Rückblick 3. Bundesliga, 16. Spieltag

1.FC Heidenheim – Alemannia Aachen   1:1 (0:1)

Zuschauer :  8.200  (Schnitt bisher : 8.143)
So bleibt nur ein Pass, aber, damit hier etwas steht, wird doch eher die Alemannia die Partie nicht verlieren.

Da man die Tendenz ja zumindest richtig hatte, ist jedenfalls erst einmal alles gut. Denn, wie lernt man doch so schön, wenn man den Trainern lauscht, die ihre Erfahrung durch die unnachgiebigen, aber vor allem tumben Medien gesammelt haben? Fußball ist ein Ergebnissport. Jedes Ergebnis hat also irgendwie seine Berechtigung, da es ja erst einmal zustande kommen muss und nun einmal die Tore zählen. Da es davon sehr wenige gibt (hier wieder und wieder betont: zu wenige, da die Schiedsrichtern alle Chancen nutzen, gegen die Tore auszulegen, die Stürmer keine Schutz genießen und die reine Anwendung der Regeln — ausgewogen natürlich, indem Foul Foul bleibt, Handspiel Handspiel und Abseits nur dann ist, wenn es KEINEN Zweifel gibt und nicht etwa immer, egal, ob man zweifelt oder nicht — ausreichen würde, um für eine Flut von tollen Toraktionen und Toren zu sorgen und damit vielleicht sogar ein Abrücken von der lächerlichen These, dass nun mal die Tore zählen und, wenn man 1:0 gewinnt, weil man die eine Chance nutzt, der Gegner aber seine fünf nicht, dass es dann „berechtigt“ ist, wegen der Abschlussschwäche der einen und der Eiseskälte der Anderen), genügt es oftmals, das eine zu erzielen und sonst den Kasten sauber zu halten — mit welchen Mitteln auch immer, das nützlichste aber der Schiedsrichter –, und schon hat man gewonnen.
Na, ein kleiner Exkurs, aber doch soll hier ruhig eine grundsätzliche Ansicht über den Fußball verbreitet werden. Vielleicht wird aus dem so gelegten Samen ja vielleicht eines Tages ein stattlicher Torbaum? Die Partie war so: in Hälfte 1 die von den finanziellen Sorgen des Vereins — ein Aufschub konnte erwirkt werden unter der Woche, der aber keineswegs Sicherheit garantiert; der Präsident meinte, es sei nur einer von Tagen eher als von Wochen, geschweige denn Monaten — anscheinen unberührten Aachener dominierten die Partie klar. Sie kamen zu etlichen guten Torchancen, so ca. fünf, von denen vier der Schlussmann vereitelte mit absoluten Glanzparaden (auch in Partien davor schon der 38-jährige Sabanov ein sicherer Rückhalt), bei einer er aber doch machtlos war. Heidenheim kam nicht ins Spiel und nur durch einen guten Fernschuss zu einer Chance. (Ein Blick auf die Zuschauerzahl verrät übrigens, dass die Fans durchaus hoffnungsvoll sind).
In Hälfte 2 bei nur 0:1 Rückstand — höher war sicher möglich, und wäre auch anzuerkennen gewesen — kam Heidenheim, mit den so wohlwollenden Fans im Rücken, etwas auf, dominierte seinerseits die Partie, kam in der 70. auch zum Ausgleich, später zu noch einer guten Chance, aber ist in der Summe doch die Mannschaft, die sich glücklich schätzen kann, nicht verloren zu haben. Denn: die Überlegenheit der Alemannia in Hälfte 1 — und das im fremden Stadion — war höher als die umgekehrte in Hälfte 2.
Aachen hat sich hervorragend präsentiert und wenn da nicht die Finanzmisere wäre, hätte man eine gute Chance, mit ihr ein wenig Geld zu verdienen in den nächsten Wochen. Bei Heidenheim war die Anhängerschaft und Treue im bisherigen Saisonverlauf groß und anhaltend. Nur haben die letzten Wochen gezeigt, dass es zum ganz großen Schritt noch nicht reichen dürfte. Nicht schlecht, aber auf keinen Fall top, so das Verdikt.
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SpVgg Unterhaching – Wacker Burghausen   3:0 (0:0)
Zuschauer :  3.300  (Schnitt bisher : 2.457)
So ist wohl auch in dieser Partie kaum etwas zu machen. Gut erwarten kann man aber Offensivfußball ohne Ergebnisorientierung, demnach viele Tore.

Zusatzinfo: mit einer Aktion versucht man, zum Derby erstmals die 5.000 Zuschauer Marke zu knacken (es gibt Präsente, die Aktion läuft über Facebook). Obwohl da erhebliche Zweifel angebracht sind, dass es gelingt, so ist es doch irgendwie ein positives Zeichen, und mehr als sonst dürften es sicher werden. Dabei wird der angebotene attraktive Fußball durchaus als Argument in die Waagschale geworfen. Übrigens plant Wacker Burghausen auch, mit mindestens 500 Fans anzureisen.
Weiterhin: Torhüter Vollath bei Wacker gesperrt, so dass ein Neuling sein Debüt geben wird.

Wie man sieht, war es kein so ganz richtiges Derby (man vergleiche: Darmstadt mit fast verdoppelter Zahl gegenüber dem Schnitt, hier nur ein Anwachsen um 900, von denen 500 aus Burghausen gewesen sein sollen). Kein so richtig gutes Spiel war es auch, in der ersten Hälfte wenig Action vor beiden Toren. Direkt nach der Pause Haching mit einem Doppelschlag, wonach die Partie schon so ziemlich entschieden war. Burghausen dennoch mit ein paar guten Angriffen danach, aber statt des Anschlusstreffers, der doch etwas in der Luft lag, nutzten die Hausherren einen Konter zum 3:0. Danach spielte man zwar weiter gut Fußball, vor allem die Heimmannschaft, aber das war bei der deutlichen Führung gegen einen geschlagenen Gegner auch nicht mehr die ganz große Kunst.
Keine Veränderung der Einschätzung. Burghausen stand etwas zu gut da und ist etwas zurechtgestutzt, über Haching hatte man eh meist nur Gutes zu sagen (sie stehen wieder auf 2 jetzt) und hat natürlich keinen Anlass, daran etwas zu ändern.
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SV Babelsberg 03 – Stuttgarter Kickers    1:0 (1:0)

Zuschauer :  2.828  (Schnitt bisher : 3.073)
StuKi hingegen wird wohl vom Markt eher etwas überschätzt, so dass die Quoten regelmäßig zu sehr gedrückt sind, als dass man sich je hinter sie stellen könnte, wie es aussieht. Und man bedenke, apropos ihre anscheinend hoch angesehene Qualität: von den letzten 5 Ligapartien wurden 4 verloren. Nein, da schmeckt gar nichts bei der Partie. Ein glasklares Pass.

Hier muss man ja nun eigentlich damit beginnen, das „Pass“ zu rechtfertigen. Der Computer hatte mit seine Einschätzung ja sogar Babelsberg vorne gesehen und damit zu einer Empfehlung auf sie geraten. Da sie nun gewonnen haben, muss man erklären:
Babelsberg hat ja vor eigenem Publikum schon einmal so gewonnen, beim 1:0 gegen Aachen. Damals meinte man, dass sie auch zu Hause auf die Lauertaktik setzen, im Bewusstsein, so gut wie jedem Gegner eigentlich unterlegen zu sein, was spielerische Klasse angeht. Danach fasste man auch den Entschluss, sich nicht mit Babelsberg identifizieren zu wollen. Zu schwach einfach das Team, dazu kamen die Querelen in den letzten Wochen, als die Fans allmählich mürrisch wurden, und dies wohl begründet (Versprechungen des Vorstandes — nicht haltbar). Auch dieser Sieg kann nicht das Geringste an der Aussage ändern. Denn:
StuKi von Anfang an im Vorwärtsgang, mit klarer Überlegenheit. Nach 10 Minuten nach einem Zufallsangriff (der Ball springt zwei Mal weg, aber jedes Mal kommt wieder ein Babelsberger ran) kommt der Ball wirklich in Gegners Strafraum. Ein Verteidiger, von diesem Zufälligkeiten wohl etwas überrascht, köpft den Ball zu kurz heraus, wieder einem Babelsberger in den Fuß, dieser schießt vom Elfmeterpunkt aus direkt, der Ball wird mindestens einmal abgefälscht, und landet im Netz. „Against the run of play“, obwohl man nach 10 Minuten diese Aussage eigentlich noch nicht tätigen sollte. Danach weiter Einbahnstraße Richtung Babelsberg Tor, die ohne eigene Torchance auskommen mussten bis zum Abpfiff. Immerhin hatten sie das eine Tor „to the goods“, und dieses hielten sie fest. Nach 40 Minuten übrigens noch Rot nach Ellenbogencheck ausgerechnet des Torschützen Kreuels. Die 50 Minuten Überzahl nutzten die Kickers zwar zur anhaltenden Überlegenheit und auch zu ein paar weiteren Chancen, aber eben nicht zu dem mindestens verdienten Ausgleich. Da sie vielleicht nur zu insgesamt sieben Chancen kamen, war ihr Auftritt insgesamt auch nicht überzeugend.
So bleibt es dabei: Babelsberg richtig schwach und StuKi auch nicht gerade toll. Ein überaus glücklicher Sieg, bei dem man mit dem Pass mehr als zufrieden sein kann. Obwohl ja bekanntlich „pecunia non olet“, Geld also nicht stinkt, möchte man derart Verdientes gar nicht wirklich haben.
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FC Chemnitz – Karlsruher SC   1:2 (1:2)

Zuschauer :  4.900  (Schnitt bisher : 5.171)
Jedenfalls machen diese Erzählungen auch diese Partie alles andere als prickelnd für denjenigen, der sich ein bisschen Geld verdienen möchte mit dem Wetten. Auch hier bleibt nur das Pass.

Da es sich um ein klares Pass handelte, kann man sich ja noch viel beruhigter an die Aufarbeitung machen. Das „Pass“ kam ja auch nicht zustande, da man beide nicht haben wollte, sondern eher, weil man beide gerne unterstützen würde. Und für die Betätigung dieser Einschätzung gaben beide mit ihrem Auftritt Anlass. Der KSC ging zwar als Sieger vom Platz, aber man muss es so klar sagen: sie waren ein glücklicher Sieger. Wobei hier immer die minimale Einschränkung gilt: sobald man auswärts führt, darf man sich komplett zurückziehen. Selbst wenn man nämlich früher oder lieber später den Ausgleich kassieren sollte, ginge man noch lange nicht mit leeren Händen nach Hause. Man hätte sogar noch Zeit, zu reagieren. Jedenfalls: wer führt ist im modernen Fußball längst nicht mehr verpflichtet, nach vorne zu glänzen. Dies gilt aber deutlich mehr für die Auswärtsmannschaft, da die Heimmannschaft schon vor eigenem Publikum von diesem verpflichtet werden könnte.
Ändert aber nichts an der Einstufung des glücklichen Sieges. Denn: Chemnitz hatte in Hälfte 2 so zahlreiche klare Chancen, dass zunächst einmal der Ausgleich hätte fallen sollen. Wie es dann weiter gegangen wäre, müsste man sehen. So erkannte aber auch Gästetrainer Kauschinsky, dass seine Mannschaft am Ende stehend ko war. Und wovon ist man das? In der Regel vom Hinterherlaufen. Eigens das Spiel bestimmen kostet längst nicht so viel Kraft — abgesehen von der Moral — wie das gegnerische Spiel permanent auf sich zukommen zu sehen. Auch Chemnitz Trainer Schädlich sprach nach der Partie von vier oder fünf klaren Chancen, wobei der die halben weggelassen hat. Interessant dennoch: der KSC kam zur Führung durch zwei mehr oder weniger glückliche Tore (ein Abwehrfehler, als ein Verteidiger über den Ball haut, ein Kopfball nach Ecke, der genau in den Angel segelt, aber niemals so beabsichtigt sein konnte), obwohl Chemnitz von Anfang an das Spiel bestimmte. Dann gab es eine mal wieder typische Situation, die sonst immer abschlägig beschieden wird: Flanke in den Strafraum, ein Abwehrspieler grätscht in den Ball hinein, fällt dabei auf ihn und kommt damit mit der Hand ran. „Normalerweise“ heißt es dann immer: kann er nix dafür, kein Elfer. Hier aber hatte der Ref ja auch das Spielgeschehen beobachtet und wenn ein Team immer Action macht, trotzdem zurückliegt (hier gar mit 0:2), dann nutzt man so eine Chance gerne, um einen Elfer zuzusprechen. 1.) ist es der eigene Gerechtigkeitssinn, der einen dazu veranlasst, 2.) hat man ja die Tendenz noch nicht verändert im Spiel, denn auch nach einem möglichen 1:2 führen die „Benachteiligten“ ja noch immer und haben damit ihr Schicksal in der eigenen Hand. Hier also eine psychologische Erklärung (die nichts mit Regelauslegung oder – Anwendung zu tun hat), warum in dieser Situation ein vergleichsweise softer Elfer verhängt wurde. Nur: passend zu dieser Analyse gab es später eine viel klarere Situation, in der es hätte Elfer geben sollen/können/müssen, als ein Verteidiger nämlich direkt an der Buslinie (also mit sehr geringer Torgefahr) nichts außer dem Gegenspieler trifft, dieser auch zu Boden geht, aber hier eben nicht gepfiffen wird. Warum? 1.) man hat ja schon einen gegeben (und so wenig es jemand zugeben würde von den Pfeifenmännern: das hat einen Einfluss) und 2.) hätte man ja hier die Tendenz verändert von Führung auf Gleichstand. Zwei Faktoren, die hier dagegen sprachen und so die Pfeife stumm ließen.
Klare Sache also: Chemnitz hat den sehr guten Eindruck von zuletzt mehr als bestätigen können, der KSC hat den Sieg, der so gut tut, zumal sie davor öfter mal Pech hatten, kann natürlich daran wachsen, aber müsste spielerisch doch wesentlich mehr bieten, um als ernster Aufstiegsanwärter zu gelten.  Dazu gibt es zu viele Konkurrenten, die mehr Punkte haben und kein bisschen schlechter sind.
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SV Darmstadt 98 – Kickers Offenbach    1:0 (1:0)

Zuschauer :  9.600  (Schnitt bisher : 5.571)

Ein Auswärtssieg und nichts anderes. Klare 2.

Hier muss man sich ganz klar ankreiden, dass man den Pokalauftritt — mit dem Erfolg der Offenbacher — nicht richtig eingerechnet hat. Aber der Reihe nach:
Die Zuschauerzahl passte erst einmal: 10.000 -12.000 erwartet, 10.000 gekommen, davon 2.500 aus Offenbach (man hatte hier etwas Zweifel angemeldet). Das Problem war schon von Darmstadt Trainer Seeberger angesprochen vor der Partie: es kommt auf die Einstellung an. Diese hat aber in Hälfte 1 ausschließlich seine Mannschaft an den Tag gelegt. Das war „typisch Derby“, wie Darmstadt aufgelaufen ist, während Offenbach mit der Einstellung „hm, schon wieder Alltag“ ran ging. Komplette Einbahnstraße in Hälfte 1, belohnt erst in der 45. Minute mit dem 1:0, wobei spielerisch ganz sicher einiges offen blieb, in dieser Kategorie ist Darmstadt einfach nicht besonders weit vorne. Das Engagement stimmte aber, und das reichte gegen lethargische Gäste, dass es klar verdient war.
In Hälfte 2 präsentierte sich Offenbach klar verbessert und kam, mit seinen spielerischen Möglichkeiten und diese nutzend, auch zu ein paar Gelegenheiten. Nützte aber nichts mehr, kein Ausgleich, und es wäre in der Summe auch nicht verdient gewesen. Möglich, dass man Offenbach doch ein wenig überschätzt hat? Nun ja, aus dem Derby nach dem Pokal sollte man vielleicht nicht zu viele Schlüsse ziehen.
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Hallescher FC – Arminia Bielefeld   2:2 (1:2)

Zuschauer :  6.934  (Schnitt bisher : 8.201)
Wenn da nicht die 120 Minuten vom Mittwoch wären, wäre der Fall sonnenklar, so ist er nur klar: Tipp 2.
 
Der Tipp ging nicht auf, wobei ja immerhin zwischendurch mal eine Führung da stand, und das ist schon ein ziemlich gewaltiger Schritt auf dem Weg zum Aufgehen desselben. Er zeigt doch so viel: es wäre gut möglich gewesen (was zum Beispiel bei einem 0:2 viel schlechter zu argumentieren wäre). Die getippte Mannschaft hat nach vorne gespielt, sie hat es versucht, sie hat es sogar geschafft, ein paar Treffer zu markieren, und mindestens einen, der bei ausgeglichenem Spielstand zustande kam. Wie war die Geschichte des Spiels wirklich? Sie war unterhaltsam, nämlich so:
Ziemlich früh ein Fehler der Bauart, wie man ihn sich immer mal vorstellen konnte und eher fassungslos war (hier, autorenseitig war das), dass man ihn eigentlich nie zu sehen bekommt. Ein eigentlich harmloser Ball kommt in den 16er der Arminia, ein Verteidiger völlig unbedrängt dran, lenkt ihn mit der Brust zum Torhüter. Äh, ja, natürlich nur, falls dieser dort gestanden hätte. So landet er (unhaltbar) im eigenen Netz. Eigentor durch eigentlich Offensivspieler Appiah. Warum sieht man das so selten, fragt man sich?
Dieser Appiah war danach aber ziemlich angestachelt. Zwei Minuten später feuert er eine Flanke in den Strafraum, diese wird verwertet, sie kam ja auch hart und präzise auf den Kopf. Ausgleich, 1:1. Ein Tor verschuldet, eins vorbereitet. Dann sogar das 2:1 für die Arminia. Und zwar wie? Topangreifer Fabian Klos macht nach gutem Anspiel in den Strafraum die eine gelungene Bewegung, die einen Klassestürmer auszeichnet. So ist der Ball am Verteidiger vorbei, einschussbereit, aber das Bein des Verteidigers fährt dennoch aus. Klarer geht ein Elfer nicht und wurde auch zugesprochen. 2:1.
Maik Wagefeld, der wichtigste aller Hallenser, und zugleich Kapitän, trieb seine Mannschaft an. Er wollte unbedingt, sie wollte unbedingt, das war zu spüren, das strahlt er aus, auf seine Mitspieler. Einzige Sturmspitze wieder Christian Preuß. Wieder wurde ihm ein Tor geklaut, wie schon eine Woche zuvor, als er diesmal am Verteidiger vorbei geht, auch am Tormann vorbei kommt, der Verteidiger aber, als letzte Panikreaktion, sich einfach unberührt (und ungerührt) fallen lässt, und damit einen Freistoß für die Verteidigung erwirkt. Einfach lächerlich und wenn man DIESE Szene einem Schiri vorspielen würde ohne zu erwähnen und im Bild sichtbar zu machen, an welchem Ort auf dem Feld sich das Ganze abspielte, könnte er nur so mit den Schludern zucken und fragen: „Warum spielen sie mir SO eine Szene vor? Ich denke, ich soll beurteilen ob es ein Foulspiel war oder nicht? Hier war ja nicht einmal eine Berührung? Wer an wem soll denn was gewesen sein?“ Eben, es war nämlich gar nichts. „Torklau“ nennt sich das Spiel, und wie dreist man es unbehelligt betreiben kann.
Nur: der Schiri muss im Moment des Pfiffes auch gemerkt haben, dass da gar nichts passte. Zugleich ist ihm bewusst, dass ein Pfiff NIEMALS NIEMALS NIEMALS zurückgenommen werden kann, egal, wie absurd er war. Er muss sogar, so merkwürdig sind die Zeiten, im Nachhinein IMMER IMMMER IMMER gerechtfertigt werden.
Was auch immer er später zu DIESER Szene sagte, er fand seine Art der Wiedergutmachung. Als nämlich nach einer weiteren Flanke (geschlagen natürlich von Maik Wagefeld, mit Wut und Wucht) ER SELBST, Christian Preuß, zu Boden ging, pfiff der Schiedsrichter auch. An dem Strahlen auf dem Gesicht des Jungen nach dem Pfiff sieht man, wie wenig Elfer das war. Gegeben wurde er trotzdem. Genommen wurde er vom absoluten Wort- und Aktionsführer sowie Antreiber und Kapitän, von Maik Wagefeld. Nur verwandelt wurde er nicht. Also nicht gleich. Der vom Torhüter mit knapper Not parierte Ball fiel dem gleichen Spieler vor die Füße und mit aller Entschlossenheit drückte er ihn über die Linie. Falls jemand im Umkreis Halle/Saale von ca. 100 Kilometern Samstag so kurz vor 16 Uhr aufgrund eines an sein Ohr dringendes, zugleich dies betäubende Geräusch dachte, King Kong sei im Lande, dem sei hier der wahre Grund für den so täuschend ähnlichen Ausruf verraten: es war der Hallenser Kapitän. Das 2:2.
Also: schlecht reden kann man die Empfehlung auf keinen Fall. Für die Zukunft bedeutet der Ausgang, das Spiel, der Verlauf nur dies: Achtung, wenn Maik Wagefeld dabei ist, falls man sich mit Halle anlegen will. Auf Bielefeld fällt nicht der leiseste Schatten.

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Preußen Münster – Rot Weiß Erfurt   3:2 (2:1)

Zuschauer :  4.526  (Schnitt bisher : 8.582)
Nein, Münster ist zu gut für Erfurt, die Sinne sind, nach den zwei Rückschlägen — am Wochenende verloren sie 1:2 in Karlsruhe — jedenfalls geschärft, mit einer Niederlage drohte man, sich von einem Aufstiegsplatz zu verabschieden, dies möchte man dringend vermeiden, und trotz der Dienstags Partie (die Kräfte kosten kann) auch aufgrund des breiten Kaders, der 1:1 Ersetzungen gestattet, gibt es hier nur einen Heimsieg: Tipp 1.

Münster holt den Sieg, so dass der Tipp aufging. Der von allen Seiten den Erfurtern im Prinzip entgegengebrachte Respekt hat aber auch keinen Schaden genommen. Selbst nach dem Platzverweis in der 53. nach berechtigtem Gelb-Rot und bei Rückstand von 1:2 gaben sie sich nicht auf und kamen nach dem 1:3 sogar noch auf 2:3 heran (77.). Dennoch gibt es kaum Zweifel an der Berechtigung des Münsteraner Sieges. Sie sind schon ein Spitzenteam und als solches etabliert, selbst wenn man spürt, dass sie von den Fans ein klein bisschen zu viel nach vorne getrieben werden in der Erwartung weiterer Treffer. Schlau spielen hieße auch, ab und an mal den Fuß vom Gas zu nehmen.
Die Zuschauerzahl muss ziemlich frustrierend für sie sein, denn nach wie vor stimmen doch Ergebnisse, erst recht Tabellenplatz? Was soll da faul sein? Gut, vielleicht, weil nur der Tabellenletzte kam?
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Hansa Rostock – 1.FC Saarbrücken   2:0 (2:0)

Zuschauer :  9.000  (Schnitt bisher : 10.357)
Also, jetzt heraus mit der Sprache: ja, Rostock wird hier ein Sieg zugetraut und Basta. Tipp: die 1, ein Heimsieg.

Der Tipp ging auf, aber er war doch ziemlich wackelig von der Qualität her. In Hälfte 1 hatte Rostock nicht so viele Aktionen, kam aber dennoch zu einer Zweitoreführung, indem man einfach diese beiden nutzte. Saarbrücken hatte allerdings auch nicht so viel zu bieten, dass man sich nun ernsthaft Sorgen hätte machen müssen um den Tipp (und gar in Rückstand hätte geraten können). Auch in Hälfte 2 die Hausherren mit nicht gerade dollen Bemühungen (die natürlich bei klarer Führung auch nicht so sehr gefragt sind), aber Saarbrücken nicht mit den Mitteln, die Abwehr lahm zu legen (es kamen nur etwa zweieinhalb Chancen heraus; sicher, wenn da der Anschluss fällt…).
Man ist nicht übertrieben stolz auf diesen Tipp und bleibt beiden Mannschaften gegenüber skeptisch. Es passte ja auch nicht so toll, da man immer wieder bei Rostock ins Grüble geriet (sollen die wirklich so gut sein?).

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VfB Stuttgart II – VfL Osnabrück   1:2 (1:0)

Zuschauer :  520  (Schnitt bisher : 4.499)
Das wird eine 2, Osnabrück lässt sich hier nicht aufhalten.

Der Tipp ging auf, da ist man natürlich erst einmal zufrieden. Aber wie war die Partie, war er auch gerechtfertigt, sind die Einschätzungen richtig?
Nun, erst einmal zeigt der Blick auf die Zuschauerzahl, dass es keinerlei Unterstützung gibt. Das ist schon sehr, sehr wenig, was da den talentierten Nachwuchs sehen möchte. Merkwürdig, dass sich auch aus Osnabrück niemand auf den Weg gemacht zu haben scheint?
Und zur Partie selbst: man spürte anfangs schon die Überlegenheit der Osnabrücker. Da ging es ziemlich entschlossen und energisch nach vorne, hier wollte man nicht viel Federlesen machen. Dann gelingt auch das 1:0, nur wird es wieder einmal aus unerfindlichen Gründen einfach aberkannt. Der Sprecher irrt auch nur herum in seinem Kommentar, findet aber nichts, woran sich die Entscheidung festmachen ließe. Es ist zwar möglich, dass bei dem Freistoß und der Verlängerung in den Strafraum irgendwann mal ein Spieler um Millimeter im Abseits stand, aber dieser kommt garantiert nicht in Ballnähe. Es gibt halt viele Gründe, die man finden könnte. Und wenn die Medien später keinen finden sollten und der Referee drauf angesprochen würde, dann wäre es noch immer unbedenklich für ihn, zu sagen „da habe ich mich halt geirrt.“ Nachgehen würde man der Sache sicher nicht. Der Sprecher nennt es „Glück für Stuttgart“, aber da geht man nicht mit. Denn: es geschieht ja immer wieder und so systematisch, dass man es nicht mehr als Glück bezeichnen kann.
Etwas später eine Chance zur Wiedergutmachung: ein Osnabrücker dringt mit Ball in den Strafraum ein, wird von zwei Gegenspielern behindert (früher gab es mal „die Zange“, hört man heute gar nicht mehr; liegt es daran, dass sie nicht mehr gemacht wird oder daran, dass man sich daran gewöhnen soll, dass Stürmer einfach keine Schutz mehr haben, sobald sie in Gegners Strafraum auftauchen, so nach dem Motto: „Hey, was willst du denn hier? Doch nicht etwa ein Tor machen? Na so weit kommst noch!“? Eher Letzteres und das sollte einen eigentlich bedenklich stimmen.) und kommt nicht zum Abschluss, stattdessen zu Fall. Der Kommentator hierzu: „Für mich auch kein Foulspiel, aber es soll ja Menschen gegen, die das anders sehen.“ Ja, hier sitzt einer, aber wo ist der andere? Einen Schiedsrichter findet man jedenfalls nicht, einen Kommentator auch nicht. Also?
Das hätte ja nun zwei Mal schon die Führung bedeuten können und sie wäre sicher auch als verdient anzusehen. Dann kam Stuttgart etwas auf und durch eine kuriose Szene zur Führung: ein Abwehrspieler von Osnabrück, an der Mittellinie, also weiterhin alles im Vorwärtsgang, denn er war zugleich letzter Mann, spielt seinem Gegenspieler in die Füße. Dieser würde alleine aufs Tor gehen können, wenn nicht ein kleiner Zufall den Abwehrspieler retten würde. Der Ball springt irgendwie zurück und ihm selbst wieder in den Fuß. Nun kann er sich den Schweiß abwischen, denn er kontrolliert den Ball. Aber: diese kurze eigens ausgelöste Verwirrung führt dazu, dass er im nächsten Moment, eben noch leicht irritiert von seinem Fauxpas, den Ball gemüht cool zum Keeper zurückschieben möchte. Bemüht und cool ist ja vielleicht ok, aber der Ball ist definitiv zu kurz. Der Stuttgarter kommt vor dem Keeper an den Ball, der ihn zwar mit einer halsbrecherischen, aber fairen Aktion sogar noch erreicht, aber unkontrolliert, der nächste nachrückende Stuttgarter (Dauertorschütze Benyamina, aber nicht DER Benyamina) kommt an den Ball und schiebt ihn aus 35 Metern ins verwaiste Tor.
Logisch, dass die einen Mut fassen, die anderen konsterniert sind. Stuttgart spielte weiter nach vorne, unbekümmert, locker, befreit, aber auch gekonnt, und es kommt wieder ein Spieler alleine frei durch. Der Keeper diesmal wohl wirklich mit einer Art Notbremse im Strafraum, jedenfalls ist er zu spät, der Ball an ihm vorbei, er trifft nur den Körper und der Sturz ist zwar spektakulär, aber auch irgendwie unfreiwillig. Da konnte man einfach nicht weg. Der Elfer war glasklar, und wurde auch zugesprochen. Nur nutzte der Pfeifenmann NUN eine Art von Wiedergutmachung: er stellte den Keeper nicht vom Platz. Was immer da in den Regeln steht, aber es war eine Notbremse und er war noch mehr letzter Mann als der letzte Mann sonst. Sozusagen der „Allerletzte“. Den Elfer durfte er dann also selbst parieren — und tat es. Sicher käme hier ein 2:0 und/oder eine Rote Karte einer Entscheidung nahe.
So blieb Osnabrück im Spiel und schaffte wirklich die Wende, mit zwei Toren innerhalb von 5 Minuten (60., 65.), die aber auch ein klein wenig glücklich zustande kamen.
In der Summe kann man zwar sagen, dass die Anzahl der Chancen, von denen Stuttgart danach auch noch mindestens zwei hatte, etwa ausgeglichen war, so dass die Wette nicht gerechtfertigt wäre nach dieser Statistik. Andererseits war die Anfangsphase so klar, mit den beiden Aktionen, pro Osnabrück, dass da eigentlich hätte eine Führung stehen sollen. Die Frage, ob Stuttgart dann je noch ein Bein auf die Erde bekommen hätte.
Dennoch liegt der Schluss nahe, dass man sich eh mit Zweiten nicht so gerne anlegt, weil sie im Prinzip alles können, aber auch alles daneben setzen können, und speziell auf Stuttgart bezogen doch eine ganze Menge Gekonntes gesehen hat, so dass sie vielleicht doch etwas besser sind? An Osnabrück gibt es nichts zu deuteln.
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SV Wehen/Wiesbaden – Borussia Dortmund II   3:1 (1:1)

Zuschauer :  2.372  (Schnitt bisher : 3.326)
Also: man mutmaßt doch weiterhin, dass Wehen zu stark für Dortmund sein könnte. Eigentlich sieht alles ganz professionell aus, was sie da machen, und irgendwann dürfte doch der Knoten mal platzen? Man möchte es nicht „bedingungslose Liebe“ nennen, die ja angeblich blind macht, die einen zu dem Tipp veranlasst, aber doch eine gewisse Treue, und ob sich die immer lohnt? Tipp dennoch: die 1, mit ein paar ziemlich unguten Gefühlen.

Die unguten Gefühle hatten nicht die geringste Ursache, wenn man das Spiel betrachtet. Wehen/Wiesbaden von Anfang bis Ende mit einer phantastischen Leistung, von der 1 bis zur 11 mit hohem Engagement und den spielerischen Highlights gespickt, die man so lange vermissen ließ. Hier passte einfach alles und das Ergebnis viel zu knapp ausgefallen. Dabei kam Dortmund sogar mit der ersten und einzigen Chance zur Führung, als ein Abwehrspieler (wie kam der Ball da überhaupt hin? Der war doch immer in Dortmunds Hälfte?) mit einem üblen Fehlpass einem Angreifer vorlegt, der direkt weiter zu dem hoch veranlagten Bittencourt  und dieser mit dem 0:1, wonach man sich eigentlich hätte große Sorgen machen müssen um die Gastgeber: „Geht das schon wieder los?“.
Nein, es ging nicht los. Weiterhin rollte Angriffswelle auf Angriffswelle auf das Dortmunder Tor, und das hoch verdiente 1:1 viel noch vor der Pause. Selbst wenn man auch bei dem erwähnen muss, dass ein Elfmeter dafür herhalten musste, der natürlich berechtigt war, der aber doch vielleicht nur gegeben wurde, weil Wehen so drückend war (die Berührung ist klar zu erkennen, der Sturz folgt, aber in anderen vergleichbaren Situationen hat man schon vielfach das „wave-on“ gesehen. „Weiterspielen“. Kapitän Janjic nicht nur (zum Glück) wieder an Bord sondern zugleich mit toller Leistung — wobei es eigentlich fies wäre, einen Einzelnen hervorzuheben; man nennt das auch „geschlossene Mannschaftsleistung“ — , verwandelte sicher.
So war der Grundstein für die zweite Hälfte und den anhaltenden, aber diesmal Sieg bringenden Sturmlauf gelegt.
In dieser Verfassung möchte man Wehen/Wiesbaden unbedingt wieder aufnehmen als Kandidaten für eine Tabellenklettertour. Vor allem, wenn man die Namen der Spieler, die immer so am Ball sind hört, wächst das Vertrauen, dass hier noch eine ganze Menge folgen könnte (Zieber, Janjic, Mintzel, Wohlfahrt, Ivana). Ganz schwach hingegen Dortmund, die nach einer weiteren derartigen Leistung völlig zurecht deutlich hinter Stuttgart (im Vergleich der Zweiten, die einfach einen Sonderstatus haben), aber auch sonst am Tabellenende ganz gut aufgehoben. Die Veranlagung alleine reicht nicht.
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