Rückblick 3. Bundesliga, 11. Spieltag

Alemannia Aachen – Preußen Münster 1:2 (0:0)

Zuschauer: 12.206 (Schnitt bisher: 15.233)
Tipp: Münster mit der Euphorie und dem starken, ausgeglichenen Kader, Aachen mit dem Frust und ohne Streit — die Tendenz geht klar zur 2.
Eine umkämpfte Partie, in welcher Aachen zunächst versuchte, seinen Heimvorteil auszuspielen. Wie das geht, hat einst Otto Rehhagel in Bremen eindrucksvoll gezeigt (ohne je wirklich darüber zu reden): man muss die ersten Minuten sehr engagiert und kämpferisch herangehen, unerschrocken und schnell nach vorne spielen, in rassigen Zweikämpfen versuchen, dem Gegner den Schneid abzukaufen. Wenn dies in ein paar Aktionen nur halbwegs gelingt, dann springt der Funke auf das Publikum über (und über 12000 — von denen sicher, wie vorher angekündigt, etliche aus Münster kamen — können einen sicher schon ordentlich beflügeln). Und sowie man dieses wirklich hinter sich hat, sind die sprichwörtlichen 12 Mann schon auf dem Platz. Dies tat Aachen, ohne aber Kapital daraus zu schlagen. Münster spielte nach und nach seine Routine und Klasse aus und kam allmählich in Vorteil. Dennoch gelang Aachen nach der Pause (48.) die Führung. Danach aber noch mehr Überlegenheit und Druck von Münster, jedoch musste für den Ausgleich mal wieder ein Standard her (65.). Münster weiter am Drücker, aber Aachen wehrte sich nach Kräften und kam selbst fast zur Führung. Beziehungsweise lag der Ball schon im Kasten, bevor dem Schiri einfiel, dass irgendwann irgendwo einer mit der Hand dran gewesen sein soll (eine Aktion, in welcher man, sofern der Verteidiger das exakt gleiche täte, immer nur hören würde: „Nein, dafür kann man keinen Strafstoß geben“). Tor aberkannt, Gegenzug, 1:2, das war es. Die Zuschauerzahl im Allgemeinen zeigt, dass die Alemannia weiterhin geliebt wird. Also sooo schlecht, wie die 8 Spiele ohne Sieg suggerieren sind sie sicher nicht.

Münster zeigte, dass sie ganz nach oben gehören. Aachen engagiert, aber Ersatz geschwächt (Streit in der Schaltzentrale), nicht ganz gut genug für diesen Gegner, obwohl natürlich ein Remis immer drin gewesen wäre. Der Tipp ging auf, und dies nicht unverdient.
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Arminia Bielefeld – FC Chemnitz 0:0

Zuschauer: 5.871 (Schnitt bisher: 8.824)

Der Tipp: Bielefeld findet in die Erfolgsspur zurück, zu Hause hat man eh erst ein Remis abgegeben, Chemnitz muss sich erst einmal hinten anstellen.
Die Zuschauerzahl weit unterhalb der angenommenen, was ein klares Indiz dafür ist, dass die Arminia zwar ganz vorne steht, aber die Leistungen diesem Stand nicht ganz entsprechen. Unter diesen Umständen — so sie denn bekannt gewesen wären — hätte man sicher die Empfehlung nicht ausgesprochen. Sicher mag nachteilig wirken, dass man nach einem 0:4 nicht so gerne ins Stadion geht, dass Wochentag ist und dass Chemnitz vielleicht nicht die erste Adresse in der Liga ist, aber dennoch. 5.800 sind zu wenig.
Beide Teams haben nach den letzten Niederlagen ein wenig vorsichtiger agiert. So war Hälfte 1 ziemlich ausgeglichen und chancenarm. In Hälfte 2 hat Bielefeld allmählich Druck aufgebaut, kam auch zu einigen Chancen, aber es reichte nicht zum Sieg. Das Engagement war da, der Trainer mit der Leistung recht zufrieden. Chemnitz nur nach Standards gefährlich, dadurch aber letztendlich doch ein so weit verdienter Punkt, dass die Wette auf die 1 (für eine 2.0) nicht gut war.
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Borussia Dortmund II – SV Babelsberg 0:0

Zuschauer: 310 (Schnitt bisher: 3.128; dieser hohe Schnitt kommt durch die Derbies, in denen gegnerische Fans einströmen; Münster, Bielefeld, Osnabrück beispielsweise)
Der Tipp ist klar: Babelsberg holt mit dem neu gefassten Selbstvertrauen durch den Sieg gegen Aachen etwas in Dortmund. X oder 2.
Eine chancenarme Partie vor einer Minusrekordkulisse. Babelsberg zieht nicht und mitreisen tut auch keiner. Und Dortmund (so wie alle anderen Zweiten) hat eh keinen richtigen „Anhang“, da kommen nur ein paar Sachverständige, die auch keine Stimmung machen. Von daher ging der Tipp in jeder Hinsicht auf. Verdient war es auch in dem Sinne, dass Dortmund zwar mehr Ballbesitz hatte und das Spiel bestimmte, aber keine richtigen Torchancen herausarbeitete.
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Hallescher FC – SV Wehen/Wiesbaden 1:1 (0:0)

Zuschauer: 6.422 (Schnitt bisher: 8.796)
Der Tipp demnach ganz klar: Wehen holt etwas in Halle. X oder 2.
Wehen holte tatsächlich etwas und man darf in der Summe anmerken, dass es verdient war. Denn: Halle bestimmte das Spiel in Hälfte 1 zwar und kam auch zu einigen Chancen, es gelang sogar das 1:0, kurz nach der Pause, jedoch übernahm Wehen ab diesem Zeitpunkt das Kommando und zeigte, dass man wirklich in die obere Hälfte gehören sollte. Auch ohne Janjic (durch Wiemann ersetzt) kamen sie oft genug nach vorne, erzielten das 1:1 und waren etwas näher dran. Man darf dem (verunsicherten) Gast (durch die vielen hergegebenen Punkte und eine schlechte Platzierung; auch durch die Dreipunkteregel, die bei Remisen Extraabzüge beschert) gerne zugestehen, das Spiel zunächst, so lange es ausgeglichen steht, aus der Defensive heraus anzulegen. Man hätte natürlich gerne auch ein paar Chancen, aber auch ohne die geht die Taktik so lange auf, bis man das Tor kassiert. Wenn man dann zulegen kann und den Führenden unter Druck setzt, ist es ein Zeichen, dass man die Qualität hat. Hinzu kommt, dass man nach dem Ausgleich nicht aufgehört hat, sondern Mut gefasst und weiter nach vorne agiert. Außerdem zählte die zweite Hälfte immer etwas mehr als die erste, und in der zweiten war Wehen besser. Chancen hatte dennoch die Heimelf in der Summe mehr, bedeutet: gerechtes Remis. Wette gewonnen und gut gemacht. Die Zuschauerzahlen können zwangsläufig etwas zurückgehen, wenn der Herbst hereinbricht, aber der Gegner Name zieht auch nicht so. Also: kein Indiz, dass Halle nicht gut ist, aber sie sind auch nicht überragend, vermutlich doch — bald wieder mit Janjic — die Gäste die bessere Elf (oder halt 18 oder 26).
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VfB Suttgart II – Hansa Rostock 0:2 (0:1)

Zuschauer: 1.065 (Schnitt bisher: 5.857; auch hier Derbies, vor allem jene gegen StuKi und KSC)
Hier entfällt jeglicher Tipp.
Rostock früh in Führung (durch ihren Topangreifer Smetana, der derzeit regelmäßig trifft; diesmal in der 11.), danach Stuttgart Spiel bestimmend, ohne zu richtigen Chancen zu kommen. Diese Tendenz hielt auch in Hälfte 2 an, bis das 2:0 fiel (80.) und die Partie entschieden war. Rostock also zwar deutlich verbessert, aber in diesem Spiel von einer frühen Führung profitierend, und ohne selbst zu glänzen, insofern mit einer schwer zu beurteilenden Leistung. Das Pass also gerechtfertigt, da man weiterhin nicht sicher sein kann, wo Rostock hingehört. Der neue Trainer (Marc Fascher) macht seine Sache aber sicher sehr gut.
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Wacker Burghausen – 1.FC Heidenheim 4:1 (2:0)

Zuschauer: 2.300 (Schnitt bisher: 2.690)
Also: auch hier ein Pass.
In einer sehr guten Partie ein täuschendes Ergebnis. Burghausen war zwar gut (daher kam ja das Pass, da man grundsätzlich für Heidenheim ist) und erzeugte auch einige Torgefahr, und bei eigener Führung, zumal, wenn sie ein Tor übersteigt, ist man nicht mehr unbedingt auf Torchancen angewiesen, kann den Gegner kommen lassen, aber: Heidenheim hatte auch schon vor dem Doppelschlag (37., 39.) sehr gute Gelegenheiten, wohl mehr als der Gastgeber, und auch danach kamen sie zu so vielen Möglichkeiten, dass man sich um die Zukunft nicht wirklich Sorgen machen muss. Im Gegenteil: man wird Heidenheim mit noch mehr Inbrunst in Zukunft stützen können. Hier haben sie ein Spiel verloren, sogar deutlich verloren, in welchem sie nicht die unterlegene Mannschaft waren. Burghausen spricht man dennoch keineswegs die Qualitäten ab. Sie sind so gut, wie sie sind, und das ist Mittelmaß. Heidenheim kommt noch.
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Karlsruher SC – Rot Weiß Erfurt 3:0 (0:0)

Zuschauer: 9.965 (Schnitt bisher: 7.898)
Der Tipp lautet: Heimsieg.
Der Tipp ging glänzend auf und bei einem Drei-Tore-Sieg muss man sich eigentlich kaum Gedanken machen, oder? Nein, der KSC tat sich tatsächlich schwer, Erfurt hielt gut dagegen und ließ die Heimelf nicht zur Entfaltung kommen. Bis es einen Platzverweis gegen die Gäste gab (bereits in der 39.). In Hälfte 2 ging es dann relativ leicht, ohne, dass man daraus irgendwelche Schlüsse ziehen möchte (was man generell nicht tun möchte, sofern eine Mannschaft in Unterzahl ist; das Problem beim Schlüsse ziehen wäre dies: man zieht die falschen, da der Spielverlauf bei 11 gegen 11 ein völlig anderer wäre). Also: KSC war ok, Erfurt auch, das Ergebnis passte, die Zuschauer waren da, kein Grund, etwas anzuzweifeln, kein Grund, in Euphorie zu verfallen.
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Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers 3:0 (1:0)

Zuschauer: 5.845 (Schnitt bisher: 7.425)
Also auch hier eine Tendenz. Sie geht Richtung Heimsieg. Tipp 1.
Auch hier ging der Tipp auf. Dennoch täuscht auch dieses Ergebnis ein wenig. Die Partie war ziemlich verteilt, mit Chancen auf beiden Seiten, und die Kickers gingen nach 31 Minuten (nach einem Eckball!) in Führung. Auch danach ein verteiltes Spiel, in welchem beide Teams hier und da zu guten Gelegenheiten kamen. Das 2:0 fiel in der 88. (wieder ein Eckball), das 3:0 in der 90., von daher eine viel geringere Bedeutung und auch zu viel gemessen an den Spielanteilen. Dennoch gibt es kaum Zweifel an der Einschätzung der Mannschaften. Offenbach könnte die bessere sein, von zwei guten Mannschaften, die beide wohl kaum UNTER den Schnitt gehören. Offenbach vielleicht, auch dank des Fanpotenzials und der Tradition, noch mit der Chance auf viel weiter oben, dennoch ist die Zuschauerzahl ein wenig enttäuschend, da man doch zuletzt gut war? Na gut, erneut der Wochentag und der nicht ausgewählt attraktive Gegnername, aber dennoch dürfte es doch etwas mehr sein? Gefielen die Auftritte doch nicht so?
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VfL Osnabrück – SV Darmstadt 98 1:0 (0:0)

Zuschauer: 7.700 (Schnitt bisher: 11.720)
ist die Positionierung doch recht eindeutig: Osnabrück macht das, Tipp: Heimsieg.
Vermutlich muss man, angesichts der vorherigen Kommentare (und der erstmals aufgenommen Durchschnittsstatistik) ein wenig revidieren: die Zuschauerzahlen waren gigantisch hoch zum Saisonauftakt, gerade bei den Traditionsvereinen. Eine Zahl von 7.700 ist, bei hereinbrechendem Herbst und dem Wochentagsphänomen, vermutlich doch sehr ordentlich, zumal auch hier nicht der attraktivste Gegner empfangen wurde und Osnabrück die kleine Durststrecke von zwei Niederlagen hatte (obwohl das allerletzte Spiel auswärts gewonnen wurde). Die Partie selbst war nicht so toll. Die Gäste hatten anfangs sogar auch mindestens eine gute Chance, igelten sich danach aber ein und verließen sich darauf, den VfL vom Tor fern zu halten — was auch halbwegs gut gelang. So blieb die Partie bis zum Schluss offen, wobei sich Darmstadt auf die Defensive beschränkte und gar nicht mehr nach vorne kam. In der 86. die Entscheidung durch das 1:0. Der Tipp ging auf, ohne, dass ihn nur (vor allem bei einer Quote von 1.65) besonders gut rechtfertigen könnte. Was das bedeutet? Nur, dass man Darmstadt vielleicht doch etwas ernster nehmen sollte, wobei eben defensiv spielen eigentlich fast alle können (die Kunst ist es, zugleich nach vorne gefährlich zu bleiben). Da Darmstadt dies nicht tat, hat man doch nicht zu viel Anlass zum Zweifeln. Man müsste die Partie noch einmal sehen, wenn das 1:0 früher gelingt. Nur dann könnte man sehen, ob Darmstadt auch nach vorne etwas zu leisten imstande ist. Diese Leistung hier gibt also schlichtweg keinen Aufschluss darüber. Also: abwarten.
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1.FC Saarbrücken – SpVgg Unterhaching 2:4 (1:2)

Zuschauer: 3.089 (Schnitt bisher: 4.969)
X oder 2. Aber eher ein Pass.
Unterhaching tat mal wieder das, was sie am besten können: jung und unbekümmert und ohne etwas verlieren zu können einfach nach vorne spielen. Dort waren sie immer gefährlich, selbst wenn man in der Summe der Partie doch den Saarbrückern leichte (spielerische) Vorteile attestieren darf. Doch auch dies wäre ja für eine Heimmannschaft nicht so arg ungewöhnlich, des Weiteres kommt hinzu, dass die Gäste ja meist in Führung lagen, also nicht auf spielerische Glanzlichter angewiesen wären. So war es unterhaltsam, womit man wohl auch in nächster Zeit bei Haching rechnen dürfte, und sich auf weitere Auftritte, auch in pekunärer Hinsicht, freuen können. Die Truppe macht einfach Spaß und das wird an dieser Stelle nicht zum ersten Mal erwähnt. Dass (auch dieses Mal) die Tore zu größeren Teilen zu ihren Gunsten fielen, mag zwar auch ein Teil Glück gewesen sein, dennoch ist man jederzeit bereit, ihn dieses zu gönnen. So macht Fußball eben Spaß, Rückschläge werden einkalkuliert, hauen einen nicht um, und man spielt weiter unbeschwert nach vorne — und dass man es kann, belegen erneut die vier Tore in dieser Partie und die insgesamt 24 erzielten in 11 Spielen (Topwert der Liga, so wie man auch Platz 1 bekleidet). Sogar das X oder 2 ging auf, weil man sich ohnehin niemals GEGEN diese spielfreudige Mannschaft mit dem vielen Talent stellen könnte.
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