nach dem 25. Spieltag

Die Tabellensituation

Sp S U N Pkt T GT Diff
1 Borussia Dortmund 25 17 5 3 56 52 16 36
2 FC Bayern München 25 16 3 6 51 58 17 41
3 Borussia Mönchengladbach 25 14 6 5 48 37 15 22
4 FC Schalke 04 25 15 2 8 47 54 33 21
5 Bayer Leverkusen 25 11 7 7 40 38 32 6
6 Werder Bremen 25 11 6 8 39 40 38 2
7 Hannover 96 25 8 11 6 35 30 35 -5
8 VfB Stuttgart 25 9 6 10 33 41 33 8
9 1.FC Nürnberg 25 9 4 12 31 24 34 -10
10 VfL Wolfsburg 25 9 4 12 31 31 46 -15
11 FSV Mainz 05 25 7 9 9 30 37 39 -2
12 TSG Hoffenheim 25 7 9 9 30 28 35 -7
13 1.FC Köln 25 8 4 13 28 32 46 -14
14 Hamburger SV 25 6 9 10 27 29 45 -16
15 FC Augsburg 25 4 11 10 23 25 39 -14
16 Hertha BSC 25 5 8 12 23 26 41 -15
17 SC Freiburg 25 5 7 13 22 30 52 -22
18 1.FC Kaiserslautern 25 3 11 11 20 16 32 -16
628 628 0
Gesamtzahl Spiele: 225
Tore pro Spiel: 2,79

Nachdem nun letzte Woche die Entscheidung gefallen war – wie die Medien uns glaubhaft machen wollten – ist nun der Meisterschaftskampf neu ausgerufen. Ein 7:1 scheint das Ergebnis der Woche zu sein, zumal gar die Torfolge identisch war zur Partie von  Leverkusen in Barcelona (der Verlierer erzielte das 1:7 kurz vor Ende). Nun, möglich, dass es eine Menge Selbstvertrauen bringt (welches die Bayern gut gebrauchen können für den Dienstagabend, vor dessen Ablauf diese Zeilen hier verfasst wurden), aber  dennoch sind es nur drei Punkte, die man dafür bekommt. Dortmund hat erstmal in der  Rückrunde NICHT gewonnen (aber auch nicht verloren), und nun soll deren Krise  ausgerufen werden? Nein, es ist wirklich ein Trauerspiel, was die Medien durchführen  und mit welchem sie uns Kunden zu ködern gedenken. Die einzige sinnvolle Überlegung
könnte/müsste (medienseitig) diese sein: wenn wir ganz viel Unsinn erzählen, dann lesen es die Leute DESHALB, weil es so dumm ist und sie am Stammtisch ihre flammenden Reden von diesem Unsinn halten können. Das wäre zwar irgendwie ein  Verkaufsargument, andererseits müsste man die Absatzzahlen ja zunächst einmal damit vergleichen, wie sie sich entwickelten, wenn man nicht so viel Unsinn verbreiten würde. Abgesehen davon kann man dies kaum glauben, da die Eitelkeit dieser Menschen (obwohl die Eitelkeit wohl jeden mehr oder weniger betrifft) dafür viel zu groß wäre. Man könnte so Witzblätter verkaufen (wie einstmals das so geliebte „MAD“), in denen man vorsätzlich NUR Unsinn hinschreibt und so die Menschen zum Lachen bringt, aber in angeblich „seriösen“ Medien kann dies niemals – selbst wenn am Ende für halbwegs vernünftige Absatzzahlen sorgend – so gemeint sein.

Warum also möchte man in der einen Woche den Titelkampf für entschieden erklären, und nach einem Spieltag mit zwei absolut nicht fern liegenden Ergebnissen ihn als völlig offen zu bezeichnen? Im Prinzip ist die Wahrheit jene, die hier schon mehrfach  angedeutet war: es geht um ein Weltbild, so hoch trabend (und in dem Sinne übertrieben) es sich anhört.

Zur Erklärung dies: wenn heute ein  Experte gefragt würde, (wie bei Sky 90 geschehen, beispielsweise der anwesende Michael Ballack), wie sich der Titelkampf entwickelt, dann muss er (genau: Stand heute) sagen,  dass er spannend wird. Es hat nichts damit zu tun, dass man die Spannung künstlich erzeugen möchte (ein Stilmittel, welches die Kommentatoren bedauerlicherweise auch dann nicht einsetzen, wenn es nicht nur wirklich spannend ist, sondern dann, wenn es mal wirklich langweilig zu werden drohte, zwecks Absatzsteigerung; für sie geht aber vor, immer schlau zu sein, weitaus dem an sich selbstverständlichen Bedürfnis, für Einschaltquoten zu sorgen, aber das nur nebenbei), sondern darum, dass man es,  angesichts der jüngsten, nein, der allerjüngsten (! das ist wichtig, denn vor einer Woche sah es eben anders aus) so empfindet.

Das hier als einzig richtig vertretene Weltbild sieht so aus, dass es nur eine Antwort auf die Frage „Wer wird Deutscher Fußball-Meister  2012“ gibt. Diese lautet aber weder, dass es Borussia Dortmund wird, noch dass es Bayern München wird, und auch nicht Schalke oder Gladbach, sondern sie lautet, wie man es unten ablesen kann: „Bayern München wird es zu … Prozent“ wir wollen ja der Spannung in dieser Frage nicht vorgreifen) und „Borussia Dortmund wird es zu …  Prozent“, genau so die Antworten auf Gladbach und Schalke.

Nur so könnte man  wahrhaften Expertenstatus erlangen. Das eine Problem besteht nun darin, dass es niemand wirklich berechnen kann (obwohl es ja ein paar geben sollen, die es  versuchen…), ein weiteres darin, dass man, sofern man nun an einem Spieltag auf 5% für Borussia Dortmund kommt (wie bereits geschehen, nach dem etwa 8. Spieltag), und sie am Ende Meister würden, man nach auf der Hand liegenden Gründen suchen müsste, und diese keinesfalls (obwohl es richtig wäre) dem Zufall in die Schuhe schieben dürfte, und das dritte darin, dass man überzeugt ist, dass eine Wahrscheinlichkeit nichts Greifbares darstellt und das derartige Zahlen nun wirklich jeder anbieten könnte, man damit also  den eigenen Expertenstatus einbüßen würde.

All dies ist aber nur sehr temporär der Fall, sofern man das Weltbild nämlich zu Ende denkt. Diejenigen, die heute von einem offenen Meisterschaftskampf sprechen, und sich damit zu Experten machen wollen, müssten  jetzt, zwecks Nachweis ihres  Ausnahmewissens und – Verständnisses, ja einfach etwas tiefer auf den Zahn gefüllt werden: „Offen bedeutet für Sie, dass die beiden  Chancengleichheit haben, also etwa 50 : 50?“ Was könnte der Experte nun antworten? „Nein, nicht Chancengleichheit, aber es wird spannend werden.“ „Nun, wenn die Chancen nicht gleich sind, dann, so nehme ich an, ist Dortmund weiterhin Favorit?“ „Ja, so ist es.“ „Und, bitte, noch eine Einschätzung: wie hoher Favorit sind sie denn?“ Nun muss es heraus. Sind es 70%? Sind es 75%?

Obwohl es bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Problem damit gibt, eine derartige Zahl auszusprechen, da ja 75% sowohl eintreten könnten als auch, mit einer Chance von 25% verpasst werden könnten, so erhält man doch immerhin einen Anhaltspunkt. Aber, noch etwas weiter gedacht: „Glauben Sie an Ihre  Einschätzung? Glauben Sie, dass 75% die richtige Zahl ist, die korrekt bemessene Chance auf das Ereignis Borussia Dortmund wir Deutscher Meister 2012?“ „Ja, sicher, deshalb habe ich sie ja gesagt. Blöde Frage.“ „Nein, ich frage deshalb: am Markt wird derzeit angeboten, dass man Borussia Dortmund zu einem Kurs von 1.53 wetten kann. Das  müssten Sie ja, nach dieser Äußerung, dass Sie daran  glauben, sofort tun.“

Ganz  selbstverständlich würde man von ihm, wie von jedem anderen sittenhaften deutschen Kommentator, von jedem, der überhaupt irgend etwas auf sich hält, von jedem, der noch nicht von dieser unglaublichen, entsetzlichen Seuche befallen ist, von jedem, der noch ein Fünkchen Anstand hätte, von jedem, der bereit wäre, für seine Ideale zu sterben, von jedem, der seine Mitmenschen nicht betrügen möchte, also sprich: von jedem, den man befragte, unabhängig davon, ob er nicht längst für sich hier und da ein paar kleine Wetten tätigt oder selbst ab und an ins Spielcasino geht, online dieses oder jenes Spiel um Geld spielt, seit Jahrzehnten Lotto oder Toto spielt oder bei der südwestdeutschen  Klassenlotterie oder auf dem Rummel für seine Kinder (versteht sich) ein paar Lose  gezogen hat, um vielleicht doch den Hauptgewinn zu knacken, die gleiche Antwort  erhalten: „Nein, wetten tue ich nicht.“

Aber dennoch müsste er es eigentlich tun. Die einzige schlagkräftige Methode, seine Einschätzungen glaubhaft an den Mann zu bringen. Es geht um diese Nuancen von Prozenten, die den Unterschied machen (siehe unten).  Und sobald man eine vom Markt abweichende eigenen Einschätzung entwickelt, ist man eigentlich verpflichtet, dies auch mit finanziellen Mitteln zu untermauern.

Selbstverständlich dürfte man sagen: „Nein, so fest glaube ich auch nicht an meine  Einschätzungen.“ Oder auch derart: „Nach meiner Meinung ist es so, dass der Markt Recht hat. Da kann man am besten ablesen, wie die Chancen verteilt sind. Demnach schaue man ruhig dort.“ Nun würde man zwar seinen Expertenstatus abgeben, jedoch hätte man andererseits das Verständnis des Weltbildes dokumentiert.

Jeder weiß, jeder spürt, dass es noch knapp werden kann. Das, was letzte Woche an dieser Stelle  angekündigt war (als eine von vielen Möglichkeiten) hat sich, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge, aber dennoch, und zwar sofort, realisiert. Hier war nämlich zu lesen, dass, wenn die Bayern in Dortmund gewännen (was man ja nun eh, als Verfechter des  Weltbildes, nicht ausschließen könnte, aber hier gilt sicher, dass jeder erahnt, dass  Bayern dort eine realistische Chance hat) und Dortmund NUR EIN EINIGES WEITERES REMIS abgäben, bei fortgesetzten Münchener Siegen, dass man dann – selbst wenn spät in der Saison erfolgend – in Schlagdistanz bliebe, bei dann zwei Punkte Rückstand. Da die Bayern (jetzt wieder) das klar bessere Torverhältnis hätten, bedürfte es nicht einmal, anders als bei Bayer Leverkusen, damals, in Unterhaching, nicht einmal einer  Dortmunder Niederlage am letzten Spieltag, sondern bereits ein Remis könnte dafür
sorgen, dass die Bayern sie überflügeln.

Der eine Teil dieses Szenarios ist nun eingetreten. Es gibt logischerweise nun noch eine beliebige Vielzahl anderer Möglichkeiten, wie sich das Titelrennen, wie sich jeder einzelne Spieltag, jedes einzelne Spiel entwickeln kann. Dennoch ist es, vorerst wieder, spannend. Die Fragen nach der Größe der Chancen – um im Weltbild zu bleiben – werden in der Folge beantwortet, ebenso, wie es der Markt sieht.

Die Titelfrage
Erläuterung: diese Zahlen sind das Ergebnis einer Computersimulation, welche zur Basis die weiter unten angegebenen jeweiligen aktuellen Spielstärken der Mannschaften hat. Dabei werden die Spiele anhand ebenfalls errechneter Torerwartungen (auch im weiteren Text angegeben) einzeln simuliert und jeweils die abschließende Tabelle betrachtet zur Ermittlung des Siegers.Der Computer sieht es in etwa ähnlich wie der oben zitierte, virtuelle Experte. Die Chancen sind sogar etwas über 75%. Andererseits gibt es ja nun einmal das bereits angesprochenen Problem, dass Bayern noch nach Dortmund muss und bei Konzentration aller Kräfte vielleicht eine größere als die vom Computer errechnete Chance  herauskitzeln kann – was dann wieder die vom Markt abweichende Einschätzung erklären könnte.

Eine Chancenverschiebung von 12% ist schon etwas, was die Expertenwelt erspürt und in  ihren Kommentaren zum Ausdruck bringt, obwohl ja das 0:0 von Dortmund sowohl ein wenig angekündigt (in den Wettempfehlungen, wo es für möglich erklärt wurde, wie  man, zumindest mit einer virtuellen Wette auf Augsburg demonstrierte), als auch nicht wirklich schlecht oder schlimm war, zugleich aber der Ungerechtigkeit der Dreipunkteregel geschuldet einen höheren Einbruch bewirkte.

Die Titelchancen in der Entwicklung

Hatte man letzte Woche noch orakelt, ob es je wieder ein Aufeinanderzulaufen der Kurven geben würde oder ob es jetzt vielleicht doch zielstrebig Richtung 100% gehen  würde, so sieht man, recht plastisch, heute die Antwort. Natürlich sollte man keinesfalls vergessen, dass das 7:1 in der Höhe einen Spielstärkeschub bedeutete, der sich  niederschlägt.

Abgleich Titelchancen mit der Wettbörse betfair

Es bleibt dabei: immer wieder soll man Dortmund spielen. Das Phänomen bereits erklärt: vielleicht geht man am Wettmarkt doch davon aus, dass Bayern am Ende das höhere Potenzial hat und so die Chancen günstig beeinflussen kann (durch einen möglichen Sieg in Dortmund).

Die Chancenveränderung ist dennoch am Markt etwas geringer als vom Computer errechnet, was eigentlich als gutes Zeichen zu werten ist (für die Qualität der Computerberechnungen).

Die Spielstärke Rangliste

Anmerkung: Die Spielstärke wird gemessen in Toren, die erwartet werden, gegen die durchschnittliche Mannschaft (die es in der Praxis nicht gibt). Dabei gibt es die Offensivstärke, die gemessen wird in erwarteten erzielten Toren und die defensive Stärke, die gemessen wird in erwarteten kassierten Toren. Der Quotient aus diesen beiden Werten ergibt die Maßzahl für die Spielstärke. Je mehr erwartete erzielte, je höher der Wert, je weniger erwartete kassierte, umso höher der Wert.

Diesmal gewinnt Werder drei Plätze, dank des 3:0 gegen Hannover, gegenüber weniger guter Ergebnisse der Konkurrenten, dabei Hannover einbeziehend. Nun, die Abstände sind knapp und auch die Überzeugung gering, dass es dieser oder jener mehr verdient hätte. Ein Spieltag mit anderen Ergebnissen, und alles steht wieder Kopf. Eigentlich aber hat Hannover ein sehr gutes Spiel gemacht in Bremen und war lange Zeit die klar bessere Mannschaft. Ein Beispiel für die mögliche Ungerechtigkeit im Fußball. Es geht nur darum, das Runde ins Eckige zu bekommen. Mal gelingt es, dies aus wenigen Chancen vielmals zu machen, mal aus vielen Chancen gar nicht. Es bleibt dabei, dass es zu wenige Tore gibt, so dass ein einzelnes – selbst in einem Spiel, da später noch mehr fallen – zu großen Einfluss
auf die Chancenverteilung und den Spielverlauf hat. Hannover wusste nach dem 0:1, dass es „a mountain to climb“ ist. Das ist eigentlich bedauerlich, da sie bis zum Gegentor so tollen Fußball gespielt haben und man sich viel mehr wünschen würde, dass es eine Gerechtigkeit gibt und sie es drehen können. Nur ist der Weg eben zu weit. Als Beobachter spürt man es, wie soll es da erst den Spielern gehen?

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