Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 11. Spieltag

Eine generelle Anmerkung vorab: insgesamt VIER Schiedsrichter haben beschlossen, ihre Ämter niederzulegen nach Abschluss dieser Saison. Die Gründe sind klar: sie fühlen sich übel in den Schmutz gezogen mit den zahlreichen Vorwürfen wegen falscher Pfiffe (dazu gleich mehr). Ihre Ansicht: sie seien Bäume, die jeder anpinseln dürfe. Es mangle an Respekt und an Wertschätzung ihrer Leistung und ihres Einsatzes, Woche für Woche.

http://www.goal.com/de/news/869/schweiz/2012/10/04/3424841/schweiz-schiedsrichter-pfeifen-auf-ihren-job?source=breakingnews

Nun, sicher sind die Beschimpfungen übel, der Respekt bleibt (auch an dieser Stelle hier, gerne eingestanden) aus. Nur: was wird ihnen denn zur Last gelegt? Es sind insgesamt zumindest fünf AUSGEBLIEBENE Pfiffe. Allesamt hätten einen Penalty nach sich ziehen müssen, in allen fünf Fällen hieß es, mit der für Schiris heutzutage so typischen Geste, nämlich gar nicht zu reagieren, nicht einmal anzudeuten, dass dies KEIN Elfer war (was ja immerhin das Eingeständnis beinhalten würde, dass man ETWAS gesehen hat, aber dies nicht für ausreichend hält), „weiter spielen“ also, so lautete die (Un-)Entscheidung. Fraglos waren die Vergehen so sonnenklar, dass es kein Vertun gab und auch keinen Ansatz zu einer möglichen Diskussion (wie auch an dieser Stelle in den meisten Fällen hervorgehoben: da HÄTTE es geben MÜSSEN…): das waren krasse Fehlentscheide.
An dieser Stelle wird ja die Anklage auch weniger gegen die Schiris als gegen die anderen, sie „überprüfenden“ Offiziellen sowie an die Medien bezüglich der Aufarbeitung (und damit zugleich Ursachenforschung) gerichtet: fällt denn wirklich niemandem auf, dass die (eigentlich überhaupt nicht…) fraglichen Entscheidungen allesamt gegen die Angreifer, gegen die Elfmeter, gegen die Tore gerichtet waren? Hier wurde oft genug betont, dass von „übersehen“ einfach keine Rede sein kann. Es wird gesehen und dennoch befindet man, spontan, dass man mit der Entscheidung „kein Elfer“ meist schadlos durchkommt, während man mit einer PRO Elfer, PRO Tor, GEGEN Abseits (ja, auch die Linesmen sind einbezogen) für den Fall, daneben zu liegen, heftigste Konsequenzen zu fürchten hätte. So ist also die intuitive Erklärung leicht gegeben: GEGEN das Tor ist die einfache Entscheidung. Weil man für sie nicht belangt wird. Dass es nun in der Schweiz nach zu viel Unfug, der Schiedsrichterseitig betrieben wurde, einmal anders herum geht, ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Ob dieses Beispiel Schule macht und noch viel mehr, ob es endlich einmal zum Nachdenken (über die wahren Ursachen) führt, bleibt allerdings höchst fraglich.
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Lausanne Sports – FC Basel 1:1 (0:1)

Zuschauer: 6.000 (Schnitt bisher: 6.442)
Hier ist es dadurch ein Pass. Wenn man so möchte, lautet der Tipp also, der FCB lässt sich hier nicht aufhalten. Zu einer Wette AUF sie dürfte es allerdings, Quoten bedingt, nicht reichen.
Die Zuschauerzahl muss einem doch zu denken geben: Lausanne mit bisher guter Unterstützung, nun kommt der Meister und die erste Adresse und es erscheinen WENIGER als im Schnitt? Nein, da stimmt was nicht mit den Leistungen. Dabei gewann man doch zuletzt (überaus glücklich) in Genf?
Der Favorit aus Basel mit der ersten Aktion (nach 83 Sekunden) mit 1:0 in Führung. Sicher lähmt so etwas manchmal, weil es eh nicht verdient ist und quasi auch die eigene (nun eigentlich viel einfachere) Taktik über den Haufen geworfen ist. Wie spielen wir weiter? Kein Einzelfall, dass also eine frühe Führung nicht zu einer souveränen Partieführung geeignet ist (Salah übrigens, der Shaqiri Ersatz Torschütze). Das 1:1 fiel nach einem exakt gleichen Fehler (erneut Sommer, der Torwart von Basel), der einem Angreifer den Ball auflegt, dieser spielt zur Mitte, wo ein weiterer Gegner mutterseelenallein den Ball einschiebt (63.). Insgesamt natürlich glücklich, das Remis, aber Basel fühlte sich wohl schon etwas zu sicher nach der frühen Führung (siehe oben). Erst nach dem Ausgleich besannen sie sich und drückten auf ein zweites. Ein Pfostenschuss, ein Eins gegen Eins (Alex Frei gegen Goalie) war das beste, was heraussprang, aber ohne Zählbares. Allerdings auch Lausanne in der Schlussphase mit ein paar Situationen, also sehr glücklich war das Ergebnis nicht.
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FC Luzern – FC Thun 2:1 (1:0)

Zuschauer: 10.477 (Schnitt bisher: 12.356)
Nein, auch Thun kann man nicht nehmen, insofern wird diese Partie leider ein Pass (wenn, könnte man nur X/2 nehmen, damit hier etwas steht).
Der Zuschauerzuspruch (fast) ungebrochen. Über 10.000 sind jedenfalls stattlich, zumal Thun ja nun nicht gerade ein Reißer ist gegenüber den vielen Traditionsmannschaften (GC, Basel, YB, Servette, FCZ).
Luzern mit einigen personellen Wechseln (vor allem die namhaften blieben draußen), mit viel Schwung aus der Kabine, legt gleich los wie die Feuerwehr, hämmert zwei Mal drauf, der zweite ist drin (4.). Aber auch danach viel Schwung, beflügelt durch den Treffer, da hätte locker das zweite folgen können (oder auch mehr, wenn´s einmal läuft). Ganz starke Partie jedenfalls von Luzern. Etwa 9:3 Torchancen für Luzern, als endlich das 2:0 gelang (82.). Dann Thun doch noch mit einem Tor. Wie? Ähnlich wie bei St.Gallen (weiter unten zu lesen) fällt ein Angreifer (allerdings in der 90., so dass keine Gefahr bestand…) im Strafraum ziemlich leicht hin. Der Schiri deutet sofort auf den Punkt. Das gleiche Urteil wie unten: wegen der Schirischelte zeigen sie einfach mal auf den Punkt. In diesem Falle ohne Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Denn: nach erfolgtem Treffer pfiff er die Partie ab.
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Young Boys Bern – Servette Genf 6:2 (3:0)

Zuschauer: 16.404 (Schnitt bisher: 19.229)
vielleicht holt Servette hier doch was raus? X oder 2?
Na, das war ja ein glatter Schuss in den Ofen. Vielleicht holt Servette was? Nein, die Mannschaft hatte nur im letzten Spiel (gegen „Mitkonkurrenten“ Lausanne) im Heimspiel eine ganz ordentliche Leistung abgeliefert, was einen etwas verführen ließ zu der Annahme, dass sie so schlecht doch gar nicht sein können. Aber: über YB war eigentlich auch fast nur Gutes hier zu lesen, von daher konnte man sich natürlich alles vorstellen. Der erste Angriff auch hier ein Tor (125 Sekunden), allerdings sah YB keinen Grund, einen Gang runter zu schalten, zumal ja gute 16.000 anwesend waren, für die man eh was bieten muss (also völlig anders als in einem Auswärtsspiel; siehe FCB). Viele Worte wären hier eindeutig zu viel: eine Einbahnstraße mit einem überzeugenden Sieger. Bei 5:0 das erste Tor für die Grenats, die damit immerhin ihre Torflaute von 507 Minuten beendeten.
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FC Sion – FC Zürich 2:2 (2:0)

Zuschauer: 9.200 (Schnitt bisher: 11.942)
hier kann man sich sehr gut einen Heimsieg vorstellen, immerhin hat der Gast ja auch seit drei Spielen kein Tor erzielt. Das kann doch mal verunsichern? Das Tourbillon wird jedenfalls gut besucht sein, bei mächtiger Stimmung.
Immerhin sah es eine Weile lange ganz gut aus für den Tipp. Allerdings ist Sion doch nicht mehr das Sion der ersten sieben, acht Spiele, selbst wenn sie hier mit 2:0 führten. Der FCZ spielte danach sehr gut mit, und kam direkt nach der Pause (natürlich DAS Schlüsselerlebnis) und kurz vor Schluss zu zwei Treffern, die den nicht unverdienten Ausgleich bedeuteten. Allerdings versäumte es die Heimmannschaft, bei einer der Konterchancen gegen Ende mit dem 3:1 die Entscheidung zu erzwingen. Der Zeitpunkt des Ausgleiches fraglos glücklich, insgesamt aber ist wohl kaum ein Unterschied zwischen den Mannschaften festzustellen (selbst wenn er tabellarisch sehr deutlich scheint).
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Grasshoppers Zürich – FC St.Gallen 1:0 (1:0)

Zuschauer: 14.400 (Schnitt bisher: 7.625)
Die Derbytendenz tut ihr übriges, die genügend St. Galler auf die kurze Reise locken könnte, steht doch der 1. Platz auf dem Spiel. Ein Pass.
 
St. Gallen war glänzend im Spiel, das Ergebnis nicht verdient. Auch schon vor dem Treffer war St.Gallen nicht schlechter, aber danach klar besser. Natürlich, häufig genug betont, zieht man sich zurück, wenn man in Führung liegt. Nur möchte man gerne nach vorne noch etwas zustande bringen. Dies geschah von GC Seite aus viel zu wenig. Stattdessen St.Gallen mit Spielkontrolle und Torchancen. Kurios in dieser Partie: bei einem ersten leichten Foul (im Mittelfeld fraglos eines, im Strafraum zumeist keines) entschied der Schiri auf Elfer für die Gäste. Diese führten irregulär aus, indem der geplante Schütze den Strafraum verließ, stattdessen plötzlich ein anderer anlief. Da der Schuss gehalten wurde, gab es natürlich KEINE Proteste von GC. Was passiert wäre, wenn es Tor gewesen wäre, ist eine andere Frage. Nur: dieser Penalty war soft, ja, aber er wurde verhängt, vielleicht im Zusammenhang mit oben Erwähntem. Andererseits: bei einer weiteren Aktion etwas später war es ein viel klareres Foul. Dieses wurde nicht geahndet. Da erinnert man sich doch gerne an … ja, wer war das noch? ein Deutscher Trainer jedenfalls…, welcher nach der Partie meinte, dass er mal ins Regelwerk schauen müsste, ob da tatsächlich steht, dass es in einer Partie keine zwei Elfmeter für eine Mannschaft geben kann. Recht hatte er, ohne es zu wissen… Es gibt eigentlich NICHT EINMAL EINEN. Da es diesen hier gab, hatte der Gast sein Recht verwirkt.
Insofern also ein glücklicher Sieg, der allerdings kaum Zweifel an Einstufungen und Einschätzungen aufkommen lässt. St. Gallen mit extrem viel Klasse in der Mannschaft, die man noch immer so nutzt, einfach unerschrocken und ohne etwas verlieren zu können, nach vorne spielt. Wer könnte etwas von einem Aufsteiger erwarten? GC aber völlig gesund, vor allem die Mischung macht´s. Das Tor erzielte übrigens Rückkehrer Ben Khalifa, nach was? Genau, nach einer Ecke. Und der dreiste Sprecher meint auch noch, dass es „so sicher nicht geplant war.“ Wie kommt er auf diesen Unsinn? Ecke auf den kurzen Pfosten, ein Stürmer spritzt hinein und verlängert Richtung Tor. Dieser schlug direkt ein. Nicht geplant? Perfekt geplant UND ausgeführt. Ja, ja, die Standards….


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