Vorschau 3. Bundesliga, 16. Spieltag

1.FC Heidenheim – Alemannia Aachen   (Entfernung : 508 km)

Der so lange gestützte 1.FC Heidenheim hat doch zuletzt zu sehr enttäuscht, als dass man ihnen ein weiteres Mal das Vertrauen schenken möchte. Die Ansprüche sind da, nun schon im dritten Jahr, einmal ernsthaft um die Aufstiegsränge mitzuspielen. Die Zuschauer ziehen im Prinzip mit, obwohl Heidenheim nicht gerade eine große Tradition hat, das Umfeld stimmt, die Spieler sind gut bezahlt, hochwertig, eigentlich gut, aber so richtig passt es irgendwie nicht. Sicher ist gerade die dritte Liga ein ziemlich hartes Pflaster, tummeln sich doch jede Menge Traditionsmannschaften, die alle davon träumen, irgendwann wieder an alte, (richtig) erfolgreiche Tage anzuknüpfen, aber dennoch könnte man sich ja irgendwie dazwischen etablieren. Es ist zwar nicht so schlecht, was sie spielen, und noch ist der Kontakt auch nicht abgerissen, aber gegen die Mannschaften von oben hat man in den direkten Begegnungen so gut wie alles verloren, was denn doch schon an mangelnder Qualität (für ganz oben) liegen könnte.

Aachen hingegen strampelt sich mühevoll ab. Der Trainerwechsel hat sicher nicht den gewohnten Effekt gehabt, aber an René van Eck wird die Misere nicht festgemacht, auch das Publikum ist ihm gegenüber sehr positiv, nachsichtig. Die Ergebnisse wollen sich aber nicht einstellen, bei einer der ganz großen Hochburgen der Liga, die noch immer mit Abstand den besten Zuschauerschnitt aufbietet. Nun ist die Pleite ganz nahe, was möglicherweise den Kickern auch ein wenig aufs Gemüt schlägt (wie geht es weiter, mit mir, mit dem Verein?), so dass man sich ihnen ebenfalls unter den gegebenen Umständen nicht anvertrauen möchte.

So bleibt nur ein Pass, aber, damit hier etwas steht, wird doch eher die Alemannia die Partie nicht verlieren.

Zusatzinfo: Aachen hat unter der Woche ein Rettungskonzept vorgelegt, um die aktuelle Finanzmisere zu bekämpfen. Ob es greift ist zwar noch fraglich, aber erst einmal geht es weiter und die Spieler könne sich vielleicht doch besser auf die Partie konzentrieren. Heidenheim mit insgesamt sechs Ausfällen (zwei schon lange, vier kamen hinzu).

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SpVgg Unterhaching – Wacker Burghausen   (Entfernung : 122 km)

Man könnte es schon ein Derby nennen, mindestens ist es ein bayerisches, aber keinesfalls eines mit auch nur ansatzweise „Traditionen“, abgesehen davon, dass genau diese beiden Mannschaften, neben den Zweiten, den geringsten Zuschauerzuspruch haben, und insofern kaum mit reisewütigen zu rechnen ist. Unterhaching hat nun drei Spiele in Serie nicht mehr gewonnen, wobei sie durchaus weiter den erfrischenden Offensivfußball gespielt haben wie zu Beginn. Anlasten sollte man ihnen nicht, dass bei Lage der Dinge derzeit NICHT Ergebnisfußball gespielt wird. Man hat genügend Punkte, um sich zunächst überhaupt nicht mit dem Thema „Abstieg“ beschäftigen zu müssen — und das hätte eines sein sollen, nach Ausgangseinschätzung der Allgemeinheit, zumal, wenn man das bei ihnen sehr geringe Budget einrechnet –, nach oben gibt es absolut keinen Druck, also schaut man pro Partie, was dabei heraus kommt, wenn man einfach Fußball spielt. Sie tun es weiterhin gut, dieses Urteil möchte man hier nicht einschränken, aber eben nicht auf einen günstigen Ausgang fokussiert, wie bei doch ziemlich vielen der Ligakollegen.

Bei Burghausen die Lage aber ähnlich, selbst wenn dort schon ein wenig mehr Professionalität herrscht. Nach oben gibt es jedenfalls keinerlei Druck, und nach hinten ist man mit einem sehr soliden Polster auf Sicht erst einmal von Sorgen frei. Youssef Mokhtari ist der Spielmacher,  der einfach seine Klasse ausspielt und ganz sicher auf die zahlreicher werdenden (also alten) Tage keine Absahnungsabsichten mit ruhiger Kugel schieben vor Augen hatte  bei der Verpflichtung. Sicher er hauptverantwortlich für die erfolgreiche Saison.

So ist wohl auch in dieser Partie kaum etwas zu machen. Gut erwarten kann man aber Offensivfußball ohne Ergebnisorientierung, demnach viele Tore.

Zusatzinfo: mit einer Aktion versucht man, zum Derby erstmals die 5.000 Zuschauer Marke zu knacken (es gibt Präsente, die Aktion läuft über Facebook). Obwohl da erhebliche Zweifel angebracht sind, dass es gelingt, so ist es doch irgendwie ein positives Zeichen, und mehr als sonst dürften es sicher werden. Dabei wird der angebotene attraktive Fußball durchaus als Argument in die Waagschale geworfen. Übrigens plant Wacker Burghausen auch, mit mindestens 500 Fans anzureisen.
Weiterhin: Torhüter Vollath bei Wacker gesperrt, so dass ein Neuling sein Debüt geben wird.

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SV Babelsberg 03 – Stuttgarter Kickers   (Entfernung : 609 km)

Angesichts des doch leichten Chaos bei Babelsberg möchte man diese Mannschaft auf keinen Fall haben. Sie wehrt sich ganz ordentlich, nach Kräften halt, ist aber doch zu schwach für die Liga und die Unruhe in Vorstand und Umfeld — die Fans sauer — verschaffen einem nicht die geringste Motivation, sich damit zu identifizieren und (womöglich mit Wetten untermauert) auf gute Ergebnisse zu hoffen.

StuKi hingegen wird wohl vom Markt eher etwas überschätzt, so dass die Quoten regelmäßig zu sehr gedrückt sind, als dass man sich je hinter sie stellen könnte, wie es aussieht. Und man bedenke, apropos ihre anscheinend hoch angesehene Qualität: von den letzten 5 Ligapartien wurden 4 verloren. Nein, da schmeckt gar nichts bei der Partie. Ein glasklares Pass.

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FC Chemnitz – Karlsruher SC   (Entfernung : 480 km)

Hier sieht es genau so müde aus wie bei der Partie davor. Nur ist es hier aus einem anderen Grund: diese beiden Mannschaften würde man unbedingt gerne haben wollen. Chemnitz hat wirklich begeistert zuletzt, die Fans schwärmen noch immer von ihrem Angriffsführer Anton Fink, der mit seinem Traumtor vor zwei Wochen gegen Saarbrücken die Messi und Ronaldo Vergleiche herausforderte, wobei er diese in aller Bescheidenheit(?!) so abtat: „Das war weder Messi noch Ronaldo, das war Anton Fink.“ Na, jedenfalls hat er Begehrlichkeiten geweckt und alle Kameras auf sich gezogen, dürfte sicher recht bald bei einem größeren Verein landen, aber derzeit ist er halt noch in Chemnitz und kann da weiter glänzen. Ebenfalls klasse, aber viel weniger im Rampenlicht, war Josip Landeka, der einen Haufen toller Aktionen hatte und beidfüßig phantastische Flanken schlug (beide übrigens 25 Jahre alt, also noch lange nicht zu alt für eine höhere Karriere).

Der KSC hat ja den zwei Ligaerfolgen — bei StuKi und gegen Preußen Münster — einen weiteren im Pokal folgen lassen (1:0 gegen den MSV Duisburg), schwimmt also auf der Erfolgswelle und die Zuschauer sind eh stets wohlwollend geblieben. Auch sie mit einem — eindeutig noch größeren — Star, nämlich Haken Calhanoglu, der ja längst beim HSV signiert hat, aber gleichzeitig an den KSC ausgeliehen wurde. Dieser hat wirklich bestätigen können, ein absoluter Ausnahmekönner zu sein, zugleich aber seine Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft zu stellen — der ideale Repräsentant für eine derartige Ausrichtung übrigens nach wie vor (aus hiesiger Sicht) Zinedine Zidane. Aus diesem Holze sind ganz klar kommende Superstars geschnitzt, selbst wenn man anmerken muss, dass Einzeldarsteller (ja, Christiano Ronaldo eben) in dieser Zeit es teilweise noch besser schaffen, das Spotlight auf sich zu ziehen. Nun ja, Vergleiche, die sicher im Zusammenhang mit diesem Jungstar auftauchen werden, mit denen er leben muss, und die ihm möglichst nicht zu sehr zu Kopfe steigen mögen.

Jedenfalls machen diese Erzählungen auch diese Partie alles andere als prickelnd für denjenigen, der sich ein bisschen Geld verdienen möchte mit dem Wetten. Auch hier bleibt nur das Pass.

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SV Darmstadt 98 – Kickers Offenbach   (Entfernung : 30 km)

Auch die Offebäsche mit einem Erfolgserlebnis im Pokal (auch gegen einen höherklassigen Club, 2:0 gegen Union Berlin), was ihre Erfolgsserie weiter ausbaut, denn in der Liga sind sie ja nach den vier Auftaktpleiten ebenfalls unbesiegt. Zuletzt gab es zwar in der Liga das leicht enttäuschende 0:0 gegen den FC Chemnitz, aber immerhin bekam man auch da kein Gegentor, und war am Ende deutlich am Drücker, hatte nur eben nicht das kleine Quäntchen Glück, das man braucht für den Torerfolg. Bedeutet nur: auch diese Leistung war absolut einwandfrei, und man bedenke hierbei die zuvor getätigte Einschätzung von Chemnitz. Also: alles gut in Offenbach, die kann man immer nehmen ohne Sorge.

Umgekehrtes gilt für Darmstadt, über die man schon frühzeitig hier das Urteil fällte, richtig schwach zu sein im Ligavergleich. Das eine Mal hat man sich mit Dummheit gegen diese Einschätzung gestellt und hier für sie votiert im Heimspiel gegen Dortmund II — und bekam prompt die verdiente Backpfeife beim ersten Sieg der Gäste seit langer Zeit in dieser Partie. Nein, Darmstadt ist und bleibt schwach, selbst wenn sie sicher nicht kampflos absteigen werden.

Ideal macht diese Partie hier die ganz offensichtliche Derbytendenz (ein hessisches), und dieses hat schon viel mehr Tradition als das bayerische, denn immerhin haben beide doch ihre Zeiten in der  ersten Liga gehabt, so dass man schon von einem Kampf um die Vorherrschaft sprechen kann. Offenbach hat diese, derzeit völlig eindeutig, und wird sie hier, mit reichlich Fanunterstützung, auch ausspielen. Ein Auswärtssieg und nichts anderes. Klare 2.

Zusatzinfo: man rechnet in Darmstadt mit etwa 10.000 bis 12.000 Zuschauern (etwas überoptimistisch?!), davon 2.000 aus Offenbach. Historisch gesehen ist Darmstadt in diesem Derby weit hinten (8–16–22 die Gesamtbilanz). Es fehlen vier Spieler bei Darmstadt, der Ausfall von Danny Latza (22, DM; höchster Marktwert in der Mannschaft) könnte schmerzhaft sein.

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Hallescher FC – Arminia Bielefeld   (Entfernung : 332 km)

Auch von Bielefeld hat man an dieser Stelle, nach anfänglicher gewisser Skepsis, zuletzt nur noch schwärmen können. Am Mittwoch gaben sie weiter Anlass dazu. Denn immerhin haben sie Erstligisten (und nicht gerade als Laufkundschaft bekannt, wie die Bayern zuletzt schmerzlich erfuhren, das auch noch im eigenen Stadion) Leverkusen am Rande eines Ausscheidens gehabt. Es geht auch gar nicht so sehr um die 90 Minuten, in denen sie natürlich auch genug von ihrer Hochwertigkeit zeigen konnten, aber da galt vielleicht noch das Motto „typischer Pokalfight“. Nein, viel mehr waren es die letzten Minuten, in denen sie richtig Eindruck machten. Das war ja Wahnsinn, wie sie Leverkusen, nach deren 3:2 in der Verlängerung, einschnürten und immer wieder nradngefährlich im Strafraum auftauchten — ohne je einen richtigen Abschluss hinzubekommen. Selbst nach dem (harten) Gelb-Rot drückten sie noch mit 10 Mann und irgendwie hätte man ihnen die Sensation in diesen Momenten unbedingt gegönnt. Irre übrigens, dass Trainer Stefan Krämer das ganze Spiel über bei etwa 4 Grad Nasskälte im T-Shirt an der Linie stand. Er brannte wohl auch und gab hinterher ein sehr sympathisches Interview, was ihm jedenfalls von hier aus ein deutlich gestiegenes Ansehen einbringt.

Völlig gegensätzlich die Lage in Halle. Aufstiegseuphorie völlig verfolgen, nur noch Kampf, um ab und an mal einen Zähler einzufahren und irgendwie die Abstiegsränge auf Distanz zu halten — und selbst dies mit geringem Erfolg. Nur drei Punkte aus 9 Spielen zuletzt messbarer Ausdruck für die Misere und man kann fast nichts Gutes entdecken.

Wenn da nicht die 120 Minuten vom Mittwoch wären, wäre der Fall sonnenklar, so ist er nur klar: Tipp 2.

Zusatzinfo: Halle kam nur sehr mühevoll ins Halbfinale des Länderpokals. Vor 3.265 (also einer stattlichen Zahl; diese sind wohlwollend) konnte man erst in Hälfte 2 den Verbandsligisten BSV Ammendorf mit 3:1 (1:1) niederringen, hätte fast zurückgelegen und erst in der 70. gelang nach einem Standard die Führung (das 3:1 in der 90.). Möglich, dass Maik Wagefeld — wohl der wichtigste Hallenser — fehlt, jedenfalls war er Mittwoch nicht dabei, verletzungsbedingt.

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Preußen Münster – Rot Weiß Erfurt   (Entfernung : 387 km)

Preußen Münster mit dem doch etwas enttäuschenden Pokal Aus gegen Augsburg, als man vor allem nicht völlig sorglos nach vorne spielte, sondern irgendwie kalkulatorisch: wenn wir lange ein 0:0 halten, können wir es vielleicht in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen schaffen, vielleicht auch durch ein Wunder schon vorher ein Törchen, und dann… Derartige Paarungen machen eigentlich deshalb Spaß, weil der Underdog mutig alles ausspielen kann, was er drauf hat, nach vorne mit allem, was Beine hat, Publikum hinter sich bringen, und entweder mit fliegenden Fahnen untergehen oder halt das kleine Wunder schaffen. So aber hatte man den Eindruck, dass sie sich ernsthaft etwas ausrechneten (was ja eigentlich ok ist), aber dafür die defensiven Mittel einsetzen wollte. Dass dies nicht erfolgreich war, war zwar sowohl KEINE logische Folge als auch etwas unglücklich, aber irgendwie konnte man es ihnen auf diese Art auch nicht so recht gönnen. Natürlich spricht es nicht gegen die sich eigens zugeschriebene Qualität, die jedenfalls vorhanden ist.

Erfurt hat den berühmten „Punkt für die Moral“ in Unterhaching in der Woche davor erzielt, musste aber am letzten Wochenende, trotz Rasenheizung, aber bei überraschendem Wintereinbruch (die Rasenheizung benötigt 24 Stunden Vorlaufzeit) zuschauen. Und: der eine Punkt war zwar immerhin einer, aber noch lange keine drei und es hätte eben auch locker eine Niederlage sein können, da das Tor zum 2:2 erst kurz vor Schluss fiel. Qualität im Kader? Ja, mag da sein, aber die Wahrheit liegt doch auf dem Platz. Es sind 10 Punkte aus 14 Spielen (eine echte Absteigerbilanz) und es sind -14 Tore, gegenüber +14 beim Gastgeber. Nach 14/15 Spielen darf man doch auch darauf mal schauen? Hat keine Bedeutung?

Nein, Münster ist zu gut für Erfurt, die Sinne sind, nach den zwei Rückschlägen — am Wochenende verloren sie 1:2 in Karlsruhe — jedenfalls geschärft, mit einer Niederlage drohte man, sich von einem Aufstiegsplatz zu verabschieden, dies möchte man dringend vermeiden, und trotz der Dienstags Partie (die Kräfte kosten kann) auch aufgrund des breiten Kaders, der 1:1 Ersetzungen gestattet, gibt es hier nur einen Heimsieg: Tipp 1.

Zusatzinfo: auch Erfurt am Mittwoch im Pokal im Einsatz, im Ladenlokal Viertelfinale gegen Carl Zeiss Jena (man gewann da mit 1:0 in Jena). Sicher tat der Erfolg gut, aber das Argument des einseitigen Kräfteverschleißes greift nicht.

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Hansa Rostock – 1.FC Saarbrücken   (Entfernung : 845 km)

Also Rostock: anfangs erklärte man sie für schwach, sie bestätigen diese Einschätzung. Dann kam der Trainerwechsel — Fascher für Wolf. Danach punkteten sie, man unterstellte Fascher positiv, Fußball mit System zu spielen. Vielleicht etwas dran? Die Punkte wurden eingefahren. Zuletzt aber stimmten einen die Leistungen doch eher wieder bedenklich, obwohl die Punkte weiter plätscherten. Das Remis in Dortmund war zwar kein Ruhmesblatt, aber doch blieb man auch da ohne Gegentor, wie auch die anderen beiden Spiele zuvor (die Serie: 0:0, 1:0, 1:0). Natürlich nichts ganz dolles, aber eben doch auch nichts, was besonders gegen sie sprechen sollte. Davor zwar ein 0:3 gegen Osnabrück, aber doch war es der jetzt aktuelle Leader, der wirklich nicht zufällig oben steht, insofern auch anderen schon genügend Schwerzen bereitet hat. Also: da darf man schon mal verlieren, sozusagen. Davor stehen zwei weitere zu-Null-Siege, diese mit 2:0 und ein weiterer mit 2:1, bei Mitaufstiegskandidat Heidenheim. Die Schlussfolgerung: so schlecht können sie doch gar nicht sein? In sieben Spielen nur zwei Mal überhaupt Tore kassiert, und fünf Mal gewonnen davon. Die Zuschauer gehen auch hin, also spricht doch nicht so arg viel GEGEN Rostock?

Bei Saarbrücken war man von Anfang an unschlüssig, wo sie wirklich hingehören. Natürlich ist es dann ziemlich einfach, als Anhaltspunkt die Tabelle zu nehmen. Soll die denn nur spinnen? Dort steht aktuell ein 12. Platz, bei -4 Toren. Die Einstufung ist auch in etwa so, im internen Computerranking (und das schon von Anfang an, kann also wohl kaum falsch sein?): etwas unter der Mitte, ohne Perspektiven nach oben, vermutlich ohne Sorgen nach unten. Serie gibt es auch keine, eher ein beständiges Auf und Ab, bei dem das „Ab“ minimal überwiegt, ist doch die Bilanz auch auf die Spiele bezogen mit 6–2–7 ebenfalls negativ. Nur einmal darf doch die Frage erlaubt sein: wer bitte ist hier die bessere Mannschaft? Eine steht oben, mit 7–4–4, und das nach einem derart schlechten Start, dass der Trainer schon seinen Hut nehmen musste, und hat doch Anschluss an die Aufstiegsränge (gut, es sind VIER Punkte, also kein DIREKTER Anschluss), die andere dümpelt von Beginn an in der unteren Tabellenhälfte rum, ohne jemals eine Chance zu haben, den Kopf nach oben zu drehen. Sicher, ja, es gab mal wieder einen Sieg im Ludwigspark, vor Wochenfrist, mit 3:1 gegen Darmstadt, aber es war eben auch nur einer gegen diesen Underdog.  Zusätzlich stellen die Zuschauer kein gutes Zeugnis aus, gegen Darmstadt waren es nur 3.500 (bei Rostock regelmäßig in der Größenordnung von 10.000).

Sicher spürt der Leser bereits, dass man sich sehr vorsichtig einem Tipp auf die Heimmannschaft nähert, so ungern man eigentlich das Fähnchen nach dem Wind stellt, vor allem aber Ansichten grundlegend verändert. Aber: mit Saarbrücken hat man keinesfalls irgendetwas zu tun, nicht im Sinne, sich hinter sie zu stellen. Bei Rostock schwang seit dem Trainerwechsel, gerne aber auch eingerechnet die Ernennung zum Spieler des Monats ihres Dauerschützen Ondrej Smetana, stets Respekt mit: doch gut möglich, dass sie etwas können, muss ich zugeben.

Also, jetzt heraus mit der Sprache: ja, Rostock wird hier ein Sieg zugetraut und Basta. Tipp: die 1, ein Heimsieg.

Zusatzinfo: von den erstaunlichen 4.000 Zuschauern, die letzte Woche bei Dortmunds Zweiter anwesend waren, kamen tatsächlich 3.000 aus Rostock. Eine unfassbare Zahl für ein Auswärtsspiel in 520 km Entfernung. Also: die Fans sind voll da, darauf ist Verlass. Insgesamt waren drei Probespieler unter der Woche im Einsatz bei Rostock (in einem Freundschaftsspiel in Schwerin, 4:0 gewonnen). Einer der drei könnte wirklich interessant sein.

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VfB Stuttgart II – VfL Osnabrück   (Entfernung : 525 km)

Wenn hier etwas möglich ist, dann ist es eh nur die 2, der Osnabrücker Sieg. Stuttgart hat zwar zuletzt ein 3:1 eingefahren, und sie spielen, wie man schon öfter betonte, wie sie wollen, aber doch wirkten sie keinesfalls stark, unter keinen Umständen kompakt oder gar robust. Das Talent ist erkennbar, so werden sie auch ihre Punkte machen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber einem dermaßen starken Ensemble wie es Osnabrück aufzubieten hat dürften sie, allein schon von der Physis her, nicht gewachsen sein. Der Heimvorteil wird ganz sicher, ungeachtet der nicht geringen Entfernung, verschwindend klein sein, so dass man davon ausgehen darf, dass dem Sieg relativ wenig im Wege steht. Das wird eine 2, Osnabrück lässt sich hier nicht aufhalten.

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SV Wehen/Wiesbaden – Borussia Dortmund II   (Entfernung : 245 km)

Dortmund II mit dem minimalem Aufwärtstrend, als dem Sieg in Darmstadt (die sind ja bald „Prügelknabe?!) ein Remis gegen Rostock folgte und man wirklich auch beim Auftritt echte Verbesserungen erkannte, vielleicht sogar ein höheres Potenzial als bei Stuttgart schlummert. Aber eben: es schlummert und diese beiden Ergebnisse reichen noch lange nicht aus, einen zu überzeugen, dass die Tabellenposition völlig zufällig, geschweige denn gänzlich unverdient, zustande kam. Scheinbar befindet man sich zwar in „touching distance“ zum heutigen Gegner, aber eben nur scheinbar, denn: es sind zwar nur drei Punkte Rückstand, ja, aber es sind 13 Tore. Also: da kommt man nicht mit einem Sieg heran. Hinzu kommt (was natürlich das Torverhältnis mit abbildet), dass Wehen diese extrem geringe Ausbeute der Ungerechtigkeit der Dreipunkteregel zu verdanken hat. 11 Remisen kann man da einfach nicht verkraften, ohne Anschluss nach hinten zu haben.

Ok, nun zu Sorgenkind Wehen: was könnte einen noch je darin bestärken, dieser Mannschaft vertraut zu haben, sie deutlich über der Mitte im Ranking eingestuft zu haben? Fast nichts, so sieh es halt aus. In der Partie davor, als sie endlich einmal nicht Remis spielten — dafür verloren, zu Hause, mit 0:1 gegen Bielefeld, die ja kaum schwächer als Osnabrück sind — war Torjäger und Kapitän Janjic erstmals wieder dabei. Er war auffällig, ja, aber ihm gelang bei weitem nicht alles, fast im Gegenteil. Nur meinte man, erkennen zu können, dass er bald wieder der alte sein dürfte. Was stellt man in der Folgepartie fest? Er sitzt auf der Bank. Eine, nur aus der Ferne beurteilt, ausgesprochen fragwürdige Entscheidung. Denn: er kann den Unterschied machen. Heraus sprang — ein 1:1, immerhin in Aachen, also nichts Schlimmes, eigentlich ein Erfolg, aber in der Serie der Remisen kaum noch zu ertragen und zugleich eher glücklich erzielt.

Also: man mutmaßt doch weiterhin, dass Wehen zu stark für Dortmund sein könnte. Eigentlich sieht alles ganz professionell aus, was sie da machen, und irgendwann dürfte doch der Knoten mal platzen? Man möchte es nicht „bedingungslose Liebe“ nennen, die ja angeblich blind macht, die einen zu dem Tipp veranlasst, aber doch eine gewisse Treue, und ob sich die immer lohnt? Tipp dennoch: die 1, mit ein paar ziemlich unguten Gefühlen.

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