Vorschau Raiffeisen Superleague Schweiz, 15. Spieltag

FC Basel – Young Boys Bern   (Entfernung : 96 km)
Es fehlen
FC Basel: Jevtic und Vuleta (beide verletzt)
Young Boys: Simpson, Doubai, Spycher (alle verletzt)

Beide Teams sehr deutlich hinter den Saisonerwartungen zurück. In Basel denkt man eh, dass man nur den einen einzigen Platz abonniert hat, während man es in der Hauptstadt wohl am liebsten eines Tages mal ändern würde, aber nur dann, wenn man selbst auf diesen begehrtesten Rang klettern könnte. Derzeit aber fehlen Basel 8 Punkte zum Leader GC — dieser Umstand hat bereits Heiko Vogel den Job gekostet –, den Young Boys stattliche 15, und selbst wenn da noch ein „game in hand“ ist, so ist es doch eindeutig zu viel. Beide aber stehen auch in Europa vor dem Aus (Basel mit 2 Punkten nach 3 Spielen in einer leichten Gruppe, YB mit 3 Punkten in einer kaum lösbaren), so dass auch hier die Krise deutlich wird — immerhin hatte man in Basel ja letztes Jahr ManU ausgeschaltet aus der Champions League, was auch dort erkennbar Ansprüche erzeugt hat. Die Tordifferenzen der Liga sprechen dennoch für eine etwas höhere Klasse: +8 der FCB, +7 YB.

Wer kann sich also eher aus der Krise befreien und den Abstand zwischen Erwartung und Ergebnissen verringern, so die einzig zu stellende Frage? Basel hat sich zuletzt stärker präsentiert beim 2:1 in Zürich beim FCZ, selbst wenn die Bedingungen kein tieferes Urteil zulassen (es schneite kräftig). Bei den Young Boys gab es eine Absage, davor aber immerhin das 3:1 (drei Mal Bobadilla!) gegen Udinese.

So, wie Basel zuletzt spielte traut man ihnen doch eher den Sieg zu. Es geht hier wohl vor allem um Einsatzwillen, und dieser war groß. Hier und heute die Chance, nachzuweisen, dass man zurecht vor dem Gegner steht und dass man einzig den aktuellen Leader noch gefährden kann. Also, Tipp 1, erkennend, dass es doch wackelig ist. Tore dürften aber sehr wohl zu erwarten sein, haben doch beide ihre Stärken eindeutig da.

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Grasshoppers Zürich – Lausanne Sports   (Entfernung : 223 km)
es fehlen
GC : Coulibaly (verletzt), Grichting (fraglich)
Lausanne: Guié Guié, Tall (verletzt), Sanogo (gesperrt)

GC „endlich“ mit der Niederlage, ausgerechnet beim Schlusslicht, aber doch ein wenig erahnt an dieser Stelle. 0:2 bei Servette. Lausanne mit einer weiteren sehr starken Leistung beim 1:1 in Sion, wo einem nur hauchdünn der Sieg durch die Lappen ging. Auch dieser Erfolg war hier orakelt worden, da die Leistungen in letzter Zeit bärenstark waren, vor allem eben Malonga vorne jedes Mal zur Explosion bereit steht: da kann noch viel mehr kommen, von ihm und im Sog der ganzen Mannschaft.

GC hatte man ja eine Weile lang ordentlich gestützt, aber doch haben die letzten Spiele (mit der Krönung der Niederlage in Genf) gezeigt, dass man eher das Glück in Anspruch nehmen muss als die Ausnahmeklasse. Davor standen ein 3:2 gegen die Young Boys, die dicht dran waren, und noch davor das 3:2 in Thun, welchem man zwar noch Klasse attestierte, aber viel eher beidseitig und einfach nur mit dem glücklichen Ende für GC. Also: 3:2, 3:2, 0:2 gegen insgesamt nicht überragende Klasse können sehr wohl bedeuten, dass die Meisterschaft noch lange nicht entschieden ist.

Obwohl es hier nicht perfekt passt (1. GC lange gestützt, 2. NACH der Niederlage in Genf ist ungünstiger als VOR einer derartigen, wegen der angestrebten Wiedergutmachung), aber doch hat Lausanne so sehr beeindruckt, dass man ihnen unbedingt etwas zutraut. Natürlich ein Außenseitertipp, und damit gewagt, aber hier dennoch ausgesprochen: X oder 2.

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FC Luzern – Servette Genf   (Entfernung : 267 km)
es fehlen
Luzern: Bento, Gygax, Renggli, Sorgic (alle verletzt)
Servette: Baumann, Gissi, Mfuyi und Moubandje (alle verletzt)

Hier tunt man sich ausgesprochen schwer, eine Tendenz zu erkennen. Servette hat nun zwei Erfolge in Serie erzielt, aufbauend auf dem 1:1 gegen Spitzenmannschaft St.Gallen ein 2:0 gegen Leader GC. Natürlich spricht das für sie und auch für die hier abgegebene Einschätzung, dass sie auch nicht ein viel geringeres Potenzial haben als der Rest der Kandidaten, einen nur geringfügig veränderten Kader gegenüber der Vorsaison (Platz 4 da) und nur einen total verkorksten Saisonstart, als man, teils auch aufgrund zahlreicher Ausfälle, einfach nicht in Tritt kam. Trotzdem ist natürlich der Sieg gegen GC aus der Haltung heraus erzielt worden, in der Partie einfach nichts verlieren zu können, zusätzlich der Maßgabe, dass eigentlich jedes Mittel recht ist, auch eine reine Defensivdarbietung (welche man sich zu Hause keinesfalls immer erlauben könnte, zumal man ja nicht nur einer der ältesten Clubs, sondern insgesamt auch einer der größten, traditionsreichsten und erfolgreichsten ist).

Der FC Luzern hat aber mindestens genau so viele Probleme: dem 2. Rang in der Vorsaison folgte nun der Abstieg bis Platz 9 (was in der Differenz sogar einer mehr ist als der Abstieg bei Servette). Sicher tat man Einiges zur Krisenbewältigung mit dem 1:0 gegen den FCB vor zwei Wochen (die Partie am letzten WE abgesagt gegen die Young Boys), aber noch bei weitem nicht diese überwunden hat, wie die Schreckensbilanz von 3-3-7 zeigt. Der Sieg gegen den FCB hatte auch mehr mit deren temporärer Schwäche zu tun als mit eigenen Großtaten (es war ein 1:0) und bedeutet demnach lange nicht das Licht am Ende des Tunnels.

Nein, Servette möchte man nicht unbedingt vertrauen, dafür die Leistungen lange nicht stabil genug, aber dem FC Luzern kann man es eben erst recht nicht. Also bleibt nur: raushalten. Auch die Verletztenlisten ergeben eher ein Unentschieden.

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FC Thun – FC Zürich   (Entfernung : 143 km)
es fehlen
FC Thun: Bigler, Zuffi
FC Zürich: Béda, Benito, Chikhaoui, Goncalves (alle verletzt) und Drmic (gesperrt)

So gut man weiß, was in dem FCZ steckt und es auch wieder und wieder angedeutet wird: der FC Thun ist mit Lausanne Sports die Mannschaft, die zuletzt am meisten begeistern konnte (auch wenn selten drei Punkte am Ende heraussprangen). Der Fußball, den sie spielten, wurde nicht völlig aus der Luft gegriffen von Trainer Bernard Challandes mit jenem des FC Barcelona verglichen. Anmassend, dreist, eigentlich unverschämt — aber ein Anderer hätte das ruhig tun können. Regelmäßig treten sie geschlossen von der 1 bis zur 11 (gerne auch bis zur 18) auf, mit sehr hohem Engagement und teilweise einem Spielfluss zum Zunge schnalzen. Dass der Abschluss nicht immer glücklich war, schreibt man hier persönlich viel mehr als es die Medien tun, die regelmäßig unter solchen Umständen von „ausgemachter Abschlussschwäche“ sprechen würden, dem Pech zu. Die Chancen waren da, dass ist das Wichtigste. Mal geht er rein, mal nicht, dass die kleinen Zufälligkeiten. Und: wenn man ganz ehrlich ist, dann ist eine uns von den gleichen (tumben) Medien verkaufte „einhundertprozentige Torchance“ zur etwa maximal 30% ein Tor. Und bei einer 30% Chance müsste es den gleichen Quatschkopf ja eigentlich eher verblüffen, wenn es ein Tor würde, da es sich nämlich um die Außenseiterchance handelt. Apropos Mathematik: eine Serie von beispielsweise 8 derartiger Chancen zu verpassen entspricht einer Chance von 0.7 hoch 8 und man ist immer noch bei stattlichen 5.77%, dass das eintritt. Also könnte den FC Thun durchaus so eine kleine Strähne betroffen haben, aber das wirklich nur sehr am Rande. Sie haben gut gespielt, dass ist hier das, was beurteilt wird, und es war sogar sehr gut. Es geht sogar noch weiter damit: wenn jemand so gut spielt, dann fühlt man mit ihm, wenn keine Ergebnisse herausspringen. Also würde man es dringend dem FC Thun gönnen, hier etwas zu holen. Verdient haben sie es.

Mit dem FCZ treffen sie auf einen weiteren Krisenclub der Liga. Auch hier sind die Ansprüche recht hoch, und, wer genau hinschaut, stellt fest, dass sie dem Stadtrivalen an Publikumsgunst (und das nicht nur kurzfristig) voraus sind. Dies natürlich gute Voraussetzungen, und auch der Kader hat sehr gehobene Qualität, vor allem in der Offensive, mit den vielmals zitierten Chermiti, Chikhaoui, Chiumiento (drei Mal CH, leicht zu merken) und dem weigern tonguetwister Gavranovic, vielleicht die Nummer 1. Nur: von denen sollten zuletzt der fehlen, wobei Gavranovic nicht nur auflief, sondern sogar den Anschluss zum 1:2 in der Schneeballschlacht mit dem FCB (per Penalty) erzielte.

Ganz kurios: in der Tabelle steht man punkt- und torgleich auf dem 6. Rang, was a) natürlich überhaupt nicht für den FCZ spricht, und b) nach so einer Anzahl von Spielen doch schon eine Aussagekraft hat. Um wie viel besser muss den Zürich sein? Kleines Detail noch: ausgerechnet einer der Kreativkräfte mit Tordrang steht zwar zur Verfügung, wurde aber aufgrund einer Undiszipliniertheit auf die Bank verdammt: Amine Chermiti. Möglich also, dass er nicht spielt, möglich aber auch, dass ein Einsatz nicht einmal zu ihren Gunsten ist. Auch Drmic könnte übrigens fehlen, im Sinne von „schmerzlich“.

Da auch die Verletztenliste die Heimmannschaft favorisiert, wird hier mutig der Tipp ausgesprochen: diesmal werden die Torchancen verwertet, die man erneut herausspielen wird, mit Kampf, Leidenschaft aber zugleich Spielwitz, während der FCZ weiter seinen Ansprüchen hinterher hechelt, auch überrascht davon, wie stark der Gegner auftritt. Tipp: Heimsieg, eine 1.

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FC St.Gallen – FC Sion   (Entfernung : 332 km)
es fehlen
St.Gallen: Lehmann, Cavusevic (verletzt)
FC Sion: Mrdja, Manset, Aislan (verletzt), Margairaz (verletzt)

Tja, wie rasant es doch heutzutage zugeht: vor ein paar Wochen war Sion noch gefeierter Spitzenreiter und ernster Herausforderer des FCB — auch, was die Investitionen und überhaupt das Budget anging –, schon ist die Krise so ernst, dass der Trainer gehen muss. Nein, man kann dieser Entscheidung unter keinen Umständen ein gutes Gelingen wünschen, es ist einfach lächerlich, vor allem eben, dass die Bäume in ein paar Wochen in den Himmel wachsen sollen — und wenn sie es nicht tun, man den Gärtner verantwortlich macht. Trainer Michel Decastel auf jeden Fall das berühmte „Bauernopfer“, was aber kaum Verwandtschaften zu jenem auf dem Schachbrett bietet. Wenn es eine Bedeutung haben soll, dann jene, dass ein Bauer die unwichtigste Figur ist. Neu ist Pierre-Alain Schürmann. 57 Tage übrigens die Amtszeit von Decastel. Wie soll man da eine Tätigkeit beurteilen können? Und: ein 3. Platz kann doch gar nicht SOOO schlecht sein? Wo meint man denn, dass man hingehört? Nein, es ist alles lächerlich, das kann nicht gut gehen. Man bedenke bitte, dass die Leistungen zwar wirklich nicht mehr gut waren, aber dennoch die letzten vier Spiele ALLESAMT NICHT verloren wurden (drei Remis, ein Sieg). 7–4–3 ist wahrlich keine schlechte Ausbeute, man werfe mal eine Blick auf die mit kaum geringeren Ambitionen gestarteten FC Luzern (3–3–7) oder FCZ (3–5–6), geschweige denn dem FCB (6–6–2). Die, so meint man wohl, gehören eh alle hinten dran (irrig), und die vor einem, St.Gallen und GC sind einfach zu weit enteilt, bei 6 beziehungsweise 7 Punkten Vorsprung? Nein, alles albern. Eine kurze Befragung des Computers ergab: auf die Saison gerechnet hat Sion noch immer 2.38 Punkte zu viel geholt (gegenüber der Erwartung), und das passt schon sehr gut, auch vom Gefühl her (auf die letzten 8 Spiele allerdings 4.1 Punkte zu wenig).

Gut, was ist mit St.Gallen? Der Schwung ist zwar nicht mehr ganz so gewaltig wie zu Saisonbeginn, aber doch bleibt die Ausbeute überragend: 31 Punkte aus 14 Spielen wären so ziemlich unlevelled — wenn es da nicht den Grasshoppers Club gäbe. Das 1:0 gegen Thun war glücklich, aber dennoch war es ja noch immer ein Sieg. Davor 1:1 bei Servette und 2:1 gegen Lausanne, und genau diese beiden Gegner waren ja auf dem Weg aus der Krise, also nur scheinbare Leichtgewichte, und noch immer hat man gepunktet.

Der Ausfall von Topstriker Cavusevic ist zwar sehr schmerzlich (Kreuzbandriss unter der Woche), wird aber von jenem auf Sittener Seite, nämlich von Xavier Margairaz, noch übertroffen, was Stellenwert in der Mannschaft angeht (Margairaz derzeit klar die Nummer 1). Da man zusätzlich die Trainerentscheidung absolut nicht gutheißen kann und die Spieler nicht einfach den Turbo einlegen können, nur weil ein Neuer auf der Bank sitzt (eher die Erkenntnis überwiegt: sie sind einfach nicht so gut wie sie sein sollen, laut Clubführung), geht die Tendenz klar zum Heimsieg. Wenn einer anknüpfen kann, dann St.Gallen. Tipp: Heimsieg also, eine 1.

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