Rückblick Raiffeisen Superleague Schweiz, 10. Spieltag

Servette Genf – Lausanne Sports 0:1 (0:1)

Zuschauer: 6.737 (Schnitt bisher: 6.060)

Heimsieg oder lieber Pass (weil man Servette doch nicht so recht trauen mag; wie könnte man?)
Für ein siegloses Schlusslicht ist die Zuschauerzahl in einem Mittwochsspiel jedenfalls sehr, sehr ordentlich, zumal ja mit Lausanne kein Schwergewicht auf dem Programm stand (allerdings war es ja „Derbytime“). Oder war es gerade deshalb, da man so auf den ersten Sieg besonders große Hoffnungen hatte? Der Tipp passte nicht, war ja aber mit der Klammerbemerkung versehen, dass man Servette schwerlich trauen kann. Andererseits war die Leistung aber nicht so schlecht. Also für ein Schlusslicht, welches mit zwei Punkten aus neun Spielen katastrophal da stand. Zur Partie: Lausanne hatte einen einsamen Höhepunkt, als Malonga in der 25. Minute mit einer schönen Einzelaktion die Führung erzielte. Davor und danach war es im Wesentlichen die Defensive, die betont wurde — und die dicht hielt. Servette mühte sich, hatte auch die Spielanteile, Chancen aus dem Spiel heraus rar, aber dafür ein paar Standards. Der wichtigste davon: ein Elfer, bereits in der 27. (also kurz nach der Führung), der am Pfosten landete. Also Pech war auch dabei. Nun ist der Abstand natürlich schon riesig und man muss sehen, ob Servette noch einmal Anschluss finden kann. Das wird eine sehr harte Aufgabe für Neutrainer Sébastian Fournier.
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FC Zürich – FC St.Gallen 0:2 (0:1)
Zuschauer: 10.666 (Schnitt bisher: 11.567)
Also: St.Gallen wird auch das 10. Spiel ungeschlagen überstehen. X oder 2.
Der Tipp ging perfekt auf, nur war es der Auftritt der St.Galler nicht. Es spielte fast nur die Heimelf, hatte etliche Chancen, einige Pfostentreffer, nur wollte der Ball nicht rein. Allerdings bekam St.Gallen sehr früh das 1:0 geschenkt, als der Torhüter des FCZ einem Angreifer den Ball für die Füße schon (14.). Zur „Ehrenrettung“ des Gastes darf man immerhin anmerken, dass man sogar schon bei 0:0 den Gegner kommen lassen kann, erst recht, wenn man in Führung liegt. Dennoch war es viel zu viel, was man zulassen musste. Weiterer kleiner Pluspunkt zur Rechtfertigung des Tipps: nach dem 2:0 (aus der erst dritten Torchance insgesamt) hatte die Heimelf nichts mehr zuzusetzen und kapitulierte im Prinzip. Sicher ist man frustriert, hat seit 325 Minuten kein Tor erzielt, so kann das alles passieren, ganz klar. Es heißt ja auch nur, dass die Wette durch diesen (zuvor bekannten) Frust ein klein wenig besser wird. Die Zuschauer haben das Team jedenfalls noch nicht aufgegeben, wie die stattliche Zahl belegt. Also auch vom FCZ darf man noch etwas erwarten, wenn irgendwann mal ein kleiner Lauf beginnt.
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FC Basel – FC Sion 4:1 (1:1)
Zuschauer: 27.575 (Schnitt bisher: 28.432)
Insofern kann man sich hier kaum entscheiden, nein, das passt einfach nicht, von daher passt man selbst.
Ein sehr gutes, unterhaltsames Spiel, in welchem Sion keineswegs enttäuschte. Insbesondere der — auch an dieser Stelle — kritisierte Gattuso bekam Sonderlob von allen Seiten. Der erzielte seinen ersten Treffer in der Schweiz (zum 1:1 in der 43., direkt nach dem Führungstreffer für Basel) und spielte auch sonst stark, kämpfe vor allem, was ihn ja auch früher schon so auszeichnete. Sion in Hälfte 1 beinahe sogar die bessere Mannschaft mit den besseren Chancen, aber nach der Pause nahm doch Basel das Spiel in die Hand. Dennoch ein hart umkämpfter Sieg, da sich jedenfalls auch Sion von seiner besten Seite zeigte. Klar war, dass nur einer der beiden genesen konnte, und dies hat nun der FCB geschafft. Dennoch dürfte auch Sion diese Leistung Mut machen. Noch ist es nicht zu spät für eine Platz ganz oben…
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Grasshoppers Zürich – FC Luzern 2:0 (0:0)
Zuschauer: 5.400 (Schnitt GC bisher: 6.488)
GC gewinnt. Punkt.
Genau wie die Vorhersage war auch der Spielverlauf, und dass sogar etwas weniger vom Ergebnis als vom Spielverlauf. Also: bei etwa 10 klaren Torchancen gegen 0 beim Gegner hätte auch mehr als ein 2:0 herausspringen können. GC klar on top in der Partie, von Minute 1 bis 90. Luzern wirklich ernsthaft krank jetzt, denn ab und an stimmten zuvor die Leistungen noch, diesmal aber war die Niederlage ohne Gegenwehr. GC übrigens — trotz der erfahrenen, hinzugeholten Kräfte — mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren in dieser Partie. Jung, hungrig, talentiert, selbstbewusst, spielerisch stark. Super, diese Truppe, mit nunmehr Platz 2. Wenn man sie St.Gallen gegenüber stellt, dann wäre, zumindest eingedenk der letzten Partie, sogar der GC vorne was die Qualität angeht. FCB und Sion? Na, auch da klar, dass der FCB weiterhin nach ganz vorne gehört, vor allem wieder nach der Leistung vom Mittwoch.
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FC Thun – Young Boys Bern 2:1 (0:0)
Zuschauer: 7.022 (Schnitt bisher: 5.184)
Also: auch hier ein Pass.
Das Derby (Kanton Bern gegen Stadt Bern) gut besucht und ein echtes Derby, auch auf dem Platz. Thun mit einer wirklich starken Leistung holt den eigentlichen Berner Favoriten ein und auf den Boden der Tatsachen zurück. YB ist zwar stark und zeigte es auch über weite Strecken in dieser Partie, aber Kampf und Leidenschaft sowie dennoch ein spielerisches Konzept waren größer auf Seiten der Thuner, die den Gegner teilweise glänzend unter Druck setzten und dabei gute Chancen kreierten. In Hälfte 1 hielten die Stadtberner noch gut dagegen, in Hälfte 2 ging die Partie mehr und mehr Richtung Thun, die sogar den zwischenzeitlichen Rückstand locker wegsteckten und die Partie drehten, mit zwei tollen Toren (das zweite mit einem Hackentrick, der jenen des Rabah Madjar von 1987 noch in den Schatten stellt).
Um der Wahrheit aber die Ehre zu geben: in Hälfte 1 war nach einem tollen Steilpass ein YB Stürmer im Laufduell seinem Gegenspieler davon gezogen (er war einfach schneller). Dies registrierend tat der Verteidiger, was Verteidiger eigentlich immer machen (und was das größte Bedauern auslöst was das eigentlich so tolle Spiel Fußball angeht: warum gelingt es nicht, ein Strafmaß zu finden, welches demotivierend auf solche Aktionen wirkt in dem Sinne, dass die Strafe doch auch eine sein sollte und nicht zur Belohnung verkommt, indem der Abwehrspieler auf diese Art der Mannschaft hilft, also einen Nutzen zieht aus einer den Fußball unterbindenden Aktion; was möchte der Zuschauer sehen? Torchancen und kein Trikot zerren. Was soll daran Spaß machen?): er hielt also den Stürmer, ganz deutlich und für jedermann, auch den Schiri, erkennbar und unterband so einen einsamen Marsch mit Ball am Fuß Richtung Thuner Gehäuse. Nun denkt sich der Verteidiger vermutlich immer noch: lieber ein Rot als ein Gegentor (was auch schon schlimm genug wäre, wenn er es nicht nur dächte, sondern zudem mit der Annahme richtig läge; dann wäre es nämlich der Beweis, dass das Strafmaß, selbst bei Rot, noch immer das falsche wäre). Aber was machte der Schiedsrichter? Es war weit und breit kein weiterer Abwehrspieler zu sehen, so dass man nicht im entferntesten auf den Gedanken kommen könnte, dass dies NICHT der letzte Mann war. Der Schiri zeigt Gelb. Das war wirklich Himmel schreiend ungerecht, ab diesem Zeitpunkt könnte man, selbst bei dem wirklich tollen Spiel der Gastgeber, ihnen niemals mehr den Sieg gönnen.
Was tut der Schiri übrigens am Wochenende? Natürlich wieder pfeifen. „Hat er nicht gesehen.“ Oder: „Hat er falsch beurteilt.“ Spielt alles keine Rolle. So lange man GEGEN die Tore pfeift, ist alles gut. Wehe aber, man erkennt einen Treffer an, wo die siebte Zeitlupe im Standbild beweist, dass ein Körperteil, mit dem man einen Treffer erzielen könnte im Moment des Abspiels auf den Angreifer der Torlinie um anderthalb Zentimeter näher war als sämtliche Körperteile sämtlicher Abwehrspieler: Nein, da muss man mit baldigem Ausschluss aus der Schiedsrichtergilde rechnen.
Also: Thun hat wirklich toll gespielt und sich jede Menge Respekt verdient. Auch YB wirkt sehr stark, nicht allein in dieser Partie, sondern insgesamt. Ohne diese traurige Abwehraktion wäre der Heimsieg dennoch verdient. Mit ihr darf man es eben nicht sagen. Denn: die Partie hätte mit 10 gegen 11 garantiert einen anderen Verlauf genommen.

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