Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 14. Spieltag

FC Sion – Lausanne Sports 1:1 (0:0)

Zuschauer : 8.800 (Schnitt bisher: 11.500)
Der Tipp lautet also: X oder 2, Lausanne holt etwas, und die Qualität dieses Tipps ist hoch, zumal eine leichte Derbytendenz immer zusätzlich für den Außenseiter spricht.

Die Partie lief wirklich genau so, wie man sie sich vorgestellt hat. Bei Lausanne war zwar nur ihr Topscorer Malonga extrem auffällig, aber er war zugleich die überragende Figur in der gesamten Partie. Sion steckt einfach in der Krise. Die Partie war zwar nicht schlecht, aber doch fehlt es an Kreativität. Die Zuschauer wären jederzeit bereit, ihre Mannschaft wieder mitzunehmen, aber es gibt derzeit zu wenig Anlass dazu. So kam Lausanne insgesamt sogar zu etwas mehr Chancen als die Hausherren, was dann sowieso — außer dem nackten Ergebnis — für die getätigte Vorhersage spricht. Dennoch erwähnenswert: Sion ging nach einem Eckball (!) durch einen Abwehrspieler (Vanczak, Ungarn) in Führung, in der 50. Minute, obwohl davor eher Lausanne dran war. Fortan drückte Lausanne noch mehr, nutzte aber keine der richtig herausgespielten Torchancen. Eine Szene mal wieder absolut typisch: ein Schuss aufs Tor von Sion, ein Abwehrspieler geht in diesen aus Nahdistanz abgefeuerten Schuss mit der Hand hinein, fälscht den Richtung Tor gehenden Ball mit der Hand — klar und deutlich erkennbar, auch für den nahe stellenden Schiedsrichter — ab, die Entscheidung lautet: Eckball. Klarere Elfer kann es einfach nicht geben. Von „Übersehen“ kann nie und nimmer die Rede sein. Man gibt einfach nicht — und geht als Schiri, ebenso wie die Verteidiger, straffrei aus. Es ist einfach nur lächerlich, weil es sich durch alle Spielberichte und Ligen hindurchzieht. Immer wieder heißt es „Hier hätte er geben müssen, aber…“ oder „hier haben die xxx Glück, dass der Schiri nicht auf den Punkt zeigte, aber…“ und Schwamm drüber. Das war es, was man dazu sagt. Konsequenzen? Keine. Vor allem nicht diese: einmal nachdenken, wie es dazu kommt, dass man einverstanden ist, dass es für klarst erkennbare Regelverstöße im Strafraum nicht die im Regelwerk verankerte Strafe gibt.
Naja, der Ausgleich fiel ja dennoch, so dass die Ungerechtigkeit zwar (und das ohnehin grundsätzlich) zwar bestehen bleibt, aber in diesem Falle nicht die maximal nachteilige Auswirkung, auch für den hier folgenden Wettfreund, hatte. Dies geschah so: Freistoß, abgefälscht, drin. Natürlich Glück in der Szene, aber insgesamt verdient, obwohl eben, und dies das eigentlich erwähnenswerte, Sion danach (81. fiel das 1:1) noch zwei echte Chancen herausspielte, deren eine nur mit einer Glanztat des Torhüters gebändigt werden konnte. In der Summe bleibt es: Lausanne präsentiert sich stark im Moment, Sion bleibt mit einer fallenden Tendenz, so dass es schwer werden dürfte, sogar Platz 3 zu halten.
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Servette Genf – Grasshopper Club Zürich 2:0 (1:0)

Zuschauer : 5.834 (Schnitt bisher: 7.354)
Tendenz also: minimal geht sie dahin, dass Servette etwas holt, es reicht aber doch nicht zu einem sehr ernsthaften Tipp als Wette.

Die Partie auch genau so, wie man sie sich vorstellen musste. Servette nicht etwa viel besser als in anderen Partien, aber doch spürt man, dass sie sich, nach einem kleinen Erfolgserlebnis zuletzt, dem 1:1 gegen St.Gallen, dass man vielleicht das Unmögliche möglich machen kann. Hinten möglichst kompakt und ab und an nach vorne ein paar Nadelstiche. Die Stimmung im Stadion eh positiv, da ja jeder um die klare Außenseiterstellung weiß. So wird denn bereits jede halbwegs gelungene Aktion gefeiert, was definitiv die Spieler stärkt. GC hingegen geht die Partie in etwa so an : „ach, irgendwann werden wir schon unsere Chancen bekommen.“ oder auch „wenn ich das nicht ganz perfekt hinbekomme, dann bestimmt irgendein anderer“. All dies der unvermeidliche Ausdruck der ganz leichten Überheblichkeit, die man, darauf angesprochen, natürlich weit von sich weisen würde. Als Servette, natürlich aus einem Konter heraus, mit einem Traumtor („wenn du nicht weißt, wohin mit dem Ball, schieß ihn doch einfach ins Tor“, oder auch dieser Gedanke: „Wenn der in die Wolken geht, wird kein Zuschauer auch nur den leisesten Muckser machen, also rauf mit der Pille“) in den Winkel das 1:0 erzielt, hilft sogar einer der sonst so nervösen linesmen mit: beim ersten Zuspiel aus der eigenen Hälfte ist der angespielte Angreifer tatsächlich eine ganze Handbreit vorne — wobei es natürlich auch in dieser Szene locker unter den Passus „im Zweifel für…“ fallen würde, jedenfalls bekämpft er seine Nervosität erfolgreich und lässt die Fahne unten.
GC danch nicht einmal mit wütenden Angriffen. Nein, ganz ruhig und behutsam versuchte man, das Bollwerk zu knacken. Nur hätte es vielleicht eines kleinen Wenig mehr an Elan benötigt. So kamen die einzigen torgefährlichen Szenen durch Standards, aber auch diese wirkten beinahe halbherzig in der Ausführung. „Irgendwann wir schon einer reingehen…“ war halt nicht, und wäre nur mit einigem Wohlwollen verdient gewesen. Natürlich waren die Spielanteile klar verteilt — pro GC. Aber Torchancen gab es halt nur sehr eingeschränkt und bitte: Servette steht ganz hinten UND liegt in Führung. Da darf man doch dem Gegner, dem so weit enteilten Spitzenreiter, mal eine Torchance gewähren? Die besten: zwei Kopfbälle, die, jeweils nach einer Ecke, von einem Verteidiger von der Linie bugsiert werden mussten. Hinten wurde es allmählich offener bei GC, so dass in der 87., fraglos aus einem Konter heraus, ein platzierter Flachschuss ins Eck die Entscheidung brachte. Der Trainer der Servettien, Sébastian Fournier, strahlte nur in die Kameras, natürlich wusste er um das Glück, aber doch spürte man, dass sie es sich mal verdient hatten.
Die Tendenz also gut erkannt, so kann man zufrieden sein. Schlussfolgerungen für die Zukunft? Sicher kann man auf so einen Erfolg aufbauen. Die weitaus geringere Qualität gibt es jedenfalls beim Sieger nicht, nicht gegenüber einigen anderen Kandidaten, wobei ja gerade der einzige in ernster Reichweite, Lausanne, auch gerade im Höhenflug ist. Na, abwarten, welche Paarungen anstehen und ob es passt, aber man darf Servette durchaus auch auf dem Zettel haben demnächst.
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FC St.Gallen – FC Thun 1:0 (1:0)

Zuschauer : 11.670 (Schnitt bisher: 14.813 )
Also: eigentlich nichts, aber ansonsten doch am liebsten Thun, die so sehr zu beeindrucken wussten. X oder 2, hinter vorgehaltener Hand.

Eine eindeutige Positionierung gab es ja nicht, so dass man sich nüchtern an die Aufarbeitung machen kann. Thun kam sehr stark raus, hat bald die erste Chance, dann bricht ein Stürmer durch, geht alleine auf den Kasten, will schießen, wird klar von einem nacheilenden Verteidiger behindert am Torschuss — eine sanfte Grätsche ohne den Ball zu treffen, bringt den Angreifer aus der Balance, er geht zu Boden. Die Entscheidung? Natürlich: weiter spielen. Glasklar auch hier der Fall, aber selbst wenn er es einmal nicht wäre: warum ist die Entscheidung eh immer die gleiche, egal, was die „Diskussionen“ hinterher ergeben? Nein, die Gedanken des Referee sind ebenso sonnenklar (oder auch glas- halt): „wenn ich Elfer gebe, müsste ich auch Rot geben. Hm, das ist ein bisschen viel. Komme ich ohne Elfer milde davon? Ja, das werde ich schon. Das weiß ich aus Erfahrung.“ So gibt es ein ums andere Mal verhinderte Tore, deren Zustandekommen nicht nur regelgerecht wäre, sondern zugleich den Spaß und die Unterhaltung. für jeden, außer den paar Fans der gerade Betroffenen, erhöhen würde. Abgesehen von dem noch viel wichtigeren Punkt: Gerechtigkeit.
St.Gallen spielt den nun folgenden Konter aus, ungeachtet des noch immer sich am Boden wälzenden Angreifers, sicher Frust und empfunden Ungerechtigkeit mit Grund dafür, aber was geschieht denn, wenn andere sich wälzen, vor allem, wenn eine Mannschaft führt und die Spielminute die 80. überschreitet? Da wird sich nur noch am Boden gewälzt, bei jeder kleinsten Berührung, und wehe, jemand spielt danach einfach weiter. Nein, da MUSS der Ball ins Aus gespielt werden, zwecks Behandlung (die in der Regel im Servieren der Sonnencreme besteht). Hier also geht St.Gallen nach vorne und schließt ab. Das 1:0, wo es doch hätte heißen müssen: 0:1 und 10 gegen 11 weiter. Nein, der Schiri ist kein Spielleiter mehr, sondern er ist Spielentscheider, wie es einst Christoph Daum (so belächelt, da sein Team gerade ungerechtfertigt verloren hatte durch Torraub) ausdrückte. So ist es. Was soll man danach noch über diese Partie sagen?
St.Gallen danach tatsächlich besser im Spiel, während Thun zu weniger kam. Ab Hälfte 2 dann allmählich irreguläre Bedingungen bei auch dort ausbrechendem Schneesturm. St.Gallen zwar besser, aber Thun noch mit einer Riesenchance kurz vor Schluss.
Verteidiger und Stürmer im Interview bezüglich der „umstrittenen“ Szene: der Abwehrspieler: „Ich habe ihn nicht berührt.“ Der Angreifer: „Klarer Elfmeter.“ Nun, das nicht berührt stellte sich jedenfalls als „haltlos“ heraus.
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Young Boys Bern – FC Luzern ausgefallen

Wenn es die Donnerstag Partie nicht gäbe, spräche eine ganze Menge für YB. Mache man als Leser daraus, was man wolle. Der Knoten wird irgendwann platzen, aber sicher zuerst jener der Young Boys..

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FC Zürich – FC Basel 1:2 (0:2)

Zuschauer : 12.321 (Schnitt bisher: 11.168 )
Kein Tipp, offene Partie ohne Tendenzen, bei den einen die Verletztenliste dafür verantwortlich, bei den Anderen die Tatsache, das es gewaltig kriselt und Kräfte durch den Donnerstags Auftritt gebunden sind. Klares Pass.
(Der FCB mit einem deprimierenden 1:2 aus Ungarn zurück; ein weiterer Punkt, der klar für den FCZ spräche, wenn da nicht…)
 
Man sollte wohl mit der Analyse nicht zu weit gehen, da die Bedingungen einfach nicht regulär waren. Die Platzverhältnisse und Witterungsbedingungen sehr ähnlich wie bei Freiburg gegen Dortmund. Als Zuschauer hatte man Mühe, überhaupt jemals zu erkennen, wo sich der Ball gerade befand, vor allem in Hälfte 1 (auch Jürgen Klopp meinte ja, dass sie in Hälfte 2 auf die etwas freiere Seite gespielt hätten). Der FCB nutzte die richtige Taktik auf diesem Boden, in Kombination natürlich mit den dafür geeigneten Spielern: einzig hohe Bälle in den Strafraum sollten gespielt werden und brachten die Gefahr. Das 1:0 durch einen Standard, wie gewohnt, aus dem Halbfeld Richtung Tor gezogen, den ein Verteidiger einköpfte, das 2:0 nach einer Ecke und gewonnenem Kopfballduell, wo der Ball praktisch auf der Torlinie Alex Frei für die Füße fällt, aber auch die anderen Torsituationen, von denen Basel mehr hatte, kamen durch hohe Bälle zustande. Der FCZ tatsächlich mit einer auf fünf Positionen veränderten Aufstellung, durch die Verletzungssorgen, wobei ausgerechnet der für „out“ erklärte Topstürmer Gavranovic nicht nur mittat, sondern auch für das 1:2 in der 86. verantwortlich zeichnete, allerdings lediglich durch einen Standard, in diesem Falle einem Elfmeter, den ein nach Verletzung eingewechselter Baseler dadurch verursachte, dass er einfach noch keine Einstellung auf die Platzverhältnisse gefunden hatte. Danach sogar noch die Chance zum Ausgleich, nur wäre er, aufgrund von Hälfte 1, insgesamt nicht verdient gewesen. Wichtig aber anzumerken, dass der FCB durchaus wieder gut aussah, trotz der letzten herben Rückschläge und man vielleicht von einem beginnenden Heilungsprozess, auch mit Yakin, sprechen kann. Gegen sie spricht das Ergebnis ja auf keinen Fall, aber die Partie insgesamt auch nicht gegen den FCZ. Da waren zu viele Umstände, die weit reichende Schlussfolgerungen unmöglich machen. Immerhin hatte man ja auch nicht einmal einen ordentlichen Tipp abgegeben.

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