm den Ball entreißen zu wollen, woraufhin er mit Theatralik erneut fallen wird, natürlich weiterhin mit dem Ball fest in seinen Händen, und dazu gelbe und rote Karten provozieren möchte, abgesehen davon, dass es garantiert weitere Sekunden bringt.
Also wenn man dem Autoren die Verantwortung für die Regeln überlassen würde, dann würde ein EINMALIGE Beobachtung einer derart absurden Szene folgende Konsequenzen haben: a) die Geste, den Ball festhalten zu wollen, kann niemals zum Vorteil werden. Sollten also 3 Minuten Nachspielzeit angezeigt sein, werden es automatisch 4. b) eindeutiger Aggressor ist der Torwart, der mit dem offensichtlich auf Zweitgewinn ausgerichteten Verhalten das Fußball spielen schuldhaft verhindert. Automatisch gibt es Gelb.
Wie oft, meint man, würde man einen Gerarden Unsinn noch zu sehen bekommen? Es gäbe auch eine viel einfachere Variante: da ja heutzutage längst ausreichend viele Spielbälle am Platz sind, könnte man ruhig den Keeper alleine mit dem Ball im Netz versauern lassen, auf dass er sich möglichst dort verfangen möge und für den nächsten Angriff außer Gefecht gesetzt wäre.
Nein, Erfurt insgesamt wirklich beeindruckend stark, aber das gleiche gilt eigentlich für Chemnitz. Mit denen hat man sich sicher nicht vertan, mit Erfurt vielleicht doch, vor allem MIT Morabit könnte vieles gelingen, vielleicht auch das Verlassen der hinteren Ränge gar bis ins gesicherte Mittelfeld. Aber: es bedarf schon noch einer Bestätigung in einem „normalen“ Ligaspiel.
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Karlsruher SC – SV Darmstadt 98    2:0 (0:0)

Zuschauer:  10.219  (Schnitt bisher : 9.888 )
Hier ist die Tendenz also ziemlich klar, selbst wenn es auch eine leichte Derbytendenz gibt: der KSC macht es. Sie sind zu gut für Darmstadt, werden genug eigene Fans ins Stadion locken können und Calhanoglu, von den Schiris daheim besser beschützt, könnte zu neuerlichen Glanztaten schreiten: eine 1.

Eine ganz klare Angelegenheit hier. Darmstadt zwar mit zwei Chancen gleich am Anfang, aber danach mit gar nichts mehr. Einbahnstraße Richtung Darmstädter Tor, dem man sich sehr systematisch immer mehr annäherte. Darmstadt wurde, in der Defensive zu mehr Laufarbeit gezwungen, allmählich müde gespielt, das Tor rückte immer näher, bis endlich in der 73. Minute das 1:0 fiel. Kein Aufbäumen bei den Gästen, sie waren schon fertig, stattdessen das 2:0. Alles gut also und alles an Einschätzungen bestätigt. Das genügt bei Darmstadt nicht für die Spielklasse, da wartet jedenfalls ein langer Abstiegskampf. In dieser Form der KSC einer der Topkandidaten, Calhanoglu auch wieder sehr auffällig und zugleich haben sie den Spieler des Monats in ihren Reihen, der über rechts mächtig Dampf macht: Philipp Klingmann.
Die Zuschauer voll da, mit über 10.000, der KSC vor einer rosigen Zukunft. Es geht aufwärts!
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1.FC Saarbrücken – SV Wehen/Wiesbaden   3:3 (2:3)

Zuschauer:  3.182  (Schnitt bisher :  4.352)
Hier ist wohl der beste Tipp der Woche: Wehen verliert diese Partie nicht. Die Fans, von denen sich wirklich welche bemerkbar machten, könnten sogar, bereits mutig Fahnen schwenkend, mitziehen auf die kurze Reise, also ist dies ein X oder eine 2.

Der beste Tipp ging auf. Verdient darf man es wohl auch nennen. Aber: zum wievielten Mal hat Wehen nun eine 2:0-Führung verspielt? Das kann man ja kaum noch glauben. Und nun das zwölfte Unentschieden. Wobei ein 3:3 ja eigentlich gar kein Unentschieden ist (auch 2:2 nicht, nur 0:0 und 1:1 zählen). Denn: bei 3:3 muss man doch sagen, hier hätte jeder gewinnen können, bei so vielen Toren? Das 3:3 läuft eher zufällig ein? Nun ja, die Ansichten über den Unsinn der Dreipunkteregel (denn: auch hier wurden beide Mannschaften bestraft, und das für ein Offensivspektakel mit dem, was das Spiel so reizvoll macht: tollen Toren hüben und drüben und seltener Gewissheit über den Ausgang) sind ja vielfach hier erörtert worden. Wehen kriegt die Strafe in gebündelter Form.
Hier waren sie gut von Anfang an und machten bald zwei Tore. Sie haben sich sicher schon selbst daran gewöhnt: das 2:1 fällt aus einem abgefälschten und dadurch unhaltbaren Freistoß, der Ausgleich zwar gut gemacht, aber sicher dachten die Wehener, der Ball war zuvor schon im Aus oder ist nicht mehr zu retten, stattdessen wurde daraus die Torvorlage, unter den Giebel gezimmert von Ziemer, das passt schon, als Wortspiel…
Wehen noch vor der Pause mit einem weiteren guten Angriff, Flanke auf den langen Pfosten, eingenickt (aber nicht von Nickenig, das ginge ja gar nicht), das 2:3.
Saarbrücken schaffte aber den Ausgleich, so dass Wehen in dieser Partie genau gerechnet drei Führungen verspielte. Heißt natürlich nicht, dass das Ergebnis unverdient war. Nur hätte man halt auch mal Glück haben können, wovon man deutlich weniger braucht, wenn man erst einmal führt.
Die Zuschauerzahl kann keineswegs beeindrucken. Saarbrücken auch nicht. Wohin Wehens Weg geht, ist nicht klar auszumachen. Potenzial ist da. Aber immer nur Remis? Das nagt…
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Stuttgarter Kickers – Preußen Münster   0:2 (0:1)

Zuschauer:  3.100  (Schnitt bisher : 4.279)
So kann man ganz sicher sein, dass sie wissen, wie man ein Spiel angeht, um es auch in der Fremde erfolgreich zu gestalten. Von 8 Auswärtsspielen wurden 4 gewonnen, auch dies ein „Idealwert“. StuKi hingegen mit der Heimbilanz von 2–2–3 sogar negativ, was sicher kein gutes Zeichen ist, und zudem nicht gerade von enthusiastischen Fans umgeben, der Schnitt im Ligavergleich gering, zumal man ja die übermächtige Konkurrenz des VfB sogar in Sichtweite hat. Alles spricht für die Gäste, also lautet der Tipp: eine 2.

Ein früher Rückstand gegen entschlossene Gäste. In den 90 Minuten spürt man zwar, dass Münster die bessere Mannschaft ist, insgesamt auch Favorit und mit etwas mehr und besseren Chancen, aber doch sieht man zugleich, dass die Unterschiede sehr klein sind in der gesamten Liga und dass es wahnsinnig schwer wird, in einem Auswärtsspiel eine klare Überlegenheit auf den Platz zu bringen. Sie war da, aber sie war alles andere als klar. Das 0:2 fiel ja auch erst in der Nachspielzeit, so dass es lange auch hätte ein Remis werden können. StuKi hatte seine Chancen, vielleicht ein Verhältnis von 5:7 oder so, wobei eben die frühe Führung mit einem Fernschuss nach einer unübersichtlichen Straufraumaktion einen erheblichen Einfluss auf den Spielverlauf hatte.
Nein, so klar man sich hier positioniert hat und so klar das Ergebnis scheinen mag: so deutlich war es nicht und so ganz 100%ig gut der Tipp auch nicht. Erkenntnis: bei (vermeintlichen?!) Auswärtsfavoriten in der Liga immer wachsam bleiben.

Die Zuschauerzahl zeigt, dass es bei StuKi derzeit nicht stimmt. Nur 3.100 gegen ein Spitzenteam?
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