Dirk Paulsen über den 31. Spieltag und die Tabelle

Ein paar Anmerkungen zu Ergebnissen und Tabelle

Immerhin gab es in der Berichterstattung zu dem Spieltag insoweit einen Fortschritt, als bei den Paarungen Wolfsburg gegen Augsburg und Schalke gegen Dortmund herausgestellt wurde, dass in beiden Fällen das Endergebnis von 1:2, jeweils das Auswärtsteam also begünstigend, nicht wirklich verdient waren. Obwohl man natürlich häufig genug (nein, wie immer, viel zu häufig) diese lächerliche, gänzlich falsche, ebenso unmenschliche Erklärung hörte, fast bei jeder vergebenen Torchance, vor allem dann, wenn ein Team MEHR ALS EINE in Folge verpasste, dass „die fehlende Effektivität“ daran schuld ist und dass diese in der gesamten Saison schon bei dieser Mannschaft zu beobachten war.

Das ist einfach nur unerträglich, unerträgliche Dummheit zugleich, vor allem, wenn man sieht, wie blitzschnell alles geht und wie kurz die Zeit ist, einen Ball zu verarbeiten, Richtung Tor zu bekommen UND ihn am Torhüter vorbei zu bekommen, selbst wenn man nach Ansicht des Reporters „völlig frei“ war, was er allein daraus ableitet, dass jeder Angreifer, der den Ball im Strafraum bekommt dieses Prädikat verdient, denn immerhin ist er ja herangekommen. Dieser Unsinn ist bereits so gewaltig, dass der Rest nur noch unter „absurd“ abgelegt werden kann. Wenn der Angreifer nämlich trifft, dann war es der „kollektive Tiefschlaf“, der das Tor ermöglicht hat, wenn er aber nicht trifft, dann, siehe oben, ist es „die mangelnde Chancenverwertung“, sie so hinderlich im Wege steht, versehen wird das meist mit dem Zusatz, dass er „da einfach mehr draus machen MUSS“, was nur den Schluss zulässt, dass er, da er „diesen Riesen versiebt“ hat, sofort standrechtlich erschossen werden müsste. Welche Strafe gäbe es sonst, wenn man etwas „einfach machen MUSSTE“, aber es nicht getan hat?

Die Unmenschlichkeit ist übrigens gleich mitgeliefert, da es keinerlei Nachsicht gibt, und diese Unnachgiebigkeit entweder die Angreifer zu spüren bekommen oder aber die Abwehr. Eine Szene, die einfach nur schön, spannend, gut gemacht, von allen Seiten, hübsch anzusehen, mit dem begleitenden Mitfiebern und Stöhnen, sofern man für diesen oder jenen hofft oder drückt, sofern es gelingt, nämlich entweder die Angriffsaktion oder doch noch die Abwehraktion, dies alles existiert in dieser farblosen (da ausschließlich schwarzen und weißen) Welt der Berichterstatter nicht. Und so möchte man die Ware an den Mann bringen?

Bei Gladbach gegen Köln haben übrigens alle Stimmen nach dem Spiel, sowohl von Gladbacher als auch Kölner Seite, den Spielablauf perfekt eingefangen, so die eigene Einschätzung und Beobachtung. Warum nur gelingt es niemals einem Reporter, ein Spiel so zu beschreiben, wie es wirklich war, so dass man, wenn man es nicht gesehen hat, eine Vorstellung davon bekommt, außer, indem er monoton das Ergebnis verlist, welches er nämlich sogar in der Zusammenfassung tut, da man sich doch eigentlich selbst ein Bild machen könnte?

Wie war das Spiel nun wirklich? Gladbach bekam diesen einen Freistoß zugesprochen, hatte aber zuvor, zugegeben, bereits wieder eine Weile lang diesen erfrischenden schnellen Kombinationsfußball gespielt, der sie über so lange Zeit in dieser Saison auszeichnete, wobei eindeutig Marco Reus der Taktgeber ist, welcher gegen Hertha nach wenigen Minuten runter musste, und so in dieser vorhergehenden Heimpartie (0:0) vielleicht für die ansonsten zu beobachtende fehlende Inspiration sorgte.

Der Freistoß wurde übrigens kommentiert mit den Worten „… hat den Freistoß herausgeholt“, was ein klein wenig andeutet, dass er nicht unter allen Umständen hätte gegeben werden müssen. Die Mauer wurde in diesem Falle auf erstaunliche 10 Meter (geschätzt, aber warum wurde da nicht einmal gemessen? Das wäre wirklich interessant gewesen…) hinfortbewegt, woraufhin die Kölner, dies spürend, auf den Ball deuteten, aber ein energischer Knut Kircher unmissverständlich deutlich gemacht haben muss, dass es bei einem weiteren Wort Gelb gibt. So hatte der Schütze ein einziges Mal diesen Raum, den man benötigt, um einen wirklich tollen Schuss exakt in die Ecke zu zaubern, über die Mauer hinweg, wobei den Sprecher direkt nach dem Einschlag schon wieder ausschließlich die Frage beschäftigte, ob die Mauer denn nun kollektiv hochgesprungen wäre oder nicht, anstatt sich an diesem tollen Tor zu erfreuen (Die Anregung war übrigens an anderer Stelle bereits ausgesprochen, da die Freistöße oftmals keine wirkliche Gefahr bringen, selbst direkt am Strafraum nicht, dass vielleicht der Mauerabstand einmal überdacht werden sollte, auf 10 Meter vielleicht?; wo könnte der Schaden sein? Mehr Tore? Au weia, nein, das darf doch nun wirklich nicht sein…).

So gelang Gladbach die Führung und selbst wenn sie bis dahin und auch im Verlaufe der restlichen ersten Hälfte zugegebenermaßen die bessere Mannschaft waren, wen könnte das überraschen, wenn doch die 4 gegen die 16 spielt, dazu im eigenen Stadion? Sollte Köln das bessere Team sein, wäre man dann in der Sprecherkabine zufrieden?

Köln hielt jedoch nach Kräften dagegen, obwohl ausgerechnet Podolski wirklich etwas lustlos wirkte. Dennoch ergaben sich zwei glänzende Gelegenheiten, von denen der Sprecher bei der ersten zwar noch erkannte, wie groß sie war, und dem Angreifer Novakovic „keinen Vorwurf“ machen wollte, so sagte er bei der zweiten zwar „wenn man so will die ZWEITE gute Möglichkeit für Köln“, als er aber nach der Pause noch einmal rekapitulierte, verschwieg er diese wieder und sprach nur noch von EINER guten Möglichkeit. Wieso tut er da?

Bei der zweiten Chance handelte es sich übrigens um einen Eckball, bei dem Novakovic auf den kurzen Pfosten ging, dort als erster an den Ball kam und diesen mit dem Hinterkopf vor das Tor verlängerte, und zwei Kölner – offensichtlich so geplant und eintrainiert – ganz haarscharf verpassten, natürlich hart bedrängt von Gegenspielern, welche in derartigen Duellen sozusagen alles dürfen und es niemals einen Elfmeter gäbe.

Nach der Pause kam Köln mit noch mehr Schwung und Entschlossenheit heraus und hatte zwei weitere Großchancen. Viel mehr hätte man bis zu diesem Zeitpunkt ja wohl kaum erwarten können, denn selbst wenn man es vorsichtig hochrechnet auf die 90 Minuten, dann wären es mindestens sechs gute Torchancen auf das ganze Spiel, und das wäre schon ziemlich gut. Die Frage bliebe, wie viele man davon verwerten könnte und zugleich wie viele der Gegner verwerten würde, der vielleicht zu ein paar mehr kommt. Aber so ist der Fußball eben, Köln schluckte direkt danach das 0:2, was natürlich bereits einen erheblichen Knacks verursacht, und danach marschierte Marco Reus durch die Abwehr, auf seine höchst eigene aber nicht weniger beeindruckende Art, jedoch hatte er in beiden Situationen das Glück, dass der Ball ihm wieder vor die Füße prallte, selbst wenn dies heute eine vielfach zu beobachtende Dribbling Technik ist: den Ball einfach nach vorne spielen und hinterher gehen, selbst wenn Verteidigerbeine im Wege sind. Ab und an bekommt man den Ball wieder ans Bein und läuft einfach durch.

Das Spiel war mit dem 0:3 natürlich gelaufen, selbst wenn man das Bemühen der Kölner für den Ehrentreffer durchaus lobend erwähnen sollte und sie einige Male kurz vor der Großchance standen, was dem Sprecher nur das vernichtende Urteil entlockte, dass sie „seit der 47. Minute keinen Torschuss mehr hatten“, was insofern unfair ist, als sie zwar nicht geschossen haben, aber mehrfach direkt vorm Abschluss geblockt oder anderweitig verhindert wurden.

Wie man nun in der späteren Analyse zu der Erkenntnis kommt, dass es so nicht zu schaffen ist, ist ebenso unfair wie falsch, gerade weil Köln ja noch immer auf dem Relegationsplatz steht. „So reicht es nicht“ ist also reiner Blödsinn, oder meint er damit, dass man im Duell mit Düsseldorf oder St.Pauli oder Paderborn, wo es in zwei Spielen um die Entscheidung geht, mit einer derartigen (keineswegs schwachen) Leistung keine Chance hätte? Nein, es wird Unsinn gelabert, fortlaufend, ohne jeden Sinn und Verstand. Aber Abos verkaufen möchte man, mit diesem großen Zugpferd Bundesliga, die man fortwährend zur Kreisklasse degradiert mit eigenen Kreisklasseleistungen am Mikrofon…

Die Tabellensituation hat sich nicht so dramatisch entwickelt wie angenommen. Das Tabellenbild hat sich noch weiter auseinander gezogen anstatt sich, wie oftmals zu beobachten, gegen Ende zusammen zu schieben. Kaiserslautern ist schon seit einer Weile ziemlich abgeschlagen, so dass man sich mit Rettungschancen nicht mehr beschäftigen kann, selbst wenn die Partie gegen Nürnberg, wie angekündigt, völlig normal gespielt würde. Es wurde wieder kein Sieg, selbst wenn das Bemühen zu erkennen war.

Auch Hertha und Köln haben so wenig gepunktet in letzter Zeit, im Gegensatz zur enteilenden Konkurrenz, dass man auch hier nur davon sprechen kann, dass die Spannung darin besteht, wer von den Beiden den Relegationsplatz ergattert und wer direkt runter muss (natürlich gibt es an anderer Stelle Zahlen für die Abstiegschancen Anderer). Auch keine übertrieben große Spannung.

An der Spitze ist es seit Samstag noch etwas langweiliger geworden. Dortmund mit einem (glücklichen) Sieg, Bayern mit einem unglücklichen Unentschieden, so gut Mainz auch gearbeitet hat (und selbst die Chance suchte). Nein, von „Schonung“ und „Real Madrid im Hinterkopf“ sollte man nicht sprechen. Ab und an gelingt es eben mal nicht, den Ball im Kasten unterzubringen, Samstag war so ein Tag, trotz einiger guter Chancen.

Die Spannung soll nun um Platz 3 oder 4 gehen, und auch dies reißt einen nicht vom Stuhl, denn immerhin sind ja beide irgendwie dabei, selbst wenn einer nur in der Quali. Die Euroleague Plätze sind natürlich noch etwas umkämpft, aber es wäre jedenfalls mehr Spannung denkbar (nicht in dieser Frage allein, sondern insgesamt).

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