Wie steht ein Fußballspiel?

Heute soll es mal wieder einen Kommentar geben zur Fußball Europameisterschaft, welcher, unabhängig von den Wetten und Wettempfehlungen, dem Wettmarkt und dessen Bewegungen sowie der Chancenberechnungen auf den Titel, Stellung bezieht zu dem Gehalt der Spiele, der Qualität derselben, der Leistung der Schiedsrichter und am Rande zu jener der Kommentatoren.

Zunächst einmal so viel: der Fußball hat über weite Strecken dieses Turniers Spaß gemacht. Man sieht die besten Fußballer Europas und man erkennt die Bereitschaft, diese Fähigkeiten auch im offensiven Sinne zum Einsatz zu bringen. Es wird meist Fußball gespielt und nicht (nur) Fußball verhindert. Dadurch, dass von allen Seiten der Erfolg in den Vordergrund gestellt wird – selbst wenn dies nach hier vertretener Ansicht ein noch mehr deutsches Problem ist, so gilt es doch sicher weltweit, was Otto Rehhagel einst empört auf eine Reporterfrage antwortete, angesprochen auf den „altmodischen“ Fußballstil der Griechen: „Modern spielt, wer gewinnt.“ – muss man natürlich mit taktischen Maßnahmen zu jeder Zeit rechnen, welche darauf ausgerichtet sind, vor allem den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Aber, nein, ganz im Ernst, von einem derartigen Trend war in der ersten Turnierphase nicht viel zu sehen. Weiterlesen

Halbfinale EURO 2012

Spanien – Portugal
betfair: 1.99 3.45 4.70
Computer 1.75 4.00 5.49

Deutschland – Italien
betfair: 1.96 3.45 4.90
Computer: 2.52 3.49 3.15

Für das Halbfinale gibt es recht eideutige Positionierungen seitens des Computers. Im ersten bleibt die Tendenz pro Spanien klar erhalten. Natürlich hat man als Verfasser auch den Auftritt gegen
Frankreich aufmerksam verfolgt — und den Gewinn gerne entgegen genommen. Andererseits muss man ganz klar eingestehen, dass die Partie vom Verlaufe her längst nicht so eindeutig war, wie es der
Computer gesehen hat. Spanien fehlte die Leichtigkeit der letzten Titelgewinne. Auch die Kurzpass Stafetten gelangen nicht wie gewohnt. Jedoch darf man sehr wohl anmerken, dass dies auch zum Teil dem wirklich sehr guten Aufritt der Franzosen geschuldet war.

In der Partie gegen Portugal nun kann man sicher ein etwas anderes Spiel erwarten. Den Spaniern dürfte der Stil der Portugiesen eigentlich ganz gut zupass kommen, da er nämlich dem ihren ähnelt.
Sicher hat Christiano Ronaldo in den letzten beiden Partie allmählich zu seiner Form gefunden, aber dennoch spricht die Bedeutung des Anlasses wieder ein wenig mehr für den (auch vom Markt anerkannten) Favoriten. Jedenfalls kann man (als Autor) unter keinen Umständen der
Verlockung widerstehen, die Spanier ein weiteres Mal zu unterstützen.

In der anderen Partie ist das Votum völlig eindeutig: man kann nur Italien nehmen. Der Auftritt gegen England könnte man beinahe als Geburtsstunde einer wieder gewonnenen, gefundenen italienischen Spielkultur bezeichnen. Sie haben England eigentlich total an die Wand gespielt, was sich in Ballbesitzzahlen und Torchancen (nur unzureichend) widerspiegelt. Mit dem absolut überragenden und genialen Zentalspieler, dem Dreh- und Angelpunkt Andrea Pirlo in absolut herausragender Überform ist es unvorstellbar, dass Deutschland ein klares Plus herausarbeitet. Jedenfalls nicht so klar, wie es der Wettmarkt sieht, selbst wenn es an den Leistungen der Deutschen von A bis Z nicht das Geringste zu bemängeln gibt. Auch dies war, wie aber bereits in Südafrika, eine (damals neue) eigene Spielkultur, welche, anders als jene beispielsweise der Spanier, nicht auf Ballbesitz ausgelegt ist, und damit allmählicher Zermürbung des Gegners, sondern welche sehr geradlinig nach vorne angelegt ist, mit überfallartigen Angriffen, bei welchen stets sehr viele Spieler am Angriff teilnehmen, ungeachtet der Risiken, welche nach hinten entstehen könnten. Daran denkt man sozusagen nicht. Man hat den Ball, Ziel ist es, ihn in Gegners Kasten zu bugsieren, also vorwärts. Italien hat jedenfalls auch ausreichend viel entgegen zu setzen, so dass es garantiert keine Einbahnstraße geben dürfte.

Viertelfinale

Tschechien – Portugal
betfair: 6.00 3.60 1.78
Computer:  4.83 3.94 1.85

Deutschland – Griechenland
betfair: 1.37 5.40 11.00
Computer: 1.55 4.72 6.91

Spanien – Frankreich
betfair: 1.88 3.55 5.10
Computer:  1.98 3.43 4.90

England – Italien
betfair: 2.90 3.10 2.96
Computer: 2.98 3.23 2.80

 

Die Viertelfinalpaarungen geben alle nicht viel her. Man kann dem Markt beinahe nur Recht geben. Wie sollte er sich auch irren, nachdem alle Mannschaften drei Mal Zeit hatten, sich zu präsentieren?
In der Partie Tschechien gegen Portugal ist kaum eine Positionierung wirklich möglich, angesichts der Ähnlichkeit Markt-Computer. Wenn man, nach reiner Ansicht der Bilder, gepaart mit den Zahlen, dennoch ein wenig Freude haben möchte bei der Partie und sich finanziell nicht verausgaben, riete sich einzig eine kleine Wette auf Tschechiens Sieg. Sie sahen teilweise doch recht gut aus und Portugal hat nicht so überzeugt, so dass es keine wirklichen Zweifel gibt an dem winzigen Vorteil auf dieser Seite.

In der Partie Deutschland gegen Griechenland wäre zwar der Vorteil etwas größer, jedoch die Überzeugung wesentlich geringer, dass es hier wirklich einen gibt. Die Deutschen haben schon wirklich sehr gut gespielt und trotz aller Wertschätzung der Griechen sind ihre Erfolge eher etwas glücklich zustande gekommen. Vor allem gilt in einer derartigen Partie: der Favorit kann den 6. Gang einlegen. Es ist ein großes Turnier, man kann Großes erreichen, hier werden alle Kräfte konzentriert, die Extraprozente herausgekitzelt, was einfach beim underdog nicht mehr geht.

In der Partie Spanien gegen Frankreich ist es schon etwas kurios, dass der Computer langfristig eigentlich immer riet, Spanien zu wetten auf den Titelgewinn, zugleich war es recht eindeutig, dass man sich gegen Frankreich stellen sollte, jedoch in dieser Partie soll man nun beinahe gegen Spanien spielen? Nein, das schmeckt überhaupt nicht. Man könnte es so ausdrücken: der Markt hat den Fehler
eingesehen, Spanien ist doch besser und Frankreich nicht so extrem stark, hier würde man sich am liebsten also völlig heraushalten.

In der letzten Partie England gegen Italien kann man, sowohl bei nüchterner Betrachtung der Zahlen als auch bei Rekapitulation der gesehenen Auftritte beider Teams einfach keinen echten Favoriten ausmachen. Wenn, wäre das Gefühl eher noch, dass Italien hauchdünn im Vorteil ist, aber keineswegs ausreichend, um sich mit einer Wette zu verwickeln.

Gruppe D

Schweden – Frankreich
betfair: 5.20 3.80 1.81

Computer: 5.88 4.06 1.71

England – Ukraine
betfair: 2.12 3.40 4.10
Computer: 2.06 3.76 3.99

Erneut eine Paarung, die keine rechte Freude macht. Schweden ist
raus und möchte sich im besten Falle, so wie Irland auch gestern,
würdevoll verabschieden. Natürlich ist kein Grund zu erkennen, warum
sie nun dem Gegner etwas schenken wollen. Immerhin ist EM, es ist ein
Länderspiel, die Welt (zumindest Europa) schaut zu, da gilt es, sich
zu präsentieren, so gut zu spielen, wie man kann, vielleicht auf der
großen Bühne des Fußballs mit einer tollen Leistung einen neuen, noch
besseren, reicheren Arbeitgeber an Land zu ziehen. Nur ist es, wie
Olli Kahn gestern vor der Partie Italien gegen Irland sagte, am Ende
doch so, dass meist das Team gewinnt, welches den Sieg so dringend
braucht, da sie die Extraprozente herausholen können. Zum Weiterkommen benötigt Frankreich den Sieg nicht unbedingt, wenn, dann zum Gruppensieg. Ob das reicht, um Extraprozente rauszuholen kann bezweifelt werden – und wird es vom Wettmarkt auch. Heute vormittag war Schweden angezeigt, nun ist Frankreich über der fairen Quote (also vom Lay zum Back geworden)

 

In der anderen Paarung sind zwar die Vorzeichen völlig andere,
hingegen gibt es keine nennenswerten Abweichungen von den
Computerzahlen, also gibt es hier keine ernsthafte Wettempfehlung.
Wenn man so möchte treffen ja die beiden Teams aufeinander, welche
BEIDE vom Computer gleichermaßen falsch eingeschätzt wurden, nämlich beide zu gut. Insofern ist es nur logisch, dass bei einer direkten Begegnung nichts angezeigt ist. Das Gefühl riete eher ein wenig zu der Ukraine. Nicht nur sind sie der letzte Gastgeber — was allerdings zugleich unangenehmen Druck ausüben könnte –, sondern sie waren in beiden Partien weniger schlecht im Verhältnis zur
Computereinschätzung als die Engländer, welche einfach, der Markteinschätzung entsprechend, zwar alle in guten Vereinen spielen mögen, jedoch regelmäßig wenn sie für ihr Land auflaufen keinen
homogenen Eindruck machen. Sie spielen, einer englischen Tradition folgend, noch immer hoch und weit nach vorne und schauen mal, ob sich irgendwo jemand findet, der den Ball verarbeiten kann. Es ist kein wirklich moderner Fußball und man kommt damit nicht mehr weit. Dagegen spricht jedoch eindeutig das wieder mögliche Eingreifen des Topangreifers Wayne Rooney. Beide wollen weiterkommen. Für die Ukraine macht es auch keinen weiteren Unterschied (Gegner Italien oder Spanien im Halbfinale gilt für alle) ob sie 1. oder 2. in der Gruppe werden, Heimspiele wären bis zum theoretischen Finale gewährleistet. Nun gut, prinzipiell gibt es keine Zweifel an den Computerzahlen. Es ist eben nicht wirklich etwas zu machen, vor allem kein Geld.

3. Spieltag Gruppe C

Solche Partien wie Italien – Irland braucht man nicht mit einem Computer berechnen zu lassen. Hier gilt nur: wer Mut hat, kann Irland nehmen. Sie werden sicher so gut sie können spielen und nichts verschenken, allein schon für ihre phantastischen Fans. Diese werden es ihnen andererseits aber nicht krumm nehmen, wenn sie auch die letzte Partie verlieren sollten. Italien hingegen wird alle Kräfte konzentrieren. Ob der Markt nun mit seinen 1.39 als Siegkurs Recht hat oder nicht, jedenfalls kann es auf keinen Fall geraten werden, zu diesem Kurs zu spielen. Entweder „Lay“ oder, noch viel besser, von allen derartigen Partien (ein Team muss gewinnen, das andere spielt um nichts) die Finger weg.

In der Partie Kroatien gegen Spanien sieht es (Stand 11.30h) so aus:
betfair: 10.0 3.75 1.56
Computer: 6.60 4.35 1.61

Auch in dieser Partie lautet der Rat grundsätzlich „Finger weg“.
Denn: wie schon bei der Euro 2004 genügt auch hier (aufgrund
stumpfsinniger, dafür höchst komplexer Regeln wenn mehr als zwei  Mannschaften punktgleich sind) beiden Teams ein 2:2
Unentschieden. Erneut wäre Italien der Leid tragende, die auch
bereits 2004 durch das 2:2 zwischen Schweden und Dänemark raugekegelt wurden, da sie in den ersten beiden Partien gegen diese Kontrahenten nur 1:1 gespielt hatten, alle drei haben Bulgarien besiegt (Italien im Parallelspiel), so dass diese für das Weiterkommen aus der Wertung fielen, und in der internen Tabelle der drei Teams hatten dadurch Schweden und Dänemark je 3:3 Tore, Italien nur 2:2, bei jeweils zwei Punkten pro Team, damit Italien raus. Nun ist es die identische Konstellation. Italien mit zwei 1:1 gegen diese Mannschaften, steht bereit, Irland zu besiegen, und ist auf das Wohlwollen der Spanier (im Wesentlichen, denn Kroatien würde das 2:2 wohl sofort unterzeichnen) angewiesen.

Andererseits ist es eben undenkbar, dass die bereits 2004
benachteiligten und danach aufbegehrenden Italiener (Morten Olsen,
schon damals Trainer der Dänen: „Natürlich gab es einen Deal.“) ein weiteres Mal auf diese Art und Weise ins Gras beißen sollten. Nein, das wird wohl nicht möglich sein. Das einzige Problem daran wäre dies: wenn die Partie wirklich, ohne jede Absprache, auf ein 2:2 hinauslaufen sollte, was sollte man dann denken, wie reagieren? Sollten die Kicker dort unten einfach zur Vermeidung des Ergebnisses aus Spaß noch ein Eigentor schießen, einen Kullerball (wie damals Peter Schmeichel, jenen ZUM 2:2) durchlassen, nur, damit der Vorwurf nicht verlautbarte? Vielleicht wird es gar so geregelt, in der Absprache, in Einigkeit: „Jedes Ergebnis nehmen wir, ist uns Recht, genau AUßER einem 2:2.“

Wie man sieht ist der Kurs auf das X zwischenzeitlich mächtig eingebrochen (wer sich das Lay X – oder auch: Sieg Spanien – getraut hat – Stand nun: keine schlechte Wette, Hut ab! ), aufgrund dieser Erkenntnis (jener, dass ein 2:2 BEIDEN genügt, nicht etwa der, dass es UNTER KEINEN UMSTÄNDEN 2:2 ausgehen darf). In 2004 fiel der Kurs auf das 2:2 übrigens zum Spiel hin auf eine 3.4 etwa. Glücklich all diejenigen, die diese Art der Prophetei zum Geld verdienen nutzten, Pech für die, die an die Ehrlichkeit im Sport glaubten und ein „Lay“ gewagt haben (zu denen man übrigens selbst gehört, mit minimalem Einsatz). Der Wettmarkt ist vielleicht seitdem noch etwas schnellebiger geworden und noch mehr Teilnehmer versuchen, schneller schlauer zu zu sein als die anderen.  Die Quote auf das korrekte Endergebnis 2:2 bei der heutigen Partie Spanien-Kroatien ist bereits am vergangenen Donnerstag nach Abpfiff des 18.00h-(Kroatien-Italien 1:1)-Spieles gefallen und lag, nachdem Spanien gegen Irland gewonnen hat, bei 5,0. Nun ist sie wieder auf 12,0 gestiegen, natürlich noch immer kein „normaler“ Kurs für ein 2:2. Wenn überhaupt „normal“, dann unter der Annahme, dass nicht (mehr) an eine Absprache geglaubt wird, dennoch das 2:2 ein gut mögliches Ergebnis ist, bei dem – und je nach Spielverlauf – dann beide zufrieden oder unter Umständen nicht unzufrieden (Spanien) wären.

Zum Vergleich noch einmal die Quoten aus dem Mai, rund zwei Wochen vor Beginn der Vorunde. Man sieht noch, dass sowohl der Sieg von Spanien als auch das Unentschieden nun etwas kleiner sind. Ein 1:1-Unentschieden sichert den Gruppensieg für Spanien (fast, Italien kann noch Spaniens 4:0 gegen Irland toppen), ein 1:1 wäre ebenso für Kroatien an sich kein schlechtes Ergebnis, so müsste Italien dann im Handicap (3-1 oder aufwärts) gewinnen, was denen natürlich immer zuzutrauen ist (das 2:1 damals gegen Bulgarien fiel in der 94. Minute)…

Kurse am Early Market (Mai):

18.06.12 20:45:00 Kroatien Spanien 7,00 4,00 1,58 102,58%
18.06.12 20:45:00 Italien Irland 1,79 3,70 5,00 102,89%
19.06.12 20:45:00 Schweden Frankreich 4,00 3,50 2,06 102,12%
19.06.12 20:45:00 England Ukraine 2,06 3,45 4,00 102,53%

Kursentwicklung Spanien-Kroatien Unentschieden:

Gruppe B und kleiner Rückblick auf gestern

Zu den Spielen:

Dänemark – Deutschland
betfair: 6.6 3.90 1.69
Computer: 8.06 5.75 1.42

Portugal – Niederlange
betfair: 2.88 3.60 2.62
Computer: 3,04 3,47 2,60

Die Ergebnisse des gestrigen Tages waren also wieder ermutigend. Es war vor einiger Zeit noch undenkbar, dass Gastgeber ausscheiden. Seit es jedoch die Co-Austragungen gibt, häufen sich die Fälle. Sicher eben deshalb, da sich auch die Spieler denken: „Na, ein richtiger Gastgeber ist das ja gar nicht. Und außerdem: selbst wenn wir die raushauen, gibt es ja immer noch einen weiteren, der die Fahnen hoch halten könnte“. Insofern entfällt wohl die früher übliche Höflichkeit, dem Gastgeber den Vortritt zu lassen.

Toll also, wie sich Tschechien reingehängt hat. Und fußballerisch war es in Hälfte 2 auch wirklich hervorragend. Die Polen mögen leicht verkrampft gewesen sein aufgrund des empfundenen Drucks aber ein Großteil war auch der Klasse der Tschechen zuzuordnen, dass sie kaum etwas zugelassen haben und selbst immer wieder gefährlich nach vorne kamen. So war das 1:0 fast eine zwangsläufige Folge und hatte sich wirklich angedeutet in immer näherem Heranrücken an den Torerfolg.

Auch großes Lob an die Griechen, die man ja ebenfalls hier hochgehalten hatte. Vor allem war Nüchternheit gegenüber der überragenden Leistung der Russen in Spiel 1 gefordert worden, welche der Computer eh stets an den Tag legt. Die Griechen waren auch in Spiel 2 nicht schlecht, lagen nur früh mit 2 Toren zurück. Nun ist es wirklich passiert — und hat hoffentlich den Geldbörsen der treuen Leser etwas aufgefüllt. Die Außenseiter Tschechien und Griechenland sind im Viertelfinale, der (eine) Gastgeber und die hoch gelobten Russen raus. Toll. Und die Größe der Überraschung sorgt normalerweise dafür, dass der nüchterne Wetter reichlich einsammeln kann. Nur fehlte eben gestern etwas der Mut, denn es war ja sogar Polen „Lay“ angezeigt, nur hatten die Vortagsergebnisse mit den leichten Fehleinschätzungen das Selbstvertrauen herabgesetzt.

Zu den heutigen Partien:

Natürlich ist Deutschland angezeigt. Denn: der Markt „weiß“ natürlich, dass Deutschland das Remis genügt, um alle Zweifel auszuräumen. Es soll auch eine Präferenz geben, lieber in Danzig spielen zu können und von den Medien wird im Falle des Gruppensieges bereits mit dem leichteren Gegner Griechenland geliebäugelt. Die Überlegung, dass Deutschland bei einem unentschiedenen Spielstand gegen Ende des Spiels sicher auf Ergebnisverwaltung (und nicht auf dringenden Torerfolg) umschalten wird, kostet möglicherweise ein paar Sieg-Prozente, welche man bei einem „must win“ hätte. Tja, die eigene Entscheidung steht ebenfalls noch aus, mal hören, wie sich Trainer und Spieler im Verlaufe des Tages so äußern… (Leichte Tendenz doch zu Back Deutschland, die Quote ist seit heute früh auch etwas runtergegangen von 1,76 kommend…)

Bei Portugal gegen Holland deckt sich mittlerweile eh die Markteinschätzung mit dem Computer ziemlich gut. Demnach entfällt hier eine Wettempfehlung. Wenn würde man persönlich eher zu einem „Lay“ auf Holland neigen. Erstens ist es relativ nahe dran am Computer, also der Fehler, den man macht, könnte nur klein sein, wenn denn die Einschätzungen stimmen, und es kommen diese drei Aspekte hinzu: Portugal machte keineswegs in den bisherigen Spielen einen schlechteren Eindruck als die Niederländer, Christiano Ronaldo könnte vielleicht auch mal ein gutes Spiel machen, und, vor allem dieser hier: es könnte sich im Verlaufe des Spieles sogar herausstellen, dass die Holländer ihre Chancen schwinden sehen, weil Deutschland gegen Dänemark schwächelt… Das könnte so weit entmutigen, dass man die letzten Prozente nicht herausholen kann.

So sah es übrigens am Markt vor Beginn der Euro aus (Quoten von betfair):

17.06.12 20:45:00 Portugal Holland 3,55 3,50 2,14 103,47%
17.06.12 20:45:00 Dänemark Deutschland 7,40 4,40 1,50 102,91%

Europameister (Gruppe A ist fertig, noch 12 Teams mit Chancen)

Quote faire Quote
Europameister Betfair Computer
(Back) Simulation
Spanien 3.45 2.62
Deutschland 3.60 5.24
Frankreich 8.80 7.25
England 13.50 8.77
Kroatien 46.00 20.00
Portugal 13.50 24.39
Italien 16.50 28.57
Griechenland 55.00 58.82
Tschechien 42.00 83.33
Dänemark 75.00 111.11
Holland 28.00 166.67
Ukraine 130.00 166.67

Es bleibt dabei, dass man den Topfavoriten Spanien laut Computer gut unterstützen kann. Warum also sollte man nicht? Zugleich jedoch sollte man gegen Deutschland wetten, was sozusagen Eins zu Eins ist. Der Computer unterschätzt angeblich Deutschland und überschätzt Spanien, oder zumindest halt eines der beiden. Kurios, dass man inzwischen schon Frankreich spielen könnte. Der „Stolperstein“ Ukraine wurde wohl hoch geschätzt, vielleicht zu hoch, aber nachdem er beiseite geräumt ist, sieht der Computer die Chancen bereits besser für einen Titelgewinn als der Markt.

Es bleibt dabei, dass man England stützen soll, was man hier natürlich aufgrund der gezeigten Leistungen nicht vorbehaltlos empfehlen kann. Falls man es doch täte, dann mit dieser Begründung: der späte Sieg mit den tollen Toren gegen Schweden könnte eine Art Befreiungsschlag gewesen sein, und Rooney könnte wieder mitwirken.

Kroatien mag der Computer auch und, wie man hier meint, haben sie sich auch wirklich nicht viel zuschulden kommen lassen. Wenn, sieht es der Wettmarkt wohl nüchterner, weil „die noch nie was gewonnen haben“. Da die Quote ziemlich hoch ist, riskiert man ja nicht viel, um trotzdem eine Menge zu gewinnen. Insofern: rauf mit ein paar Euro.

Portugal soll man eher „Lay“ machen, was natürlich insofern nicht gerade verlockend ist, als man ziemlich viel riskieren muss, um ein paar Kröten einzustreichen. Zumal eben eine „Lay“ Wette als Gegenwette einem schlechte Gefühle aufzwingt (die sollen endlich rausfliegen) und man GEGEN eine Mannschaft drücken soll. Einfacher ist es, die eigenen Empfehlungen zu spielen und so FÜR eine Mannschaft zu sein, und damit automatisch gegen die andere, die dann unter gegebenen Umständen auch Portugal sein könnte. Also: lieber „Back“ auf die eigenen, dass „Lay“ auf die anderen ist dann inbegriffen.

Italien wäre eine ähnliche Art von Wette, also kann man verzichten. Auch bei den Niederlanden sieht es so aus, und hier ist es wirklich nicht ganz nachvollziehbar, wie der Markt auf diese Einschätzung kommt. Sie sind fast raus, haben nur verloren, haben heute Abend bereits „a mountain to climb“ und sollen bei 1 zu 26 stehen? Nein, das ergibt keinen Sinn.

Die restlichen Werte sollte man nicht übertrieben ernst nehmen bei nur 1000 Durchläufen. Aber passen tun sie ja auch halbwegs.

Hier ausnahmsweise mal mit einer prozentualen Gewichtung, wie das Euro-Portfolio aussehen könnte, wenn man es als eine Wette oder aufgeteilt in 10 Einheiten betrachtet:

betfair-Back
——————–
Spanien 3,45  30%
Frankreich 8,80 15%
England 13,50 15%
Kroatien 46 10%

zusätzlich noch: Der Sieger kommt aus Gruppe C („faire“ Quote dafür wäre 2,14)
(Spanien, Italien, Kroatien) 2,68  30%

Viertelfinalrechner, Direkter Vergleich etc und Rückblick

Das Hin und Her mit den Regeln

Als „Waldi“ Waldemar Hartmann gestern zum Abschluss seine Gästerunde fragte, ob sie einen Nichtangriffspakt beim Spiel gegen Dänemark fürchten, da beiden ein Unentschieden reichen würde, habe ich mich schon etwas gewundert, dass es keinen Widerspruch gab. Das kann in diesem Falle der begrenzten Sendezeit gschuldet sein und weil alle schon ans Feierabendbier dachten. Aber es ist natürlich offensichtlich. Dänemark hat nur 3 Punkte und kann die Qualifikation aus eigener Kraft nur mit einem Sieg schaffen. Bei einem Unentschieden können sie von Portugal leicht überholt werden, bei genauerem Hinsehen sind sie ja bereits gleichauf mit Portugal, haben zudem gegen diese verloren und werden daher auf Rang 3 geführt.

Nun werden ja seit Jahrzehnten die letzten Spiele parallel ausgetragen. An den Regeln allerdings wird ständig weiter herumexperimentiert. Nicht nur unterscheiden sie sich bei FIFA (bei Weltmeisterschaften gibt zwar auch den Direkten Vergleich, aber zunächst entscheidet dort noch das Torverhältnis) und UEFA, selbst die UEFA hat die Regelungen vor einigen Wochen noch modifiziert. Im Falle von mehr als zwei punktgleichen Mannschaften wird wie gehabt eine Extratabelle der punktgleichen Mannschaften mit den Ergebnissen untereinander gebildet, wobei neu ist, dass selbst innerhalb dieser Tabelle noch der Direkte Vergleich zwischen den nach der Extratabelle schwächeren punkt- und torgleichen Mannschaften zählt. Das war z.B. bei der Champions- und Eurleague in der abgelaufenen Saison noch anders. Das Gesamt-Torverhältnis ist damit etwas abgewertet worden.

Theoretisch könnte dies auch Auswirkungen auf die Gruppe B haben. Bei einem torreichen Ein-Tore-Sieg von Dänemark (3:2) wäre Portugal selbst bei einem beliebig hohen Sieg ausgeschieden, der mit der bis vor ein paar Wochen gültigen Regel noch das Weiterkommen bedeutet hätte (im Falle von Dk-Deu 3:2 -> alle 3 Punkte  in der Extratabelle, DK 5:5 Tore, Deu 3:3 Tore, Por 3:3 Tore, Gesamttorverhältnis nun irrelevant, da Deutschland gegen Portugal gewonnen hat)

Insofern hätte Waldi vielleicht fragen sollen, ob seine Gäste einen Angriffspakt befürchten 🙂

Das ist natürlich eine nicht ganz so einfache Zahlenspielerei und tatsächlich gibt es ja Szenarien, die, obwohl beide Spiele parallel laufen, duraus Spiel- oder Zwischenstände bringen, mit denen beide Mannschaften zufrieden sein dürften.

Mir erscheint es so, dass die Medien relativ gut vorbereitet sind auf alle möglichen Tabellenzwischenstände. Gerade auch die Diskussionen um das Spanien-Kroatien-Spiel in der Italien-Gruppe zeigen dies. Ob das auch für die Reporter gilt ist eine interessante Frage. Ich bin auf jeden Fall gespannt und freue mich auf den 3. Spieltag.

Angefügt ist die im Tagesspiegel und auf Facebook kursierende Grafik „EM-Viertelfinalrechner“


http://www.tagesspiegel.de/downloads/6760506/1/Weiterkommen

Zum gestrigen Geschehen bat mich Paule noch folgendes zu ergänzen:

Die Wetten waren einfach nicht gut. Ich müsste mich dem
Wettmarkt beugen. Frankreich brauchte den Sieg und Ukraine trat auf
wie ein klarer Außenseiter. Ich fand sie eigentlich nicht so schlecht, weil sie es auch immer wieder nach vorne versuchten, aber ein befreundeter Buchmacher nannte solche Spiele immer „das ist Champions League“ und sagte dazu „die Mannschaften haben einen 6. Gang“. So ist es eben. Obwohl ich meine, dass Ukraine auch hätte in Führung gehen können bei einer der Aktionen. England war aber richtig schwach und Schweden viel besser als ich dachte. Die Partie war eigentlich total ausgeglichen. Das kann man wohl kaum auf den Umstand eines schlechten englischen Tages schieben.“

Champions League“ war der symbolische Ausdruck dafür, dass Mannschaften alle Register ziehen, alles aus sich herausholen, wissen, dass es heute gilt. Die Mannschaften mit dem 6. Gang sind jene besseren, meist die Topfavoriten oder wie gestern: Frankreich

Ganz so schlecht fand ich England gar nicht. Wenn man aber beide Prognosen von gestern vergleicht, (lay) Frankreich und (back) England und ebenso mit dem Wettmarkt, muss man festhalten: Der Computer hat England höher favorisiert als der Wettmarkt Frankreich im anderen Spiel. Frankreich hatte den 6. Gang, England hatte Glück. Aber – eine Wette gewonnen, noch dazu die höhere Quote, und dazu ein dramtisches Spiel gesehen mit kurisoen- und ebenso Weltklassetoren (das 3:2 wurde nochmal mit dem BBC-Kommentar eingespielt hinterher). In sofern kann ich sein Fazit verstehen. Ebenso das schlechte Gefühl, heute wieder gegen den Markt anzutreten – als Grieche sozusagen. Der Markt hatte gestern wieder ein feines Gespür, wenn man das trotz des Englandsieges überhaupt sagen darf, denn die Quote auf England ist nach dem Posting und der Empfehlung von 2,22 auf 2,48 gestiegen.

letzter Spieltag: Gruppe A

Griechenland – Russland
betfair: 5,20 3,70 1,84 (Lay)
Computer: 3,76 3,10 2,42

Tschechien – Polen
betfair: 3,50 3,65 2,24
Computer: 3,27 3,30 2,54

Die Einschätzungen von gestern waren nicht gut. Frankreich war,
trotz des erkennbaren Engagements der Ukraine, und auch einiger
gefährlicher eigener Angriffe zu stark, um die Wette gegen sie zu
rechtfertigen. Auch bei England – Schweden war der Computer zu
eindeutig für England. Das Spiel war über sehr weite Strecken
ausgeglichen.

Für den nächsten, also den heutigen Spieltag bedeutet dies, trotz der
Bilanz von 1:1, dass das Selbstvertrauen (des Wetters) leidet. Man
fühlt, dass man es nicht wirklich gut gemacht hat und zweifelt
dementsprechend. Man denkt, es wird wohl ein Wirbelsturm über
Griechenland hinweg fegen und die Kohle ist weg, ohne Chance.

Dennoch soll der Rat, bei nüchterner werdender Betrachtung,
ausgesprochen werden: eine vorsichtige/kleine Wette gegen Russland. Die Greichen waren nicht so schlecht, als dass sie in dieser Partie keine Chance hätten. Obwohl eben doch die kleinen Zweifel an der Einschätzung, gerade der beiden Mannschaften im Verhältnis, bleibt. Wie man sieht ist aber doch noch eine Menge Luft zwischen den ausgewiesenen 2.42 und der Wettmarkt Einschätzung von 1.84, zumal der Kurs bereits wieder leicht gestiegen ist (von 1,75).

Bei Polen gegen Tschechien geht eigentlich alles ganz gut auf. Da man
Polen eigentlich stützen wollte in dem Turnier und zugleich sich eher
gegen Tschechien stellen wollte, entfällt, trotz des hauchdünnen
Vorteils auf ein „Lay Polen“, die Empfehlung.

Gruppe D, 2. Spieltag

Ukraine – Frankreich

betfair 4,50 3,35 2,06 (Lay)

Computer 3,54 3,09 2,53

Schweden – England

betfair 3,85 3,40 2,22

Computer 4,84 4,14 1,81

.
Die von Computer erzeugten Empfehlungen sind für heute recht eindeutig. Man soll sich gegen Frankreich und auf England stellen. Dies kann unter allen Umständen empfohlen werden. Die Ukraine hat sich in Spiel 1 wirklich stark präsentiert. Sie haben den Heimvorteil, werden ihn so zu nutzen versuchen wie die Polen bei ihren Auftritten, speziell beim letzten, und werden alles hineinlegen in dieses Spiel. Ob es gelingt ist natürlich eine so weit offene Frage (die Chance auf Sieg laut Computer trotzdem anerkannt um die 40%, der Wettmarkt sieht sie näher an 50%, das bedeutet „in so weit offen“), jedoch kann man hier garantieren, dass man sich als Wettender selbst bei Verlust nicht wirklich schlecht fühlt. An der kämpferischen Leistung oder der Einstellung liegt es nämlich dann
nicht, wie man sich sicher anhand der Bilder überzeugen kann. Also: ein „Lay“ auf Frankreich, ruhig ein mutiges, was die Höhe angeht.

Bei der Partie England gegen Schweden sieht die Positionierung genau so eindeutig aus. Was der Wettmarkt gegen England hat ist nicht so klar auszumachen. Rooney fehlt, noch für dieses Spiel, nun gut. Ihr erster Auftritt war so weit ok, selbst wenn man Frankreich leichte Vorteile zugestehen dürfte. Heute gilt es für sie. Dieses Spiel muss man gewinnen — und das Potential ist da. Da der Vorteil recht groß ist und mit ihm die Überzeugung kann die Wette ebenso hoch ausfallen.