Reportage Highlights: 2) „zu kompliziert“

Im Spiel Gladbach gegen Köln, was ein fast ebenso brisantes Derby war wie jenes zwischen Schalke und Dortmund, und welches ebenso hochklassig war, da Gladbach wieder mit alter Stärke auftrumpfte, und Köln durchaus über eine gute Weile mithalten konnte, kam es einmal zu einer blitzschnellen Aktion, mit einer Serie Gladbacher Direktpässe, mit welchen man beinahe in den Strafraum eindrang, aber der letzte Ball wurde abgefangen. An der Reaktion der Zuschauer spürt man die Klasse dieser Aktion, da sie nämlich von einem „Ah“ und „Oh“ begleitet wird. Das mögen die Fans und so geht es, eine gegnerische Abwehr auszuspielen. Selbst wenn es nicht zum Torabschluss kam, so war es definitiv eine Aktion, an der man Freude hätte als Freund des Fußballs.

Nun, dies war wohl bereits die entscheidende Einschränkung: als „Freund des Fußballs“. Denn derartige Menschen pflegt man bei Sky, nicht hinter die Mikrofone zu setzen. Sie haben keine Freude am Fußball geschweige denn denken sie daran, dass dies das einzige sein könnte, was einen zu einem guten Journalisten macht: dem Zuschauer die Story zu vermitteln, egal, ob man sie selbst als solche empfindet. Nun, eine Berufsehre gibt es bei diesen Sprechblasen nicht und auch keine Verantwortung gegenüber dem Arbeitgeber und dem Zuschauer. Das ist ja alles längst und wohl bekannt. Wie man dennoch zu der Einteilung dieser Herren für diesen Job kam, bleibt das größte Rätsel.

Der Sprecher hatte nämlich die folgende Belehrung parat: „zu kompliziert“. So wird das nichts, meint er, am Ergebnis abgelesen, denn aus diesem Angriff wurde ja kein Tor. Jedoch wäre aus jeder anderen Art des Angriffsvortrages vermutlich auch kein Tor geworden und er hätte irgendeine alternative Belehrung gehabt, wie man es machen müsste, aber vor allem, wie man es nicht machen darf, weil es nämlich eh nichts würde. Für den ganz seltenen Fall, dass ein Angriff aber doch einmal mit einem erfolgreichen Abschluss endet, wird der Spieß ganz kurzerhand umgedreht. Alle vorherigen Belehrungen, welche die Spieler bisher einfach nicht annehmen wollten, es aber nun vielleicht doch getan hätten, wären auf der Stelle vergessen und der „kollektive Tiefschlaf der Hintermannschaft“ hätte das Tor ermöglicht.

Sprich also: Gladbach hätte nun versehentlich nicht zu kompliziert gespielt, der letzte Ball wäre doch beim Angreifer gelandet, dieser hätte kurz angenommen und ihn dann mit perfektem Schuss versenkt, dann wäre unter keinen Umständen die Erkenntnis gekommen, dass es „so gemacht wird“, da sie ja anscheinend die Chance hatten, es „zu kompliziert“ zu machen, wonach es nichts wird, oder es eben doch richtig zu machen, wonach es ja logischerweise etwas werden könnte, nein, nichts davon. „Sträflich frei“ hätte der das Tor erzielende gestanden, „überhaupt nicht aufgepasst“ hätte der Gegenspieler, der den letzten Pass zugelassen hatte und „eine Mitschuld den Torhüter getroffen“, da er nämlich so einen Schuss eigentlich halten müsste, wenn er nicht vorher schon in der falschen Position gestanden hätte.

Es ist ein derartiges Trauerspiel, dies mit anzuhören, dass einem eigentlich nur die Tränen kommen können. Es ist die höchste Spielklasse in Deutschland und Deutschland ist in Europa mit dabei, mit der Nationalelf sogar häufig ganz vorne, aber der Fußball, der hier geboten wird, ist ein reines Sammelsurium an Unzulänglichkeiten, wie uns suggeriert wird? Und damit will man Kunden werben? Dafür gibt man 620 Millionen Euro aus, um auch in den nächsten Jahren diese Rechte zu bekommen, dieses weit unter Schnitt liegende Mittelmaß zu präsentieren und darauf nach Herzenslust und eigenem Gutdünken herumhacken zu können, damit auch ja keiner zuhört? Wie der Marktschreier, der nicht nur kleine, nicht einmal wohl schmeckende Eier hat, sich aber mitten auf den Markt stellt und seine Ware als minderwertig anpreist? Wen möchte er damit ködern?

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