just my 6 cent zum 26. Spieltag

Ergebnisse des 26. Spieltages
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart 1:2 (0:2)
Bayer Leverkusen – Borussia Mönchengladbach 1:2 (0:1)
Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (1:0)
FC Augsburg – FSV Mainz 05 2:1 (1:1)
Hamburger SV – SC Freiburg 1:3 (0:2)
1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 1:3 (1:2)
Hertha BSC – FC Bayern München 0:6 (0:3)
1. FC Kaiserslautern – FC Schalke 04 1:4 (1:2)
Hannover 96 – 1. FC Köln 4:1 (1:1)

Ein paar Beobachtungen:

1) Hacken auf Hertha

Einerseits bitte ich an dieser Stelle um Verzeihung, die frühere Sendung „DSF Doppelpass“ hier fälschlich unter diesem Namen bei Sport 1 in die Fortsetzung geschickt zu haben. Die am Montagabend stattfindende Sendung nennt sich seit einiger Zeit „Die Liga Total Spieltaganalyse“, selbst wenn in fast gleicher Aufmachung mit gleicher  Besetzung. Andererseits muss ich heute die sonst meist gelobte Sendung etwas kritischer unter die Lupe nehmen.

Es ist nicht das erste Mal in jüngster Zeit, dass auf einem Verlierer herumgehackt wird, der dies nicht verdient hat. So gab es vor ein paar Wochen die Barcelona Gala, bei welcher jeder Fußball Anhänger mit offenem Mund staunend Zeuge eines nicht zu bremsenden absoluten Ausnahmekünstlers Lionel Messi wurde, über den die so hoch gelobte, da objektive, Englische Presse danach schrieb, dass es längst nicht mehr die Frage sei, ob Messi der beste Spieler DERzeit ist, sondern ob er nicht längst der beste Spieler ALLER Zeiten ist. Hier kam Leverkusen die Statistenrolle zu, die man eben mehr oder weniger gut auszufüllen hat – und Leverkusen tat es sehr ordentlich, da sie das Bemühen bis zum Schluss an den Tag legten, selbst ein Tor zu erzielen, was ihnen sogar gelang – ein wunderschönes obendrein –, was sogar Trainer Guardiola dazu veranlasste, seinem Kollegen einen Glückwunsch per Handschlag auszusprechen. An diesem Abend war nichts zu machen und es käme dem Versuch gleich, mit bloßen Händen auf einem Ozeandampfer das durch ein Leck hereinströmende Wasser aufzuhalten, diesen Messi zu stoppen. Auch damals schon lautete die hier ausgesprochene Forderung: lasst doch bitte Leverkusen in Ruhe. Ihre Leistung ist unter diesen Umständen nicht relevant und gar nicht zu beurteilen – außer, wie oben geschehen. Hier und heute kann man nur über Messi und seine Kollegen sprechen, hier war feinster Fußball Zirkus geboten, den man bewundert und bestaunt, hier gab es keine Blamage und keine Schande und gar nichts außer Bewunderung, den Hut ziehen, Spalier stehen und Beifall klatschen.

Übrigens wurde ja ein gleicher Stelle – nämlich hier – auch darauf aufmerksam gemacht, dass man den Leuten, die von dieser Schande sprachen und sich angeblich so geschämt haben und so wütend waren – Alfred Draxler im Kommentar in der BILD am Tag danach – gar nicht glaubt. Dies war ein aufgesetztes Ärgern, ein gespieltes wütend sein, ein unaufrichtiges Schämen. Das hat keiner gefühlt, auch kein Leverkusener auf dem Platz, wie das Lächeln auf den Gesichtern aller Interviewten, einschließlich Trainer Dutts, bewies.

Ebenso sollte man am Samstag die Leistung der Berliner Hertha gar nicht beurteilen. Diese Bayern waren eine Nummer zu groß für die Hertha. Einzig Trainer Rehhagel sprach (mal wieder) das richtige Urteil aus: sie hatten das Pech, das gleich die erste Aktion zu einem Tor führte. Kurios, dass er auch die kurz davor stattfindende „kritische Situation“ in Gegners Strafraum, als ein Foul an einem Berliner verübt wurde (wie man hier dreist behauptet), völlig unkommentiert ließ. Natürlich schämte man sich (hier tatsächlich), nach einem 0:6 von einem Elfmeter zu sprechen, den man eventuell hätte bekommen können, um damit wohl suggerieren zu wollen, dass das Spiel dann „ganz anders“ (nämlich 1:6?) hätte ausgehen können. Dennoch weiß jeder, der mal gespielt hat (es genügt vielleicht auch jahrelanges Beobachten), dass ein Tor, sofern man es selbst erzielt und damit in Führung geht, plötzlich nicht nur eigene Kräfte freisetzen kann, sondern darüber hinaus Knall auf Fall das Publikum in eine Aufregung versetzen kann, welche, dank der erfolgenden Unterstützung, dadurch wirklich zu einem „echten“ zwölften Mann wird.

Die Bayern waren einfach zu gut. Ob eine mögliche Führung eventuell einen ganz anderen Spielverlauf hätte ergeben können, ist müßig und unerheblich. Nur sollte man doch bitte die Hertha nun in Ruhe lassen. Bayern hat etliche Punkte NICHT erzwingen können, wie beispielsweise bei der letzten Niederlage in Leverkusen, als sie, laut Trainer Heynckes, die beste erste Halbzeit der ganzen Saison auswärts hingelegt hatten – aber keine einzige der mindestens vier oder fünf Großchancen verwerten konnten. Damals wurde ihnen die Krise eingeredet, die sie in den folgenden Spielen, bei Verwertung der Chancen, und dies paketweise, einfach weggeballert haben. Nur: warum sollte dies nun Verwunderung auslösen? Jeder hat doch das herausragende Potenzial der Bayern in dieser Saison gesehen, einige sprachen in der Hinserie von den besten Bayern aller Zeiten. Was hat sich verändert? Diesmal haben sie die erste (und die zweite) Chance verwertet, was bei ihnen, dank der nicht angezweifelten Klasse natürlich etwas wahrscheinlicher gelingt als irgendeinem Anderen. Und nun soll der Gegner erbärmlich schwach gewesen sein?

Spätestens nach dem 0:2 war die Partie entschieden, das weiß JEDER Spieler auf dem Platz. Ein Wunder, na gut, ja, das könnte helfen. Man versucht vielleicht noch diesen oder jenen Angriff – wenn man überhaupt mal in Ballbesitz kommt – und das (fast) Unvermeidliche geschieht: es fällt das 0:3.

Die Herren Helmer, Strunz und Kruse hatten für die ersten 20 Minuten der Sendung nichts Besseres zu tun, als den katastrophalen Auftritt der Berliner (nach ihrer Ansicht) genau unter die Lupe zu nehmen. Vor allem hatten sie danach sereinweise Szenen eingespielt, die sich NACH dem 0:3 abspielten. Was wollten sie damit bloß erreichen? Ist es ihnen, den so sehr gepeinigten, im Leben stets zu kurz gekommenen, eine Wohltat, dass man endlich Jemanden hat, auf dem man, ohne mit Gegenwehr zu rechnen, willenlos herumhacken kann? Merkt man dabei nicht, dass man, mit jeder weiterhin erkannten Fehlleistung, zugleich sowohl das Spiel Fußball („ganz schwach hier, alle schauen nur zu, die stehen falsch, im falschen Moment herausgerückt, sträflich unbewacht gelassen, unaufmerksam, alle gepennt, katastrophaler Fehler hier“; Häme in Kübeln) als auch die Leistung des Gegners komplett vernichtet? Und dies noch: wären die Herren denn dann zufrieden, wenn Hertha das Spiel gewonnen hätte? Hätten sie dann, ersatzweise, die vergleichbaren Szenen eingespielt und permanent die hervorragende Deckungsarbeit der Berliner gelobt? Nein, so lautet die verlässliche Antwort. Unter diesen Umständen hätte Bayern die komplette Kritik und Häme einstecken müssen. Nur hätte sie dann, anstatt aus Kübeln, aus dem oben erwähnten Ozeandampfer den Komplettinhalt über ihnen ausgeschüttet..

Tut mir leid, meine Herren, als Highlight des Tages, da dieser Partie die meiste Sendezeit gewidmet wurde, war das ganz, ganz schwach und dazu unterste Schublade. Bayern war einfach nur gut und ihr, dank eurer verbürgten deutschen Anhängerschaft, solltet froh sein, dass es diese Bayern gibt, die eventuell gar international für Furore sorgen können – wobei das Fabulieren vom Finale, in welchem angeblich (gegen Barca, so spekuliert man) alles möglich wäre, bereits wieder peinliche, aber nicht weniger typische deutsche Überheblichkeit ist.

2) Der HSV steigt ab?

Sonntagabend läuft bei Sky immer die Talkrunde „Sky 90“. Auch hier werden reihum jede Menge Experten eingeladen, die zu den brandaktuellen Themen Stellung beziehen. Ein Thema war natürlich der mögliche Abstieg des Bundesliga Dinos, dem letzten verbliebene Gründungsmitglied, dem HSV. Nun wurde zu diesem Thema ein Telefonat mit einem Hamburger Journalisten geführt, der schon seit gut 30 Jahren den HSV auf Schritt und Tritt begleitet. Dieser hatte die allergrößte Sorge um „seinen“ HSV vermittelt, aber zugleich angemerkt, dass sie richtigen Schrott zusammenspielen würden und dass sich alle ehemaligen HSVler, mit denen er gesprochen hat, gleichermaßen geäußert haben: in diesem Jahr steigt der HSV ab.

Nun ist es einerseits verständlich, dass sich die Menschen pessimistisch äußern, die sich emotional mit dem Verein verbunden fühlen. Man beugt derart einer noch größeren Enttäuschung bei Misslingen des Unterfangens „Klassenerhalt“ vor. Abgesehen davon blickt man natürlich im Geiste zurück auf die vielen erfolgreichen Jahre, in denen man noch Pokale in die Höhe strecken, Meisterschaften feiern oder unvergessene Europapokalschlachten schlagen konnte, und vergleicht die aktuelle Situation damit, so dass man möglicherweise, in Reminiszenzen schwelgend, die teilweise noch bedrohlichere Situation der Konkurrenz aus den Augen verliert, nur einen Blick für die eigenen Kümmernisse hat. So weit, so nachvollziehbar, vielleicht verständlich. Man darf übrigens sogar annehmen, dass es in der gesamten Nation plötzlich eine größere Sympathiewelle für diesen letzten Dino gibt, weil sie irgendwie dazu gehören und eine Bundesliga OHNE den HSV fad und öd klingt und schmeckt, man kann sie sich ohne den HSV nicht recht vorstellen – und mag es nicht einmal.

Nur, dass dieser Journalist, wohl als Beweis für den kommenden Abstieg, nun alle Befragten herbeibemüht, die sich gleichermaßen skeptisch geäußert hätten? Was möchte er denn beweisen? Wünscht er sich nun gar, damit seine Weissagung eintrifft, er nicht sein Gesicht verliert, gar inzwischen den Abstieg?

Nein, wie vielfach erwähnt – und mit mehr und mehr Beweiskraft: die einzige vernünftige Antwort auf die Frage, ob der HSV absteigt, ist eine Zahl in Form einer Wahrscheinlichkeit. Nach meinem eigenen Eindruck hat der HSV ausreichend viel Qualität, möglicherweise sogar eine etwas höhere als einige der Konkurrenten. Dies liefert jedoch keineswegs die Gegenaussage zum Hamburger Journalisten (er schreibt für das Abendblatt) und aller befragten HSV Idole aus der Vergangenheit, nein, es führt nur zu der Aussage: die unten stehende, gerne vom Leser
nachzuschauende Zahl, ist so gut berechnet, wie es nur ging. Dass sich dieser oder jener Teil der Prozente (einer FÜR Abstieg, einer GEGEN Abstieg, sich zu 100% ergänzend) realisiert ist nach eigener Ansicht einer Laune Fortunas zuzuschreiben. Ob und inwieweit die Verantwortlichen im Moment einen Einfluss auf die Chancenentwicklung nehmen können, sie eventuell positiv beeinflussen können, ist eine weiterhin offene Frage. Versuchen werden sie es, jedoch, falls es geschähe, würde es keine weitere Bedeutung haben als diese: die Berechnungen sind (ein wenig) ungenau, vielleicht falsch. Denn: eigentlich sollten alle möglichen Einflussmaßnahmen – über welche, wohlgemerkt, jeder der Konkurrenten gleichermaßen verfügt – bereits einberechnet sein. Das vielleicht geringfügig höhere Potenzial des HSV (wie unten in der Spielstärke abzulesen) beinhaltet,
sofern es denn existiert, nach Möglichkeit die Größe des Namens HSV; beispielsweise gegenüber Augsburg oder Freiburg.

3) „Bei Barca hätten wir alle auf den Stühlen gestanden“

Ein ganz kurioses Zitat gab es in der Sky Zusammenfassung „Alle Spiele – Alle Tore“ am Samstagnachmittag, direkt nach den Spielen. Als nämlich das wunderschöne, perfekt heraus gespielte Tor der Dortmunder zum 1:0 gegen Werder eingespielt wurde – übrigens am nächsten Tag in der BILD in einer Graphik dargestellt, wohl, weil es so schön war, dass es für dieses eine Mal lohnend schien, dem Leser dieses Tor plastisch zu  machen –, rutschte dem Sprecher dieser kuriose Satz heraus: „Bei Barca hätten wir alle auf den Stühlen gestanden.“

Nun kann man ja ruhig einmal untersuchen, was er damit gemeint haben könnte. Sicher ziemlich unbeabsichtigt das kleine logische Problem: wenn wir bei Barca auf den Stühlen gestanden hätten, dann müssten wir ja, da es „nur“ Dortmund war, eigentlich vom Stuhl direkt an die Decke springen, um noch eins oben draufzusetzen. Oder möchte er behaupten, dass wir bei Barca, ungerechtfertigt, auf die Stühle gestiegen werden, vielleicht gar die ganze Welt, und ein derart eigentlich noch schöneres Tor, der Welt verschlossen bleibt, weil es nur von Dortmund erzielt wurde, es eigentlich eine höhere Anerkennung verdiente?

Nein, dies wohl alles unsinnig. Er möchte auf die Schönheit aufmerksam machen und vermutlich – selbst wenn teils unbewusst – daran erinnern, dass wir vor ein paar Wochen eine Serie derart schöner Tore haben sehen können. Was er aber zugleich, sozusagen „zwischen den Zeilen“ andeutet, ist dies, was bereits weiter oben schon zur Rede gebracht wurde: er hat eigentlich bei allen Barca Toren tatsächlich – selbst wenn eher nur symbolisch – im Stuhl gestanden, war begeistert, konnte nicht an sich halten vor Freude über die Schönheit des Fußballs und hat für diese zwei Stunden sein eigenes Deutschtum vergessen. Dies die eigentliche Wahrheit, und noch viel mehr eine erfreuliche. In derartigen Augenblicken wie an jenem Abend dankt jeder, der das Glück hatte, dafür, dabei gewesen sein zu dürfen und er schert sich nicht um seine Abstammung oder um vorher gehegte Hoffnungen und Träume. Messi ist der Fußballgott, ein Idol, dass man schlichtweg anhimmelt und ihm niemals irgendetwas Schlechtes wünschen könnte. Hier wurde die ganze Welt (spätestens) Messi-Fan, so oder so.

Hübsch aber, dass derartige Worte — selbst wenn man annehmen darf, zum Großteil unbeabsichtigt – nach ein paar Wochen herausbrechen. So konnte schon oftmals beobachtet werden, dass nach einem wirklich glücklichen Sieg einer Mannschaft (diese Dreistigkeit der Objektivität maßt man sich persönlich an, ja, ich, der Autor) zunächst behauptet wird, in allen Zusammenfassungen und den Printmedien, dass es sich letztendlich um einen verdienten Sieg handelt, meist mit dem völlig albernen Tenor dahinter, dass nun mal die Tore zählen und dass nach DIESER EINZIGE VERBINDLICHEN Zählung nun mal DIESES Team die Nase vorne hatte. Natürlich kann man ebenso gut auf eine derartige Beschreibung verzichten, da man so weit mit dem Zählen auch noch selbst hinterhergekommen ist. Dennoch steht es ja nun einmal so da: „Verdienter Sieg“.

Ein paar Wochen oder Monate später hört man dann aber sehr wohl, von den  allergleichen Sprechern, dass sie ja „damals, im November, nur zu einem sehr  glücklichen Sieg kamen“. Dies deutet an, dass man entweder aufmerksam den Trainerstimmen gelauscht hat, und deren wirklich profundes Urteil einfach übernimmt, so nach und nach, oder, dass es doch eventuell ein Fünkchen mehr Fußballverstand geben könnte als sie zunächst zu äußern wagen. Ein klein wenig wäre dies vergleichbar mit des Kaisers neuen Kleidern. Jeder meint etwas sehen, erkennen zu müssen, da es alle anderen ja auch tun, und er traut sich nicht, seine eigene  Wahrnehmung kund zu tun. Wie wohl es täte, gleich die Wahrheit auszusprechen, ohne die Befürchtung haben zu müssen, damit als „Laie“ abgekanzelt zu werden, wenn man wagt, zu behaupten, dass in diesem Spiel das Verliererteam eigentlich das bessere war.

Wie gesagt, „with hindsigth“, im Nachhinein scheint es ja zu gelingen, sowohl, was diesen denkwürdigen Abend – wie es ganz sicher bald heißen wird – von Barca gegen  Leverkusen angeht, als auch, was die glücklichen oder weniger glücklichen Umstände eines Sieges angeht.

4) Leverkusen wollte das 0:1 vermeiden

Unfassbar, was einem immer wieder im Verlaufe eines Wochenendes so zu Ohren kommt. Dieser Satz exemplarisch für die vielen Unzulänglichkeiten derjenigen, welche anderen permanent Unzulänglichkeiten andichten wollen ohne auch nur über ein Fünkchen Verstand zu verfügen. Nach 7 Minuten ging Gladbach in Leverkusen in Führung. Und der Sprecher verkündet diese Weisheit: „Es ist genau das eingetreten, was Leverkusen unbedingt vermeiden wollte: ein frühes Gegentor.“

An sich erübrigt es sich, über einen derartigen Unsinn überhaupt noch Worte zu verlieren. Der Mann disqualifiziert sich selbst, jedoch ist er ja nicht einmal dafür verantwortlich. Er weiß und kann es halt nicht besser, dennoch drückte ihm jemand ein Mikrofon in die Hand und sagte: „Verstehst du was von Fußball?“ „Nein, davon habe ich keine Ahnung.“ „Hmm, macht nichts. Kannst du schnell sprechen, egal, welchen Inhalts?“ „Ja, in der Schule habe ich mal einen Wettbewerb gewonnen, wer am  schnellsten verbal den maximalen Unsinn verzapfen kann.“ „Das ist gut, dann bist du unser Mann.“

Spaß machen tut es aber dennoch, diesen Satz einmal ein wenig zu zerlegen. Man kann es dazu auf verschiedene Arten angehen. Als Beispiel? Die alternative Taktik sähe demnach so aus, die der Trainer kurz zuvor in der Kabine seinen Kickern mit auf den Weg gibt: „Also, seht zu, dass ihr möglichst früh in Rückstand geratet, dann haltet diesen Rückstand eine Weile fest, in der 65. etwa kassiert ihr dann das zweite, damit wiegen wir den Gegner in Sicherheit, und plötzlich schlagen wir zu: 84. und 87. und kommen mit einem glücklichen Remis davon.“

Oder auf diese Art: er hat den Trainer vor der Partie befragt, mit welcher Taktik sein Team heute zu Werke gehen wolle. Dabei erfuhr er, dass der Trainer keine rechten Plan hätte, weil er nämlich meinte, dass er lediglich den Gedanken hätte, ein Tor mehr als der Gegner zu erzielen. Nun wurde der Frager wach und reagierte so: „Ach, demnach wäre es ihnen also gleichgültig, ob sie ein Tor kassieren?“ Darauf geht dem Trainer ein Licht auf. Er gewinnt die Erkenntnis, dass es gar nicht gut wäre, und nicht einmal erforderlich, ein Tor zu kassieren. Er meint: „Nein, da habe Sie Recht. Ein Gegentor ist ungünstig. Vor allem deshalb, weil wir ja noch nicht wissen, ob wir am Ende eines mehr haben als der Gegner.“

Das einzig Sinnvolle, was man aus dem Gedanken bezüglich Zeitpunkten von (derartigen) Gegentoren herausarbeiten könnte, hat er verpeilt. Das bestünde nämlich darin: wenn wir denn nun schon ein Tor kassieren müssen, bevor wir selber welche erzielt haben, dann gilt, fast unumstößlich: je früher, desto besser. Weil: je mehr Zeit hat man, um es zu korrigieren. Ein 0:1 wäre dann am ungünstigsten (wie übrigens Dienstagabend die Fürther bezeugen konnten), wenn es mit dem letzten Schuss der Partie erfolgt. Es ist (und war an dem Tage) nämlich das Besiegeln der Niederlage, was zu keinem anderen Zeitpunkt der Fall wäre.

Leverkusen hat die Zeit auch vorzüglich genutzt und hatte, nach dem Ausgleich in der 77. Minute, gar noch genügend Zeit, das Spiel komplett zu drehen. „it wasnt to be“, wie es der Engländer so schön sagt, es hat nicht sollen sein, denn an dem Tage (wie weiter unten berichtet) behielt eine engagierte Borussia, der Nachbar aus Gladbach, die Oberhand.

5) „Wichtig“, das 2:1 für Gladbach

Er hat aber, wie üblich, wenige Chancen auf die Verbreitung von Unsinn ausgelassen – wobei: gibt es dabei überhaupt mögliche Einschränkungen? Scheint nicht, nein – und jene kurz vor Schluss mal wieder blendend genutzt. Denn: als die Borussia tatsächlich zu dem 2:1 Siegtreffer kam, da entfleuchte ihm, womöglich in der Erkenntnis, dass es noch dämlicher wäre, nun, analog zu dem Satz nach 7 Minuten, zu brillieren mit der Aussage: „Das hat Leverkusen ja fast noch mehr vermeiden wollen. Ein GANZ SPÄTES Gegentor, noch dazu eines, welches den Spielstand auf Verlust stellt.“, und er schwenkte komplett um, indem er dieses Tor als „wichtig“ bezeichnete. „Hallo?“ möchte man ihm zurufen, „ja, geht’s noch?“.

Was sollte das denn nun werden, was sollte es darstellen? Hat er die ganze Zeit, ohne es zu verraten, für die Gladbacher gedrückt? Das hätte er dann a) bitte rechtzeitig bekannt geben sollen und b) hätte der Sender vielleicht lieber einen neutralen Kommentator eingesetzt. Ansonsten, sofern er unparteiisch und vor allem neutral-objektiv, müsste man doch zurückfragen, vor allem die Leverkusener: „Wenn es für Gladbach wichtig war, was war es denn dann FÜR UNS?“

Das Problem ist längst erkannt und auch schon einige Male beschrieben worden: die Sprecher reden einen Jargon, wenn man es milde ausdrücken möchte (korrekt wäre, dass sie, per Bibelstechen, in einem kleinen, extra für sie angefertigten „Reportersprüche“ Büchlein regelmäßig einen Satz hervorzaubern, welchen man genau so gut ohne Ansicht der Bilder absondern könnte). In diesem Jargon gibt es keine Unterscheidung zwischen Partien, in denen sie neutral sein sollen, und jenen, in denen sie parteiisch sein dürfen, oder, teilweise sogar explizit, sein sollen. Wenn also Deutschland (mal wieder) das entscheidende (Elfer-)Tor gegen England in einem Halbfinale erzielt, dann darf man, aus einem deutschen Munde, schon die Bemerkung „das war wichtig“ zugestehen. Wenn die Bayern mal wieder Real Madrid rauskegeln sollten, mit einem Tor im Bernabeu, 5  Minuten vor Ultimo, welches ihnen das Weiterkommen sichert, dann darf man es ebenfalls aus einer deutschen Kehle als „wichtig“ bezeichnen. Bei einer Partie Leverkusen gegen Gladbach hat so etwas nichts zu suchen, ist völlig fehl am Platze. Nur wird eben Jargon gesprochen. In diesem Jargon kommt das Wörtchen „wichtig“ vor, also wird es ausgepackt, ob passend oder unpassend, auf dem Spruch landete eben der Finger beim Hineinstechen ins Büchlein.

Die Frage beschäftigt aber irgendwie weiter: was war es für Leverkusen, wenn es
für Gladbach „wichtig“ war? Doch nicht „unwichtig“?

6) „Wieder mal zu viele Chancen vergeben“

Interessant auch, was man bei der Zusammenfassung der Partie Dortmund gegen Werder erfuhr. Es war einfach nur toll und machte (nicht zum ersten Mal) riesigen Spaß, diesen Dortmundern zuzuschauen. Nun, damit muss man sich wohl abfinden, dass es dort, beim Sender, niemanden gibt, der Spaß an einer derartigen, wie es in letzter Zeit so häufig und ebenso hässlich heißt, „Veranstaltung“, Freude hat. Das ist eben so. Diese muss der Zuschauer, der gepeinigte und die ganze Zeit vergraulte mit der vorgeführten Kommentierung, sich selbst erzeugen (welchen anderen Grund könnte man als Zuschauer haben, einzuschalten, als jenen, dass man Freude dabei hat? „Informationspflicht“ wird es für die allerwenigsten sein).

Jedenfalls sah man Großchance auf Großchance (teilweise von Großkreutz, na klar), und ab und an einen teilweise verzweifelt sich zu Boden werfenden Angreifer, weil er auch diesen Ball am Tor vorbeirauschen sah, falls ihn der Keeper oder ein Verteidigerbein nicht vor der Linie abwehrte. Es war das ganze Gegenstück zum Bayern Spiel und, ganz klar, wird man in Dortmund hochzufrieden sein, dass auch das nur eine Törchen zum Siege gereicht hat. Jeder, der etwas davon versteht, kann nur sagen „hoch verdienter Sieg, diesmal zu knapp ausgefallen, aber immerhin ist es ja ein Sieg geworden, für den es ebenfalls die weit mehr zählenden drei Punkte gibt.“ Stattdessen bekam man zu hören, dass „die Dortmunder mal wieder zu viele Chancen vergeben haben“. Der Fokus liegt eh,
wie stets, auf dem Negativen. Denn: was macht das Versieben von Chancen, angeblich in groß angelegter, geplanter, überheblicher Verschwendungssucht, wenn am Ende die drei Punkte, und, noch etwas später vielleicht der Meistertitel winkt?

Was nur, solle man sich vorstellen, würden die Bayern dazu sagen? „Im Grunde ist es pures Glück, dass wir noch immer eine kleine Chance auf den Titel haben, da ja Dortmund so oft schon und so fahrlässig serienweise Chancen versiebt hat“? Soll man sich das vorstellen? Oder, dazu noch: wie würde eigentlich die Tabelle aussehen, wenn Dortmund NICHT dauernd diese Massen an Großchancen versieben würde? Nein, es ist unfassbar.

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