Vorschau Raiffeisen Superleague Schweiz, 9. Spieltag

FC Sion – FC Thun (Entfernung: 191 km)

Es fehlt bei Sion Mrdja (verletzt), Lafferty (gesperrt)
Thun fehlt Krstic (verletzt)

Zunächst muss man dringend darauf aufmerksam machen, dass der FC Sion mit einem neuen Trainer — Michel Decastel für Sébastian Fournier — ins Spiel geht. Dies mag nun höchst verwundern, steht doch die Mannschaft auf Platz 3 und man fragt sich, mit welchen Ansprüchen sie in die Saison gegangen sind? Fournier ist wohl zurückgetreten, nachdem er einige Spieler beschimpft hat. Aber es dürfte doch etwas mehr dahinter stecken. Präsident Christian Constantin hat möglicherweise ein zu großes Machtbedürfnis?!
Im Pokal wurde das unterklassige Richemond nur mit 1:0 besiegt, zuvor in der Liga zwei Spiele mit 0 erzielten Toren jeweils verloren (0:3 gegen St.Gallen, 0:1 beim FCZ). Zudem gibt es gewisse Debatten um die wahren Qualitäten des Gennaro Gattuso. Weiterhin gibt es eine Sperre des Fanblocks aufgrund eines Petardenwurfs im Spiel gegen St.Gallen. Alles andere als gute Nachrichten also, rundherum. Beinahe könnte man es „Chaos“ nennen.

Völlige Ruhe hingegen bei Außenseiter Thun, der sich pudelwohl fühlt in dieser Rolle. Es setzte zwar zunächst drei knappe Niederlagen (gegen drei der Spitzenteams Basel, St.Gallen, GC), die alle nicht einmal vom Spielverlauf her glasklar waren, danach zeigte man sich aber beim 3:0 über Servette sehr gut erholt (falls es überhaupt etwas zu erholen gab). Alles bestens also im beschaulichen Thun und da man schon in den Partien gegen die Favoriten zuvor kurz davor stand, einem ein Bein zu stellen, könnte es diesmal gelingen.

Der Tipp lautet: Thun hat gute Chancen, etwas zu holen. X oder 2, natürlich als Außenseitertipp..

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FC Zürich – Grassshoppers Club (Entfernung: 0 km)

Bei FCZ fehlt weiter Chikhaoui (verletzt; sehr wichtig)
Bei GC fehlen Coulibaly, Gashi, Hausmann (alle verletzt)

Nun, das Derby ist sowohl besonders brisant also auch traditionsreich und, wie gewohnt, etwas schwieriger als „normale“ Spiele einzuschätzen, da die Unterschiede oftmals verschwinden, die Tabellensituation und aktuelle Krisen von untergeordneter Bedeutung sein können.
Auch erwähnenswert, dass die beiden Teams innerhalb von Zürich je ein eigenes Stadion haben (das ist nicht in allen Großstädten so).
Dennoch ist hier eine Positionierung möglich: GC hat sich wirklich sehr positiv hervorgetan in dieser Saison. Die Leistungen werden hervorragend in der Tabelle reflektiert. Und es ist alles andere als Zufall. Die zwei Jahre zuvor waren total missglückt, in dieser Saison setzt man auf eine Mischung auf jung und alt, die hervorragend funktioniert. So hat man 8 Punkte mehr auf dem Konto als der nicht unbedingt zuvor schwächer eingestufte Stadtrivale.
Der FCZ hat jedoch eine Menge Probleme, die er mit sich herumschleppt, selbst wenn es zuletzt einen leichten Aufwärtstrend gab. In Basel wurde ein 0:0 erstritten und zuvor Leader Sion mit 1:0 nach Hause geschickt. Da es jedoch davor nur ein 1:1 gegen Serviette gab, stehen trotz der minimalen Erfolgsserie nur zwei Tore in drei Spielen zu Buche. Und selbst wenn man gegen die beiden momentanen (und beide kriselnden) Topteams (oder gehört GC gar eigentlich dazu?) kein Tor kassierte, so hat auch die Offensive nicht gerade Bäume ausgerissen. Zudem fehlt mit Chikhaoui ein ganz wichtiger offensiver Kreativspieler, so dass der Tipp hier ganz klar lautet: X oder 2.

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Lausanne Sports – FC Luzern (Entfernung: 210 km)
Lausanne fehlen: Avanzini, Favre, Meoli, Tafer (alle verletzt)
Luzern fehlen: Leczano, Renngli, Sorgic, Stahel (alle verletzt)

Die Teams Tabellennachbarn, auf 8 und 9, und damit beide in der Krise. Natürlich hatte Vizemeister Luzern die wesentlich höheren Ansprüche, was sich in der bereits erfolgten Trainerentlassung des Murat Yakin niederschlug. Der neue, Richard Korminicki, hat zwar als Besen zunächst gut gekehrt, indem der erste Saisonsieg eingefahren werden konnte, dieser aber, dem dieswöchigen Gegner gleich, „nur“ gegen das noch mehr in der Krise befindliche Schlusslicht Servette Genf. Danach folgte die Niederlage gegen die Young Boys im eigenen Stadion, sowie sogar das Pokalaus gegen das unterklassige Délemont. Luzern mit Neuzugang Stephan Anfrisst, der leihweise vom FC Basel bis Saisonende kommt.

Lausanne hat in den letzten fünf Spielen kein einziges Tor erzielt oder, noch besser, nur in einem einzigen Spiel bisher überhaupt getroffen, nämlich beim 5:1 gegen Servette. Ansonsten gab es nur zwei weitere Punkte mit jeweils 0:0 Spielen (in Thun und Bern). Im Pokal ist man, im Gegensatz zu Luzern, immerhin weiter gekommen.
Ein Krisengipfel, bei welchem dennoch Luzern irgendwie aufgrund des besseren Kaders Favorit sein soll.

Ein richtiges Gefühl gibt es nicht bei diesem Spiel. Wem gelingt der Befreiungsschlag? Vielleicht doch der Heimmannschaft? 1/X?

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FC St.Gallen – Servette Genf (Entfernung: 360 km)
Bei St.Gallen fehlt Reggazoni (auf jeden Fall wichtig)
Bei Servette Diallo, Baumann, Schlauri

St. Gallen hat inzwischen mit konstant herausragenden Leistungen (und ohne übertriebene Ansprüche aus dem Umfeld) als Aufsteiger die Tabellenführung übernommen. Sicher hilft ab und an die Außenseiterrolle und die fehlenden Ansprüche, aber hier ist wirklich etwas gewachsen, mit dem man sich sogar vorstellen könnte, längere Zeit ganz oben mitzuspielen. Die Mannschaft spielt unerschrocken nach vorne, auch gegen die Topteams, und erzielt regelmäßig Tore. Zuletzt wurden gar der Meister Basel (daheim, mit 2:1), und danach der Leader FC Sion (3:0 in Sion) besiegt. Wo könnte da der Schatten eines Zweifels an der Verdientheit der Tabellenführung aufkommen, zumal dem Sieg gegen Basel ein „absolut verdient“ angeheftet werden konnte (beim 3:0 in Sion gibt es aufgrund der Höhe noch viel weniger Zweifel). Überflüssig beinahe zu erwähnen, dass man auch im Cup mit 7:0 locker weiterkam beim noch unterklassigeren FC Altstetten.

Völlig gegensätzlich Schlusslicht Servette. Servette noch gänzlich ohne Sieg fest verankert am Tabellenende, mit größtenteils wirklich nicht ligatauglichen Leistungen, vor allem defensiv, zuletzt aber auch spielerisch gar nicht mehr gut. Sogar im Pokal gab es das Aus bei Zweitligist Cham, aus der Euroleague ist man eh schon raus. Der Trainer wurde bereits gewechselt, wobei kurioserweise der bei Sion gegangene Sébastian Fournier nun im Tabellenkeller angekommen ist, konnte aber das Cup-Aus auch nicht verhindern.

Es gibt nur zwei Dinge die für Servette sprechen könnten: dass das Duell Erster gegen Letzter oftmals nicht so klar ist, wie es sich anhört, und der Ausfall von Reggazoni. Jedoch: St.Gallen ist längst noch nicht so weit, dass sie irgendeinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen könnten, insofern ist es keinesfalls ein typisches Duell Erster gegen Letzter. Reggazonis Ausfall mag zwar schmerzlich sein, dürfte aber vom euphorischen Team mit Publikum im Rücken locker ausgeglichen werden können.

Insofern eine ganz klare Angelegenheit: ein klarer Heimsieg.

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Young Boys Bern – FC Basel (Entfernung: 100 km)

Den Young Boys fehlen Bürki, Doubai, Frey, Simpson (alle verletzt)
Basel fehlt Philipp Degen, Salah (wenn auch neu, so doch schon wichtig), Vuleta, Yapi (alle verletzt)

Weiterhin hat Basel natürlich den stärksten Kader. Die Frage ist viel eher, ob man nicht durch regelmäßige Meisterschaften irgendwann einmal müde davon wird, vor allem bei heißer werdender Konkurrenz. Noch viel mehr Einfluss auf das mögliche Verfehlen des Meistertitels könnte aber haben, dass gegen die Bebbi jeder Gegner das Letzte herausholt — auch an Zuschauern auf den Tribünen. Sie haben also den größten Widerstand, wobei sogar hinzukommt, dass fast jeder Gegner aus der Außenseiterrolle heraus mit einem Remis zufrieden wäre und insofern auf eine Kontertaktik setzen kann und nicht etwa das Spiel selbst in die Hand nehmen muss, was sich wesentlich schwieriger darstellen könnte.

Insgesamt ist Basel mäßig in die Saison gestartet, wobei vor allem die Remisen (das leidige Thema: die Ungerechtigkeit der Dreipunkteregel) sich ungünstig auswirken, man hat ja auch nur eine Niederlage (in St.Gallen die).

Bei den Young Boys ist die Saison ein ständiges Auf und Ab, obwohl man in der Summe halbwegs zufrieden sein dürfte, hat man doch immer noch Anschluss an die Spitzenränge, vor allem an den jetzigen Gegner. Der Kader ist auf jeden Fall stark genug, um dem FC Basel Konkurrenz zu leisten.

Beide Teams übrigens Donnerstag in Europa im Einsatz, also auch hier pari. Der Tipp entfällt in dem Sinne, dass die Partie als total ausgeglichen angesehen werden muss. Das wird der Wettmarkt wohl auch so sehen. Wenn man etwas sagen müsste, mit der Pistole auf der Brust, dann dies: Young Boys.=

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