Kleiner EM Rückblick

Die EM ist vorüber, der große Favorit hat gewonnen. Dies sagte sowohl der Wettmarkt als auch der Computer, jedoch riet der Computer eingangs sogar, Spanien zu spielen. Der Markt hatte eine 3.8 bezahlt, der Computer eine faire Quote von 3.2 ermittelt. Und selbst bei der Einschätzung des Teams Spanien war, nach Bewertung der einzelnen Spieler nach ihren Vereinsmannschaften, sogar noch etwas Luft nach oben, da die meisten bei Barca und Real spielen, ein paar weitere bei Champions League Sieger Chelsea, und damit lägen sie, nach dieser Art der Bewertung sogar noch etwas weiter vorne. Es ist das Nonplusultra, was in Europa derzeit auf den Plätzen steht.

Der Titelgewinn kann also eigentlich nicht überraschen, da es eben der große Favorit war, wobei die Chancen in der Größenordnung von „nur“ 30% lagen. Insofern wäre es doch eine Überraschung in dem Sinne: „Ach, es hat tatsächlich der Favorit gewonnen?“ Da ja eher die 70% gegen Spanien eintreten sollten als jene 30% auf sie. Andererseits könnte man die nächste Frage stellen: „Wer sonst?“ Und das Ernst gemeint. Denn: jeder andere hatte kleinere Chancen als jene 30% (welche der Markt sogar etwas geringer sah: 1/3.8 = 26.32%).

Insgesamt lag der Computer mit den meisten Einschätzungen recht ordentlich. Spanien an erster Stelle genannt, wobei eben genau jenes Spanien das Glück des Sieges im Elfmeterschießen im Halbfinale benötigte, was, falls sie wirklich besser gewesen wären (wie Italien gegen England), niemandem Bauchschmerzen bereitet hätte. Es war aber nicht so: es war eher Portugal die bessere Mannschaft, da bei Spanien an diesem Abend nichts zusammen lief, sicher auch teils der exzellent eingestellten Truppe der Portugiesen geschuldet. So sieht man aber mal wieder: ohne Glück geht gar nichts. Denn: sogar das so souverän klingende 2:0 gegen die Franzosen im Viertelfinale KLINGT eben nur souverän. Auch da war Frankreich nahe dran, die Spanier (entscheidend) zu ärgern.

Italien war wirklich schwer einzuschätzen, wie sich alle einig waren. Dort war nicht nur der (in Italien übrigens stets viel diskutierte) Kader schwer zu beurteilen, sondern in diesem Falle tatsächlich noch mehr die Auswirkung des jüngsten Wettskandals. Dies hat sowohl beim Computer (und dessen Fütterer) sowie am Wettmarkt für einige Skepsis gesorgt. Dass Italien jedoch Fußball spielen kann und schon immer konnte und dass sie dies, vielleicht gar aus Trotz, in diesem Turnier zeigen könnten, war bereits im Auftaktspiel gegen Spanien zu erkennen. Das war ganz große Klasse und hat sie vielleicht entscheidend beflügelt zu noch größeren Taten. Die grundsätzliche Einschätzung diesseits der Tastatur: Italien gehört ganz nach vorne in Europa, immer, auch im Vereinsfußball. Ein Land mit einer großen Tradition und unglaublich viel Fußball Sachverstand, wie man sich stets bei Gesprächen mit euphorischen Fans, die dennoch immer objektiv und realistisch bleiben, überzeugen kann. Dies steht übrigens im krassen Gegensatz zu Deutschland, wo die vielen Siege bei großen Turnieren stets für eine totale Verblendung sorgen, welche zunächst auf die Berichterstatter übergeht und von dort aus um sich greift in das ganze Land. Hierzulande hört man wirklich nur Unsinn, was die Chancen angeht, der sich meist so niederschlägt: Deutschland gewinnt, jetzt, heute, morgen, immer und immer wieder. Wehe aber, wenn sie es einmal nicht tun. Dann sind es nicht mehr „wir“, die etwa verlieren oder verloren haben, nein, dann ist es der verantwortungslose Bundestrainer, der nicht nur erst falsch aufstellt sondern später nicht für den inbrünstigen Vortrag der Nationalhymne sorgt (und was nicht alles für ein Unsinn).

Auch ansonsten lag der Computer also recht gut. Mit den Franzosen war er etwas zwiegespalten, wie der Wettmarkt aber auch. Bezüglich der Deutschen lag er eher gut, da er auf Wetten gegen sie riet im Turnier (Lay Deutschland Europameister), aber sie in den Spielen gegen Holland und Dänemark sogar unterstützte (gegen Dänemark sogar als Wettempfehlung).

Die kleineren Nationen waren auch nicht gänzlich falsch eingeschätzt. Polen sah er eher etwas skeptisch, die Ukraine vielleicht ein wenig zu gut, aber diese hatten jedenfalls auch etwas Pech, vor allem gegen England. Die Griechen wurden prinzipiell gestützt, was sich positiv auswirkte (schwer zu sagen, ob diese nun zu viel Glück hatten), so dass man rundherum eigentlich zufrieden sein kann. Sogar Portugal war im ersten Spiel gegen die Deutschen (ein sehr wichtiges Spiel im Grunde, auch für die Langzeitwetten) nicht nur sehr nahe am Ausgleich, sondern beinahe über die gesamte Spielzeit gesehen die bessere Mannschaft, selbst wenn Hälfte 1 an Deutschland ging.

Auf die Wetten bezogen kam auch ein ordentliches Plus heraus, so dass man natürlich zufrieden sein kann. Dennoch bleibt es dabei: der Computer taugt am besten zum Ligaalltag. Dort sind alle Spiele unter gleichen Vorzeichen und es gibt genügend davon, da von 18 (bis 20) Mannschaften jeden zwei Mal gegen jede andere spielt. Trotzdem hat man natürlich keinerlei Anlass, der WM 2014 (mit der Quali zuvor) pessimistisch entgegen zu sehen. Schaun mer mal…

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Ein Kommentar zu “Kleiner EM Rückblick

  1. andschwi sagt:

    Paule hat die EM prägnant zusammengefasst. Wetttechnisch war sie sehr ordentlich. Das Zerfleischen unserer Mannschaft finde ich unter aller S.. .

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