Die Sky Hauptversammlung

Zur diesjährigen Jahreshauptversammlung hatte ich das Glück, eine persönliche Einladung zu erhalten, von Yvonne Carmen Andresen, ihres Zeichens Aktionärin der Sky Deutschland AG. Sicher sah sie die große Chance für dieses Unternehmen, mithilfe der Fußball Übertragungsrechte langfristig erfolgreich zu sein – sofern man denn an der Qualität der Berichterstattung gewissenhaft feilen würde. Zu der Überzeugung war sie möglicherweise gar durch die Bekanntschaft mit mir gekommen, einem wahren und lebenslange Fußball Enthusiasten, der sich bei der Beobachtung der Spiele fast immer die Neutralität wahrt, zugleich aber dennoch höchst aufmerksam beobachtet – und ebenso lauscht.

Die Versammlung fand am 3.4.2012 in München statt, da der Sender in der Nähe – nämlich in Unterföhring – seinen Sitz hat. Gemietet war das alte Kongresszentrum, ein durchaus würdiges Ambiente. Als Aktionär genießt man doch immerhin eine solche Anerkennung – man finanziert ja das Unternehmen, selbst wenn vermutlich jeder Anteilseigner in der kaum verwerflichen Absicht, daraus eines Tages Kapital zu schlagen –, dass man zwar bei Eintritt seine Legitimation vorlegen muss, dies zunächst bei durchaus attraktiven jungen Damen tun darf, die einen durchgehend anlächeln, jedoch direkt dahinter bereits von ebenfalls meist weiblichem Charme Getränke gereicht bekommt. Dazu liegen bereits morgens durchaus schmackhafte Brezeln aus, so dass man sich wohl zu fühlen geneigt ist.

Gegen 10 Uhr begann die Veranstaltung mit der Verlesung einiger Belanglosigkeiten, die natürlich alle zur Tagesordnung gehören. Wie man erfährt (speziell ich, erstmals), können die Aktionäre im Anschluss ihre Fragen stellen, welche von dem komplett versammelten Vorstand beantwortet würden. Zunächst aber hielt der Chef persönlich, der in seinem Auftritt beinahe ein wenig an Steve Jobs erinnernde Brian Sullivan eine Rede, kurz ersetzt für ein paar Zahlenwerte des Unternehmens, von Steven Tomsic. Beide hielten ihre Reden auf Englisch, man hätte jedoch die Möglichkeit gehabt, die simultan erfolgende Übersetzung per Kopfhörer auf Deutsch zu hören – wovon ich keinen Gebrauch machte. Das Englisch war sehr gut verständlich.

Das Verfahren der Fragestellungen der Aktionäre sah so aus: man hatte sich in eine Rednerliste einzutragen. Jeder Veranstaltungsteilnehmer hatte ein Stimmheftchen erhalten – für die späteren Abstimmungen – mit einer registrierten Nummer. Da ich nun nur Gast war, war mein Name mit jenem der Frau Andresen verbunden, abstimmen durfte ich aber auch. Sie musste sich also anmelden zum Vortrag am Rednerpult, jedoch sollte ich vortreten, oder, wenn man so möchte, die Fragen stellen.

Darauf war ich nun nicht ganz vorbereitet, da ich eher auf eine Rede eingestellt war. Allerdings traute ich mir vor Ort zu, mich den Umständen anzupassen.

Zunächst trugen ein paar andere Aktionäre vor, die in durchaus exzellent vorbereiteten Reden – alle jedoch abgelesen –, ihre Kümmernisse vor. Diese Menschen hatten natürlich verschiedene Positionen und Bedürfnisse, aber es ließ sich in der Regel ganz gut folgen und war gut gemacht. Natürlich hatte Mr. Sullivan eher von dem großartigen Aufschwung gesprochen, dazu ein Filmchen vorbereitet, der Sky in neuem und noch größerem Glanze erstrahlen lassen sollte und einfach den Aktionären Mut machen sollte. Die die Reden haltenden waren in ihren Vorträgen jedoch, wenn auch meist wohlwollend, so doch kritisch, die Finger auf die Wunden legend.

Es dürfte bekannt sein – und wurde natürlich nicht verschwiegen – dass es sich um einen Risikowert handelt, und dass zugleich die Kurse ziemlich im Keller sind, selbst wenn es jüngst eine positive Entwicklung gab. Das Unternehmen arbeitet weiterhin defizitär und kann noch lange nicht von schwarzen Zahlen träumen (welche einer der Aktionäre in seiner Rede als „grüne Zahlen“ bezeichnete). Dazu bedarf es eines gewaltigen (weiteren) Aufschwungs in den Abonnementszahlen. Die roten Zahlen werden im Übrigen weiterhin von dem Großaktionär Rupert Murdoch getragen, an wessen Tropf man hinge, so einige der Vortragenden, was natürlich auf Dauer kein befriedigender Zustand sein kann.

Wie sich das Unternehmen diesen erforderlichen Kundenstamm sichern will, ist vor allem auf der verbesserten Technik und der Exklusivität aufgebaut, so ihre Vorstellungen. So gibt es beispielsweise jetzt „Sky Go“ für Mobiltelefone oder ein erweitertes Senderangebot von 60 Kanälen, dazu eine verbesserte Technik in der Auswahl der Programme – individuell angepasst – sowie natürlich das High Density Verfahren, welches wirklich eine überragende Bildqualität liefert, was man jedoch derzeit noch extra abonnieren muss. Weiterhin wurde einem im Eingangsbereich eine ganz neue Technik vorgestellt, auch höchst exklusiv bei Sky verfügbar, mit welcher man wirklich phantastische 3D Qualität sehen konnte, natürlich das Ganze zum Ausprobieren. Ein beeindruckendes Erlebnis für jeden, der sich die Brille überstreifte.

Nun ja, zu diesen Punkten habe ich relativ wenig zu sagen. Nach meiner Auffassung ist die Fußball Bundesliga das Zugpferd. Es muss das Zugpferd sein, natürlich am liebsten ergänzt durch Champions League, Euro League und DFB-Pokal, wenn es nach mir ginge zusätzlich ausländischen Fußball, der derzeit (sogar wieder) aus Italien und England übertragen wird.

Als ich nun ans Rednerpult gebeten wurde, wollte ich also darüber reden, nur über den Fußball und die große Chance, genau damit Kunden zu akquirieren. Vor allem jedoch darüber, dass die weit mehr als nur mangelhafte Berichterstattung dafür verantwortlich ist, dass man seine anvisierten Abonnementzahlen nicht erreichen kann. Dies ist meine ganz feste Überzeugung, wie ich in meinem Vortrag auch zu vermitteln versuchte. Wie mir schien, war das Publikum recht zufrieden mit den Inhalten und der verkörperten Lebhaftigkeit. Es zeigte sich auch hier, wie bei allen privat geführten Umfragen und Gesprächen, dass, sowie man beginnt, auf die dargebotene Art der Berichterstattung einzugehen, man in ein Fass piekst, welches sofort auszulaufen droht. ALLE Befragten hauen sofort in die gleiche Kerbe, um das Bild ein wenig zu verbiegen (womit das Fass entsprechend noch schneller ausläuft). „Die Berichterstattung? Das kann man nicht aushalten, da dreh ich sofort den Ton ab.“, so der einheitliche Tenor. So sah man auch die billigenden, teils erheiterten Minen bei jeder zitierten Standardfloskel, die man aus Reportermund in Paketen zu hören bekommt – die jedoch allesamt nicht nur miesmacherisch, höhnisch und vom Tonfall her nur Langeweile verbreitend, sondern zugleich in aller Regel falsch und unangebracht sind.

Selbst wenn also mein Vortrag halbwegs gelungen war, und ab und an spontan einiger Beifall brandete, so war ich persönlich doch nicht ganz zufrieden. Kaum war ich nämlich fertig und vertrat mir kurz die Beine, kam mir ein eifriger Aktionär hinterher, lobte mich zwar für meine gefundenen Worte, betonte zugleich, dass er das Sportpaket soeben wieder gekündigt hätte (!!), hatte aber doch ein paar Worte der Kritik vorbereitet: „Man hätte es viel drastischer ausdrücken müssen.“ Ja, wie schon gesagt, die gleiche Kerbe.

Nein, betont habe ich vor allem den Auslandsvergleich, indem ich meinte, dass man dort, egal, ob man die Sprache verstünde oder nicht, direkt vom Tonfall ins Geschehen hineingezogen würde, während man hier eher eingeschläfert würde von dem monotonen Gelaber, welches dazu noch durchgängig mäkelnd ist. Dies habe sogar bei Befragung von ausländischen Mitbeobachtern erfahren, die teils fassungslos waren – ohne Verständnis der Sprache – wie emotionslos-monoton diese Sprache daherkäme, leider aber auch dies von mir unerwähnt in der Rede.

Ein plastischer Versuch, deutlich zu machen, wie minderwertig die live Kommentare sind, war das Beispiel aus der Champions League Paarung Milan gegen Barca vor 14 Tagen, als die Besten der Besten aufeinander trafen, und der Kommentator nach 9 recht lebhaften Spielminuten (!) diesen unfassbaren Satz abließ: „Auffällig, auf beiden Seiten die vielen Fehler und Unzulänglichkeiten.“ Nein, das war einfach absurd. Wie kann man nur, aus welcher Position heraus tut man es? Und: glaubt man, dass danach die Abonnenten Schlange stünden, weil sie einen debilen Selbstdarsteller hören wollen?

Leider sind mir diese (abschließenden) Worte jedoch im Vortrage nicht eingefallen beziehungsweise habe ich sie aus Anstand unterlassen. Wie unangebracht das war, hat mir der Kollege vor der Tür ja vor Augen gehalten. Ebenso habe ich verschwiegen, dass ich der Meinung wäre, dass dies von all den in 126 Ländern weltweit übertragenden Kommentatoren NUR EIN EINZIGER erkannt hätte, diese vielen Unzulänglichkeiten, von denen der bornierte Herr sprach. Zugleich hätte man dies als Frage an die Herren des Vorsitzes richten können: Glauben Sie, dass es daran liegt, dass es wirklich Unzulänglichkeiten gab oder hatte dieser Herr seine Erkenntnisse im Nabel-der-Welt-Fußballland (so müsste er ja überzeugt sein) ganz exklusiv für sich? Daran anschließen können hätte man aber die beinahe noch wichtigere Frage: wenn es diese gehäuften Fehler und Unzulänglichkeiten tatsächlich gegeben hätte, würde man glauben, dass man derart faule Eier am besten dadurch verkauft, dass man gleich verrät, dass sie faul sind? „Die schlechteste Ware. Faule Eier, klein, und viel zu teuer. Kommen Sie zu mir!“ Würde dies dem Marktschreier Kunden zuhauf garantieren?

Als es dann zu den Antworten auf die Fragen kam, welche offensichtlich mit stenographiert waren und dem gleich zu Beginn vom Auftreten und von der Haltung her leicht arrogant, wissend, überlegen (damit an die Herren Berichterstatter erinnernd) wirkenden Herrn Dr. Enßlin vorgelegt wurden, begann dieser mit der Beantwortung.

Mit seiner Stimme konnte er den ersten Eindruck ziemlich gut verwischen, denn sie war ausgesprochen angenehm. Er antwortete, wie es ein gelernter Jurist tut. Kein bisschen emotional – obwohl einige der Fragen natürlich recht aggressiv waren, zumindest vom Inhalt her — ruhig, abgeklärt und durchaus höchst kompetent wirkend. Ob man die Aktionäre damit zur Ruhe bringen konnte, sei dahingestellt. Jedenfalls gab es auf alle Fragen eine gute Antwort, außer auf jene, die sich um eine der wesentlichen Fragen für die Zukunft des Unternehmens handelte, jene nach dem Kampf um die Vergabe der Übertragungsrechte des Fußballs ab 2013, wo es eine neue Ausschreibung gab und man sich in Konkurrenz mit der Telekom befindet, jedoch wurde das Unterlassen der Antworten bereits vorab aus firmenpolitischen und verständlichen Gründen angekündigt.

Als es zur Beantwortung meiner Fragen kam, war nur die eine ausgewählt, als Dreifachfrage gestellt. In etwa so: „Herr Paulsen stellte die Frage, ob wir vom Vorstand denn ab und an mal ein Spiel mit Kommentar live schauen würden und ob wir denn bei der Auswahl der Kommentatoren darauf achten würden, dass sie etwas von der Materie verstünden und ob sie wissen, wie im Ausland kommentiert würde. Weiterhin beklagte er die teils einschläfernde, durchgängig negative Art der Berichterstattung.“

Darauf gab es nur etwa eine halbe Antwort: natürlich würden sie bei der Auswahl der Kommentatoren auf deren Qualifikation achten, sie in Probereportagen vortragen lassen, zugleich würden sie ständig weiter geschult werden und weiterhin hätten Marktforschungsinstitute herausgefunden, dass man in Deutschland eine gegenüber dem Ausland etwas distanziertere Berichterstattung wünsche. Das war es, nichts weiter.

Sicher, mir war zuvor schon klar, dass man mir nicht gleich um den Hals fallen würde, sondern dass es eine grundsätzliche Abwehrhaltung gegen meine Ansichten gäbe, zumal es ja der Bekenntnis zu einem eigenen Versäumnis gleichkäme, nun die Berichterstattung anzuprangern. Wie könnten sie sagen: „Ja, Sie haben Recht, die Berichterstattung ist wirklich schlecht. Gute Idee, wir machen uns gleich an die Arbeit. Schönen Dank für Ihre Mitarbeit.“

Dennoch hätte ich im Anschluss die Chance nutzen sollen, als der die Veranstaltung leitende (eine Sensation: ein Schweizer, der gutes Englisch spricht!) die Frage stellte, ob denn damit nun alle Fragen vollständig beantwortet wären? Er blickte kurz in die (recht große Runde, landete nicht bei mir mit dem Blick), und erklärte kurz darauf, dass dies offensichtlich der Fall wäre. Die Chance war kurz, aber sie war da.

Im Nachhinein bedaure ich also, nicht noch einmal das Wort ergriffen zu haben. Ich hätte diese zwei Frage rasch noch stellen müssen, eben, da nach Vollständigkeit gefragt wurde: „Sie haben den einen Teil der Frage beantwortet. Gut. Was war aber mit Teil 1 der Frage? Schauen Sie ab und an ein Spiel, vollständig, über 90 Minuten, mit deutschem Kommentar, und hören zu? Wenn Sie darauf mit ´Nein´ antworten, entziehe ich Ihnen die Kompetenz zur Beantwortung. Dann muss dies jemand anders übernehmen. Und ´Ja´ können Sie ja gar nicht antworten, da Sie es unter keinen Umständen 90 Minuten lang aushalten würden, ohne den Fernseher zu zertrümmern.“

Die zweite ergänzende Frage hätte so lauten müssen: „Sehr geehrter Herr Dr. Enßlin, da die Marktforschungsinstitute herausgefunden haben, dass die Deutschen eine etwas distanziertere Kommentierung wünschen – wozu ich ja zunächst zum Glauben gezwungen bin, bis ich eigene Umfragen tätige, die ich Ihnen dann gerne zukommen lasse –, was sagen die Meinungsforscher denn zu dem Thema, ob die Kommentare zutreffend sein sollten oder nicht? Denn: wenn diese Herren Kommentatoren von permanenten Unzulänglichkeiten und Fehlern sprechen und sie von weltweit allen kommentierenden Experten die einzigen sind, die diese erkennen, dann stellt sich nämlich die ganz große Frage, ob sie damit richtig liegen. Sie irren nämlich, und nicht nur in diesem Fall. Sie liegen permanent daneben in den Analysen. Und dies, so höchst verehrter Herr Doktor Enßlin, kann, so meine verfestigte Auffassung, unter keinen Umständen ein gewünschter Effekt sein.“

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