Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 15. Spieltag

FC Basel – Young Boys Bern   2:0 (2:0)

Zuschauer :  30.057  (Schnitt bisher :  28.084)

wie Basel zuletzt spielte traut man ihnen doch eher den Sieg zu. Es geht hier wohl vor allem um Einsatzwillen, und dieser war groß. Hier und heute die Chance, nachzuweisen, dass man zurecht vor dem Gegner steht und dass man einzig den aktuellen Leader noch gefährden kann. Also, Tipp 1, erkennend, dass es doch wackelig ist. Tore dürften aber sehr wohl zu erwarten sein, haben doch beide ihre Stärken eindeutig da.
 
Also die Zuschauer lassen den FCB ganz sicher nicht hängen. Sie sind dankbar für die vielen erfolgreichen Jahre und dementsprechend nachsichtig, wenn es mal (kurz?) nicht so läuft. Über 30.000 sind jedenfalls mehr als stattlich und die Stimmung ausnehmend gut. Die Attraktivität des Gegners ist natürlich ein Pluspunkt, der jedoch vom schlechter werdenden Wetter kompensiert wird. Also: man bleibt zuversichtlich in Basel und ist bereit, durch Dick und Dünn mitzugehen.
Der Tipp ging in dem Sinne auf, dass der Heimsieg kam. Die vielen Tore blieben allerdings aus, was aber nicht automatisch bedeutet, dass es ein schlechter Tipp war. YB hatte mit Bobadilla seine gefährlichen Aktionen nach vorne und hätte in Hälfte 2 durchaus treffen können, der FCB dagegen unbedingt  bei einem Pfostenschuss und bei einer Doppelchance aus dem Konterspiel heraus (in der 87. Minute) das dritte machen können und auch sonst war es ein sehr lebhaftes Spiel, in dem beide, wie angekündigt, den Vorwärtsgang einlegten. Insofern das over definitiv berechtigt, nur halt nicht eingetroffen.
Zur Geschichte des Spiels: zunächst YB mit einer sehr guten Torchance in der 3. Minute mit einem Kopfball aus 4 Metern, eigentlich auf das leere Tor, aber der köpfende kommt nicht ganz perfekt heran, der Ball geht drüber. Danach der FCB mit einigen guten Aktionen und bemühter Spielkontrolle. Eine typische Szene: ein durchbrechender FCB Mann wird kurz vor dem Goallie von der Seite gerempelt, kommt also nicht zum Abschluss. Von „Ball gespielt“ kann eh keine Rede sein, nun bliebe nur noch die Frage, ob dieses Rempeln strafwürdig ist?! Überall auf dem Feld ist es, im Strafraum ist es nicht, wie man der Geste des Schiris entnehmen muss. Auch hier der lächerliche Kommentar: „Vertretbar.“ Vertretbar ist also auch, wenn man nicht pfeift. Ok. Aber: was würde DIESE Ansicht über das alternativ mögliche Pfeifen aussagen? Natürlich, ganz logisch, wäre auch das „vertretbar“, wenn nicht eigentlich etwas mehr (also vielleicht 40% „vertretbar“ das Nicht-Pfeifen, 60% vertretbar das Doch-Pfeifen). Nur: was nützt das alles, wenn die Entscheidung immer gleich ausfällt? So oder so: würde man die Linien und die anderen Gegenspieler nicht sehen, also nicht die Position auf dem Feld wissen, dann würden 99 von 100 Schiedsrichtern das als „Foul“ erkennen. Danach, mit der Tatsache konfrontiert, dass es aber doch innerhalb des Strafraums war und somit einen Strafstoß zur Folge hätte haben müssen würden sie sich winden: „Ach so, äh, ja, ich meine, nein, also ein Elfmeter ist es nicht.“ „Ja, aber sagten Sie nicht eben, dass es Foulspiel war?“ „Hmm, na, ich weiß nicht. Im Strafraum? Elfer ist ein bisschen hart.“ Schon wären sie überführt, dass im Strafraum andere Regel(auslegunge)n gelten.
Also: es hätte geben müssen (das „vertretbar“ ist einfach lächerlich), gab aber nicht. Nur: nach 27 Minuten der Torhüter von YB, Marco Wölfli, auch Natispieler, mit einem Katastrophenabschlag, den Gilles Yapi am 16er annimmt und versenkt. Wölfli danach aber in Rumpelstilzchenmanier die Gelbe Karte abholt. Auf den ersten Blick dachte der diesseits der Tastatur sitzende Schreiberling ebenfalls, dass es eine typische Reaktion des Goallies ist, um seinen üblen Lapsus zu rechtfertigen, indem er anzeigte, dass Yapi den Ball mit der Hand angenommen hätte, nur zeigt die Wiederholung eindeutig, dass es der Oberarm ist und dieser auch noch vorsätzlich zum Ball ausgefahren wird. Insofern hatte Wölfli recht: das Tor hätte nicht zählen dürfen. Die Gelbe Karte war ihm sicher, egal, wie recht er hatte. Diese Führung also doppelt glücklich, nur hat man ja noch immer die Elfmetersituation zum „Ausgleich“ ins Feld zu führen.
YB im Vorwärtsgang danach und es sah gar nicht schlecht aus, was sie da machten. Nur: in der Hintermannschaft ein neuerlicher übler Bock, als Abwehrmann Ojala einen harmlosen Ball zum Gegner stoppte und dieser den Ball auch verwertete zum 2:0.
In Hälfte 2 dann YB noch lebhafter und im Offensivspiel eigentlich sehr gut, nur eben ohne das nötige Glück, eine der guten Chancen zu verwerten. Wobei eben bei EINEM Treffer noch lange kein Remis herausgesprungen wäre. Auch der FCB, wie oben schon erwähnt, mit einigen guten Kontergelegenheiten.
In der Summe ein von den Chancen her ausgeglichenes Spiel, welches vom Spielstand beeinflusst diesen Verlauf nahm. Der FCB auf jeden Fall — das erste Heimspiel mit Murat Yakin — auf dem Wege der Besserung, und um die Young Boys müsste man sich eigentlich keine Sorgen machen bezüglich eines Erreichens der angestrebten Tabellenregionen, wenn da nicht die Medien wären, die erfolglose Mannschaften einfach nicht in Ruhe lassen, demnach also Unruhe stiften, deren Wirkung sich oftmals zeigt. YB also keineswegs schlecht, im Gegenteil, vor allem eben mit Bobadilla, der auch in diesem Spiel permanent an den Fesseln zog und ein paar gute Chancen erspielte.
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Grasshoppers Zürich – Lausanne Sports   1:1 (1:1)

Zuschauer :  5.500   (Schnitt bisher : 8.236)
Obwohl es hier nicht perfekt passt (1. GC lange gestützt, 2. NACH der Niederlage in Genf ist ungünstiger als VOR einer derartigen, wegen der angestrebten Wiedergutmachung), aber doch hat Lausanne so sehr beeindruckt, dass man ihnen unbedingt etwas zutraut. Natürlich ein Außenseitertipp, und damit gewagt, aber hier dennoch ausgesprochen: X oder 2.

GC-Trainer Uli Forte hatte seiner Truppe eingeimpft, dass sie niemals weniger kämpfen dürfe als der Gegner. Dies natürlich als Reaktion auf die Niederlage in der letzten Woche bei Schlusslicht Servette, was die damals getätigte Analyse bestätigt, dass es nämlich immer schwer ist, als Erster gegen den Letzten zu spielen, vor allem deshalb, weil man es einfach nicht schafft, diesen als vollwertig anzusehen, und somit diesen Schritt weniger tut.
Der Tipp ging zwar auf, aber die Partie war dennoch sehr einseitig. Der Mann, auf den man seine Hoffnungen setzte, Chris Malonga, ließ sein Können nur wenige Male aufblitzen, da nämlich seine Mannschaft selten den Ball hatte und kaum nach vorne kam. GC spielte so ziemlich Einbahnstraßenfußball, und das kassierte 0:1 war eher nur ein kleiner Unfall, änderte aber nichts am Spielgeschehen. Ein übler Zusammenprall ganz früh in der Partie hatte vermutlich zwei Spieler mit einer Gehirnerschütterung außer Gefecht gesetzt. Der eine, der GC-Mann, kam direkt in die Klinik, der Torhüter der Gäste ließ sich erst 20 Minuten später auswechseln, hatte es mit Turban noch versucht, aber es ging nicht. Schon möglich aber, dass ein solcher Zwischenfall nicht gerade vorteilhaft ist für den Favoriten, (unter anderem) deshalb dies hier erzählt.
Nein, aber die Chancen waren vielfältig und groß genug, der Sieger hätte nur GC heißen sollen, und so war auch das Interview mit Trainer Forte nach der Partie gut anzuhören und zu sehen: er sah ziemlich zufrieden aus und sprach auch so. Seine Mannschaft hätte sehr gut gespielt, alle Vorgaben umgesetzt, so stellt er sich das Spiel vor, und wenn das Ergebnis heute nicht passte, nimmt er es gelassen: wenn sie so weiter spielen, werden die Punkte kommen.
Das war wirklich perfekt und auf den Punkt gebracht, benötigt keine Ergänzung.
GC ganz stark, über Lausanne möchte man nichts weiter sagen müssen.
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FC Luzern – Servette Genf   1:1 (0:0)

Zuschauer :  11.278  (Schnitt bisher : 12.913)
Nein, Servette möchte man nicht unbedingt vertrauen, dafür die Leistungen lange nicht stabil genug, aber dem FC Luzern kann man es eben erst recht nicht. Also bleibt nur: raushalten. Auch die Verletztenlisten ergeben eher ein Unentschieden.

Keine wirklich gute Leistung des FC Luzern, wo allmählich die Argumente ausgehen. Die Zuschauer blieben zwar bisher wohlwollend (nach dem tollen Erfolg mit Platz 2 in der Vorsaison) und kamen weiterhin zahlreich, aber allmählich wird es unruhiger. Kein gutes Spiel also, Servette ging direkt nach dem Wechsel mit 1:0 in Führung, Luzern danach keineswegs dominant — und hier mit ein Grund für die lauter werdende Kritik — kam in der 89. eher glücklich zum Ausgleich, da Servette vorher schon eine Chance zur Entscheidung hatte.
Potenzial hin oder her: derzeit sieht es eher nach Abstiegskampf aus bei den Innerschweizern. Servette mit ordentlicher Leistung, hat zumindest dafür sorgen können, dass der Abstand von sechs Punkten nicht angewachsen ist. Und diese könnte man im Laufe einer langen Saison durchaus überwinden. Zumindest ist ein Anfang gemacht mit der kleinen Erfolgsserie von drei ungeschlagenen Spielen in Serie.
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FC Thun – FC Zürich   1:4 (0:2)

Zuschauer :  5.932  (Schnitt bisher : 5.433)
Da auch die Verletztenliste die Heimmannschaft favorisiert, wird hier mutig der Tipp ausgesprochen: diesmal werden die Torchancen verwertet, die man erneut herausspielen wird, mit Kampf, Leidenschaft aber zugleich Spielwitz, während der FCZ weiter seinen Ansprüchen hinterher hechelt, auch überrascht davon, wie stark der Gegner auftritt. Tipp: Heimsieg, eine 1.

Tja, wie beginnt man nun hier mit der Aufarbeitung, wie soll man einen derart missratenen Tipp erklären, welche Ansätze im Spiel liefern einem Argumente?
Man begnüge sich mit diesem Versuch: Thun begann wirklich sehr stark und selbstbewusst, vom FCZ zunächst nichts zu sehen. Zwei exzellente Chancen blieben ungenutzt, ohne, dass irgendetwas falsch gemacht wurde. Dann der erste Angriff des FCZ, langer Ball in den Strafraum, Stürmer kommt heran, versenkt den Ball. Ein Tor aus dem Nichts, gegen den Spielverlauf. Thun danach mit weiteren Angriffen, unbeeinflusst von dem Rückschlag. Weitere gute Situationen und nur Vorwärtsgang. Aber dann: Chiumiento im Mittelfeld am Ball, sieht den startenden Stürmer Jahovic und lupft ihm den Ball aus der Drehung perfekt in den Lauf. Jahovic überwindet den Torhüter mit Klasse und Übersicht. 0:2, zwei Angriffe, zwei Tore. Aber die Klasse war natürlich zu erkennen.
Über wie viel von dieser Klasse der FCZ verfügt, sah man nach dem 2:0. Auf einmal waren die Hemmungen und die Verkrampfung abgelegt, selbst wenn man sagen darf, dass ein demoralisierter Gegner sie auch gewähren ließ. Direkt nach der Pause Kukuruzovic mit dem Tor des Jahres: er kommt hinter der Mittellinie an den Ball, hebt kurz den Kopf, sieht, dass der Torwart mehrere Schritt vor seinem Tor steht, schießt, der Torhüter kommt nicht mehr hinterher, Unterlatte, drin. 3:0. Nur hat er dieses Tor mit seinem vierten beinahe noch in den Schatten gestellt: Diesmal von der Außenposition, als er eigentlich flanken sollte, der Ball aber unwiderstehlich, präzise, unhaltbar im langen Eck einschlägt. Man hätte ihm sofort abgenommen, dass das Absicht war (hatte er doch kurz vorher schon einmal „geübt“). Nur gab er nach der Partie das sympathische Interview, dass er flanken wollte und der Ball halt rein ging. Also hat er doch nur EIN Tor des Jahres erzielt. Aber das ist doch auch schon was? Dennoch wurde der an dieser Stelle schon mehrfach überschwänglich gelobte Chiumiento zum „Man of the match“ gewählt.
Fazit: der Tipp war überhaupt kein bisschen schlecht. Genau das Erwartete trat ein, die Gastgeber machten den erwarteten Druck, die Gäste abwartend, zurückhaltend, verunsichert, obwohl die Klasse zugestanden war. Nach dem 2:0, mit Glück (in der Abwehr) und individueller Klasse erzielt, legten sie alle Fesseln ab (was man immer eines Tages erwartet hätte) und zeigten, was sie drauf haben. Wie auch immer: Thun hat sich nicht blamiert oder etwas gegen die getätigte Einschätzung getan, dem FCZ war immer die Klasse zugebilligt worden. Nun wird sicher mit ihnen zu rechnen sein, es bedurfte halt eines Brustlösers.
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FC St.Gallen – FC Sion    0:3 (0:1)

Zuschauer :   15.241 (Schnitt bisher : 14.813)
Wenn einer anknüpfen kann, dann St.Gallen. Tipp: Heimsieg also, eine 1.
 
„Long story short“: St.Gallen mit eigentlich gutem Beginn, einem „penalty Claim“, der, wie üblich, abschlägig beschieden wurde, und nach eigenem Eckball ein Ballverlust, den Serey Die entschlossen (und mit etwas Ballglück) zum Durchbruch nutzt. Eins gegen Eins gegen den letzten Verteidiger, den der dunkelhäutige mit Tempo nutzt: er geht herum und alleine aufs Tor. Da hilft nur, so muss Mario Mutsch wohl gedacht haben, nur noch, den Körper gegen den Körper zu stellen, sonst ist gar kein Halten. Korrekte Entscheidung: Rote Karte gegen den Abwehrspieler. Die Partie danach nicht mehr erwähnenswert und überhaupt möchte man keine Schlüsse aus Partien 10 gegen 11 ziehen, nicht jedenfalls Rückschlüsse auf die Qualitäten.
Weiterhin wird der Wert des Trainerwechsels bei Sion in arge Zweifel gezogen, zumal man dem „Nachfolger“ gerade einmal einen Vertrag bis zum Winter, also für fünf Spiele gewährte. Was soll dabei herauskommen? Übrigens wurde die Allgewalt des Präsidenten schon früh in der Saison angezweifelt im Sinne von „sportlichen Erfolg erzwingen“.

Man kann keine besonderen Schlüsse ziehen. Eine Wette in den Sand gesetzt, ohne deren wahre Qualität beurteilen zu können. Damit wird man wohl leben müssen. Auch mit dem Fakt, dass ein neuer Besen, egal, wie er kehrt, auch einfach Glück haben kann. Hier bestand der Hauptteil des Glücks darin, dass diese kuriose Eckballsituation mit dem Ballverlust zustande kam. Positiv über St.Gallen darf man auf jeden Fall sagen, dass sie nach dem Platzverweis im 3–4–2 weiter spielten und somit auf Tore ausgingen. Was so ein Erfolg für Sion bedeutet, muss man abwarten, aber nachteilig kann er natürlich schwerlich sein. Den Spielern war der Optimismus in den Interviews nach dem Spiel jedenfalls anzumerken.

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